Mobile nav

Ab Beginn meiner Reise erstelle ich jeden Tag einen Tagesbericht mit Fotos. Das Tagebuch beginnt zuunterst auf dieser Seite, der neueste Eintrag ist zuoberst.


Zurück zur Übersicht


Tagebuch

Zusammenfassung OstEuropa2

2015 kam ich bei meiner Reise um‘s Schwarze Meer auf der Krim nicht mehr weiter und verpasste damit die Ukraine, Moldavien und Rumänien. Diese Länder und andere habe ich nun besucht. 

Italien

Ich fuhr mit dem Zug nach Bologna und von dort mit dem Velo nach Rimini und weiter entlang der Adria über Ancona bis nach Bari in Apulien. Die Reise wechselt ab zwischen wunderbaren, langen VeloWegen und und abrupten Sackgassen, ohne weiteres Durchkommen. Eben italienisch: Euphorische Phasen und totale Gedankenlosigkeit. 

Albanien

Fürchterliche Strassen durch Tirana aber im Norden durch eine wahre HöhenMeterOrgie auf der wohl besten GebirgsStrasse mit vielen Tunneln und Viadukten durch die Schluchten des Balkan, die ich je erlebt habe. 

NordMazedonien

Man sagt NordMazedonien habe 3 Mi Einwohner, 2 im Land 1 im Ausland. Ich wurde immer wieder aufgrund meines Fähnchens auf Schweizerdeutsch angesprochen und eingeladen. Sehr viele Leute lebten viele Jahre in der Schweiz und leben nun mit ihrer Rente geradezu fürstlich in Mazedonien. 

Bulgarien

Bulgarien habe ich in Erinnerung mit gesperrtem Bahnübergang, verfallenen Häusern, einer kaum vorhandenen Innenstadt in Sofia und mit einer KatastrophenFähre über die Donau. Aber auch durch sehr schöne Landschaften, ähnlich dem Creux du Van mit grosser Quelle direkt aus einer Felswand.

Rumänien

Nach der Fähre gelangt ich bei scheuslichstem Wetter in ein wunderschönes Hotel, in Giurgiu. Auch Bukarest ist nicht gerade eine Augenweide. Die Landwirtschaft mit den geradezu gigantischen Ackerflächen und Getreidefeldern lässt uns Schweitzer ziemlich klein aussehen. Bei Galati fuhr ich lange Zeit hoch über der Donau, die wenig später ins Schwarze Meer mündet.

Moldavien

Moldavien hat einen Zugang zur Donau und somit zum Schwarzen Meer. Die Strassen im Süden sind absolut fürchterlich. Westlich von meiner Strasse liegt Transnistrien, die abtrünnige Provinz Moldaviens. Von Chisinau, der Hauptstadt wollte ich nach Nordosten nach Kiew. Zwischen Moldavien und Transnistrien liegt allerdings der Dniester und über diesen grossen Fluss gibt es im nördlichen Teil weder Brücken noch Fähren. Ich wurde deshalb weit in den Westen gedrängt und beschloss, dies zum Anlass zu nehmen, Kiew auszulassen und direkt nach Lviv zu fahren.

Ukraine

Ich war dann aber froh über diesen Entscheid. Ausserhalb grosser Strassen gibt es für Velofahrer kaum ein Durchkommen, die körperlichen Belastungen sind sehr gross, noch grösser sind allerdings die mentalen, denn ich weiss nie, wo mein Weg überhaupt hinführt und das in einer äusserst dünn besiedelten Gegend. In den Städten war ich erschlagen über die sehr grossen Memorials für die gefallenen Soldaten im Krieg. Die werden nicht klammheimlich verscharrt, sonder man gibt ihnen eine ehrwürdige Platform gegen das Vergessen. Sehr eindrücklich.

Polen

Nach Polen zu kommen war nervenaufreibend. Der Grenzübergang gemäss Navi war nur für Autos und LW offen, ich wurde etwa 30km! nach Süden verwiesen. Nachdem ich einen ziemliche Lärm vollführt habe kam wohl der Chef der Grenzer und anerbot sich, mich zur Grenze zu fahren. Während seiner Dienstzeit mit dem Berufsauto — für 50 Euro dazu! Highlight war aber Krakau, die scheinbar schönste Altstadt Europas. Allerdings wurde ich auch in Polen mehrere Male buchstäblich in den Dreck geschickt.

Deutschland

In Deutschland war ich natürlich vor allem gespannt auf Dresden, vor allem auf die aus einem Schutthaufen wieder aufgebaute Frauenkirche. Ein Wunderwerk. Un dann machte ich mich auf den Heimweg. Aber nur bis Pegnitz vor Nürnberg. Auf einem breiten, abwärts führenden Radweg fuhr ich schön rechts mit etwa 30 kmh als ein Trotinettfahrer mit sicher ebenfalls 30 kmh fadengerade auf mich zuraste. Der Aufprall war unglaublich. Polizei und Ambulanz regelten die Angelegenheit und im Spital wurde meine grosse Wunde am linken Unterarm genäht, danach wurde ich entlassen. Dem verrückten Trotinettler ist nicht passiert. Allerdings, mein Velo war nicht mehr zu fahren. Ich stellt es zu einem Velohändler und nahm Abschied von meinem 111’000 km Velo, von meinem 111’000 km Freund. Mir war zum Weinen zumute. Danach fuhr ich mit der Bahn nach Hause.

Kaum zu Hause konnte ich den Velohändler ausfindig machen, wo ich mein Velo abgestellt hatte. Ich erstellte ihm eine Liste, was ich alles wünschte und bezahlte ihm die Leistungen in Vorkasse.  Nach 14Tagen konnte ich meine Häfte entfernen, fuhr gleich nach Pegnitz, nahm mein Velo in Empfang und komplettierte meine Reise bis Wetzikon.   

Mi, 17.6.2026, Wetzikon, 103km. Ravensburg, Markdorf, Meersburg, Konstanz, Märstetten, Eschlikon, Turpenthal, Wetzikon. Wetter: Schön, 30°.

Eigentlich eine einfache und schöne Fahrt, allerdings kumulierte ich in der Schweiz doppelt so viele Höhenmeter pro 100km wie durch ganz Deutschland, heute über 1000.

Am Schweizer Zoll erkundigte ich mich nach RückerstattungsMöglichkeiten für die Mehrwertsteuer der VeloReparatur, 19% = 131.—€. Der Zöllner begutachtete meine Rechnung und hörte mit entsprechenden Erklärungen nicht mehr auf. Kurz, es war praktisch unmöglich. Ich sagte schon auf Wiedersehen als er mit dem absoluten Hammer kam: Ich müsse noch die CH MwSt bezahlen. Ich musste mich ziemlich zurückhalten aber bezahlte dann nochmals 50Fr. Aber dafür habe ich mein Velo wieder, meinen alten Freund.


Di, 16.6.2026, Ravensburg, 93km.
Ulm, Gögglingen, Laupheim, Biberach, BadWaldsee, Ravensburg. Wetter: Bedeckt, leichter Regen, 22°. Unterkunft: Hotel 1287, sFr94.—.

Die Landschaft wiederholt sich. Deutschland ist mit dem Velo sehr schön zu fahren, auch wenn ich heute ganz gern auf den Regen verzichtet hätte. Ravensburg ist ein attraktives Städtchen, ich kam schon mal durch von Ost nach West auf meine äusseren Runde der Tour de Suisse. Morgen fahre ich heim.

Mo, 15.6.2026, Ulm, 80km. Nördlingen, Utzmemmingen, Schweindorf, Burghagel, Rammingen, Ulm. Wetter: Veränderlich, 20°. Unterkunft: Hotel One, sFr 119.—.

Einmal mehr: Lange VeloWege bester Qualität, einsame Nebenstrassen mit wenig Verkehr, liebliche Landschaften in moderatem Gelände. Leider keine Berge.

Ulm war genauso ein Trümmerhaufen nach dem 2.WK wie Nürnberg. Aber, im Gegensatz zu Nürnberg wurden kaum alte Bausubstanzen orginalgetreu wieder aufgebaut. Völlig im Gegensatz zu Nürnberg hat Ulm keine schöne Innenstadt (ausser natürlich dem Dom mit dem höchsten Turm aller europäischen Kathedralen). Allerdings wurde dieser Rekord soeben mit der Aufsetzung des riesigen Kreuzes auf die SagradaFamilia in Barcelone, die der Papst soeben eingeweiht hat, übertroffen.


So, 14.6.2026, Nördlingen, 93km.
Nürnberg, Schwabach, Wassermungenau, Gunzenhausen, Öttingen, Nördingen. Wetter: Wechselhaft, 18°. Unterkunft: Hotel Elaya, sFr 62.—

Längere, aber einfache Fahrt durch welliges Land, wie fast üblich in Deutschland auf wenig befahrenen Nebenstrassen oder abgesetzten Radwegen. Problemlos. Überall ragen grosse Gasbehälter in den Himmel. Viele Bauern produzieren Biogas aus landwirtschaftlichen Abfällen und heizen ganze Dörfer. Eindrücklich.

Und dann nahm ich narürlich dankbar zur Kenntnis, dass heute die 10 Mio-initiative der SVP mit 55% Nein versenkt wurde und der VerpflichtungsKredit von Wetzikon von 83Mio für das Bahnhofquartier mit 58% Ja hoch angenommen wurde.


Sa, 13.6.2026, Nürnberg, 63km.
Nürnberg nach Pegnitz mit Bus, Betzenstein, Simmelsdorf, Lauf, Nürnberg. Wetter: Veränderlich, 22°. Unterkunft: Hotel Victoria.

Ich fuhr also von Nürnberg wieder zurück nach Pegnitz. Nach 15 Min Fussmarsch erreichte ich meinen Veloladen. Benni erklärte mir, was er alles gemacht hat und so nahm ich das Velo wieder in meinen Besitz. Alle Verschleissteile sind ausgewechselt (Kette, der ganze Wechsel, das Tretlager, die Schaltkabel, BremsScheiben und Beläge usw). Die VorderGabel war wie ein Wunder nicht gestaucht und das VorderRad konnte Benni wieder auszentrieren.  Ein neues 111‘000km Velo. Meines. Ich war überglücklich.

So fuhr ich also durch eine liebliche Landschaft auf Nebenstrassen mit sehr wenig Verkehr oder auf Velowegen nach Nürnberg in mein gestriges Hotel, vorbei an mehreren Ständen mit den ersten Kirschen.

Nürnberg war am Ende des Krieges total zerstört. Ein Trümmerhaufen. Da meine Mamma mit 7 Kinder manchmal völlig überlastet war liessen meine Eltern Julia mit dem DawnSyndrom (wir nannten das mongoloid) bei Frau Beck in München aufziehen. Frau Becks Mann kam aus russischer Gefangenschaft nie mehr nach Hause und war auf jeden Zustupf angewiesen. Dank den Besuchen bei Julia lernte ich die Katastrophe des 2. WK kennen und diejenige des Holocaust. Und wegen des Holocaust hasste ich die Deutschen jahrzehntelang. Erst langsam begann ich zu akzeptieren, dass nicht alle Deutschen pauschal als Schuldige herhalten konnten. Heute sind die Ressentiments schon lange verschwunden.

Und heute ist die grosse Innenstadt unerhört belebt, viele der traditionellen Gebäude, die Kirchen und die RatsHäuser sind orginalgetreu wieder aufgebaut worden. Einmal mehr eine grossartige bauliche, aber vor allem eine kulturelle Leistung.


Fr, 12.6.2026, Nürnberg.
Wetter: Bedeckt, 17°. Unterkunft: Hotel Alexander, sFr 135.—.

13 Tage nach meinem Zusammenstoss in Pegnitz konnten heute die Fäden aus der Schramme in meinem Unterarm entfernt werden. In der Zwischenzeit konnte ich ausfindig machen, bei welchem Velohändler ich mein havariertes Velo entsorgt habe. Ich gab ihm detaillierte Anweisungen für die Reparatur des Velos nach über 5000 km und vergütete ihm die Kosten in Vorkasse.

Heute Nachmittag fuhr ich mit dem Zug nach Nürnberg. Morgen fahre ich weiter nach Pegnitz, wo ich mein Velo abholen und in 4.5 Tagen nach Hause fahren werde.

ReiseUnterbruch wegen Unfall.

Sa, 30.5.2026, Nürnberg, ca. 50km mit Velo, 8km mit Ambulanz, ca. 50km mit Bus. Bayreuth, Schnabelwald, Pegnitz, Nürnberg. Wetter: Veränderlich, 25°. Unterkunft: Hotel Viktoria, sFr 97.—.

Ich fuhr fast alles auf VeloWegen bis nach Pegnitz und auch nach Pegnitz fuhr ich wieder auf einem komfortablen Radweg leicht abwärts mit etwa 30 kmh. Ich fuhr ordnungsgemäss rechts aussen als mir ein TrottinettFahrer mit sicher mehr 30 kmh auf meiner Seite entgegenkam — und er machte keine Anstalten, die Seite zu wechseln. Wir fuhren also mit hoher Geschwindigkeit praktisch Pneu auf Pneu ineinander. Das ist, wie wenn man fadengerade in eine Mauer fährt. Der Mann muss verrückt gewesen sein oder total unter Drogen oder er wollte Selbstmord begehen — und ich sass am SeitenBord und drehte fast durch, ich drehte wirklich fast durch. Einem PassantenPaar gelang es langsam, mich zu beruhigen. Dem Trottinetler hat’s nichts gemacht, ich allerdings hatte eine tiefe Schramme am linken Unterarm, Innenseite. Die Passanten riefen Polizei und Ambulanz. Diese Wunde konnte ich unmöglich selber verarzten.

Per Ambulanz gelangte ich ins Spital von Pegnitz, mit aufgeladenem Velo. Dort wurde ich sehr schnell verarztet. Die Wunde war tief und wurde genäht, aber schon nach einer Stunde wurde ich wieder entlassen, nur um feststellen zu müssen, dass mein Velo wohl unbrauchbar geworden ist. Die vordere BremsScheibe war vollständig verbogen und die Federgabel gestaucht. Ich konnte das Velo nicht einmal mehr stossen.

Ich orderte einen Van und fuhr zu einem VeloLaden, der wie alle andern auch geschlossen war. Dort ‚entsorgte‘ ich mein Velo, steckte 50€ zu für die Umtriebe. Das ganze Leben ist ein AbschiedNehmen und so nahm ich also, ziemlich prosaisch Abschied von meinem treuen Freund, meinem 111‘000km Velo, von meinem 111‘000km Freund. Eigentlich war mir zum Weinen zumute.

Ich liess mich zum Bahnhof fahren und fuhr mit dem Bus nach Nürnberg. Im Bahnhof kaufte ich ein ZugBillet über Stuttgart nach Zürich Morgen gegen 10Uhr. Ich muss zu einem Arzt, die Wunde tut weh und sie blutet durch den Verband. Mit einer elastischen Binde doppelte ich den Verband auf. Ich will ja nicht das Bett versudeln. So wird meine stolze Reise ein weiteres Mal ohne Absicht abgekürzt. Ziemlich traurig. Aber zumindest ist mir das wieder in einem zivilisierten Staat passiert und nicht in Sibirien.


Fr, 29.5.2026, Byreuth, 92 km.
Plauen, Hof, Münchberg, BadBerneck, Bayreuth. Wetter: Schön, 24°. Unterkunft: Hotel Goldener Hirsch, sFr 72.—.

Sehr schöne Landschaft, meist problemlos zu fahren, nur die immer wieder steilen Abfahrten in ein Dorf am Fluss und dann die sehr steilen Aufstiege wieder auf ‚Normalhöhe‘ machten mir zu schaffen. Aber heute war ein wunderschöner Tag, allerdings auf eine Gartenwirtschaft wartet man vergebens. Bis nach BadBerneck, einem Kneipkurort. Dort bekam ich endlich ein kleines Bier und unterhielt mich lange mit der Wirtin, die mir über ihre Reise als alleinreisende Frau durch OstIndien erzählte. Es war eine erbauende halbe Stunde. (übrigens: Ich muss nur den Mund aufmachen und und jeder erkennt den Schweizer). Die Innenstadt Bayreuth‘s wird ziemlich hochgejubelt. Mir machte sie eine guten, aber keinen überwältigenden Eindruck. Ich werde morgens weiterreisen, nach Nürnberg.


Di, 28.5.2016, Plauen, 89km.
Chemnitz, Grüna, Lichtenstein, Zwickau, Helmsgrün, Plauen. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel Dormero, sFr 77.—.

Es war wieder eine wellige Topographie und meist sehr einsam. Aber immer wieder ging‘s steil bergab zu einem Dorf am Fluss und dann steil wieder hinauf. Ich musste das Velo x Mal stossen, diese Steilheiten kriege ich mehr hin. Besonders schön empfand ich den grossen See, der wegen der Talsperre Pöhl entstand. Plauen selber ist ebenfalls wenig sehenswert. Morgen gehts aus dem ehemaligen DDR Land Sachsen nach Bayern in die Musikstadt Wagners.


Mi, 27.5.2026, Chemnitz, 83km.
Dresden,  Mohorn, Reinsberg, Gossberg, Dittersbach, Chemnitz. Wetter: Leicht bewölkt, 20°. Unterkunft: Hotel Super8, sFr 76.—.

Kaum bin ich heute morgen weggefahren fiel mein Wechsel komplett aus. Ich fand den Fehler nicht raus und am Boden mit reparieren zu beginnen war hoffnungslos. Ich suchte über GoogleMaps eine Werkstatt. Aber vor 10Uhr öffnet niemand. Ich hatte Glück, ich fand einen nach 9 Uhr. Der flickte den Schaden innert 10 Minuten, gab der Kette noch etwas Öl und ich konnte weiterfahren. Und, erstaunlich, ich hatte auch noch keinen Platten.

Dann aber ging die Fahrt durch die Ausläufer des Erzgebirges (Grenze zwischen Tschechien und Deutschland), durch die sächsische Schweiz (ich habe keinen Zusammenhang entdeckt) mit vielen steilen Aufstiegen (VeloStossen) durch wieder grossflächige Landwirtschaft. Die Gegend ist sehr dünn besiedelt, es gibt kein Restaurant und keinen Laden. Ziemlich einsam.

Chemnitz wurde 1945 ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht, alte Bauten gibt es praktisch keine. Es ist eine moderne Stadt und nicht sehr sehenswert.


Di, 26.5.2026, Dresden Ruhetag.
Wetter: Schön, 24°.

Ein Besuch von Dresden ist zwangsläufig ein Besuch in die deutsche Geschichte, vor allem derjenigen des 2.WK mit der totalen Zerstörung von Dresden und dem nachträglichen Wiederaufbau, vor allem nach der deutschen Wende. Und die Entwicklungen sind so epochal, dass mir einmal mehr der Gedanke aufkam: Geschichte fand seit Jahrhunderten immer anderswo statt, aber sicher nicht in der Schweiz. Die Leistungen, die in dieser Stadt, vor allem seit 1990 vollbracht wurden sind für mich fast nicht nachzuvollziehen, meine Bewunderung kennt keine Grenzen.

Ab morgen mache ich mich auf den Heimweg. Ich freue mich auf‘s Heimkommen.


Mo, 25.5.2026, Dresden, 57km.
Bautzen, Göda, Bischofswerda, Loschwitz. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Hotel Suitess, sFr 98.—.

Geruhsame Fahrt durch eine liebliche, langwellige, sanfte Gegend mit aufgeräumter Landwirtschaft. Ich durfte ja gar nicht zu schnell sein, denn sonst hätte ich zwar ein Hotel, aber kein Zimmer. Den Nachmittag verbrachte ich mit der VorErkundung von Dresden und natürlich mit dem Besuch der Frauenkirche, 50 m neben meinem Hotel.

Das Wahrzeichen wurde in dieser Form im 18. JH erbaut. Ein riesiger Kuppelbau von phantastischer Grösse und Pracht. Am Ende des 2.WK wurde ganz Dresden durch die Alliierten komplett dem Erdboden gleichgemacht. Auch die Kirche fiel in sich zusammen — und blieb liegen bis zur Wende 1990. Dann begann der Wiederaufbau, alles finanziert durch private Spenden. Eine unheimliche bauliche, handwerkliche und kulturelle Leistung. Und über solche Leistungen bewundere ich die Deutschen. Die Kirche ist unvorstellbar. Und — für so eine Leistung musste die Wende vollzogen werden, die DDR hätte so etwas nie zustande gebracht.

Morgen ist Ruhetag.

So, 24.5.2016, Bautzen (Budysin), 92km.  Bolestaviec, Grenze zu Deutschland, Görlitz, Bautzen. Wetter: Leicht bewölkt, 27°. Unterkunft: Hotel BestWestern, sFr 87.—.

Im Gegensatz zur Einreise nach Polen merkte ich den Grenzübertritt nach Deutschland gar nicht. Auch Bautzen ist ein sehr schmuckes Städtchen, wo auch ein Grossteil der 60‘000 Sorben leben, einer westslavischen Völkergruppe mit geschützter Sprache. Morgen fahre ich nach Dresden und bleibe 2 Nächte.


Sa,23.5.2026, Bolestaviec, 115km.
Breslau, Legnica, Bolestoviec. Wetter: Leicht bewölkt, 25°. Unterkunft: Hotel Centrum, sFr 75.—.

Wer kennt schon Bolestaviec. Kaum jemand. Dabei ist dieses kleine Städtchen ein weiteres Kleinod auf meiner Reise. Ganz einfach wunderschön.

Um hierher zu gelangen braucht es allerdings manchmal Nerven. Auf einer Strasse heute war plötzlich ‚Sackgasse‘ markiert. Ich war schon vorher skeptisch. Ein lokaler Velofahrer führte mich allerdings an den Anfang einer KiesStrasse. Hier komme ich durch. Ich kam dann durch. Ebenfalls in Polen landete ich plötzlich auf einem Dreckweg im Walde und ein andermal hörte das Strässchen ganz einfach überhaupt auf zu existieren. Und einmal fuhr ich viele Kilometer auf einer suspekten Strasse. Sie führte nach links über eine Brücke, nur diese Brücke wurde wohl schon vor 50 Jahren abgebrochen. Ich finde immer einen Weg, aber anstrengend ist es schon, und das alles in Polen.

Morgen gelange ich nach Deutschland, ins Land der Sorben, nach Bautzen. Ich freue mich darauf, vor allem auch wegen des schönen Wetters und der relativ kurzen Fahrt.


Fr, 22.5.2026, Breslau (Wroctav), 92km.
Opole, Brueg, Otawa, Breslau. Wetter: Leicht bewölkt, 22°. Unterkunft: Hotel Qubus, sFr 109.—.

Breslau, so war die Stadt aber auf meinem ganzen Weg nie angeschrieben, sondern immer Wrocta. So oder so es ist einmal mehr eine PrachtStadt. Natürlich, es gibt kaum wirklich antike Bauten, fast alle Gebäude stammen wohl aus dem 18.+19.JH. Bis nach dem 2.WK war die Stadt fast ausschliesslich durch Deutsche besiedelt. Ab 1945 bis 1948 wurden alle Deutschen aus der Stadt vertrieben und durch Polen ersetzt. Wie gleichzeitig Millionen von SudetenDeutschen aus Tschechien vertrieben wurden. Da wurde auch der Name geändert. Tragische Geschichten. Ich habe manchmal das Gefühl, Geschichte habe sich überall weit intensiver abgespielt als in der Schweiz.

Und eigentlich ist die PrachtStadt eine deutsche Stadt. Aller rund um mich ist deutsch. Alles wurde weit vor 1945 gebaut.


Do, 21.5.2026, Opole, 104km.
Wetter: Leicht bewölkt, 18°. Unterkunft: Hotel DaSilva, sFr 88.—.

Rund um Katovice gibt es mehrere KohleKraftwerke. Die KohlenDepots sind gewaltig, aber die FilterTechnik hinkt wohl der technischen Entwicklung hinterher. Polen versucht, aus der KohleIndustrie auszusteigen incl. mit dem Bau neuer KernKraftwerke (bereits im Bau).

Die Fahrt heute erfolgte fast immer auf der gleichen Strasse, die ist gut und schnell trotz andauerndem Gegenwind. Ich werde wohl in den nächsten Tagen einiges Wetterglück verspüren, ganz das Gegenteil von vorher.

Heute habe ich den 3-Tausendsten Kilometer durchfahren.


Mi, 20.5.2026, Katovice, 83km.
Krakau, Katovice. Wetter: Leicht bewölkt, 20°. Unterkunft: Hotel Qubus, sFr 102.—.

Endlich wieder einmal ein Tag ohne Regenkleidung. Und eine Fahrt auf kleineren Strassen durch viele Dörfer. Ich staune in Polen über die wunderschönen Friedhöfe, jedes Grab ist ein Kunstwerk. Noch aufwändigere Grabstätten habe ich nur in Malaysia auf einem chinesischen Friedhof gesehen. Auch Katovice ist eine eindrückliche Stadt.

Neben meinem SushiRestaurant wurde auch nach 7 Uhr sehr intensiv an einer Grossüberbauung gearbeitet, wobei die ganze alte, 5-stöckige Fassade komplett abgestützt erhalten blieb. Eindrücklich.


Di, 19.5.2026, Krakau, Ruhetag,
Wetter: Recht schön, 18°.

Nachtrag: Gestern Abend gab’s eine Demonstration ‚ FreePalestine‘. Viele vermummte Gesichter und sehr, sehr  lautstark. Allerdings keine 50 junge Leute.

Krakau, eine phantastische Stadt. 800‘000 EW, lange Zeit Polens Hauptstadt, grosse Geschichte, incl. die der Juden. Am Morgen mietete ich eines der vielen TouristenTaxis mit bis zu 6 Sitzplätzen (ich war allerdings alleine, kostete auch etwas mehr) und liess mich durch drei der wichtigsten StadtTeile fahren, auf deutsch dokumentiert. Zuerst durch die grosse und sehr imposante Altstadt mit einer GastroSzene, wie ich sie noch kaum je gesehen habe. Unzählige Touristen und Schulklassen bevölkern den StadtTeil bei heute viel besserem Wetter als gestern Abend. Es ging weiter durch das  ebenfalls grosse ehemalige JudenViertel, wo vor dem Krieg 65‘000 Juden wohnten, nach dem Krieg waren es keine 1000 mehr. Trauriger Abschluss war die langsame Fahrt durch das damalige Krakauer Ghetto, wo die gesamte jüdische Einwohnerschaft eingepfercht wurde. Alle wurden nachher ermordet, entweder im Ghetto oder in Auschwitz. Lediglich 1200 entkamen dem Tod, dank dem Unternehmer Oskar Schindler, der sie hier von den Nazis rettete (Film: Schindlers List von Steven Spielberg). Einmal mehr ein beklemmendes Erlebnis, das man nur am Ort des Geschehens richtig aufnehmen kann.

Und die Kutschen mit den wunderbar dekorierten Pferden, die bei meinem Nachtessen (polnische Maultaschen) vor mir vorbeizogen waren nur eines: Wunderschön. Zum Glück habe ich einen Besuchstag eingeschaltet: Ich bin hochbegeistert von dieser Stadt.


Mo, 18.5.2026, Krakau, 119km. Debica, Tarnov, Brcesko, Bochnia, Krakau. Wetter: Bedeckt, 2h Regen, 12°. Unterkunft: Hotel Experior, sFr 115.—.

Auch heute eine ereignislose Fahrt auf schneller Strasse, keine Highlights, nichts zu beschreiben. Allerdings, bei der Einfahrt in die Stadt und dann vor allem in die Innenstadt wurde ich immer begeisterter. Und beim Abendessen in der Innenstadt (so etwas gibt es ja gar nicht) entschloss ich mich, einen Besuchstag einzuschalten, völlig ausser Plan. Ich habe ja Zeit und komme aufgrund meiner aufgenötigten Abkürzung durch die Ukraine sowieso Wochen früher nach Hause.


So, 17.5.2026, Debica, 101km.
Jaroslav, Rzestof, Debica. Wetter: Grauenhaft, 12°. Unterkunft: Hotel Gold, sFr 60.—.

Ein Tag zum Vergessen. Den ganzen Tag mit Nebel oder Hochnebel, vor allem aber mit andauerndem NebelRieseln. Ich kam wieder einmal völlig verfroren und durchnässt in einem grossen Sporthotel an und stellte die KlimaAnlage auf 27°. Es heizte tatsächlich. Und zog mal profilaktisch die lange Unterwäsche an.


Sa, 16.5.2026, Jaroslav (Polen), 118km mit Velo, ca. 35km per Anhalter
. Lviv, Krakovez, per Anhalter nach Medyka, Grenze zu Polen, Jaroslaw. Wetter: Leicht bewölkt, 18°. Unterkunft: Hotel Sanova, sFr 69.—.

Gestern abend um 22.30 war Sirenenalarm. Eine halbe Stunde später wiederholte sich das Prozedere. Angst hatte ich keine, aber es ist schon ein beklemmendes Gefühl.

Ich folgte ‚Here‘ im Velomodus bis an die polnische Grenze. Da gingen alle Lastwagen und PW‘s durch, aber ich nicht. Ich machte einen ziemlichen Lärm, aber als dann der 5. dieser Superbeamten ‚nein‘ sagte fing ich an zu glauben. Der Grenzübergang für mein Velo lag 35km südlich, in Medyka. Unmöglich, mein Ziel mit diesem Umweg zu erreichen. Dann geschah etwas Sonderbares. Ein Kombi hielt an, ein sehr beleibter Mann begrüsste alle per Handschlag (er war bekannt), mich inclusive. Schlussendlich fuhr mich der Mann für 50€ nach Medyka. Er fuhr wie ein Henker, dabei bekreuzigte es sich wohl 100 Mal. Meine Velodistanz verlängerte sich dadurch nur unwesentlich, der Zeitverlust aber schon. Zum Glück wurde mir heute wegen der Zeitumstellung eine Stunde geschenkt. Und das schöne Hotel mit bestem Restaurant und einem virtuosen Geiger versöhnte mich wieder mit der Unbill des Tages.


Fr, 15.5.2026, Lviv, Ruhetag.
Wetter: Leicht bewölkt, 20°.

Die Stadt hat eine grosse Innenstadt mit Gebäuden aus all den Herrschaftszeiten (Weltkulturerbe), die Fahrt mit der TouristenBummelbahn war nicht überwältigend. Abend‘s gab‘s Sushi. Speisekarten gibt es kaum mehr, dafür einen QR-Code aufs Handy, die Übersetzung auf englisch oder deutsch erfolgt per KI. Und es funktioniert. Sehr kundenfreundlich.

Mein Hass auf die Russen ist schon gigantisch, wie gross muss er erst bei den Ukrainern sein, wobei in der Ukraine sicher 20% ethnische Russen leben. Eine schwierige Situation. Meine kurze Reise durch die Ukraine war nur schon wegen dieser Memorials mehr als lohnenswert. Man kann aus der Zeitung aller erfahren, erleben tut man es nur, wenn man es gesehen hat.

Do, 14.5.2016, Lviv, 131km. Ternopil, lange Strasse, Lviv. Wetter: Leicht bewölkt, 16°. Unterkunft: ModernArtHotel, sFr 92.—.

Auch heute fuhr ich auf der direkten nach Lviv, einer Millionenstadt im Westen der Ukraine. Von morgens um 7 bis abends um 6 und drei kurzen KaffeeStopps. Ich dachte, ich wäre für eine solche Distanz langsam zu bedauern. Aber dann erinnerte ich mich an Russland mit viel, viel grösseren Distanzen und Zeiten von morgens 5 bis abends um 8 Uhr, und das jeden Tag. Lviv (deutsch Lemberg) ist eine äusserst multiethnische Stadt mit einer vielfältigen Geschichte. Hier herrschten vor der Unabhängigkeit 1990 die Polen, die Österreicher, die Russen incl. der Sovjets.

Auch hier passierte ich einen grossen Park mit einem Meer von Blumen, einem Meer von ukrainischen Flaggen, vor allem aber mit einem Meer von Särgen und Fotos der darin bestatteten gefallenen Soldaten. Diese Gedenkstätten sind an Eindrücklichkeit nicht zu überbieten und ich bewundere die Ukrainer, dass sie ihre Gefallenen nicht einfach klammheimlich irgendwo vergraben, sondern ihrem Einsatz für‘s Vaterland eine Bühne geben, für ihre Angehörigen und für die ganze Gesellschaft. Sie sollen nicht vergessen werden.

Mein Hass auf die Russen ist schon gigantisch, wie gross muss er erst bei den Ukrainern sein, wobei in der Ukraine sicher 20% ethnische Russen leben. Eine schwierige Situation. Meine kurze Reise durch die Ukraine war nur schon wegen dieser Memorials mehr als lohnenswert. Man kann aus der Zeitung aller erfahren, erleben tut man es nur, wenn man es gesehen hat.

 
Mi, 13.5.2026, Ternopil, 118km.
Chmelnyzskyj, grosse Strasse, Ternopil. Wetter: Bewölkt, trocken, 10°. Unterkunft: Hotel Ternopil, sFr 49.—. 

Heute weigerte ich mich, auf den Vorschlag von Koomot für eine Veloroute einzusteigen. Ausserhalb grosser Strassen landet man in der Ukraine im Elend. Also folgte ich ‚Here‘ auf der Autostrasse. Ziemlich eintönig zwar, aber zielführend. (Ternopil ist übrigens nicht Tschernobil). 

Es gibt also nichts zu berichten von heute. Aber etwas zum Nachholen: Zum Glück habe ich eine zweite Debitkarte eingepackt, die der ZKB funktioniert seit Moldavien nicht. Und ebenfalls zum Glück habe ich auch noch meinen Pass mitgenommen, sonst wäre ich nicht in die Ukraine gekommen. Und die Ahnengallerie mit 1000 gefallenen Soldaten beschäftigte mich den ganzen Velotag. Morgen fahre ich nach Lviv und werde einen Ruhetag einschalten. 

Di, 12.5.2026, Chmelnyzskyj, 95km mit Velo, ca 65km mit Taxi. Nemija, Bar, Derazhinja, Chmelnyzskyj. Wetter: Bedeckt, 18°. Unterkunft: Hotel Arena, sFr 77.—.

Gestern landete ich im elektronischen Niemandsland. Eine ganz gute Erfahrung. Das mobile Netz funktionierte überhaupt nicht, auch heute Morgen nicht. Und WLan ging mit dem iPad im Hotel, mit dem iPhon ging‘s sporadisch. Ich konnte allerdings meine Route herunterladen, unterwegs funktioniert es dann OffLine. Im Laufe des Morgens klinkte der Mobilfunk wieder ein.

Es war aber unmöglich 160 km pro Tag zu fahren. So bestellte ich ein Taxi, das mich heute bis vor Bar fuhr. Ab dort fuhr ich auf schlechter bis schlechtester Strasse die Hälfte des Weges und wechselte bei erster Gelegenheit auf eine Schnellstrasse, Koomot ignorierend.

Mein Hotel liegt im Zentrum der Stadt, direkt an einer wohl einen Kilometer langen FussgängerAllee. In der Mitte der Allee waren GedenkInseln aufgestellt mit je 10 gefallenen jungen Männern aus der Gegend. Es hatte über 100 solcher GedenkInseln, also Bilder mit vielen Blumen davor von über 1000 Soldaten. Bei allen stand dasselbe:

‚Ein Einwohner von Chmelnyzkyj. Gestorben bei der Verteidigung der Ukraine vor russischen Invasoren, 22. Mai 2014. Wolodymyr Owtscharuk war 34 Jahre alt‘

 Es war schlicht zum Weinen.


Mo, 11.5.2026, Nemiya, 59km.
Soroca, Otaci, über den DniestrFluss (das ist nicht der Dniepr), resp die Grenze zur Ukraine, Nemiya. Wetter: Recht schön, 18°. Unterkunft: GrandHotel, sFr 32.—(aber so ‚grand‘ war es nicht)

Ich startete frohgemut bei endlich wieder trockenem Wetter Richtung der Brücke zur Ukraine. Aber da war keine Brücke und der Fährsteig hat mit Sicherheit seit 20 Jahren niemanden auf eine Fähre gelassen. Ich fuhr in mein Hotel zurück und suchte nach einer Lösung. Dank Gemini (KI von Google, eine Riesensensation) fand ich nach Stunden eine Lösung.

Ich musste fast 60km nach Nordwesten weiterfahren. Erst in Otaci gab’s eine Brücke und einen Grenzübergang. Das aber durchkreuzte meine Pläne endgültig. Der Dniestr ist ein grosser Fluss mit nur wenigen Brücken. So wurde ich ab Chisinau laufend nach Westen ‚geschoben‘ und nun habe ich mich entschlossen Kiew (mittlerweile ein Weg zurück) auszulassen, ich fahre in den nächsten Tagen nach Lwiw  und dann weiter nach Polen.

Ich hätte vor der Reise mein iPhon auswechseln solle, ich habe nur noch Probleme damit. Hoffentlich hält es durch.


So, 10. 5.2926, Soroca, 108km.
Orhei, nichts mehr mitgekriegt, Soroca. Wetter: Fürchterlich, 15°. Unterkunft: Hotel Vila, sFr 39.—.

Der heutige lausige Tag fing eigentlich schon gestern Abend an. Nach einem Abendessen in der Stadt biss mich einer der unzähligen streunenden Hunde in den Fuss. Ich schenkte dem Vorfall keine Bedeutung. Im Hotel dann allerdings schon. Ich stellte fest, dass der ganze Boden blutverschmiert und das das von meinem Socken kam, der vollgesogen von Blut war. Die Zähne des Hundes bissen links und rechts meiner AchillesSehne zu. Ich hatte Glück. Die Wunde verarztete  ich so gut es ging und verband den Fuss mit einem dicken Verband, denn ich wollte ja nicht die Bettlaken auch noch versudeln. Der Putzfrau  überliess ich 100 Lei für die Bodenreinigung.

An Morgen startete ich bei strömendem Regen und der hielt an bis nachmittags 3Uhr. Und es schüttete fürchterlich. Ich war vollständig durchnässt und fror, während Stunden. Zum Glück fuhr ich wieder auf der sehr guten Schnellstrasse bei wenig SonntagsVerkehr. Um 17 30 erreichte ich mein Hotel und verarztete meine Wunde. Es sah besser aus als erwartet. Morgen geht es in die Ukraine, zumindest ohne Regen.


Sa, 9.5.2026, Orhei, 54km.
Chisinau, Stauceni, Cornoe, Nistreana, Orhei. Wetter: Bedeckt aber trocken, 18°. Unterkunft: Hotel EcoDor, sFr 54.—.

Eben, mein Navi führt mich stoisch um Transnistrien herum. Das habe ich akzeptiert. In TN funktioniert aber auch das internationale Zahlungssystem nicht (wie damals auf der Krim). TN ist etwa 200 km lang aber lediglich 20-40km breit (zwischen dem Fluss Dniestr und der Grenze zur Ukraine), mit etwa 350’000 Einwohnern und einer Abwanderungsrate sondergleichen (man kann mit dem Aussterben rechnen), es wird ausschliesslich von Russland anerkannt (wie auch Abchasien, wo ich auch mal durchkam, der Krim und dem Donbass). Ein total lächerliches Gebilde. Aber eine spannende Geschichte.

Meine heutige Fahrt war kurz. Aber eben, ich muss mich nach den Unterkünften richten. Die Landschaft ist wie schon lange hügelig, aber unter 1000 HM geht kein Tag vorüber. Die Äcker und Felder sind nach wie vor gigantisch. Heute hervorzuheben ist nur noch mein kleines Hotel: Wunderbar.

Heute habe ich meinen 2’000-sten Kilometer durchfahren.


Fr, 8.5.2026, Chisinau, Ruhetag.
Wetter: Halb/Halb, 20°.

Die eigentliche Stadt ist keine Schönheit und Ausflüge zu schönen Orten in der Umgebung incl. zum weltgrössten Weinkeller in einem Höhlensystem fanden eben gerade heute nicht statt. Allerdings staunte ich ich einmal mehr über die grossen Blumenmärkte. Etwas ähnliches habe ich in Tallin in Estland erfahren und habe mir gedacht: Menschen mit einer solchen Affinität zu Blumen müssen gute Menschen sein.

Aber ich suchte natürlich einen Weg nach Kiew. Und Koomot (mein Navi) ‚weigerte‘ sich strickte mich auf den direkten Weg durch den Osten der Moldau, durch Transnistrien zu führen. (Transnistrien ist eine abtrünnige Provinz der Moldau mit Tausenden russischer Besatzungstruppen, übrigens westlich der Ukraine). Nach langem Zögern entschloss ich mich für den Umweg rund um Transnistrien. Nicht gerade mutig, weiss ich, aber ich bin betreffend meinem langen Weg durch die Ukraine ohnehin etwas unsicher. Allerdings, ich habe die noch viel unsichere und unendlich längere Strecke durch Sibirien auch geschafft. Das wird schon gehen.


Do, 7.5.2026, Chisinau, 39km.
Hincesti, Chisinau. Wetter: Schön, 22°. Unterkunft: Hotel Nobil, sFr. 120.—.

Das war eine kurze Fahrt, alles auf einer guten Schnellstrasse. Ich habe mich schlicht geweigert, dem Navi zu folgen. Die Wege waren fürchterlich oder gar nicht vorhanden. Schon um 12 Uhr kam ich  in meinem Nobelhotel an und stellte mit Schrecken fest, dass ich mein iPad in Hincesti vergessen habe. Kurzerhand fuhr ich mit einem Taxi zurück (mit einem chinesischen ElektroBYD, diese Konkurrenz ist angsteinflössend). Am Abend kehrte ich wieder einmal in einem sensationelle Restaurant ein und wurde Zeuge einer geradezu enormen Liebeserklärung. Ein junger Mann brachte seiner Angebeteten den grössten Rosenstrauss der Geschichte. Ich geb‘s zu: Ich hätte die Rosen auf die zukünftigen 20 Jahre verteilt.


Mi, 6.5.2026, Hincesti, 97km mit Velo, 23km mit Taxi.
Cahul, Cantemir, Iargara, Hincesti. Wetter: Schön, 24°. Unterkunft: Hotel Rajax, sFr 45.—.

Die Taxibestellung gestern Abend funktionierte nicht, diejenige von heute Morgen schlussendlich schon. Ein junger Bursche fuhr mich 23 km Richtung Hincesti. Ab dort fuhr ich auf schlechtester Strasse (es ist die Einzige in dieser Richtung) durch etwas welliges Land. Einmal mehr staunte ich über die unvorstellbar grossen Felder und Äcker. Weiter nördlich kam ich auf eine best ausgebaute Schnellstrasse, aber hier hatte es noch einen Viertel Verkehr. Allerdings, wenn eine Strasse ausgebaut wird geschieht das auf sehr hohem Niveau. In meinem kleinen Hotel konnte ich das erste nicht mit Karte bezahlen. Überhaupt funktioniert meine ZKB VisaKarte in Moldavien nicht. Zum Glück habe ich auch noch meine UBS Karte eingepackt. Morgen gibt es einen kurzen Velotag und in Chisinau werde ich einen Ruhetag einschalten.


Di, 5.5.2026, Cahul, 87km.
Braila, Galati, Grenze zu Moldavien, Cislitprut, Colibasi, Manta, Cahul. Wetter: Schön, 22°. Unterkunft: Hotel MarcoPolo, sFr 35.—.

Problemloser Grenzübertritt, aber Probleme mit dem mobilen Internet. In Albanien und Mazedonien erinnerte mich Swisscom, ein RoamingAbo zu kaufen (ausserhalb der EU). In Moldavien wartete ich darauf vergebens. Glücklicherweise ist meine Tour komplett abgespeichert, ich komme also auch ohne Internet ans Ziel. In Cahul löste sich das Problem. Ansonsten war es ein eher gemächlicher Tag und ich landete in einem guten Hotel mit sehr gutem Restaurant. Für morgen habe ich ein Taxi bestellt, das mich etwa 20 km nach Norden bringt, ansonsten würde ich die Distanz nicht schaffen unterwegs gibt es nirgends eine Unterkunft.


Mo, 4.5.2016, Braila, 106km.
Buzau, Constatin, Surdila, Filipesti, Iabca, Braila. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel Orient, sFr 55.—.

Ich glaube, die Felder werden immer grösser. Das ist Landwirtschaft vom eindrücklichsten. Ich wähnte mich in Missouri oder Mississippi und habe gar nicht gewusst, dass es diese Grössenordnung auch in Europa gibt. Mehrere Male übernahmen die Krähen das Zepter. Der Lärm war ohrenbetäubend. Es sind Waldstücke mit hunderten von KrähenNester auf engstem Raum.

Hier wird auch Energie produziert. Nebst KollektorenFarmen versuchen sich viele Windräder zu drehen, wegen Windflaute allerdings nicht produktiv. Es gibt aber auch Ölförderungen mitten in den GetreideFeldern. Ich bin auch heute wieder in einem guten Hotel und wie schon viele Male hat es einige wenige Gäste, wenn ich nicht überhaupt der einzige bin.


So, 3.5.2026, Buzau, 126km
. Bukarest, Gagu, Maia, Misil, Buzau. Wetter: Leicht bewölkt, 13°. Unterkunft: Hotel Sport, sFr 48.—.

Flache Landschaft, riesige GetreideFelder und immer wieder goldener Raps, buchstäblich, soweit das Auge reicht. Aber der durchgehende Gegenwind war wirklich eine Plage.


Sa, 2.5.2026, Bukarest, Ruhetag.
Bukarest ist nicht gerade eine Augenweide, zumindest heute Abend fand ich dann noch das Ausgehquartier mit einer regen Gastronomie. Ansonsten ist ein Ruhetag eben zum Ausruhen da.

Die nächste Unterkunft morgen ist 125km entfernt. Zu weit eigentlich, aber zumindest flach, aber mit fadengradem Gegenwind. Ich werd‘s überleben.


Fr, 1.5.2026, Bukarest, 82km
. Giurgiu, Bukarest. Wetter: Leicht bewölkt, 12°. Unterkunft: Hotel CH, sfr 112.—.

Was für ein Unterschied zu gestern. Schönes Wetter, kühl zwar und auch mit einem ständigen Gegenwind, aber alles auf einem geradezu mehr als erträglichem Niveau. Sehr reiches Agrarland mit grossen Feldern, zu einem Drittel Raps. Gestern traf ich im Hotel auf ein deutsches Paar, das ebenfalls einige Wochen unterwegs war und heute Morgen überholten sie mich (logisch , mit ihren CarbonGravelBikes und minus 40 Jahren). Wir baten dann eine Anwohnerin um ein Foto. Nicht gerade bereitwillig machte sie dann 2 Fotos. Dann war aber klar: Jetzt ist fertig lustig!

Morgen mache ich meinen 2. Ruhetag.


Do, 30.4.2026, Giurgiu, 25km, Taxi ca 110km.
Pleven, Taxi nach Svishtov 70km, Fähre über Donau, Zimnicea (Rumänien), Malu, Taxi nach Giurgiu. Wetter: DauerRegen, 5°. Unterkunft: Hotel Ambar, sFr 68.—.

Manchmal gibt es scheussliche Tage. Heute zum Beispiel. Bis anhin hatte ich meine Krämpfe dank Salz im Griff. Gestern allerdings erst nach 4 x etwa 1 Gramm. Und auch am Morgen waren sie noch ‚auf dem Sprung‘. Deshalb, aber auch, weil die heutige Distanz viel zu lange war (keine Unterkunft dazwischen) bestellte ich ein Taxi, das mich Svishtov fuhr. Die Velotour führte mich ganz einfach über die Donau. Es musste also eine Fähre geben. Nur keiner wusste davon. Aber es gab sie. Und was für eine! Der fürchterlichste Kahn, auf den ich je gestiegen bin. Ein- und Ausfahrt quer, dh, für jeden Lastwagen musste die ganze Fähre verschoben werden. Ausserdem war die lange Rampe derart steil, dass die Lastwagen bis zu drei Anläufen brauchten um hoch zukommen. Sie spulten ganz einfach durch. Statt um 11 startete das Schiff um 12 30. Ein absolut unmöglicher Kahn und wie man damit 4 Bedienstete bezahlen kann mit einem Lastwagen und dem Egli für 5€ ist schwer vorstellbar.

Ich kam dann um 2 Uhr am rumänischen Ufer an, bei strömendem Regen und 5°. Das war schon grenzwertig. Auf der Fahrt kam dann noch ein heftiger Gegenwind auf, der mich manchmal fast zum Stillstand brachte. Schon nach etwa 25km war klar: Ich werde das nicht durchstehen. In einem KleinstLaden fragte ich die Dame, ob sie mir einen Van organisieren könnte. Sie konnte und der fuhr mich mit ungeheurer Geschwindigkeit nach Giurgiu. Das wunderschöne Hotel mit grossartigem Restaurant war dann der versöhnende Abschluss eines schwierigen Tages. Und es hatte sogar eine Badewanne. Nachdem ich ab Mittag nur noch gefroren hatte, eine Wohltat. Aber solche Tage bleiben hängen.


Mi, 29.4.2026, Pleven, 110km.
Mezdra, Roman, Lukovit, Pleven. Wetter: Bedeckt, Morgen Regen, danach trocken, 10-15°. Unterkunft; Hotel Balkan, sFr 49.—.

Auch heute strampelte ich vor allem am Morgen wieder 1200HM, das bei Regen und Kälte. Ich kam dann nach Roman und ging durch einen sehr, sehr ärmlichen Markt (allerdings mit besten Früchten und bestem Gemüse) und suchte nur noch nach einem Restaurant oder Kaffee. Ich war vollständig durchgefroren. Ein solches gab es dann tatsächlich noch. Ich brauchte fast eine halbe Stunde um aufzuwärmen und zwei Cappuccinos. Irgendwann ging‘s nur noch leicht bergab, eigentlich wieder auf einer Autobahn-ähnlichen Strasse. Aber legal oder nicht, die Strasse war schnell und das Navi führte mich zu einem Riesenhotel. Sehr gut.


Di, 28.4.2026, Mezdra, 103km.
Sofia, NoviIskar, VladiTrichkov, Lukovo, Tompsan, Tserovo, Mezdra. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel (kyrillisch), sFr 36.—.

Heute fuhr ich auf meist guter Strasse mit etwa tausend Höhenmeter durch den ersten Teil des Tages. Im zweiten Teil folgte ich durch ein ellenlanges Tal einem Fluss. Einerseits fast wie das Urserental, manchmal durch steile Felswände, die mich an den Creux du Van im Jura erinnerten. In einem sehr schönen Restaurant kehrte ich ein, gleich daneben quillte ein Bach aus der 100 m hohen, senkrechten Kalkwand. Mein reserviertes Hotel fand mein Navi nicht. Ich machte eine richtige Odyssee. Schlussendlich fragte ich mich durch. Im Restaurant daneben öffnete der Koch extra für mich die Küche. Es gab nur ein PouletSchenkel mit Kartoffeln — für sFr 3.20, das grosse Bier kostete 1.70. Man kommt billig durch diese Gegend.


Mo, 27.4.2026, Sofia, Bulgarien, 114km.
KriwaPalanka, Grenze zu Bulgarien, KyustTendil, Permik, Sofia. Wetter, Schön, 18°. Unterkunft: Hotel SwetaSofia, sFr 57.—.

Die Tour über viele Höhenmeter war schon grenzwertig. So organisierte ich ich für heute Morgen einen Van, der mich zum ersten Pass an der bulgarischen Grenze fuhr. Ab dort begannen meine 114 km. Lange Zeit führte mich das Navi über die komfortable Hauptstrasse. Irgendwann sollte ich auf eine Nebenstrasse, was ich tat und nach einigen km auf einer immer schlechter werdenden Strasse vor einem komplett gesperrten Bahnübergang landete. Ich hisste das Velo über die aktiven Geleise, direkt hinter einer Kurve der Bahn. Die Pedalen standen an den Geleisen an. Mit aller Anstrengung kriegte ich das Velo über die Geleise, natürlich nicht ohne, dass ich meine Waden an den genagelten Pedalen ernsthaft verletzte. Das Blut füllte zuerst meine Socke, dann den Schuh. Aber ich war durch. Ich versuchte es dann nochmals mit der Schnellstrasse, der Verkehr war allerdings viel grösser, weshalb ich es langsam mit der Angst zu tun bekam und wieder auf die Nebenstrasse zurückfuhr. Diese war dann allerdings von sehr guter Qualität und ich schaffte den letzten grösseren Aufstieg problemlos. Danach ging’s nur noch abwärts. Mein Hotel liegt mitten in der Fussgöngerzone. Diese ist aber total ausgestorben. Welch ein Unterschied zu Skopje.

So, 26.4.2026, KrivaPalanka, 97km. Skopje, keine Ahnung, KrivaPalanka. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: B+B, sFr 33.—.

Ich wollte eigentlich nach Bulgarien gelangen. Da ich Zweifel hatte, das Ziel zu erreichen machte ich keine Unterkunftsbuchung - und ich war gut beraten. Ich fuhr nach Navi auf guter Nebenstrasse, diese wurde aber immer lausiger und plötzlich stand ich vor einem Bach ohne Brücke. Ich konnte allerdings ohne nasse Füsse darüber fahren.

Nur wenig neben mir verlief die A2 und ich wechselte schnellstmöglich auf diese Schnellstrasse: Schnell, komfortabel, mit einem 4m Seitenstreifen nur für mich. Wahrscheinlich völlig illegal. Dann aber passierte ich zwei Polizisten, die liessen mich kommentarlos durch. Dann aber, 35 km vor dem angepeilten Ziel verliessen mich meine Kräfte und ich fand ein akzeptables B+B.

Heute habe ich meinen Tausendsten Kilometer durchfahren


Sa, 25.4.2026, Skopje, Ruhetag.
Wetter: Schön, 22°. Unterkunft: Hotel Solun, sFr 76.—.

Ruhiger Tag durch Schlendern durch die eindrückliche Innenstadt und etwas vorschlafen, denn morgen erwartet mich ein strenger Tag Richtung Sofia.


Fr, 24.4.2026, Skopje, 115km
. Debar, unbekannt (kyrillische Schrift), Skopje. Wetter: Schön, 10-20°. Unterkunft: StoneBridgeHotel, sFr76.—.

Mazedonien habe 3 Mio Einwohner, 2 im Land ,1 im Ausland. Doch davon später. Die Reise betrug 135km mit einem Pass dazwischen. Das erachtete ich nach dem gestrigen Tag als unmöglich. So sprach ich vor dem PassAufstieg einen KaffeeVertreter mit seinem Kastenwagen an, ob er nochmals umkehren würde und mich für 50 € auf den Pass fahren würde. Er stieg darauf ein und wir verstauten das Velo zwischen Hunderten von KaffeeSchachteln und er fuhr mich durch eine wunderschöne Schlucht (ein Nationalpark) auf den Pass. Danach ging‘s laufend runter und ich kam zeitig nach Skopje.

Immer wieder werde ich auf mein SchweizerFähnchen angesprochen. Die Leute hupen und winken. Nach einigen Stunden kehrte ich ein und wurde sofort von 3 Pensionären mit ‚HoppSchwyz‘ begrüsst. Die haben alle in der Schweiz gearbeitet und sind zurückgekehrt. Später lud mich einer auf der Strasse zu einem Kaffee ein. Wir setzten uns zu Dritt an einen Tisch, das Velo mit dem Fähnchen hinter mir. Dann standen sage und schreibe 6 weitere Personen von Ihren verstreuten Tischen auf, kamen mit ihren Stühlen zu uns und begrüssten mich, alle in deutsch. Selbst der Imam des Ortes bedankte sich, dass ich sein Land mit meinem Besuch beehre. Eine grosse Ehre und eine grossartige Erfahrung.

Morgen mache ich einen Ruhetag, trotzdem ich das Hotel wechseln muss.


Do, 23.4.2026, Debar, 96km. 2100HM.
Tirana, keine Ahnung, Debar. Wetter: Leicht bewölkt, 15°. Unterkunft: Hotel Kolonia, sFr 45.—.

Manchmal muss man etwas den Kopf anschlagen, denn nur dann lernt man seine Grenzen kennen. Heute habe ich den Kopf etwas angeschlagen. 2100HM und 96km waren grenzwertig. Aber ich bin nun in NordMazedonien. Glücklich und zufrieden, es geschafft zuhaben. Im gebuchten Hotel wurde ich in breitem Zürichdeutsch empfangen. NordMazedonier zwar, aber in Zürich aufgewachsen.


Mi, 22.4.2026, Tirana, 45km
. Bari, Fähre, Durres, Tirana. Wetter: Bewölkt, 20°. Unterkunft: Hotel Lot, sFr 71.—.

Kurze Fahrt über teilweise fürchterliche Strassen bei grossem Verkehr (anspruchsvoll) nach Tirana, der Hauptstadt von Albanien. Ich hatte einen halben Tag zum Ausruhen und werde darum morgen weiterfahren. Es gibt eine wahre HöhenmeterOrgie.


Di, 21.4.2026, Bari, 65km.
Barletta, Trani, Bisceglie, Molfetta, Giovinazo, Bari. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Fähre, sFr 90.— incl. Kabine.

Ereignislose Fahrt nach Bari, ausser natürlich, dass ich, einmal mehr, plötzlich am Ende eines Weges stand und ich eine Strasse danach nur über einen zum Glück ausgetrockneten Bach erreichte. In Bari verbrachte ich einige Stunden bevor ich um 8 Uhr auf die Fähre nach Durres in Albanien einchecken konnte. Die Fähre startet um 22 Uhr und landet um 8Uhr. Ich habe eine Schlafkabine gebucht.


Mo, 20.4.2026, Barletta, 104km.
Apricena, nichts, nichts, nichts, Trinitapoli, Barletta. Wetter: Wolkenlos, 20°. Unterkunft: B+B Casa vacanza al castello, sFr 52.—

Die Fahrt führte 80km (in Worten achzig) durch vollständig ebenes, intensiv und grossflächig bewirtschaftetes Landwirtschaftsland, aber ich kam an keinem bewohntem Haus vorbei, schon an gar keinem Dorf und somit auch an keinem Restaurant, und das am ersten Tag, an dem ich kein Frühstück bekam. Auch danach wurde die Fahrt nicht interessanter und ich war froh, nach, wie üblich, langem Suchen mein B+B gefunden zu haben. Es gibt in dieser Stadt 2 Hotels und etwa 20 B+B‘s. 

So, 2026.04.19, Apricena, 111km.  Casalbordino, Vasto, Termoli, Apricena. Wetter: Reine Sonne, 22°. Unterkunft: B+B Corsa Roma, sFr 51.—.

Nach einem schönen Radweg war einfach Ende, kein Weiterkommen. Ein äusserst steiler SingleTrail führte einen dichten Wald hinauf. Wohin der führte hatte ich keine Ahnung. Ich probierte mal und kam nach grössten Anstrengungen (mein Herzinfarkt lässt grüssen) irgendwann oben an und stand vor einem grossen Gefängnis mit Dreifachzaun. Nach einer Abfahrt gelangte ich wieder auf das alte Bahntrasse. Weil die Strasse später wieder gesperrt war musste ich einen 10km Umweg ins Landesinnere unternehmen, über ein sehr schönes Hochplateau mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung.

Dann aber kamen 25km auf der zwar sehr gut gebauten und mit einem komfortablen Pannenstreifen versehenen SS16. Relativ schnell, platscheben, aber sehr langweilig. Vor Abricena kam ich an sehr grossen Kalk-und Marmorbrüchen vorbei. In Aprigena suchte ich geradezu verzweifelt mein gebuchtes B+B, ich fand es und es ist sehr schön.


Sa, 18.4.2026, Casalbordino, 112km
. Martinsigura, Pescara, Ortona, Casalbordino. Wetter: Superschön, 20°, Rückenwind. Unterkunft: Hotel Solaris, sFr 70.—.

Auch heute wieder: Platschebene Landschaft auf sehr guten Radwegen, manchmal auch auf guten Strassen mit wenig Verkehr. Rechts von mir die imposante Bergwelt der Abruzzen, komplett verschneit mit Bergen von fast 3000 Metern. So schön die Radwege auch sind, manchmal muss man den Zugang verdienen. Nach dem kleinen Hügel auf Ortona führte eine steile Kiesstrasse bis knapp an den Radweg. Allerdings unter der Bahn hindurch auf einem 50cm schmalen ‚Weg‘ über einem Weiher unbekannter Tiefe. Ich habe ein schweres Velo mit Gepäck und dieses war dauernd am Abrutschen.

Dann allerdings geriet ich wieder einmal auf einen Super Veloweg, natürlich auf einem alten Bahntrassee. Der heutige Veloverkehr war intensiv (Samstag) und ich genoss die schnelle Fahrt nach Casalbordino. Das gebuchte Hotel ist gross aber praktisch wohl leer. Im einzigen Restaurant unten am Strand gab es einzig eine Fingerpizza, sonst nichts. Sie war zumindest gut.


Fr, 17.4.2026, Martinsiguro, 104km
. Ancona, SanGermano, PortoRecanati, Martinsiguro. Wetter: Praller Sonnenschein, 20°, Rückenwind. Unterkunft: Hotel FalcoAzzurro, sFr 66.—.

Zuerst ging‘s für zwei Stunden in die Berge. Nicht gerade hoch, mein Navi führte mich allerdings wieder einmal über steilste An-und Abstiege auf Strässchen, bei denen ich nie sicher war, wohin sie führten. Eine geradezu wilde Berg und Talfahrt. Ich hätte besser die Hauptstrasse genommen. Irgendwann landete ich dann aber wieder an der Küste mit den platschebenen Strassen. Mit dem andauernden Rückenwind war ich schnell und konnte die viele Zeit in den Bergen wieder wettmachen.


Do, 16.4.2026, Ancona, 102km.
Rimini, Catholica, Pessaro, Ancona. Wetter: Eitel Sonnenschein, 20°. Unterkunft: Hotel DellaRosa, sFr80.—.

Na ja, ohne Krämpfe ging der gestrige Tag nicht über die Bühne. Allerdings begannen die Überfälle erst im Bett und ich benötigte drei Garben Salz, damit wieder Ruhe einkehrte.

Aber heute konnte der Unterschied zu gestern kaum grösser sein. Nur gut 100km, schön und warm mit durchgehendem Rückenwind. Dabei 2/3 auf durchgehenden abgesetzten Radwegen, meist dem Meer entlang. Die Strände sind noch komplett leer. An vielen Orten wird der Strand mit Bulldozern, Gradern und grossen Eggen planiert, ausserdem wird viel Schwemmholz entsorgt. Die Tourismusindustrie muss hier gigantisch sein. Nebst feinen Hotels gibt es aber auch ziemlich schmuddelige Gegenden, ich habe das Gefühl, Ancona gehört auch etwas dazu. Und das sensationelle Wetter geht weiter.

Mi, 15.4.2026, Rimini, 126km. Wetter: Bedeckt, viel Regen, 12°. Unterkunft: Hotel Luxor, sFr. 50.—.

Der erste Tag auf dem Velo ist immer eine Zäsur. Da entscheidet es sich, ob ich noch an die Leistungen der Vergangenheit herankomme oder ob sich Schwierigkeiten auftun. Nach 126km kann ich feststellen: Ich hatte keinerlei Probleme, auch wenn, wie ich zugeben muss, dass die Strecke platscheben und pfeifengerade verlief. Das Wetter allerdings war herausfordernd, ziemlich kalt und mit viel Regen. Der ganze Tag erforderte Regenkleidung. Aber auch das ertrug ich geradezu stoisch. Rimini ist  wie ausgestorben. Ein solches Luxuszimmer für 50 Franken ist geradezu ein Verzweiflungsangebot. Und auch ein vollständiges Menue mit Apero und Wein für 27 Franken, gleich daneben, ist für mich unvorstellbar. Und danach will ich nur noch schlafen.

Di, 14.4.2026, Bologna mit Zug. Wetter: Bedeckt, leichter Regen. Unterkunft: Hotel San Donato, sFr. 200.—.

Fahrt mit Schweizer Zug nach Mailand, danach nach Bologna. Ich habe ja leichtes Gepäck, das Velo über die steile ZugsTreppe des ItaloZuges zu hissen ist allerdings eine Zumutung. Durch Bologna kam ich schon einmal auf meiner Reise ZentralEuropa1. Die Stadt empfinde ich jedesmal imposant. Morgen beginnt die Veloreise Richtung Rimini.


Mo, 13.4.2026, Wetzikon-Lugano mit Zug
. Wetter: Bedeckt, Regen, 12°. Unterkunft: Hotel Federal, sFr 170.—.

Fahrt mit dem Panoramazug über die alte Bahnstrecke nach Lugano.