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Ab Beginn meiner Reise erstelle ich jeden Tag einen Tagesbericht mit Fotos. Das Tagebuch beginnt zuunterst auf dieser Seite, der neueste Eintrag ist zuoberst.

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Tagebuch Tour de Suisse

Sa, 8.8.2020, Le Bouveret, 133 km. Le Brassus, Col du Marcheruz (1450müM), Bassins, Gingins, Divorne les Bains( F), Genf (CH), Thonons les Bains (F), Evian les Bains, St. Gingolphe (CH), Le Bouveret. Wetter: Schön, 32°. Unterkunft: B+B, sFr 120.—.

Auf der ganzen französischen GenferseeSeite hat es heute kein einziges Hotelzimmer verfügbar. Entweder sind die Häuser geschlossen oder ausgebucht. Eher das zweite. Irgend eine Lösung wird sich aber schon finden.

Ich fuhr also mal los Richtung Genf. Knapp vor dem Col du Marcheruz führte der asphaltierte 3-m Weg viele Kilometer durch ein  wunderschönes Hochtal. Dann fast 1000 m hinunter auf das Plateau über dem Genfersee bis nach Divonne les Bains in Frankreich. In einer Brasserie in Genf begeisterte sich eine junge Dame (Velofahrerin) derart für meine Reise, dass sie nicht nur mein Fähnchen fotografierte sondern mir gleich noch mein Bier bezahlte. Dort entschied ich mich also bis nach St. Gingolph zu fahren, wo ich noch das letzte Zimmer in einem Hotel buchen konnte.

Das wunderschöne Hotel am SeeGestade war allerdings überbucht. Trotz einer Booking-Reservation konnte ich nicht dort bleiben. Es wurde mir allerdings ein B+B in einem Nachbardorf reserviert. So fuhr ich nochmals 5 km weiter ins beginnende Wallis. Das Zimmer war schön, der Kühlschrank allerdings eine Sauerei und das Schwimmbad konnte ich zeitbedingt nicht mehr benutzen. Zum Glück gab es nahe eine Pizzeria.


Fr, 7.8.2020, Le Brassus, 101km
. Le Locle, La Brévine, Les Verrières, Mont des Verrieres, La Cote aux Feés, Auberson, (France), Vallorbe, Le Pont, Le Brassus. Wetter: Wolkenlos, 28°. Unterkunft: Hotel De la Lande, sFr 123.—.

Mittlerweile gewinne ich meine Kondition wieder zurück und vor allem spüre ich meine Wunde kaum mehr. Während der Fahrt verbinde ich sie zwar noch, aber lediglich zum Schutz und nicht mehr aus medizinischer Notwendigkeit.

Um 7 Uhr startete ich bei schönstem Wetter, aber bei tiefer Temperatur durch das lange und weite Vallee de la Brevine (dem Sibirien der Schweiz)und entlang dem wunderschönen Lac des Taillères. Dann hinunter nach Les Verrieres nur um gleich wieder aufzusteigen auf den Mont Verrieres. Der Weg führte mich, ohne dass ich es merkte durch französisches Gebiet und dann zum tiefsten Punkt des heutigen Tages, nach Vallorbe. Ich machte natürlich den Umweg zu den Grottes de l‘Orbe. Leider führt nur noch Restwasser durch das Hölensystem, der grösste Teil des Wasser ist hydrologisch genutzt. Es war trotzdem eine lohnende Excursion. Dann allerdings fing das Steigen nochmals an, hinauf zum Valleé de Joux, dann teils entlang dem Lac de Joux bis nach Le Brassus.

Do, 6.8.2020, Le Locle, 34 km. Les Breleux, Pass 1200 müM, La Cibourg, Le Locle. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Hotel Trois Rois, sFr 95.—.

Kurze, aber sehr schöne Fahrt auf einer Höhenlage von 1200müM, immer auf asphaltierten Flurstrassen ohne Verkehr. Trotz spätem Morgenessen war ich am Mittag in meinem reservierten Hotel. Am Nachmittag besuchte ich das UhrenMuseum von LeLocle. Grossartig. Ich bin im Jura mittlerweile vorsichtig und habe in Le Brassus ein Zimmer reserviert. Und für eine ganze Woche werde ich schönes Wetter haben. Auch grossartig.



Mi, 5.8.2020, Les Breleux, 112km
. Rheinfelden, Basel, Biel, Leymen (F), Rodersdorf (CH), Wolschwiller (F), Ramselberg (630müM), Lucelle (CH), Courgenay, Col de la Croix (789müM), St. Ursanne (438müM), Saignelégier, Les Breleux (1038müM). Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel La Balance, sFr 96.—.

Nachdem ich gestern krampfbedingt Basel nicht erreichte nahm ich mir trotzdem vor, heute nach La Chaux de Fonds zu fahren. Dies trotzdem ich wusste, dass dazwischen eine MengeHöhenmeter lagen (schlussendlich ergaben sich 2100 m) Irgendwo zählte ich in einem Feld sage und schreibe zwischen 40 und 45 Störche. Ich fahre seit einiger Zeit mit Komot und bin mittlerweile begeistert von dieser NavigationApp. Ich fahre durch schönste Landschaften, fernab vom Autoverkehr und nur wenige Male über grenzwertige Wege. Aber auch heute machten mir Krämpfe wieder das Leben schwer. Den 500 HM-Aufstieg von St. Ursanne nach Saignelegier stosste ich das Velo grösstenteils. Ich muss mir meine Kondition wirklich wieder neu erarbeiten.

Die Hotels im Jura sind ausgebucht, vorwiegend durch Velofahrer jeglicher Gattung und Töffs. Vor allem die Elektrovelos revolutionieren die Hotellerie zunehmend. Ich merkte langsam, dass ich nur noch mit grossen Anstrengungen nach La Chaux de Fonds kommen würde, vor allem fand ich heraus, dass dort ebenfalls kaum mehr Zimmer frei waren. In Saignelegier, etwa 20 km vor La Chaux de Fonds war alles ausgebucht inclusive ein riesiger neuer Kasten. Fünf Minuten vor Büroschluss  betrat ich das Office de Tourisme und fragte nach einer Unterkunft. Ich hatte Glück. In sieben Kilometer Entfernung, in Les Breleux kaperte ich in einem Hotel das letzte Zimmer, eine ganze Suite. Im Dorf gab es ein chinesisches Restaurant, ich ass dann allerdings japanisch, Sushi eben. Morgen schlafe ich aus, fahre gemütlich 40 km nach Le Locle, freue mich auf ein reserviertes Hotelzimmer und einen halben Ruhetag.


Di, 4.8.2020, Rheinfelden (D), 102 km
 Wetzikon, Dübendorf, Regensdorf, Baden, Ampfernhöhe, Laufenburg, Rheinfelden. Wetter: Regen, bedeckt, gegen Abend etwas Sonne, 15°. Unterkunft: Hotel Danner, sFr 77.—.

Nach gut drei Wochen Herumliegen und Beine-Hochlagern probierte ich gestern aus, ob ich mein Unfall-Bein über die Velostange bringe und da das erstaunlich gut ging machte ich mich heute auf, meine TourDeSuisse zu beenden. Ich startete nach einer Nacht mit sehr viel Niederschlag bei anhaltendem Regen etwas nach 8 Uhr. Gegen Mittag hörte der Regen auf, es blieb aber empfindlich kühl. Trotzdem ich nach drei Wochen Inaktivität meinen ganzen TrainingsBonus und einiges an MuskelMasse verloren hatte kam ich erstaunlich gut vorwärts, allerdings getraute ich mich nicht, bis nach Basel zu fahren, denn bei jeder Steigung machten sich OberschenkelKrämpfe bemerkbar und so suchte ich in Rheinfelden (D) ein Hotel. Im Hause gab es ein chinesisches Restaurant mit einer ganzen BuffetLandschaft. All-you-can-eat zu 20€. Sensationell. Nach 8€ streikte allerdings mein Hunger, wie üblich. (Auf einen Besuch im Spital verzichtete ich übrigens).

Heute habe ich den 2000-sten Kilometer durchfahren.

Sa, 25.7.2020, Wetzikon, Zwischenbericht.

Am Mo, 13.7.2020 passierte der Unfall. Am Do, 16.7.2020 holte mich meine Tochter Nina vom Spital Rheinfelden und mein  Velo bei der Polizei in Frick ab und fuhr mich nach Hause. Seither bin ich unter Beobachtung meines Hausarztes. Die Schmerzen flauen nur langsam ab, doch am nächsten Montag können wohl die Häfte rausgenommen werden. Nachdem ich mich schon lange von der Vorstellung verabschiedet habe, nach einigen Tagen fahre ich wieder weiter glaube ich, dass ich zumindest nach einigen Wochen, nämlich am Sonntag, 2. August die Reise fortsetze. So 100% sicher bin ich mir dessen allerdings noch immer nicht, denn eine durch einen stumpfen Bremshebel durchgerissene Wunde von über 10 auf die volle Tiefe von 6 cm am inneren Oberschenkel ist eine ernsthafte Angelegenheit. Und wenn ich noch bedenke, dass knapp daneben die Schlagader durchgeht habe ich wirklich Glück im Unglück gehabt.

Di, 14.7.2020, Rheinfelden, Spital. Wetter: Ist mit ausnahmsweise gleich.

Nach der Visite weiss ich: Die Wunde ist viel grösser und vor allem viel tiefer als ich angenommen habe. Der Bremshebel hat ganze Arbeit geleistet. Da die Wunde mit Kanülen entwässert wird kann ich frühestens übermorgen ans Zuhause-Gehen denken. Da ich keine Schmerztabletten nehme bin ich immer nahe an der Verletzung und dass ich schon heute oder morgen wieder auf Tour bin ist endgültig kein Thema mehr.

Nebst den Untersuchen erhielt ich noch Antibiotika in mehrfachen Dosen, eine StarrkrampfImpfung und ein TromboseMittel, ausserdem so unangenehme TromboseStrümpfe. Danach noch Blutverdünner wegen dem langen Liegen. Das sind nur die Dinge, die ich wahrgenommen habe. Eben: Wenn man einmal in der Mühle ist —- . Aber ich bin nach wie vor guten Mutes.

Die Reise ist unterbrochen, ich werde mich wieder melden.

Mo, 13.7.2020, Rheinfelden, ? km mit Velo, ? km mit Ambulanz. Schaffhausen, Flaach, TössEgg, Eglisau, BadZurzach, Laufenburg, Rheinfelden. Wetter: Schön 27°. Unterkunft: Spital Rheinfelden, sFr sauteuer.

Vor Laufenburg passierte es. Ich fuhr um die Mittagszeit auf einem Radweg über Land. Vor einer Kreuzung bremste ich ab und bemerkte den Schlauch nicht. Über die drei Meter Strasse führte ein 5 cm starker Schlauch in einem spitzen Winkel. Ich schmierte ab und stürzte auf die linke Seite. Beim Fallen fiel wohl mein Oberschenkel direkt auf den Bremshebel des bereits liegenden Velos und verursachte auf dem Innenschenkel eine grosse und tiefe Wunde. Es blutete zwar stark, aber ich habe offensichtlich keine grössere Ader verletzt. Ich presste die Wunde mit dem Handballen zu und rief um Hilfe. Da ich fast auf der Hauptstrasse lag hielt ein Autofahrer und alarmierte die Polizei. Diese applizierte einen ersten Druckverband. Wenig später kam die Ambulanz. Ich wurde in ein Spital in Rheinfelden transportiert und sofort in die Notaufnahme verfrachtet. In den nächsten Stunden wurden zwei EKG‘s erstellt und ich kam in die Röhre. Alle Voruntersuchungen bestätigten, was ich ohnehin wusste, ausser der grossen Wunde fehlte mir nichts. Erst danach erhielt ich eine Vollnarkose und die Wunde wurde operativ gesäubert, aufgrund deren Tiefe mit drei SicherheitsKanülen versetzt und genäht. So gegen 19 Uhr erwachte ich friedlich aus der Narkose und kam in ein Zimmer. Morgen sehe ich weiter.

Und ja, heute gibt‘s keine Bilder, ich hab vergessen zu fotografieren. Zu essen brauchte ich nichts und mit Flüssigkeit wurde ich intravenös versorgt — ich hätte lieber ein Bier getrunken.

So, 12.7.2020, Schaffhausen, 99km. Ravensburg, Salem, Überlingen, Singen, Schaffhausen. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Hotel Kronenhof, sFr 130.—.

Heute war ein herrlicher Tag. Schönstes Wetter, nicht zu heiss, Fahrt über welliges Land, fast durchgehend auf Nebenstrassen oder Radwegen — und schon um 15 30 Uhr im Hotel. Meine Runde um die Schweiz ist geschafft. Morgen fängt die Reise entlang der Grenze der Schweiz an.


Sa, 11,7,2020, Ravensburg, 121km
. Füssen, NesselSchwang, Immenstadt, Oberstaufen, Wangen, Ravensburg. Wetter: Sehr nass, 12-15°. Unterkunft: Hotel Rebgarten, sFr 80.—.

Es regnete schon die halbe Nacht und bei meinem Start um 7 Uhr regnete es weiter. Entsprechend gekleidet zog ich los, nur um bald festzustellen, dass ich massiv zu frieren begann. Unter einem Unterstand zog ich mich fast aus, um lange Unterwäsche unterzuziehen. Danach hörte das Frieren auf, wesentlich angenehmer wurde die Fahrt aber nicht. Die Brille lief dauernd an, mit den Handschuhen konnte ich das Navi nicht bedienen und verirrte mich dadurch laufend. Allerdings bestätigte mir meine Fahrt unter sehr misslichen Bedingungen einmal mehr, dass das Allgäu eine wunderbare Landschaft ist. Ich sehr vielen Dörfern war ich mit dem AufbereitungsFertiger tätig. Lang ist‘s her, aber immer noch präsent. Auch Ravensburg hat wieder eine wunderschöne historische Altstadt. Europa ist schlicht der weitaus schönste Kontinent, der einzige mit jahrhundertealter, ja jahrtausendealter Kultur, entsprechender Städte und entsprechendem Ambiente, das immer auf seine Bewohner einwirkt. Morgen peile ich Schaffhausen an und damit ist meine erste Runde, die Runde um die Schweiz komplettiert, die zweite kann beginnen.

Fr, 10.7.2020, Füssen, 104km. Innsbruck, Telfs, Leutasch, EhrwalderAlm (1630 müM), Ehrwald, Reute, Füssen. Wetter: Schön, Abend Gewitter, 28°. Unterkunft: Hotel Sonne, sFr 100.—.

Nur 100 km heute, eine lockere Geschichte. Dachte ich. Dass  ich aber während vieler Stunden etwa 1000 Hm auf Forstwegen, ausgewaschenen Strässchen und steilen Bergwegen buchstäblich herumhangeln werde konnte ich nicht voraussehen. Mein neues VeloApp ist wirklich gut, aber völlig unberechenbar. Zumindest waren die Almen wunderschön.   Nach dem Kulminationspunkt oberhalb der EhrwalderAlm, rechts von mir die schroffe Zugspitze fuhr ich durch grosse WintersportGebiete nach Ehrwald und dann entlang der FernpassStrasse nochmals über einen Hügel über Reutte hinunter nach Füssen. Ich floh dauernd vor einem donnernden Gewitter hinter mir, vor Füssen holte es mich doch noch ein. Auch Füssen ist eine wunderschöne Stadt, aber auch heute kam ich viel später als erwartet an und war ausserdem zu müde, um noch grosse Sprünge zu machen.


Do,9.7.2020 (mein 75. Geburtstag), Insbruck, 115km
. Meran, St. Leonard, Jauffenpass, Sterzing, BrennerPass, Innsbruck. Wetter: Schön, 28°. Unterkunft: Hotel Goldener Adler, sFr 105.—.

Heute stellte ich meinen Wecker auf 5 30, denn um 6 Uhr wollte ich losfahren. Zum Vergleich: In Russland schellte mein Wecker fast durchgehend um 4 30. Ich wusste ja, was mich erwartete und startete guten Mutes. Um 13 Uhr konnte ich nach 1800 HM auf 2100müM auf dem Jauffen-PassRestaurant kurz einkehren. Die Abfahrt nach Sterzing von 1200HM war kein eitles Vergnügen, da die Strasse auf weite Strecken verrissen war. Vor allem Längsrisse sind für die schmalen Pneus eines Velos sehr riskant. Ich war erstaunt über die Attraktivität von Sterzing, ein sehr apartes Städtchen. Den Aufstieg von 500HM zum Brenner schaffte ich in knapp zwei Stunden. Die 800 HM Abfahrt nach Innsbruck war allerdings reinstes Vergnügen. Schlussendlich kam ich leider erst um 19 Uhr an. Innsbruck ist ganz einfach eine phantastische Stadt und ich wohnte direkt in der grossen Innenstadt. Aber aufgrund der späten Stunde reichte die Zeit nicht mehr für ein grosses SightSeeing. Etwas sah ich allerdings: Im Gegensatz zu Italien sah ich in der äusserst belebten Innenstadt keine einzige CoronaMaske.


Mi, 8.7.2020, Meran, Ruhetag
. Wetter: Schön, 25°.

Das Timmelsjoch überfahren geht nicht, die Strasse ist definitiv geschlossen.  Das Naheliegendste wäre nun, das Vinschgau hinauf und über den Reschenpass nach Landeck zu fahren. Da der Reschen allerdings auf meiner nächst inneren Runde schon auf dem Plan steht habe ich mich für die harte Variante entschieden. Rechtzeitig für meine morgige Tour habe ich mir eine neue App runtergeladen: Komot, und ich glaube, das ist ein hilfreiches Instrument. Es funktioniert offline und gibt auf der Karte vor allem die Höhenkurven an und viele Informationen.

Morgen fahre ich also erst auf den Jauffenpass auf 2100 müM (von 200m unter dem VierwaldstätterSee auf den Gotthard), fahre hinunter nach Sterzing auf etwa 900 müM, fahr wieder hinauf auf den BrennerPass auf etwa 1400müM (der ist wirklich nicht höher) und fahre dann ab nach Innsbruck auf etwa 400müM, total ergibt das inclusive Gegensteigungen, gemäss Komot, kumulierte 2500 Höhenmeter.

Und das an meinem 75. Geburtstag. Ist jetzt der Geburtstag der Abschluss eines alten Jahres oder der Beginn eines neuen? Ist ja auch gleich. Morgen Abend weiss ich, ob ich das 75. Altersjahr gut abgeschlossen und das 76. gut begonnen habe. Ich freue mich geradezu auf den morgigen Tag. Ich habe zumindest eine Aufgabe.


Di, 7.7.2020, Meran, 84km
. Trento, Neumarkt, Weinstrasse nach Kaltern und St. Paul, Etsch-Radweg nach Meran. Wetter: Wolkenlos, 28°. Unterkunft: Hotel Aurora, sFr 75.—.

Heute gab’s einen kurzen und wenig anstrengenden Velotag. Ab Neumarkt verliess ich das Haupttal und fuhr die Südtiroler Weinstrasse hoch zum KaltererSee, wo meine Frau und ich vor Jahren ab einem Hotel am See sehr schöne Velotouren unternahmen. Auf einem wunderbaren Radweg kam ich nach St. Paul, einem ausnehmend schönen Weindorf. Wieder im Flusstal angekommen fuhr ich entlang der Etsch auf einem wie üblich schnellen Radweg entlang des Flusses. Meran kenne ich mittlerweile und so suchte ich sofort ein Hotel, wo ich mit Katharina schon einmal einquartiert war, direkt an der Passer, dem Fluss, der aus dem Passeiertal kommt.

Morgen mache ich einen Ruhetag, da habe ich Zeit, mir zu überlegen, wie ich eigentlich weiterfahre. Nicht dass ich das nicht alles vorbereitet hätte, aber leider ist das Timmelsjoch, mein eigentliches Piece de Resistance (mit einer Passhöhe von 2500 müM, startend in Meran auf 200m) aufgrund einer grossen Mure noch immer nicht passierbar.


Mo, 6.7.2020, Trento, 126km
. Brescia, Sali, Gampione, Riva del Garda, Vallelago, Trento. Wetter: Schön, 32°. Unterkunft: Hotel Trento, sFr 88.—.

Entlang des Gardasees hat es auf der westlichen SeeSeite eine Strasse, die ich schon einmal gefahren bin. Diese Strasse zeigt mein Navi weder im Auto-, noch im VeloModus an. Um nach Riva del Garda, am Ende des Sees zu kommen zwingt mich das System zu grossen Umwegen. Ich fuhr somit einfach mal 35km nach Salo. Ich hielt mehrere Velofahrer an: Ob die Strasse mit dem Velo passierbar sei. Die erste Antwort war: Nein. Drei weitere Antworten tönten dann positiver. Also versuchte ich es — und kam problemlos durch. Der erste Teil der Uferstrasse ist ein  einziges TouristenParadies. Schöne Dörfer, grosse Hotels, alles in hoher Qualität. Danach führt die Strasse sehr viel durch Tunnels und Gallerien. Da Schwerverkehr verboten war und die Tunnel beleuchtet war die Fahrt problemlos. Nahe Riva del Garda fuhr ich über den teuersten Radweg, den ich je erlebt habe. Der Weg war ausserhalb der Tunnels für Kilometer an die Felswand über dem See gedübelt. Phantastisch. Weit weniger phantastisch war allerdings das Ende. Der Weg hörte einfach auf. Ich musste absatteln und das Velo über einen GitterZaun hissen. Normalerweise sicher kein Problem, mit meiner nach wie vor havarierten Achsel jedoch eine ParForceLeistung.

In der traumhaften Seepromenade von Riva del Garda bereitete ich mich auf die letzte Etappe des heutigen Tages vor, die 45 km nach Trento. Anfänglich ging’s durch ebene Landschaft, später fing das Steigen an. Vorbei an wunderschönen Seen kam plötzlich wieder ein Fahrverbot für Velos. Gemäss Auto-und VeloModus meines Navis musste ich aber über diese Strasse. Also fuhr ich los. Jemand warnte mich, ich dürfe auf keinen Fall auf diese Strasse und durch die drei Tunnels vor Trento, das sei völlig unmöglich. Aufgrund fehlender Alternative fuhr ich trotzdem durch, auch durch die Tunnels. Die Strasse war mittlerweile 2-spurig und ziemlich steil abfallend. Ich konnte also richtig laufenlassen. Ich erwartete allerdings, dass mich die Polizei danach abfangen würden. Aber nichts geschah.

In Trento steuerte ich per Navi auf ein grosses Hotel zu, wunderte mich über den tiefen Preis für ein 4-Sterne Haus, kaufte Gatorade und JogurtMilch für morgen und wunderte mich im Restaursnt des Hotels über die sehr wenigen Gäste. Die Zeiten für die TouristikBranche sind verherend.


So, 5.7.2020, Brescia, 125 km
. Como, Brivio, Villa d‘ Adda, Bergamo, Cavernago, Coccaglio, Castegnata, Brescia. Wetter: Schön, >30°. Unterkunft: Hotel Novotel, sFr 80.—.

Nachdem ich einmal die grosse Steigung aus der am See liegenden Stadt Como (aus dem westlichen Arm des ComerSees gibt es keinen Abfluss) geschafft hatte ging‘s den ganzen Tag gemächlich und meist eben ostwärts. Irgendwann überquerte ich die Adda, einen grossen Fluss. Es ist dies der Abfluss des Comersees bei Lecco, aus dem östlichen Arm des Sees also. Ich bewunderte immer wieder die majestätischen Kirchen selbst in kleinen Dörfern und hielt in Villa d‘Adda an um dem Glockenspiel zuzuhören.

An den Wochenenden sind in Italien, aber auch in Frankreich ganze Horden von Velofahrern unterwegs. Und natürlich lassen die mich auf ihren Rennern alt aussehen. Ob jeder allerdings am Abend ebenfalls 125km auf dem Tacho hat wage ich zu bezweifeln.

In Brescia suchte ich in der sehr grossen und attraktiven Innenstatt ein Hotel — und wurde das erste Mal enttäuscht. Zwei angefahrene Hotels waren verwaist. Ein drittes suchte ich gar nicht mehr. Ich buchte anstatt etwa zwei Kilometer entfernt über booking.com ein Novotel. Die sind immer gut. Das erste Mal auf dieser Reise machte mir die Sonne zu schaffen, was normalerweise erst bei 40° durch Wüsten passiert. Mir wurde schlecht und erst nach einem halben Liter warmem Gatorade ging‘s weiter zum Hotel.

Einen Grossteil der heutigen Strecke bin ich vor Jahren schon einmal gefahren, allerdings in umgekehrter Richtung. Auf meiner SüdEuropa-Reise kam ich von Griechenland über alle Balkanstaaten nach Verona und dann eben über Brescia und Bergamo und dann über den Splügen wieder heim.

 

Sa, 4.7.2020, Como, 115km. Biella, Cossato, Borgomanero, Sesto Calende, Binago, Como. Wetter: Schön, 27°, Unterkunft: Hotel Tre Re, sFr 100.—.

Der Tag begann flach, je näher aber die oberitalienischen Seen kamen wurde es immer hügeliger. Beim Ausfluss des Lago Maggiore, in Sesto Calende, machte ich den einzigen Zwischenhalt. Und gegen Abend machte ich Halt an den Gestaden eines anderen grossen Sees: In Como am Comersee mit der grossen alten Innenstadt mit unzähligen Strassenrestaurants. Und genau in diesem Zentrum fand ich ein Hotel. In diesem bin ich erstmals auf Fieber gemessen worden. Überhaupt hat man in Italien am Besten immer eine Maske auf sich. Ich gewisse Läden kommt man ohne gar nicht hinein und auch auf der Strasse tragen 80% der Leute eine Maske. In Deutschland und Frankreich waren das vielleicht 30%.

Heute habe ich den 1000-sten Kilometer durchfahren.


Fr, 3.7.2020, Biella, 134km.
Chamonix, MontBlanc-Tunnel, Courmayeur, Aosta, St. Vincent, Montjovet, Borgofranco, Biella. Wetter: wechselnd bewölkt, 26°. Unterkunft: Hotel Agora, sFr 100.—.

Punkt 8Uhr stand mein Van bereit und wir fuhren durch den MontBlanc-Tunnel nach Courmayeur. Ich erinnerte mich. Vor einigen Jahren überschritt ich in einer geführten Gruppe die Haute Route mit Skis von Zermatt nach Chamonix. Allerdings nicht ganz: Beim Fenetre du Durand fuhren wir durch ein Tobel ins Aostatal runter und von dort mit einem Auto eben nach Courmayeur. Mit einer Seilbahn ging’s auf über 3500 müM und dann über das riesige Mer de Glace, den grössten Gletscher der Alpen bis nach Chamonix. Und es war eine katastrophale Ski-Fahrt. Es hat den ganzen Tag geregnet und gesehen haben wir rein gar nichts. Dafür waren alle vorherigen Tage eitel Sonnenschein.

Um 9 Uhr startete ich meine lange Abfahrt  ab Courmayeur auf 1200 müM durch das ganze Aostatal. Das ist, wie wenn man die Leventina hinunter führe. Ich war auf der Kantonsstrasse, neben mir die Autobahn über imposante Brücken und viele Tunnels und selbst der Wind bergaufwärts ist derselbe. Trotzdem kam ich natürlich schnell vorwärts. In Bard kam ich allerdings aus dem Staunen kaum mehr heraus. Da gab es in einer Engnis des Tals, wo nur noch der Fluss, die Dora Baltea, knapp durchkam die wohl extremste Festung, die ich je gesehen habe. Ein Funiculaire führt die Besucher mit 2-maligen Umsteigen zuoberst hinauf. An dieser Festung kam sicher nie jemand ins Aostatal, wenn der Burgherr dies nicht wollte.

Ab Borgofranco fing dann allerdings das Steigen doch nochmals an. Nach 300HM kam plötzlich ein Fahrverbot für Velo. Was soll das, wohin soll ich dann? Ich fuhr weiter bis an einen Scheiteltunnel, wo das FahrVerbot wiederholt wurde. Natürlich fuhr ich durch, denn im Gegensatz zu den vielen Tunnels in Bosnien dar dieser wenigstens beleuchtet. Und ausserdem habe ich mittlerweile ganz andere Lampen als auf früheren Reisen und es passierte dann auch nichts.


Do, 2.7.2020, Chamonix, 108km
. Annecy, Col de Bluffy(630m), Thönies, St. Jean de Sixt, La Clusaz, Col des Aravis (1486m), Flumet, Praz sur Arly, Megève, St. Gervais, Vaudagne, Chamonix (1035müM). Wetter: Wechselnd bewölkt, 25°. Unterkunft: Hotel Alpina, sFr 95.—.

Heute war ein strenger Tag. Meine VeloApp zeigte mir fast 3000 kumulierte Höhenmeter an, wobei der Col des Aravis mit über Tausend HM Aufstieg einiges von mir abverlangte. Als wesentlich strenger empfand ich allerdings den Aufstieg ab ca. 500müM über Vaudagne auf 1200m auf die Hochebene von Chamonix am Ende des Tages.

Und natürlich kam ich zu spät, um mich im Office de Tourisme nach einer Möglichkeit zu erkundigen mit dem Velo durch den AutoTunnel nach Courmayeur im Aostatal zu gelangen. Aber die freundliche Dame an der Reception, die ich mit ihrer Maske partout nicht verstand telefonierte in der Stadt umher mit dem Resultat, dass ich morgen um 8Uhr abgeholt und per Taxi durch den Tunnel gefahren werde. 110€ sind zwar ein stolzer Preis aber anscheinend gibt es keinen offiziellen Tunneltransport wie zB überall in Amerika und auch in Österreich.


Mi, 1.7.2020, Annecy (Ruhetag).
Wetter: Schön, 30°, Abend Gewitter.

Annecy ist ein wunderschöner Ort, einen Ruhetag einzuschalten. Die grosse Altstadt, die Pärke und das grosse Seegestade laden zum Flanieren ein und die vielen, vielen Restaurant natürlich zum Verweilen und für mich immer wieder zum Auffuttern. Annecy ist wie Luzern: Kleiner zwar, aber mit einem See inmitten einer grossartigen Bergkulisse (der MontBlanc ist nicht weit). Am Abend sah ich das Gewitter aufziehen und suchte mir ein Restaurant, wo ich zwar draussen sitzen kann, aber durch eine feste Markise geschützt war. Und dann liess es so richtig los. Ich liebe solche Situationen.


Di, 30.6.2020, Annecy, 123km.
La Chuaumiere du Lac, Oyonax, Belgarde, Annecy. Wetter: Wolkenlos, 28°. Unterkunft: Hotel LeVieilAnnecy, sFr 130.—

Heute startete ich ohne Morgenessen um 6 30. Es sind nicht nur die grossen Pässe, Grimsel/ Furka oder der Julier zum Beispiel, die einen Haufen Höhenmeter ergeben, eine Reise wie heute geht locker auf eine Höhe von fast Tausend Metern und kumuliert ebenso locker im Laufe des Tages über 1500 m. So wie auch schon gestern. Aber an einem so schönen Tage wie heute machen mir jedoch auch strenge Aufstiege (ich schwitze fürchterlich) nichts aus. Ich freue mich immer wieder auf die entsprechenden Abfahrten.

Und dann erreichte ich also Annecy, eine grosse Stadt an einem schönen See. Ich erinnerte mich, dass ich mit meiner damaligen Freundin, meiner heutigen Frau Katharina vor etwa 50 Jahren!!!! schon einmal hier war. Wir beide hatten beide rein zufälligerweise!?!?!? eine Stelle in Genf. Und ich war sofort begeistert von diesem Ort. Dass ich allerdings auf Anhieb ein Zimmer in einem wunderschönen Altstatt-Hotel mitten im ‚Kuchen‘, direkt am Wasser bekam war schon sehr speziell.

Eigentlich rede ich ja noch ganz passabel französisch, die Leute hinter der Corona-Maske zu verstehen ist jedoch eine ganz andere Disziplin. Ich verstehe praktisch nichts. Und so habe ich mehr und mehr die Leute genötigt, entweder die Maske abzuziehen oder daneben vorbei zu sprechen. Zumindest wenn sie von mir etwas wollen.

Ich habe für zwei Nächte gebucht, morgen mache ich einen Ruhetag, und ich freue mich schon auf ein etwas späteres Morgenessen, schräg unten links von meinem Zimmer.


Mo, 29.6.2020, La Chaumière du Lac, 108km
. Besançon, Salins les Bains, keine Ahnung, Pond de Poite, La Chuaumiere du Lac. Wetter: Morgen Regen, Abend schön, 12-23°. Unterkunft: Hotel Clairvaux les Lacs, sFr 55.—.

Kurz nach Besançon verliess ich den Doups, dem ich vor einigen Wochen auf meinem Weg von Wetzikon über Basel nach Genf auf etwa 50 km zu Fuss entlang  gegangen bin, in umgekehrter Richtung allerdings, denn der Fluss entspringt Frankreich, fliesst dann nach NordOsten durch den Schweizer Jura, macht bei St. Ursanne eine 180°-Kehre und fliesst nach SüdWesten, eben über Monbelliard und Besançon in die Saône. Es regnete schon beim Start und der Regen dauerte an bis Mittag. Erst gegen Abend wurde alles wieder trocken. Ich fuhr auf unangenehmen Hauptstrassen mit viel Schwerverkehr, auf steilen Bergstrassen in den französischen Jura und durch sehr unsichere Kiesstrassen durch tatsächlich dunkle Wälder, bei denen ich nie sicher war, ob die Strasse überhaupt irgendwohin führte. Dass ich heute, vor allem wegen zwei zeitraubenden Verhauern Oyonax nicht erreichen würde erstaunte mich nicht. Dafür fand ich Unterschlupf in einem recht schönen Hotel direkt an einem noch schöneren See und das bei mittlerweile wieder schönstem Wetter.


So, 28.6.2020, Besançon, 99km
. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Hotel IBIS, sFr 80.—.

Gestern wechselte ich das erste Mal den Verband an meinem Ellbogen. In weiteren drei Tagen ist wieder Normalzustand. Ich hoffe, das gilt auch für meine Schulter. Die halbe Distanz von gestern und die ganze Strecke von heute bin ich schon einmal gefahren. Auf meiner ersten grossen Veloreise, als ich auf meinem Weg nach Lissabon explizit dem Doups und der Loire folgen wollte. Eine wunderbare Strecke, meist ohne Verkehr, heute anfänglich entlang dem Kanal neben dem Doubs, danach entlang des Flusses, als dieser wieder direkt schiffbar war. Vorbei an vielen Schwellen, Schleusen und verfallenen Fabriken, die einmal das Wassergefälle des Doubs zur Energiegewinnung verwendet hatten.

War ich in den letzten Tagen verletzungsbedingt ziemlich eingeschränkt, werde ich nun meinem Credo einigermassen gerecht und akzeptiere bewusst auch etwas kleinere Distanzen. Schon am Morgen genoss ich zweimal in einer Boulangerie Kaffee mit Croissant und auch danach kehrte ich in kleinen Bistros am Fluss ein, wohlwissend, dass ich damit nicht sehr weit komme. Knapp vor einem unerwarteten Gewitter konnte ich in der grossen, kompakten Innenstadt, die innerhalb einer ausgedehnten Schlaufe des Doups liegt, in einem italienischen Restaurant gerade noch Unterschlupf finden. Ich bestellte Lasagne und Rotwein.


Sa, 27.6.2020, Monbeliard, 111km
. Colmar, Rouffach, Cernay, Thann, Hagenbach, Kanal Rhin/Rhone, Monbelliard. Wetter: Durchzogen, trocken, 27°. Unterkunft: Hotel Ibis Budget, sFr 55.—.

Meine Hüfte heilt langsam, sodass ich kaum mehr hinke, die Schulter macht aber immer noch Probleme. Immerhin habe ich mittlerweile herausgefunden, wie ich mit nicht allzu auffälligen Verrenkungen auf-und absteigen kann. Ich fuhr nach sieben durch die menschenleere Stadt und auf Kieswegen durch die Weinberge und schönen Dörfer des Elsass. Ein Schweizer Velofahrer gab mir den Typ, nach Hagenbach zu fahren und danach dem Rhin/Rhone-Kanal zu folgen. Wie alle Kanalwege war auch dieser asphaltiert, völlig ohne Verkehr und schnell. Etwa in der Mitte passierte ich die Wasserscheide. Vorher stieg der Kanal über sehr viele Schleusen immer bergan, danach immer bergab. So erreichte ich Monbelliard um 17 Uhr. In der Innenstadt fand ich kein Hotel und musste mit einem IBIS-Budget weit ausserhalb der Stadt vorlieb nehmen und das Nachtessen in einem riesigen Einkaufspark daneben und war alles andere als das Gelbe vom Ei.


Fr, 26.6.2020, Colmar, 96km
. Schönau, Pass 1100 müM, Mühlhausen, Regensburg, Neuenburg, Breisach, Colmar. Wetter: Durchzogen, 28°. Unterkunft: Privat, sFr 120.—.

Nach dem gestrigen Tag mit meinen latenten Unsicherheiten auf dem Velo schluckte ich heute morgen nochmals eine entzündungshemmende Schmerztablette. Und es ging alles viel besser. Ich konnte ohne grosse Verrenkungen wieder aufsteigen, ich hinkte nicht mehr, nur die Achsel funktionierte noch immer nicht ganz. Der Hochschwarzwald liess mich nochmals seine Gebirgigkeit spüren und vor einem Pass ohne Namen mit knapp 1100 m Höhe  zog ich meine Regenkleidung an. Das rumpelnde Gewitter streifte mich allerdings nur noch und am Ende der grossen Abfahrt in Mühlhausen war alles wieder trocken.

In Neuenburg machte mir dann eine gesperrte Brücke über den Rhein einen Strich durch meine Reisepläne. Ich hatte die Wahl 25km dem Rhein entlang nach Süden bis Basel zu fahren oder 25km nach Norden um wieder über den Rhein zu kommen. Basel ist auf der nächst inneren Runde auf meinem Reiseplan, also fuhr ich nach Norden nach Breisach. Dies nicht zuletzt, da mir dies einen halben Nachmittag und einen Abend in Colmar ermöglichen würde.

Die Hotels in Colmar waren entweder voll oder nich nicht nicht geöffnet. Über Booking fand ich aber eine riesige 3-Zimmer-Wohnung mitten im Zentrum. Colmars Innenstadt ist wirklich sehr schön.


Do, 25.6.2020, Schönau, 92km
. Schaffhausen, Bargen, (D), Wuttachschlucht, Schluchsee, Feldberg(1200müM), Totnau, Schönau. Wetter: Schön, 27°. Unterkunft: Hotel Sonne sFr55.—

Zwar konnte ich mit meinen Prellungen im Oberarm und in der Hüfte wieder ganz passabel Velofahren. Das Auf-und Absteigen war aber immer eine Tortur. Ausserhalb dem Velofahren hinkte ich und irgendetwas mit dem rechten Arm unternehmen war unmöglich. Aufgrund dieser Unbeweglichkeit war ich aber auf dem Velo immer latent unsicher. Nach der langen Abfahrt von Felsberg nach Totnau entschloss ich mich auch heute wieder zu einem kurzen Tag. (Übrigens: die Fahrt durch den Schwarzwald und den Hochschwarzwald ist alles andere als ein SonntagsSpaziergang, ich akkumulierte auf meinen lediglich gut 90 km über 1500HM). Das Hotel in dem kleinen Kaff ist ganz passabel, hingegen waren alle Restaurants geschlossen. In einem KebabLaden genehmigte ich mir meinen ersten Kebab. Er war gut und kostete lediglich 5 € und ein Bier 2€. Ausserdem unterhielt ich mich blendend mit einem andern Velofahrer.


Mi, 24.6.2020, Schaffhausen, 60km
. Wetzikon, Wesslingen, Winterthur, Andelfingen, Schaffhausen. Wetter: Schön, 27°. Unterkunft: Hotel Kronenhof, sFr 155.—.

Nach dem Abschied von meiner Frau Katharina fuhr ich auf bekannten Wegen nach Winterthur. Meine sehr gute Stimmung änderte allerdings schlagartig, als mich ein riesiger SUV von links rammte, weil er unbedingt noch an mir vorbei wollte ohne das da Platz gewesen wäre. Ich stoppte zum Glück sofort und fluchte ihn gebührend an. Er schrie zurück und so bewegte ich mich vor sein Auto und hielt an. Er fuhr zwar nicht in mich hinein, stieg aber aus, packte mein Vorderrad, hob es an und warf mich hochkannt über das Velo an eine Mauer und auf den Asphalt. Ich blieb eine Weile komplett benommen liegen. Selber aufstehen konnte ich nicht. Zwei Passanten stellten mich wieder auf. Ich war ausser mir. Dass wir uns anbellten war das eine aber der hat zugebissen und das in einer völlig ungebührlichen Weise. Mein Ellbogen und mein Unterarm waren stark aufgeschürft und ich hatte Prellungen an der rechten Hüfte und der rechten Achsel. Ich verzichtete auf jede angebotene Hilfe, kämpfte mich unter starken Schmerzen auf‘s Velo und wollte fahren. Da streckte mir mein Spezialfreund die Hand entgegen und entschuldigte sich. Er sei sehr nervös gewesen, er sei auf dem Weg ins Spital, seine Frau hätte gerade ein Babi auf die Welt gebracht. Ein absolutes Killerargument. Trotzdem ich ihm vor Schmerzen kaum die Hand entgegenstrecken konnte ergriff er diese mit beiden Händen und wir wünschten uns alles Gute. Es war schon fast ergreifend.

Weniger ergreifend war allerdings meine Weiterfahrt. An einem Brunnen wusch ich meine stark blutenden Verletzungen und besprühte sie mit Bebanthen. Weit problematischer waren allerdings meine Prellungen. Die Achsel schmerzte sehr und mit dem rechten Bein brachte ich kaum mehr Kraft in die Pedale. Knapp vor Schaffhausen fing mein Unterarm wieder stark zu bluten an. Ich fragte mich zu einer Apotheke durch und eine junge Dame applizierte mir eine guten Verband. Sie sah dann auch den grossen Blutfleck auf meinem Taschentuch auf dem Kopf. Dass ich da auch noch eine Schnatter abgekriegt hatte habe ich gar nicht bemerkt. Aber es war klar, ich unterbreche hier und so suchte ich mir ein Hotel —gerade neben der Apotheke. Nicht ganz billig, aber ich wollte nicht mehr lange suchen. Ich legte mich zwei Stunden auf‘s Bett. Als ich mich dann aber nur noch unter grossen Schmerzen wieder aufrichten konnte schluckte ich seit vielen Jahren wieder einmal eine Schmerztablette. So konnte ich zumindest langsam die schöne Altstadt von Schaffhausen erkunden und das Messer beim Abendessen führen. Morgen wird‘s schon wieder gehen.