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Ab Beginn meiner Reise erstelle ich jeden Tag einen Tagesbericht mit Fotos, allerdings, nur wenn ich W-Lan zur Verfügung habe. Das Tagebuch beginnt zuunterst auf dieser Seite, der neueste Eintrag ist zuoberst.

Tagebuch NordAmerika

Zusammenfassung NordAmerika

Velodistanz ab Start in Wetzikon/Faibanks (Alaska/USA) am Mo, 8.7.2019 - Phoenix(Arizona) am Sa, 14.9.2019: 6’935 Velo-km in 71Tagen, davon 18 Reise-,SightSeeing-und Ruhetage sowie 53 aktive VeloTage.  Mittlere TagesDistanz pro aktivem VeloTag 131km.

Summary

Alaska

In der ersten Woche unternahm ich in Alaska SightSeeingTouren ohne Velo. Mit dem Zug fuhr ich nach Seward im Süden und nach Norden nach Fairbanks. In einer geführten kleinen Gruppe besuchte ich die Öl-Schatzkammer PrudhoeBay mit einem obligaten Bad im EisMeer und flog mit einem Piper zurück nach Fairbanks. Von dort startete ich per Velo nach Süden.

Yukon, Canada

Schon bald überquerte ich die Grenze zu Kanada in den Yukon, ins ehemalige GoldgräberLand mit Klondike als magischem AnziehungsPunkt. Die Gegend war fast so einsam wie Sibirien vor einem Jahr, aber zumindest kreuzten mich einige Bären, einige Wölfe, viele Malibus und einige Moose (Elks).

British Columbia, Canada

Die Grenze zu BC liegt exakt auf dem 60-sten BreitenGrad und geändert hat sich nichts. Die Einsamkeit ist fast total, die Strecken von Unterkunft zu Unterkunft viel zu lang und es war vor allem immer unsicher, ob sie überhaupt existierten. Die Fahrt entlang dem FraserRiver werde ich allerdings nicht mehr vergessen - ein Abenteuer.

Washington, USA

Nach Vancouver (Kanada) im US-Staat Washington kamen Schwierigkeiten auf mit Unterkünften. Über weite Distanzen hatte es keine oder sie waren ausgebucht. In Washington fuhr ich durch eine äusserst intensiv betriebene HolzWirtschaft. Von Kahlschlag über alle Zwischenstufen von NeuWald und vor allem vorbei an gigantischen Sägewerken und HolzVerarbeitungs-Betrieben.

Oregon, USA

Oregon bleibt mir in Erinnerung mit einen fürchterlichen 9-Sunden Regentag aber auch mit den Fahrten entlang der sehr attraktiven PazifikKüste.

Nord California, USA

Die Gegend war dominiert von den RedWoods, den Bäumen der Gattung Sequoia. Ich fuhr total mindestens 100 Km durch Wälder bestehend aus diesen Riesenbäumen. Da kam ich mir wirklich wie ein Zwerglein vor. Ein phantastisches Erlebnis.

Mittel California

Mittel California war für mich das  NappaValley und CentralValley. Das NappaValley ist das grösste WeinanbauGebiet der USA und das CenralValley der Obst und GemüseGarten der Superlative. Und beides funktioniert ausschliesslich durch künstliche Bewässerung mit Wasser von den umliegenden Gebirgen und massenhaft Energie für den PumpBetrieb. Mit dem Velo konnte ich all die Zusammenhänge miterleben.

Süd California

Nach einem sehr schwierigen KrampTag über den Tehachapi-Range (Abschluss des CentralValley) kam ich hinunter in die MojaviWüste, zu der auch das DeathValley gehört, das ich vor einem halben Jahr mit ziemlichen Schwierigkeiten durchquert hatte. 

Arizona, USA

Phoenix liegt nur wenig westlich von California und da fuhr ich dann nach 650 km durch die MojaveWüste hin. Bei 40° Wärme fing dann aber mein Körper das erste Mal auf dieser Reise an zu streiken. Ich kam trotzdem an.

So/Mi, 15./16.9.2019, SanFrancisco/ Wetzikon.

Morgens um 3Uhr fuhr ich bei bereis fast 30° zum Flughafen. Der Check-In samt Velo funktionierte problemlos. In SanFrancisco musste ich allerdings 6 Stunden ausharren und den langen Flug nach Zürich überlebte ich dann auch noch. Nach Wetzikon fuhr ich auf dem Velo.

Sa, 14.9.2019, Phoenix2. Wetter: Schön, 35-40°.

Mein Körper hat sich wieder erholt, ein weiterer Velotag wäre allerdings nur nach einem Ruhetag möglich gewesen, und von jetzt an habe ja genügend davon. Der Flughafen befand sich nur 6km von meiner Unterkunft entfernt. Indem ich hinfuhr konnte ich die Örtlichkeiten erkunden, denn morgen bei Dunkelheit würde alles schwieriger sein. Im Terminal konnte ich sicherstellen, wo ich einen VeloKarton erhalten würde.

Nun bin ich also in Phoenix angekommen. Von hier habe ich 2015 meine Reise durch ganz ZentralAmerika bis nach PanamaCity gestartet und 2017 bin ich ab Bogota durch ganz SüdAmerika bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt gefahren. Von Alaska bis Feuerland, die ganze PanAmericana.

Freitag, 13.9.2019, Phoenix, 89km. Wetter: Schön, 40°. Unterkunft: Motel Super8, sFr 102.—.

Die ersten 40km war ich sehr schnell unterwegs. 4-spurige SchnellStrasse mit 4m SeitenStreifen und Rückenwind. Ausserdem schleppte mich der Sog des mich überholenden Verkehrs immer etwas mit. Aber dann fing ich innerhalb von 20 km drei Plattfüsse ein, selbstverständlich alle hinten. Schon bei der ersten Reparatur fingen meine Finger an zu streiken. Bei der dritten verkrampften nicht nur die Finger, sondern der ganze Oberkörper. Ich kriegte die Reparaturen zwar hin, zweifelte aber ernsthaft, ob ich die verbleibenden 30km noch schaffen werde. In einem MacDonald und in einem Denny‘s kehrte ich ein und machte je eine halbe Stunde Pause. Das half und ich fuhr auf ein Super8 zu mitten in der Stadt, checkte ein, trank ein gekauftes Bier und wehrte mich ziemlich erfolgreich gegen wechselnde Krämpfe. Dann suchte ich einen Velohändler auf, aber der hatte keine VeloTransport-Kartons, in einem ItalienerRestaurant ass ich meine obligate AntiKrampfSuppe mit viel Salz und liess mich danach nur noch auf‘s Bett fallen.

Do, 12.9.2019, Wickenburg, 117 mit Velo, 60km mit Taxi. Wetter: Schön, 35°. Unterkunft: Motel BestWestern, sFr 118.—.

Auch heute fuhr ich wieder durch die gleiche, ebene Wüste/Steppe wie schon seit Tagen. Plötzlich allerdings war alles grün um mich herum mit Intensiv-Landwirtschaft wie im CentralValley. Überall schöpften grosse PumpSysteme GrundWasser aus dem Boden. Es ist ganz erstaunlich, dass in solchen WüstenGegenden so grosse GrundWasser existieren. Danach ging wieder alles in Wüste über.

Das Phänomen ist mir natürlich bekannt. Nachdem meine Finger sich verkrampfen sind als nächstes die Beine dran und wenn‘s ganz dick kommt der ganze Körper. Bei Kilometer 115 konnte ich endgültig nicht mehr fahren. Ich stosste das Velo und versuchte, eines der wenigen durchfahrenden Autos anzuhalten. Ich war allerdings wenig zuversichtlich, dass einer in einer derart abgeschiedenen Gegend anhalten würde (ist viel zu gefährlich). Aber einer hielt und nahm mich mit bis Aquila (einige Häuser). Dort versuchte ich in einem kleinen mexikanischen Markt jemanden zu finden, der mich nach Wickenburg fahren würde. Es wurde sehr kompliziert, doch schlussendlich fuhr mich die Amiga eines Amigos einer Amiga tatsächlich nach Wickenburg. Gut, einmal auf fast 7000km musste das ja passieren. Ich bin wohl wirklich reif für die Rückreise. Morgen werde ich Phoenix erreichen.

Mi, 11.9.2019, Parker, 183km. Wetter: Schön, 30-35°. Unterkunft: Motel Quality Inn, sFr 84.—

Die Tage werden massiv kürzer und heute hatte ich einen 12 Stunden VeloTag vor mir. Es gibt erst wieder in Parker Unterkünfte. Ich startete also knapp nach  6 Uhr bei Dunkelheit. Die Strasse war gut, der Verkehr gering und der Tag brach schnell an. Also gab ich Gas, denn spätestens um 7 Uhr abends ist es dunkel. Es durfte also nichts passieren. Schon am Ausgang der Stadt kam ein Schild: Next Service in 100 Miles. Eigentlich glaubte ich das gar nicht, am Ende des Tages allerdings schon. Es gab für die nächsten 160 km nie ein Haus, gar nichts. Ich fuhr den dritten Tag hintereinander durch die riesige MojaveWüste, meist auf ebener Strasse, den Wind eher zu meinen Gunsten, fast ohne Verkehr; manchmal fast etwas gespenstisch. Totale Einsamkeit, ich hörte nur meinen FahrtWind und meinen Atem. Erst gegen Abend wurde der Verkehr etwas stärker. Für etwa 40km fuhr ich neben einem grossen Kanal, der Wasser vom ColoradoRiver nach LosAngeles führt. Wenig nördlich von Parker staut der ParkerDamm den ColoradoRiver zum Lake Havasu. Gewaltige Bauwerke fast ausschliesslich zur Wasserversorgung SüdCalifornias und Arizonas, denn auch der grösste Teil des produzierten Stroms wird für die Wasserverteilung mittels Pumpen verwendet. Ich war schnell unterwegs und erreichte Parker schon um 5 Uhr. Aber morgen habe ich noch einmal einen 180 km vor mir, hoffentlich geht es so schnell wie heute.

Di, 10.9.2019, Twentynine Palms, 145km. Wetter: Schön, 30-35°. Unterkunft: Motel6, sFr 61.—.

Heute fuhr ich den ganzen Tag auf einer legalen Strasse und wie schon gestern durch die grosse MojaveWüste, durch ebenes bis hügeliges Gelände bei nur sehr kleinem Verkehr. Und ich stieg in einem Haus einer MotelKette ab, bei der ich die Qualität kenne. Gestern war das nicht der Fall, das Haus war unaufgeräumt und schmuddelig, ausserdem killte ich sechs Käfer.

Mo, 9.9.2019, Victorville, 129km. Wetter: Schön, 30°. Unterkunft: Motel Sunset Inn, sFr 75.—.

Lediglich 150km nördlicher bin ich vor einem halben Jahr parallel durch das DeathValley gefahren. Heute allerdings folgte ich dem Navi in der Nähe des Freeways bis zu einer Tafel: No Through Way. Ich fuhr trotzdem noch weiter bis die Strasse ganz einfach aufhörte, resp in einen schmalen Sandweg überführte. Da fahre ich nie durch. Ich fuhr zurück auf den Freeway. Dass der für mich illegal ist kümmerte mich nicht, ich hatte gar keine Alternative. Der Wind war viel weniger stark als gestern, trotzdem kam ich auf der total ebenen Strasse sehr gut vorwärts. Nach 60 km bog ich wieder in eine legale Strasse. Den ganzen Tag fuhr ich durch die MojaveWüste, die ist drei Mal so gross wie die Schweiz. Ich kam an Boron vorbei mit der weltgrössten Borax-Mine der Welt (Borax ist ein Salz für die chemische GrundIndustrie). Und knapp vor meiner heutigen Destination sah ich von weitem mehr als hundert Heckflossen von parkierten VerkehrsFlugzeugen.

So, 8.9.2019, Mojave, 35km. Wetter: Schön, starker Westwind, 25°. Unterkunft: Best Value Inn, sFr 64.—.

Ich fuhr über die weite Hochebene auf etwa 1200müM um danach auf den wirklichen Tehachapi-Pass auf 1450müM anzusteigen. Ich hatte starken Westwind und der stiess mich richtiggehend den Pass hoch. Und dann fing der WindPark an. Nicht nur die sehr breite PassKannte ist bestückt mir WindRädern. Hinten hinunter wird der Fallwind auf eine Tiefe von 20 km abgefangen mit total sage und schreibe 5000 Windmühlen mit einer installierten Leistung von 700MW (wie AKW Beznau). Ich fuhr somit nach Mojave auf 850müM hinunter in die gleichnamigen Wüste, zu der auch das DeathValley gehört. Im Westen sehe ich nur Windräder. Der Wind ist sehr stark, sicher 30-40km/h. Gegen diesen Wind könnte ich nicht einmal mehr aufsteigen. Aber ich habe ja Glück, die Hälfte der morgigen Strecke fahre ich nach Osten danach nach SSO, der Wind wechselt also von Rücken-zu Seitenwind.

Die Gegend ist ein Zentrum für die ZwischenLagerung von VerkehrsFlugzeugen. In gigantischem Ausmass. Von NeuFlugzeugen wie der momentan unverkäuflichen Boeing 737Max8, über Occasionen für den WiederVerkauf bis zu riesigen SchrottPlätzen von AltFlugzeugen. Dabei profitiert die WüstenGegend vom trockenen Klima und davon, dass weder StandPlätze noch Landebahnen asphaltiert werden müssen. Der harte Wüstenboden genügt. Und stören tut‘s ohnehin niemanden. Es gibt ja kaum Menschen.

Sa, 7.9.2019, Tehachapi, 118km. Wetter: Schön, 35°.  Unterkunft: Motel ShureStay, sFr 125.—.

Das sollte ein schwieriger Tag geben. Bis Bakersfield fuhr ich nochmals durch das flache CentralValley, nach Bakersfield allerdings fing das Steigen an. Der FreeWay war mir untersagt, also nahm ich die vorgeschriebene NebenStrasse. Wesentlich weiter und zerklüfteter zwar aber fast ohne Verkehr. Ich musste über den Tehachapi-Range, das südliche AbschlussGebirge des CentralValley mit einer Kulmination von 1250müM. Irgendwann musste ich den Freeway überqueren. Eine sehr steile Strasse führte mich weit hinunter über die Bahnlinie. Als es noch viel steiler wurde hielt ich an und konsultierte mein Navi. Ganz knapp konnte ich noch sehen, dass ich völlig falsch fuhr. Dann verblasste das Display meines iPhones total. Es war zu heiss. Ich legte es über meine Gatorates unter meiner Daunenjacke, um es ev. noch etwas abkühlen zu können. Meine Strasse hatte ganz einfach aufgehört zu existieren.

Ich stosste somit das Velo den ganzen Weg zurück auf den FreeWay. Auf diesem fuhr ich, wissentlich völlig illegal weiter nach Osten bis nach Tehachapi, einer Ortschaft auf dem Pass gleichen Namens. Schon lange vor dem Pass bekam ich unerwartet wieder einmal grosse Probleme mit OberSchenkel-Krämpfen. Mit der Zeit konnte ich nicht einmal mehr aufsteigen und noch schlimmer, kaum mehr das Velo stossen. Trotz all der Probleme erreichte ich die Ortschaft gehenderweise und landete in einer SportsBar. Ich bestellte den grösstmöglichen Kübel LightBeer und eine Suppe. Ich brauchte Flüssigkeit und Salz. Viel! Dank W-Lan fand ich heraus, dass es in diesem Ort Unterkünfte gab und für mich wurde klar: Ich fahre keinen Meter mehr (konnte ich schon gar nicht mehr) Zu meiner anvisierten Unterkunft war es lediglich ein Kilometer. Ich zweifelte daran, ob ich überhaupt aufsteigen könnte. Allerdings, die Frage erübrigte sich: Mein hinterer Pneu war komplett platt. Nach einem Kilometer VeloStossen checkte ich ein, reparierte meinen Platten und ging im benachbarten SushiRestaurant eine Miso-Suppe essen. Zu mehr reichte mein Appetit nicht und eigentlich wollte ich nur nochmals zwei Bier.

Übrigens: Auf der Fahrt zum Pass fuhr neben mir die Eisenbahn. Und nicht nur wir in der Schweiz haben offene KehrSchlaufen wie in Brusio. Gleich neben mir gab es nicht nur zwei, sondern drei Ebenen (so wie in Wassen, aber eben nicht in Tunnels). Ich konnte tatsächlich Fotos machen mit Zügen auf allen Ebenen. Wegen 30 Sekunden allerdings nicht Züge auf allen drei Ebenen gleichzeitig.

Ich glaube, heute hatte ich die grösste FlüssigkeitsAufnahme aller Reisen: Über acht Liter. Mein schwarzes Leibchen war zu einem grossen Teil weiss vom ausgeschiedenen  Salz meines Schweisses. Für die Nacht hoffe ich, ich habe meinen Körper mit Flüssigkeit und Salz zufriedenstellen können. Nur keine Krämpfe mehr. Die killen mich. Morgen bleibe ich vorerst einfach mal liegen. Ich war buchstäblich nudelfertig.

Fr, 6.9.2019, Wasco, 145km. Wetter: Schön, 35°. Unterkunft: Motel Cindarella, sFr 70.—.

Gestern Abend kontrollierte ich mein Velo nochmals - das hintere Rad war wieder platt. Zum 4.Mal. Ein fast nicht wahrnehmbarer Pflanzendorn drang durch den ‚unplattbaren‘ (gemäss Werbung) Reifen. Ich wundere mich einmal mehr, dass man in der Werbung derart dreist lügen darf.

Ich fuhr weiter durch hochintensive Früchte- und WeinKulturen, aber auch durch Gras und MaisWirtschaft mit den dazugehörigen gigantischen ViehMastBetrieben. Mehrere Male schaute ich zu wie mit grössten Baumaschinen, wie ElevatorScrapern die Landschaft ausgeebnet wird, damit sich bei der Bewässerung ja nirgends ein See bildet. Die TraubenErnte ist im Gange und die Anzahl ErnteHelfer muss unglaublich hoch sein. Und gegen Abend fuhr ich in die wichtigen Ölfelder von Bakersfield, wo ich morgen vorbeifahren werde. Zwischendurch waren grosse Gebiete nicht bewirtschaftet und genauso sah das ganze CentralValley aus, bevor alles bewässert wurde - es war eine einzige, völlig vertrocknete gelbe Steppe.

Heute habe ich den 6‘000-sten Kilometer durchfahren.

Do, 5.9.2019, Fresno2, Ruhetag. Wetter: Schön, 35+.

Auch über Fresno, einer 500‘000-EinwohnerStadt gibt es nichts zu berichten. Allerdings musste ich herausfinden, dass ich meine TagesDistanzen wieder erheblich verlängern muss, die Gegend wird wieder einsamer und gegenüber den letzten Tagen hügeliger und anstrengender. Ein richtiger SchlussSpurt also.

Mi, 4.9.2019, Fresno, 123km. Wetter: Schön, 35°. Unterkunft: Motel La Quinta, sFr. 112.—.

Ich sah wieder die gleiche platschebene Landschaft, nur dass auf dieser Strecke auch viel Baumwolle und Reis angebaut wurde. Und ich hatte ein Problem: Wie kann ich in einer Ebene stehend die Ebene fotografieren? Ich habe noch tausend Kilometer vor mir und verbringe morgen hier meinen letzten Ruhetag. Trotzdem ich meine TagesDistanzen seit Vancouver stark reduziert habe werde ich wohl eine Woche zu früh in Phoenix ankommen.

Di, 3.9.2019, Los Banos, 109km. Durch das CentralValley. Wetter: Schön, 35°. Unterkunft: Hotel La Quinta, sFr 109.—.

Das war der flachste Tag der Reise, kein Hügel, nicht einmal eine Überführung. Während 80km fuhr ich fast ausschliesslich durch Mandel-und Baumnuss-Kulturen. Die Mandeln sind reif und fallen von den Bäumen. Dann werden sie ganz einfach aufgewischt. Die äussere Schale wird dem Vieh verfüttert, die innere dient als Einstreu. Das CentralValley ist mit Abstand das grösste MandelAnbaugebiet der Welt mit einem WeltmarktAnteil von sage und schreibe 80%. Dann kam Tomatenland. Die Ernte ist in vollem Gange. Und eine 30-Tonnen LW-Ladung nach der andern wird zu riesigen VerarbeitungsBetrieben gefahren und dort zu TomatenDerivaten verarbeitet. Am Schluss kam noch Viehzucht mit Grasland und Mais. Alles Kulturland (auch Gras) muss bewässert werden. Im Sommer gibt es nur Sonne, der Regen fällt im Winter (darum ist es im Frühling wohl grün) und wird in grossen Reservoirs gesammelt. Die Bewässerungs-Logistik und die einmal erarbeitete Infrastruktur mit Staudämmen, Kanälen,  PumpSystemem und vor allem die FeinVerteilungen sind Meisterwerke. Ohne Bewässerung würde ich wohl durch reine Wüste fahren. Dank der Bewässerung allerdings durch eine LandWirtschaft mit höchster Produktivität.

Mo,2.9.2019, Tracy, 105km. Wetter: Schön, 35°.  Unterkunft: Model6, sFr 75.—.

Ich fuhr um halb sieben ab, denn ich wollte bis nach Modesto kommen, wo ich schon auf der TransAmerika vorbeigekommen war und übernachtet hatte. Aber schon am frühen Morgen hatte ich meinen dritten Platten und brauchte sage und schreibe 1.5 Stunden um das DoppelLoch zu flicken. Nach Concord fuhr ich 60km auf der gleichen Strasse wie im April. Nur, im Herbst sieht die Landschaft völlig anders aus. Gemäss meinen Fotos stand im April alles, vor allem auch die Wiesen in sattem Grün, Heute gibt‘s keinen grünen Grashalm, alle Wiesen sind strohgelb. Grosse Flächen sind auch abgebrannt, zum Teil sicher auch abgefackelt. Aufgrund der langen Reparatur stieg ich schon in Tracy zu einer Übernachtung ab.

So, 1.9.2019, Vallejo, 131. Wetter: Schön, 30-35°. Unterkunft: Motel BestValue Inn, sFr 115.—.

Heute fuhr ich bei besten Bedingungen fast ausschliesslich durch Weinland. Die ersten 40km durch das Alexander Valley, dann über einen einfachen Pass mit Viehzucht (alles Gras ist überall verdorrt und gelb, die Kühe fressen auch das) ins berühmte Nappa-Valley, dem ich etwa 80km folgte. Das Nappa-Valley ist die grösste Weingegend der USA. Fast alle Weine, die wir auch in der Schweiz kaufen können sind von hier. Gross sind auch die HerrschaftsHäuser der WeinBauern. Und heute Sonntag hatten alle offene Türen für Degustationen, alle Parkplätze vor den Häusern waren besetzt und ausserdem kamen ganze CarLadungen vorbei. Hier in Vallejo bin in im Grossraum von San Francisco angekommen.

Sa, 31.8.2019, Cloverdale, 127km. Wetter: Schön, 30-35°. Unterkunft: Oaks Inn, sFr 165.—.

Erst fuhr ich noch 30km entlang der Küste und zweigte dann ins LandesInnere ab, folgte 30 km entlang des  NavarroRivers durch sehr dunkle Redwoods auf sehr schmaler, aber diesen Sommer neu asphaltierten Strasse (das sind noch Aufträge). Dann kam ich in ein Gebiet mit vielen Weingütern, Obst- und NektarinenHainen. Die letzten 50km allerdings fuhr ich durch reine Wildnis mit Wald, Buschlandschaften und verdorrtem Gras durch eine sehr hügelige Topografie mit vielen Passagen des VeloStossens.

Bei der Einfahrt nach Cloverdale interessierte mich nur noch eines: Gibt es hier trotz LabourDay irgendwo eine Unterkunft. Das erste Motel war ausverkauft, gemäss booking.com gab’s am Ort überhaupt keine freien Zimmer mehr (gestern hatte es noch welche, allerdings zu horrenden Preisen. Aber ich hatte Glück und fand ein Motel. Der Preis hat zwar auch einen LabourDay-Aufschlag, aber ich bin zumindest wieder am ‚Schärmen‘.

Fr. 39.8.2019, Fort Bragg, 109km. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Motel Oceanside, sFr 136.—.

Auch heute fuhr ich wieder durch grosse RedwoodWälder, wieder entlang dem EalRiver, dann über einen stotzigen Pass und als ich mich schon an der Küste wähnte kam ein zweiter stotziger Pass. Dann aber führte die Strasse über der PazifikKüste bis nach Fort Bragg. Heute war die Strasse für amerikanische Verhältnisse sehr schmal, meist ohne SeitenStreifen aber da der Verkehr sehr gering war fühlte ich mich trotzdem immer sicher.

Ich habe gestern etwas gegoogelt. Die grössten RedWoods erreichen eine Höhe von 100 Metern (und ein Alter von über 2000 Jahren). Die grössten Bäume um mich herum waren wohl etwa 60-70 m hoch. Zum Vergleich: Die Türme des Grossmünsters haben eine Höhe von 64m!  Wer da nicht ehrfürchtig wird ist nicht von dieser Welt.

Heute erfuhr ich, dass Garberville (mein gestriger Übernachtungsort) ein HotSpot ausgeflippter Menschen ist, die in den umliegenden Bergen und Wäldern massenhaft Marihuana produzieren. Allerdings ist ihnen der Verdienst drastisch in den Keller gerutscht, seit der Stoff in vielen Staaten legalisiert ist und sich somit ein hochprofessioneller Markt gebildet hat.

Heute erfuhr ich auch, dass am Montag LabourDay ist, ein Feiertag also. Morgen und übermorgen schiessen die HotelPreise durch die Decke. Mein sehr bescheidenes Motel, das billigste am Ort, verlangt für die nächsten zwei Nächte fast den dreifachen Preis. Ich werde morgen die Küste mit ihren schönen Stränden verlassen und durchs LandesInnere fahren mit weniger attraktiven ReiseZielen.

Do, 29.8.2019, Garberville, 119km. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Motel Garberville, sFr 98.—.

Anfänglich fuhr ich knapp über grosse Marsh-Gebiete, kam wieder an geradezu gigantischen HolzVerarbeitungs-Industrien vorbei und fuhr dann ab der Hauptstrasse in die ‚Avenue of the Giants‘. Für 80 km fuhr ich zwar wieder durch Wald, aber was für ein Wald, eben durch die Giants, durch die Riesen, durch den Redwoods-State-Park. Das war mein schönster ReiseTag auf allen meinen Reisen. Diese Wälder sind erhaben, sie sind Ehrfurcht einflössend, sie sind grandios. Die Strasse war zwar eng, dafür hatte es fast keinen Verkehr. Ein wunderbarer Tag. Am Abend allerdings geriet ich in ein Restaurant mit lauter ausgeflippten Leuten. Katastrophen-Musiker, Junkies, Randständige und draussen vier Obdachlose mit ihren Hunden. Solche Leute begegnen mir viel in Amerika. Der Kellner war ein derart ungehobelter Typ, dass ich erstmals kein Trinkgeld gab; doch, demonstrativ einen Penny. Allerdings, das halbe Sandwich mit einem SideSalat war in Ordnung.

Mi, 28.8.2029, Eureka2, Ruhetag. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20°.

Ein ruhiger Ruhetag, wie es sich gehört nach 1400km ab Vancouver. Eureka, da gibt es nichts zu zu sehen und nichts zu erleben aber mindestens ist der Name weltberühmt. Nicht wegen dieser Stadt. ‚Heureka‘ hat vor langer Zeit Archimedes, nackt durch die Strassen von Athen rennend gerufen, als er in der Badewanne das Prinzip des Auftriebes in Flüssigkeiten und Gasen entdeckt hatte. Heureka - Ich habe es gefunden! Seither wissen wir warum Holz schwimmt und ein HeissluftBalon in die Lüfte schwebt.

Di, 27.8.2019, Eureka, 108km. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Quality Inn, sFr 120.—.

Während 30 km fuhr ich ausschliesslich durch einen Wald mit sich überbietenden Bäumen, den RedWoods. Ich kam mir wie ein Zwerglein vor. Danach erreichte ich durch wechselnde Landschaften Eureka.

Heute habe ich den 5‘000-sten Kilometer durchfahren.

Mo, 26.8.2019, Klamath, 74km. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel Holiday Inn, sFR 186.—.

Eureka würde ich mit über 200km nicht an einem Tag schaffen und dazwischen war es mit den Unterkünften wieder einmal schwierig. Ich war deshalb ganz erstaunt, ein Holiday Inn angezeigt zu bekommen. Ich buchte es über booking. Schon bald nach Brooking fing das Steigen an auf etwa 400müM und die Bäume wurden grösser und grösser. Es waren RedWoods und die wurden gigantisch. Es gab eine Fahrt durch Riesen. Nach der langen Abfahrt kam ich an einem RiesenRummel vorbei. Es war ein Museum mit GiftShop und man konnte auf einem WaldTrail die Redwoods bestaunen und mit einer GondelBahn (natürlich schweizerischer Bauart, von CTW) über die Baumwipfel gondeln. Eine sehr eindrucksvolle touristische Installation. Einige Kilometer später fand ich den Grund für das Nobelhotel in der Pampa. Klamath besteht nur aus einigen Häusern, aber es ist eben ein IndianerReservat — und natürlich mit einem Casino. Wie man mit den paar Spielern allerdings Geld verdienen kann ist mir schleierhaft. Nach dem Nachtessen setzte sich ein Ehepaar um die 60 zu mir und wir hatten eine sehr angeregte Unterhaltung.

So, 25.8.2019, Brooking, 138km. Wetter: Schön, RückenWind, 20°. Unterkunft: Brooking Inn, sFr 92.—.

Bis Port Orford fuhr ich wieder durch dichten Wald. Danach aber entlang schönster Küste, nur unterbrochen durch die Umfahrung einer Steilküste durch die Humbug Mountains. Ab und zu gab‘s ein Feriendorf an der Küste und Surfer und Kiter am Strand. Eine sensationelle Fahrt und das alles wie schon die letzten zwei Tage mit einem Rückenwind von 10-20 km/h. So könnte es weitergehen — tut es aber nicht, der Wind kehrt. Aber man kann ja nicht immer Sonntag haben.

Sa, 24.8.2019, Bandon, 93km. Wetter: Schön, 20°, RückenWind. Unterkunft: Motel Lighthouse, sFr 160.—.

Trotzdem ich langsam aber sicher einen Ruhetag benötige fuhr ich heute morgen ab 6 30 weiter nach Süden. Ich hoffe immer noch auf einen schönen Ort zum Verweilen. Reedsport war es definitiv nicht. Und wenn‘s an einem schönen Ort etwas teurer wird, na ja, meine Erben werden mir‘s hoffentlich verzeihen. Die Reise war heute nicht mehr so attraktiv wie gestern. Ich fuhr meist hinter den lang gestreckten Dünen durch Wald, vorbei jedoch an mehreren landeinwärts gelegenen sehr schönen Seen. Nach NorthBend verliess ich die Hauptstrasse in der Hoffnung, wieder näher ans Meer zu gelangen. Anstelle dessen geriet ich durch eine sehr hügelige Landschaft durch Waldnutzungen aller VegetationsStufen, vom gerade erfolgten Kahlschlag über 20-jährige und 50-jährige Neunutzungen bis zu dem Wald, den es noch zu nutzen gilt. Vor allem aber handelte ich mir einen grossen Umweg ein und einen Haufen Höhenmeter. Fast alle Anstiege musste ich das Velo stossen.

Dann kam ich nach Bandon, realisierte ein pulsierenden TouristenLeben, sah an einem grossen Motel das ‘Vacancy‘-Zeichen und erhielt das letzte Zimmer (übrigens der ganzen Stadt, gemäss booking), allerdings eine ganze Suite, die ich ja gar nicht nutzen kann. Ich war so früh in Bandon, das das fast ein halber Ruhetag ergab.

Fr, 23.8.2019, Reedsport, 121km. Wetter: Schön, Rückenwind, 20°. Unterkunft: Economy Inn, sFr 60.—.

‚Discontent is the first step in the progress of a man or a nation‘. Gestern ging ich chinesisch essen. Es war viel zu scharf aber es gab, wie immer, ein kleines Cookie mit einem chinesischen Spruch darin, mit dem ich mich sofort identifizierte. Ich bin wohl zu alt um mich dank Unzufriedenheit noch gross verändern zu können und schon gar nicht um dies mit der Schweiz zu tun. Jüngere Leute sollten sich das aber sehr wohl überlegen.

Heute war schlicht ein traumhafter Velotag. Unter besten meteorologischen Bedingungen fuhr ich meist direkt entlang der Küste. Die MeeresBrandung in Sicht- und HörWeite. Abwechselnd den flachen SandStränden entlang und dann wieder über hohe Felsenklippen, die Brandung weit unter mir. Zuoberst auf dem Horn einer Steilküste gab‘s einen Lift hinab in ein offenes, eigentlich nur vom Meer her zugängliches HöhlenSystem. Da musste ich natürlich hinunter aber grossartig war die Anlage nicht. An und vor der Küste tummelten sich unzählige SeeLöwen. Die letzten 30km fuhr ich entlang einer grossen DünenKüste. Leider nur dahinter und durch Wald, aber irgendetwas muss ja die DünenBewegung aufhalten. Ich fuhr an einem BestWestern-Hotel vorbei zu einem Economy Inn und fühlte mich da ganz gut aufgehoben - zu einem Viertel des Preises.

Do, 22.8.2019, Newport, 74km. Wetter: Schön, 15-20°. Unterkunft: Motel Days Inn, sFr 110.—.

Welch ein Unterschied zu gestern! Bei schönstem Wetter fuhr ich weiter auf der CoastRoute entlang dem Pazifik nach Süden. Aber auch der Wind hatte um 180° gedreht und es scheint, der Rückenwind werde noch einige Tage anhalten. Die Küste ist sehr attraktiv. Weite SandStrände wechselten sich ab mit felsigen SteilKüsten, das Meer war meist in Sichtweite von der Strasse. Ich fuhr durch mehrere TouristenOrte, ich sah aber nie jemanden im Wasser. Wahrscheinlich ist die Brandung oder die WasserTemperatur nicht attraktiv für ein Bad. Ausserdem flieht das Wasser bei Ebbe weit weg. In Newport stieg ich schon um die Mittagszeit ab. Ich brauchte noch Zeit, um fast alles in den Saccochen zu trocknen. Die KomplettAbdeckungen der Saccochen lassen zwar von oben nichts zu, sie füllten sich aber bei so viel Regen wie gestern von unten (Spritzwasser) mit Wasser, was dann in die Saccochen ‚kappilierte‘. Morgen ist alles wieder trocken. Ausserdem war wieder einmal ein ruhigerer Tag durchaus angebracht, trotzdem ich mich generell bemühe, in einem Schnitt von 120km/Tag zu bleiben.

Mi, 21.8.2019, PacificCity, 123km. Wetter: Regen, 15°. Unterkunft: PacificCity Inn, sFr 166.—.

Es gibt nur selten so missliche Velotage wie heute. Es regnete vom Start weg bis zur Ankunft 9 Stunden durch. Ohne Pause. Dabei bin ich heute eine szenisch sehr schöne Route gefahren. Über eine wunderbare, aber sehr anstrengende Steilküste zB, mit andauernden Auf und Ab‘s und in den höheren Lagen einem gefährlichen Seiten/Gegenwind (rechts ging’s senkrecht hinunter, mindestens 100m und ohne SeitenStreifen) Aber was heisst schon schön; ich sah vor lauter Regen, Nebel und platschnasser Brille, die zudem immer wieder anlief ohnehin fast nichts und vor allem empfand ich nichts als schön. Vor dem vorbestellten Motel leerte ich meine ‚absolut’! wasserdichten Handschuhe aus (ein ordentlicher Gutsch) und ebenfalls meine WindjackenÄrmel (nach 9 Stunden DauerRegen hält auch Goretex nichts mehr), kurz ich war bis auf die Unterhosen und die Socken (trotz wasserdichter Abdeckung der Schuhe) platschnass.

Vor dem Motel konnte ich auch meine Saccochen-Überzüge und mein Velo mit einem WasserSchlauch ordentlich reinigen. Im grossen Zimmer benötigte ich jeden Vorsprung um all die nassen Kleider und Überzüge aufzuhängen und zu trocknen. Zum Glück gab’s eine Heizung. In einer nahe gelegenen ‚All AmericanBar’ gab’s ein Bier, Fish and Chips mit Salat sowie ein Glas Chardonnay. Es war wie immer sehr laut, die SportFernseher zeigten Baseball (was denn sonst?), der Laden war platschvoll. Fenster gibt’s nie. Das sind wohl die ursprünglichsten Orte, American Live zu erleben. Aber ganz grundsätzlich braucht jede grosse VeloReise solche Tage ab und zu. Dafür werde ich die nächsten schönen Tage wieder bewusster geniessen.

Di, 20.8.2019, Seaside, 124km. Wetter: Hochnebel, 20°. Unterkunft: Motel Starry Inn, sFr 120.—.

Ich fuhr vielfach der Küsten entlang mit einem äusserst flachen Ufer. Der MeeresSpiegel zieht sich bei einem TidenHub von 5 m um mehrere Kilometer zurück. Es gibt durch das eine ausgeprägte AusternIndustrie. Die 6.5 km lange Brücke über den ColumbiaRiver war alles andere als ein Vergnügen. Viel Verkehr, viel Wind und ein SeitenStreifen von lediglich 80 cm machten die Fahrt zu einer hochkonzentrierten Angelegenheit. Ich habe seit Tagen SüdWind. Bis jetzt war er allerdings schwach, bis heute Mittag. Da wurde es sehr anstrengend und ich war froh, dass ich meine Unterkunft nicht zu weit weg gebucht hatte. Seaside ist ein vibrierender TouristenOrt am Strand. Fast vollständig ausgebucht ausser zu Preisen über 400 Dollar. Eigentlich wäre ich gerne noch eine Nacht geblieben, aber eben, auch diese schöne Unterkunft ist ausgebucht.

Mo, 19.8.2019, Raymond, 106km. Shelton-McCleary-Montesano-Artic-Raymond. Wetter: Bewölkt, Abend schön, 20°. Unterkunft: Motel Pitchwood, sFr 119.—.

Eine ereignislose Fahrt durch eine Gegend, die wieder einmal grösstenteils durch die HolzWirtschaft dominiert ist. Grossflächiger Kahlschlag und grossflächige WiederAufforstung. Und natürlich mit den entsprechenden Sägereien, HolzKonfektionierungen und Vermulchung der Rinden usw.

So, 18.8.2019, Shelton, 89km. Edmonts-Seattle-Fähre-Bremerton-Allyn-Shelton. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20-25°. Unterkunft: Motel Super8 (reserviert), sFr 90.—.

Ich fuhr durch die fast verkehrsfreie Agglomeration und InnenStadt von Seattle (SonntagMorgen) und geriet in eine Unterführung. Das war allerdings ein 5km-langer Tunnel einer SchnellStrasse unter dem MeeresSpiegel, genau unter dem gesamten HafenBecken hindurch. Der Verkehr war sehr schnell, für mich aber völlig ungefährlich, denn der 3m PannenStreifen blieb bestehen. Nachher musste ich oberirdisch wieder zurück zum FährHafen. Die grosse Fähre, fast gar nicht besetzt, fuhr mich etwa 25 km nach Bremerton.

Ich dachte, nach Vancouver wäre ich aus den Wäldern heraus. Weit gefehlt. Ich fuhr fast ausschliesslich durch Wald, Wald allerdings, der intensiv bewirtschaftet wird. KahlschlagGebiete wechselten sich ab mit JungWäldern in verschiedenen EntwicklungsStufen. Seit Tagen fahre ich gegen den Wind. Und so wird es weitergehen. Diese Gegend kennt scheinbar nur SüdWest-Wind. Ich bin etwas vorsichtig mit meinen TagesDistanzen.

Sa, 17.8.2019, Edmonts, 137km. Burlington-OakHarbor-Coupeville-Fähre-PortTownsend-Kingston-Fähre-Edmonts. Wetter: Bewölkt, 20-25°. Unterkunft: Motel TraveLodge, sFr 123.—.

Gestern entschloss ich mich, den Grossraum Seattle zu umfahren. Und es war eine gute Entscheidung - anfänglich zumindest. Über eine grosse Insel kam mit einer Fähre nach Port Townwsend und wollte sicherstellen, dass die einzige Unterkunft im Ort, wo ich hinwollte auch ein Zimmer freihat. Hatte es nicht. Und auf die nächsten 100 km gab es gar keine Unterkunft. Also wollte ich hier in der schönen Hafenstadt mit mindestens 20 Hotels bleiben. Alles ausgebucht. Ich wurde langsam nervös und entschloss mich dann, wieder den Grossraum Seattle anzusteuern, nachdem ich dort ein Zimmer reservieren konnte. Dafür musste ich ab meiner Inselwelt auf einer schwimmenden Brücke und mit einer weiteren Fähre auf‘s Festland gelangen.

Heute habe ich den 4‘000-sten Kilometer durchfahren.

Fr, 16.8.2019, Burlington, 139km. Vancouver-Surrey-Langley-Grenze zu Washington, USA-Belingham-Burlington. Wetter: Bewölkt, 20°. Unterkunft: Hotel LaQuinta, sFr 177.—.

Die Fahrt aus dem Grossraum Vancouver war aufgrund der vielen LichtSignalen sehr langsam, ausserdem konnte der US-Zoll meine EinreiseDaten nicht finden -  kurzum, ich kam einfach nicht vorwärts. Nach Belingham fuhr ich die scheinbar schönste Steilküste des Staates Washington, den ChukanutDrive, ein schönes Foto gab es aufgrund der vielen Bäume trotzdem nicht. In Burlington bin ich an ausverkauften Motels wieder einmal aufgelaufen und und fand endlich ein Zimmer in einer Nobelherberge. Nach dem Nachtessen in einer SportsBar nebenan hatte ich noch einen Job. Ich kam nämlich nur durch ständiges Nachpumpen überhaupt nach Burlington. Ich musste meinen 2. Platten flicken.

Do, 15.8.2019, Vancouver2, Ruhetag. Wetter: Schön, 20°.

Vancouver ist durchaus mit Zürich vergleichbar. Ein hoher LebensStandart, eine wunderbare WasserLandschaft und eine prächtige Bergwelt in der Nähe. Allerdings kann man in Zürich nicht mit einem WasserFlugzeug von überall her im Seebecken landen, in Zürich gibt es aber auch wesentlich weniger randständige Leute, die so quasi überall schlafen und sogar auf dem Trottoir zelten. Aber Zürich hat eben auch kein Meer und die Limmat ist deutlich kleiner als der Fraser, dafür sauberer. Zürich hat natürlich auch keine WolkenKratzer wie DownTown Vancouver, dafür eine jahrhundertealte, prächtige Altstadt. Und Vancouver hat ein immenses Hinterland, fast unbewohnt ausser von Bären, Wölfen, Bisons und Moose. Ausserhalb von Zürich kommt nur noch Schaffhausen, der Aargau, Schwyz und natürlich das ZürcherOberland. Eben durchaus vergleichbar. Und noch etwas: Zürich hat viel weniger Chinesen, die allerdings schon sei mehr als hundert Jahren nach Amerika und Kanada gekommen sind und den Bau der transkontinentalen Eisenbahnen gebaut haben. Aber eben, bei uns waren das die Italiener. Vancouver hat deutlich mehr Velowege, aber deutlich weniger Velofahrer. Morgen erreiche ich den Staat Washington in den USA, danach Oregon, California und Arizona.

Mi, 14.8.2019, Vancouver, 157km. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Hotel Ramada, sFr 173.—

Nach einer ziemlich langen Fahrt erreichte ich heute gegen Abend mein Halbzeit-EtappenZiel, Vancouver. Damit bin ich endgültig aus der Tundra-Landschaft heraus und komme wieder in wesentlich ‚zivilisiertere‘ Gegenden. Schon bald bin ich sogar südlicher als die Schweiz. Bis Vancouver hatte ich jede Übernachtung mit den entsprechenden TagesDistanzen genau geplant (hat allerdings nicht immer funktioniert), ab hier fahre ich nach Tageslaune, ich dürfte immer wieder einen Unterkunft finden — hoffe ich wenigstens.

Auf allen Flüssen wird viel Holz geflösst und so direkt zu den grossen Sägereien gebracht, so auch auf dem HarrisonRiver. Bei der Einfahrt in Vancouver sah ich mir in einem Starbucks die Hotelpreise durch und orderte auf booking ein Hotel, das mir noch einigermassen finanzierbar schien. Auf eine geplante dritte Nacht verzichtete ich dann aber, hier scheinen die Preise über ein Wochenende durch die Decke zu schiessen (war auch schon mal umgekehrt). Trotzdem freue ich mich auf einen Ruhetag mitten im Zentrum von Vancouver.

Di, 13.8.2019, Hope, 115 km. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Motel Best Continental, sFr 80.—.

In einer fantastischen Fahrt immer 50 bis 200 m über dem FraserRiver und wiederum die Eisenbahnen auf beiden Seiten des Flusses im Auge mit den vielen, kilometerlangen GüterZügen (ich werde zum Eisenbahn Fan) fuhr ich bis nach Hope, einer kleinen Stadt in einer Schlaufe des FraserRivers. Unterwegs allerdings kämpfte ich mich, wie schon viele Male wieder auf über 200m über dem Fluss nach HellsGate mit dem HellsGate AirTram. Ich konnte Velo und Gepäck in einem Raum verstauen und löste ein Billet, eben mit dem AirTram, einer Seilbahn der Firma Habegger aus Thun hinunter zum HellsGate, zum HöllenTor also. Das ist der Ort, wo der grosse Fluss am engsten ist und wo kein Schiff mehr durchkam. Ein grosser Erdrutsch wegen der BauArbeiten an der Eisenbahn veränderte die StrömungsVerhältnisse derart, dass die immensen Mengen von Lachsen (HauptNahrungsmittel der FirstNationPeople) kaum mehr zu ihren Laichplätzen gelangen konnten. Riesige, nicht gerade schöne, Fischtreppen lösten scheinbar das Problem.

Das erste Mal auf dem nordamerikanischen Kontinent musste ich heute durch mehrere Tunnels. Diese sind zum Glück beleuchtet (nicht wie in Bosnien) und bei den längeren Tunnels muss ich einen Knopf drücken, dann blinkt eine Warnung für die nachkommenden Autos, dass sich ein Velofahrer im Tunnel befindet. Sehr aufmerksam. Die Fahrt nach Hope, wo ich gar nicht hinwollte, war zwar ein Umweg, aber ein lohnender. Das Motel war gut und das angebaute Restaurant noch besser.

Mo, 12.8.2019, Lytton, 128km. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Motel Rest Inn, sFr 85.—.

Nachdem ich mich gestern Abend noch einmal durch die Gegend gegoogelt hatte kam ich zum Schluss, dass ich ohne eine Übernachtung in Lillooet (alles ausgebucht) nicht nach Pemperton komme (weit über 200km) und entschloss mich für eine vielleicht weniger attraktive Route aber für eine, die ich schaffe. Unmöglichkeiten nachzurennen bringt nichts. Ich verpasse damit allerdings Whistler, das grösste SkiGebiet NordAmerikas. Dafür sehe ich sicher anderes. Ich freute mich auf Lytton mit einer gesicherten Unterkunft und schlief unbesorgt, die ganze Spannung war gewichen.

Ich verzichtete auf ein Morgenessen und fuhr um 7 Uhr los. Beim Start befand ich mich auf fast 1000müM und kam in Lytton auf gerade noch 200müM an. Das bisschen Landwirtschaft, das es hier gibt muss in dieser mittlerweile wüstenähnlichen Gegend alles bewässert werden, auch das Grasland. Ab CacheCreek fuhr ich etwa 80km entlang dem ThompsonRiver. Auf beiden Seiten des Flusses verlief je eine Eisenbahn mit erstaunlich vielen GüterZügen mit ZugsLängen bis zu zwei Kilometern. Auch ein Panoramazug als TouristenAttraktion kam mir entgegen. Die Fahrt entlang des vielfach reissenden Flusses mit vielen StromSchnellen (es gab auch RiverRafting) war sehr attraktiv. Die gebuchte Unterkunft war dann allerdings weit weniger attraktiv, aber eben, ich hatte zumindest eine.

So, 11.8.2019, Clinton, 166km. Wetter: Regen, 10-15°. Unterkunft: Kariboo Inn, sFr 100.—.

7 der total gut 12 Velostunden hat es heute geregnet, erst gegen Abend kam etwas freundlicheres Wetter auf. Heute gab‘s wieder einmal so etwas wie einen Pass zu bezwingen, den BegnieSummit 1232 müM. Meist ging’s wieder durch Wildnis, weniger durch ausgedehntes Grasland, wobei ich mich frage, wo das Vieh ist, für das die Unmengen GrasRollen bestimmt sind. Ich habe noch nie einen grossen Stall gesehen. In Clinton bezog ich in einem aussergewöhnlich schönen Motel mit angegliedertem Restaurant mein reserviertes Zimmer. Wie ich nach Whistler komme weiss ich immer noch nicht.

Sa, 10.8.2019, WilliamsLake, 127km. Wetter: Leicht bewölkt, 20°+. Unterkunft: Motel Super8, sFr 110.—.

Da der FraserRiver in einen engen Canyon führte musste die Strasse in die Hügel ausweichen. Anstrengend, aber schön, vor allem entlang dem LeeseLake, wo ich seit langem wieder einmal ein Mittagessen zu mir nahm (und nicht nur Pringels und Nüssli unterwegs). Ich fand nochmals problemlos eine Unterkunft und auch für morgen in Clinton konnte ich ein Zimmer reservieren. Aber dann wird es schwierig. Alle 5 Hotels von Lillooet sind ausgebucht. Und vorher und nachher hat es nichts. Ausserdem dürfte die Gegend zumindest sehr hügelig, wenn nicht gar bergig sein. In dieser Gegend über 200 km durchzufahren getraue ich mich nicht. Öffentliche Verkehrsmittel, wo ich ein Stück mitfahren könnte gibt es nicht und Uber hat hier keine Fahrer. Eindeutig: Es muss mir noch etwas in den Sinn kommen

Fr, 9.8..2019, Quesnel, 130km. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Motel TraveLodge, sFr 110.—.

Es ist wirklich schön wieder erst um 6 Uhr 30 aufzustehen als um 4 Uhr 30. Aber mit lediglich 130 km TagesStrecke reicht auch eine Abfahrt um sieben Uhr. Es war eine schöne Fahrt, entweder dem FraserRiver oder einem ParallelTal folgend. Teils wieder völlige Wildnis, immer mehr aber auch offenes, landwirtschaftlich genutztes Land, heute sah ich das erste Mal auch Mais. Ich fuhr wieder an riesigen holzverarbeitenden Fabriken vorbei. Die sind so gross, dass ich sie gar nicht fotografieren kann. Einmal fuhr ich einfach in ein IndustrieGelände, sah eine Strasse auf einen kleinen Hügel für ein PanoramaFoto, aber bevor ich oben war wurde ich natürlich abgefangen. Na ja, hätte ja funktionieren können. Quesnel ist ein geradezu schmuckes kleines Städtchen am mittlerweile sehr stattlichen FraserRiver über den die scheinbar längste Holz-FachwerkBrücke der Welt führt. In dieser Gegend dominiert die Holzwirtschaft in gigantischen Ausmassen.

Heute habe ich den 3000-sten Kilometer durchfahren.

Do, 8.8.2019, Prince George2, Ruhetag. Wetter: Leicht bewölkt, 20-25°.

Nach weiteren fast 1000 km machte ich heute meinen dritten Ruhetag. PrinceGeorge ist die Hauptstadt des weitaus grössten Teils des wilden und äusserst dünn besiedelten  BritishColumbia (Vancouver und Umgebung ist eine völlig andere Welt). Sie liegt am FrazerRiver, dem längsten Fluss von BC. Der Tag war so geruhsam, wie ein Ruhetag sein sollte.

Mi, 7.8.2019, Prince George, 209km. Wetter: Regen, bedeckt, schön, 20-25°. Unterkunft: Hotel Ramadan, sFr 93.—.

Die geplante Abfahrt um 5 Uhr musste ich auf 6 verschieben. Ich musste zuerst noch meinen ersten Platten reparieren. Die ersten zwei Stunden regnete es, danach wurde es aber sukzessive schön und warm. Nach einem bergigen Intermezzo folgte ich dem KrookedRiver in einem weiten, leicht ansteigenden Flusstal, eigentlich fast ebenan. Ich befinde mich seit gestern wieder in absoluter Wildnis, fahre nur wieder durch Wälder, es gibt keine Landwirtschaft mehr — aber Bären. Heute liefen mir wieder zwei Schwarzbären 50 und 100 m vor meinem Velo vorbei über die Strasse. Gestern konnte ich durch Nebelschwaden erkennen, dass links von mir offensichtlich mit GrösstMaschinen ein ganzer Berg abgetragen wurde — Kohle. Und heute kreuzte mich ein unendlich langer Zug mit KohleWagen und ich dachte: Ein solcher Zug kann derartige Massen an Kohle verfahren, da haben Lastwagen keine Chance. Überall wo ich durchfahre gibt es grosse KompressorStationen. Das sind Orte, wo das Gas oder das Öl die nächsten 100 km weitergepumpt wird. Aber nicht nur Kohle, Gas und Öl gibt es in dieser Gehend reichlich. Die Mengen an Holzstämmen, die heute an mir vorbeitransportiert wurden war immens. Einmal fuhr ich an einer Holzverarbeitung vorbei, nicht mit hunderttausen Stämmen an Lager sondern mit Millionen davon.

Über 200 km an einem Tag zu fahren sind natürlich grenzwertig. Aber zwischen meinem AbfahrtsOrt heute morgen hatte es tatsächlich nur zwei vergandete Hotels, die schon längstens aufgegeben wurden, keines war in Betrieb. In der Stadt öffnete ich booking und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass das Ramadan, direkt links von meinem Standort das Zimmer für zwei Tage für sFr 190.— anbot. Ich fuhr blitzartig dahin und bekam ein Zimmer in diesem NobelHotel genau zu diesem Preis. Die dynamische PreisGestaltung war heute zu meinem Vorteil (war auch schon anders).

Aber auch heute war bei mir das dominierend Thema meine Tochter Nina. TelefonEmpfang gibt es in dieser Wildnis keine (übrigens: In Laos hatten wir überall MobilEmpfang). Ich checkte mein Handy immer wieder und irgendwann hatte ich leichten Empfang. Ich schaltete sofort auf Roaming und erfuhr über das Familien-WhatsUp von Alex (Vater), dass das Frühchen Gioia wohlauf sei und Nina nach der schweren Operation mit hohem Blutverlust sich langsam einer Genesung nähere. Es waren hoffnungsvolle Worte und ich war und bin sehr erleichtert.

Di, 6.8.2019, Unterwegs, 108km. Wetter: Regen, bedeckt, Abend schön, 10-15°. Unterkunft: Azouzetta Lake Lodge, sFr 70.—.

Bei strömendem Regen, der drei Stunden anhielt fuhr ich durch ein einziges Flusstal, dem PineRiver entlang. Gegen Mittag trocknete es und am Abend war es fast wolkenlos. Völlig unerwartet kam ich an einem Camping vorbei mit Restaurant und machte die Rechnung: Bis nach Mackencie ins fast 30 km Seitental hätte ich von hier aus noch etwa 80 km. Von dort nach PrinceGeorge sind es 180 km (ich muss ja wieder 30 km zurück. Von hier aus nach PrinceGeorge sind es gut 200km. Ich entschied mich für die 2. Variante und nahm hier eine Kabine.  Allerdings verliere ich wohl 100 $ für das reservierte HotelZimmer in Mackencie, aber ich konnte den Leuten nicht einmal absagen, da es hier keinen Empfang gibt. Das gibt morgen allerdings ein Schinder, hoffentlich bei schönerem Wetter als heute.

Aber auch heute waren meine Gedanken immer wieder bei Nina. Im erwähnten Restaurant erhielt ich über W-Lan die Nachricht, dass das kleine Mädchen entbunden werden konnte und es schon prächtig schreie. Nina allerdings ist nach einer stundenlangen, komplizierten NachOperation noch immer in der IntensivStation. Das Bangen und Hoffen geht also noch weiter.

Mo, 5.8.2019, Chetwynd, 106km. Wetter: Bewölkt, Gewitter, 20-25°. Unterkunft: Motel Pine Inn, sFr 80.—.

Problemlose Fahrt abwechselnd durch Gewitter und prallen Sonnenschein. Chetwynd ist voll von wilden, grossen Schnitzereien von Fabelwesen. Im Tourist InformationsCenter bekam ich die Tel Nr der einzigen Unterkunft auf den nächsten 300 km bis PrinceGeorge. Aber die paar Zimmer dort waren ausgebucht. Ich konnte dann in Mackencie, einem Seitental eine Unterkunft reservieren. Das ergibt morgen einen Mehrweg von 25 km, den ich übermorgen wieder zurückfahren muss. Ich habe also zwei anstrengende Tage vor mir mit Abfahrten wieder um 5 Uhr.

Aber eigentlich war der Tag dominiert um die Sorge um meine Tochter Nina. Ihr wird im UniSpital morgen ein Kindlein viel zu früh mit voraussehbaren grossen Komplikationen entbunden. Ich bange und hoffe weiter.

So, 4.8.2019, DawsonCreek, 75km. Wetter: Schön, 20-25°. Unterkunft: Hotel Super8, sFr 115.—.

Heute hatte ich eine kurze Fahrt und war schon vor Mittag in Dawson Creek. Unterwegs wurde ich von der Vorhut einer 30-erGruppe von Velofahrern überholt, die, natürlich ohne Gepäck und mit allem Komfort organisiert nach Panama unterwegs sind. Mittlerweile bin ich zu einem grossen Teil in Farmland unterwegs mit viel Raps und Getreide. Ich bin jetzt auf dem 55. Breitengrad und komme in gemässigte Zonen. Die bedrückenden Wälder nehmen hoffentlich ein Ende.

Sa, 3.8.2019, Fort St John, 165km. Wetter: Wechselnd bewölkt, Mittag Gewitter, 20°. Unterkunft: Hotel Super8, sFr 110.—.

Heute hat sich die Landschaft verändert. Ich fahre nicht mehr nur durch Wald und nichts anderes. Die Gegend muss sehr reich an Erdöl und vor allem an Erdgas sein. Überall gibt‘s FörderAnlagen, VeredelungsStationen und Anlagen zur DruckErhöhung. Es gibt erstmals auf meiner Reise Landwirtschaft, also offene, bewirtschaftete GrasLandschaften. Schon bei der Einfahrt nach Fort St John spürt man den offensichtlichen Reichtum der Gegend. Nach 12 Stunden im Sattel steuerte ich geradewegs auf ein Super8 zu, einem Hotel mittlerer Preislage. Die ZimmerUnterschiede zu den Lodges in der Pampa sind enorm, die Preise aber fast gleich. Nur, in der Pampa kann ich als Velofahrer ja nirgends wo hin und nach 150km akzeptiere ich sowieso fast alles für eine Unterkunft. In einem GrillHouse neben dem Hotel erlaubte ich mir wieder einmal ein Filet Mignon. Das einzige FleischGericht unter 200Gramm. Es war ausgezeichnet.

Fr, 2.8.2019, PinkMountain, 136km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20°. Unterkunft: Lodge, sFr 110.—.

Schönes, warmes Wetter, gute Strasse, wenig Verkehr, langwelliges WaldGelände sind in etwa die Beschreibungen des heutigen Tages. Die Unterkunft war ziemlich teuer, aber gut. Zwischen 6 und 7Uhr war ich der einzige Gast im Restaurant, dabei haben die bis Mitternacht offen und morgen beginnt der FrühstücksTisch um 5 Uhr. Na ja, vielleicht kommt ja noch jemand.

Do, 1.8.2019, ProphetRiver, 96km. Wetter: Bedeckt, Aufhellungen, 10-15°. Unterkunft: ProphetRiver, sFr 80.—.

Anfänglich fuhr ich durch dichten Nebel, dann durch Hochnebel bis es neben mit zu donnern anfing. Ein Gewitter verfolgte mich knapp neben mir für 50km mit genau gleicher Geschwindigkeit und bedachte mich mit mässigem DauerRegen. Aber es war empfindlich kalt. Ich bin mitten in einer Öl und Gas Gegend mit grossen GasRaffinerien. Schon nach gut 90 km kam ich nach ProphetRiver. Ausser heruntergekommener GewerbeGebäude, die komplett verlassen waren gab‘s da aber nichts - auch keine Unterkunft. Ich habe mich dann gewundert, in dieser Pampa ein schönes, grosses weisses Haus zu sehen, bin aber weitergefahren. Als einige Kilometer weiter immer noch nichts kam fuhr ich zum weissen Haus zurück. Es war meine Unterkunft. Eine Chinesin kochte mir ein viel zu grosses Menü. Ihr kleiner Sohn geht im IndianerReservat (hier First Nations genannt) zur Schule. Ausser einer 2. Partie war niemand hier. Von was die Leute hier leben und das grosse Haus finanzieren ist mir schleierhaft.

Mi, 31.7.2019, Fort Nelson2. Ruhetag. Wetter: Wechselnd bewölkt, 15-20°.

Nach einem wieder einmal ausgiebigen MorgenEssen ging ich als Erstem zum Tourist-InformationsCenter. Ich brauchte für die Strecke bis Prince George wieder eine Liste der möglichen Unterkünfte mit TelefonNummern, denn auch diese Etappe wird wieder durch sehr einsame Gebiete führen. Zumindest für das Gebiet bis Fort St. John kriegte ich eine solche und reservierte telefonisch die nächsten 2 kritischen Unterkünfte. Es ist sehr erleichternd, zu wissen, dass am Ende eines langen VeloTages eine Unterkunft reserviert ist. Es ist sogar beflügelnd, denn darauf kann ich mich freuen und ich muss nicht befürchten, plötzlich alleine in der Pampa zu stehen. Es war schon Pokern auf hohem Niveau, diese Reise ohne Zelt anzutreten, aber bis jetzt hatte ich Glück. Aus dem Risiko heraus bin ich aber erst in Vancouver. Und das dauert noch eine Weile.

Da es in Fort Nelson nun wirklich nichts Lohnendes zu fotografieren gibt habe ich nachfolgend eine Szene von vorgestern eingefügt  

Di, 30.7.2019, Fort Nelson, 121 km. Wetter: Bewölkt, 15-20°. Unterkunft: Hotel Super8, sFr 110.—.

Nach einem Aufstieg durch weit ausladende SeitenTäler kam ich in den Genuss einer 500 HM-Schussfahrt. Die Fahrt war heute kurz und ich freute mich auf ein gutes Hotel in der kleinen Stadt. Denn hier würde ich wieder einmal einen Ruhetag einschalten.

Heute habe ich den 2000-sten Kilometer durchfahren.

Mo, 29.7.2019, Tetsa River Lodge, 140km. Wetter: Bewölkt, 15°. Unterkunft: In Blockhäuschen, sFr 70.—.

Ich dachte, heute muss ich über einen Pass auf 1300müM, das mach ich locker, ich bin ja schon auf 800. Es waren dann aber zwei Pässe mit tiefem DownHill dazwischen. Schlussendlich ergaben sich 1750 kumulierte Höhenmeter durch eine sehr gebirgige Landschaft. Schon früh am Morgen kam ich an einem sehr grossen KiesDepot in einer gigantischen Halle vorbei. Und im grossen EingangsTor stand ein kapitaler Elch und starrte mich an. Erst dachte ich, es wäre eine Attrappe. War es aber nicht und das merkte ich spätestens, als er davon trottete. Ich folgte ihm, soweit ich kam und versuchte einige Bilder zu schiessen. Auch die Reservation der Lodge klappte hervorragend, ich habe eine ganze BlockHütte. Zum Essen gab es ausschliesslich Suppe und Brot aber das war sehr gut. Da‘s kein Bier gab musste ich eben Tee trinken.

So, 28.7.2019, MunchoLake, 118km.  Wetter: Wechselnd bewölkt, 15-20°. Unterkunft: NorthernRokiesLodge, sFr 116.—.

Je nach Angabe würde es heute etwa 120-130 km ergeben. Ich schlief also etwas aus und startete erst um 6Uhr. Bis zum LiarRiver Kaffee folgte ich dem grossen LiarRiver auf ebenem und schnellem Gelände. Im Kaffee genehmigte ich mir ein amerikanisches MorgenEssen (seit Tagen hatte ich wieder etwas mehr Zeit und es gab zumindest auch wieder ein Restaurant unterwegs) und überwand dann einige hundert HöhenMeter, immer den MunchoRiver zu meiner Seite bis zum wunderschönen MunchoLake und zur phantastischen NorthernRockiesLodge, wo ich ein Zimmer reserviert hatte (zum Glück, der Laden war platschvoll). Aber auch heute kam nicht ohne PlatzRegen durch. Und in der Lodge konnte ich wieder einmal dank einigermassen funktionierendem WLan einige meiner vorverfassten TagesRapporte auf meine HomePage laden. Ein wunderschöner Abend, trotzdem es draussen wieder regnete.

Sa, 27.7.2019, CoalRiver, 155km. Wetter: Regen, Aufhellungen, 15-20°. Unterkunft: Motel, sFr 75.—.

Ich hatte verschiedene Angaben über die heutige Distanz, ausserdem befürchtete ich ein ziemliches Auf und Ab. Also war der Start wieder um 5 Uhr. Während 7 meiner 11-stündigen Fahrt regnete es, dann wurde es angenehmer. Heute war wieder ein WildTierTag. Am Morgen konnte ich eine BärenMutter mit ihren 2 Kindern fotografieren. Eine Herde von 30 Bisons über Mittag rannte mir davon, bevor ich fotografieren konnte. Eine zweite Herde mit wohl gegen 50 Tieren knapp vor meinem AnkunftsOrt konnte mir nicht fliehen, weil sie über eine Brücke wollte. Für Minuten lief ein EinTonnenLeitBulle neben mir. Zum Glück drückte er mich nicht in die LeitPlanke.

Das Abendessen verbrachte ich mit zwei jungen Männern, die für zwei Wochen mit einem Kanu und Zelt auf die Jagt gingen. Sehr einsam und sehr abenteuerlich. Sinnigerweise gab‘s einen Bison-Burger. Auch heute gab‘s kein WLan aber auch kein Telefon (kein SMS). Es gab allerdings einen FestNetzAutomaten. Als ich nach mehreren erfolglosen Versuchen den Operator anwählte, erfuhr ich, dass der Apparat nicht für LongDistanceCalls zugelassen sei. Für einmal gibt es also keine Nachricht nach Hause. Katharina wird das vertragen, das gab‘s schon mehrmals und sie wird schon annehmen, dass ich nicht so schnell untergehe.

Fr, 26.7.2019, WatsonLake, 142 km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 15-20°. Unterkunft: Hotel BigHorn, sFr 112.—.

Heute erlaubte ich mir einmal erst um 7 Uhr zu starten. Ich musste mich nicht um eine Unterkunft sorgen. Anfänglich fuhr ich durch ein wunderschönes Hochtal mit dem mäandrierenden RancheriaRiver immer unter mir. Danach wurde es wieder eintöniger und hügelig. In WatsonLake besorgte ich mir eine Liste mit den spärlichen Unterkünften bis FortNelson. Noch am Abend reservierte ich mir telefonisch die Unterkünfte für die nächsten Tage. An diesen KleinstFlecken hätte es sicherlich keine Kirche zum Unterkommen.

Do, 25.7.2019, Continental Divide (Kontinentale WasserScheide), 128km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 15-20°. Unterkunft: Container bei Tankstelle, sFr 80.—.

Aus Sicherheitsgründen fuhr ich auch heute um 5 Uhr los. Vorher ist es wieder dunkel. Ich wollte nichts anbrennen lassen. Nach dem gestrigen Debakel war ich äusserst unsicher betreffend der heutigen Unterkunft. Nach einer schönen Fahrt erreichte ich allerdings das nirgends eingetragen Continental Divide auf etwa 1000 müM und es war sogar ein Zimmer reserviert. Entwarnung! Manchmal gehört ‚bibbern‘ eben zu so einer Reise.

Mi, 24.7.2019, Teslin, 194km. Wetter: Bedeckt, Regen, 10-15°. Unterkunft: Bei Dough, sFr 60.—.

Schon kurz nach der Abfahrt begann es zu regnen und es regnete bis 2 Stunden vor Teslin. Ich fuhr entlang dem Yukon und vielen Seen. Eine schöne Landschaft zwar, bei andauerndem Regen aber nicht so richtig zu geniessen. Gar nicht genossen habe ich die Nachricht, dass die beiden Motels voll sind. Und das nach fast 200km. Einer, Dough, der noch Zimmer vermietete war nicht zu erreichen. Mir musste wieder einmal etwas in den Sinn kommen. Weiterfahren war unmöglich, zurückfahren auch nichts, denn da war nichts. Ich fragte in Privathäusern und bei grossen WohnwagenHaltern an. Aber natürlich wurde ich überall höflich oder unwirsch abgewiesen. Dann kam ich an einer katholischen Kirche vorbei. Die Dame im Haus neben der Kirche öffnete mir letztere, ich könne hier schlafen. Auf dem Kirchenboden, nicht gerade komfortabel aber zumindest einmal etwas Neues. Ich fuhr zum CamperPark zurück. Da konnte ich zumindest duschen und im Restaurant etwas essen. Da kam ich wieder an Dough‘s Haus vorbei und telefonierte noch einmal. Er nahm ab. Ich könne das Zimmer 3 beziehen, die Tür sei offen. Ich schleppte also meine Saccochen die absolut kriminelle Wendeltreppe hoch zum Zimmer 3. Gar nicht so übel, auf jeden Fall wesentlich besser als auf dem Kirchenboden, wobei ich auch das überlebt hätte.

Ein TruckDriver half mir bei der Suche nach der nächsten Unterkunft an einem Ort, der schlicht nirgends existiert. Er fand sogar die TelefonNummer und ich konnte für morgen ein Zimmer reservieren. Ob das dann allerdings funktioniert bin ich mir alles andere als sicher. Wenn’s nicht funktioniert mache ich mich zumindest einmal mental bereit, die grösste Distanz meines Lebens, 260 km, durchzufahren, denn weitere 70 km wäre ich auch heute weitergefahren. Das Wetter sollte morgen besser sein, vom angesagten Gegenwind habe ich heute nichts gespürt und meine EntzündungsSchmerzen hielten sich im Rahmen.

Di, 23.7.2019, Whitehorse2, Ruhetag. Wetter: Leicht bewölkt, 20°.

Whitehorse ist die Hauptstadt des kanadischen Yukon Territory‘s und hat 26‘000 Einwohnern. Sie wurde gegründet Ende des 19. JH beim Beginn des Klondike Goldrushs, dem grösster GoldRausch in ganz NordAmerika. Eine 180km Eisenbahn ab Skagway am Pazifik wurde gebaut (Heute wieder als TouristenAttraktion in Funktion) und somit war das KlondykeGebiet im Norden mit DawsonCity als damaligem HauptOrt ab Whitehorse über den Yukon River mit DampfSchiffen nach 600km erreichbar. Der YukonRiver, der mit total 3000 km in einem grossen nördlichen Bogen in der BeringSee mündet war allerdings auch ab der Mündung mit Schiffen befahrbar, allerdings nur im Sommer (Eis). Dieser GoldRush mit 100‘000-en Abenteurern aus aller Welt muss eine unvorstellbare Welt gewesen sein. Ausser dem YukonRiver und teilweise anderen Flüssen gab es in diesem riesigen Gebiet nur gigantische Wald- und Sumpf-Gebiete, aber keine VerkehrsWege. Die Strapazen müssen enorm gewesen sein.

Ab morgen habe ich gemäss Prognose für eine Woche prallen Gegenwind, schöne Aussichten.

Mo, 22.7.2019, WhiteHorse, 159km. Wetter: Morgen bedeckt, Mittag schön, Abend Gewitter, 15-20°. Unterkunft: Motel Days-Inn, sFr 190.—.

In der Nacht machte ich mit besorgte Gedanken: Seit Tagen schon quälen mich ernsthafte Entzündungen in meinem Schritt mit millimeter-hohen Auswüchsen. Ich hatte das auf meinen Reisen lediglich zweimal. Und jedesmal knapp vor einem Ruhetag. Nach dem Ruhetag war der Spuk wieder vorbei. Diesmals allerdings leide ich seit Tagen darunter und der nächste Ruhetag beginnt erst heute Abend. Schmieren und Salben hilft allerthalben, sagt man. Glaube ich nicht. Für mich gilt: Entweder ich habe die nötigen Abwehrkräfte in meinem Körper oder dann habe ich ein wirkliches Problem. Ich werde mich die heutigen 160 km (immerhin mindesten 10 Stunden netto im Sattel) mit weiterhin grossen Schmerzen durchkämpfen und dann nach einem Ruhetag feststellen —na ja, wie‘s dann eben weitergeht. Ich bin guten Mutes. Mein Immunsystem wird das schon richten. Wenn nicht, telefonierte ich wieder einmal mit General McPhagen, das ist der Chef der Makrophagen, so quasi der Chef der Artillerie meines ImmunSystems. Nach einem ernsthaften (natürlich virtuellem) Gespräch mit ihm hat er sich schon immer meiner Probleme angenommen und schon Tage danach wusste ich gar nicht mehr, weshalb ich ihn überhaupt angerufen habe. Der Spuk war vorbei. Na ja, könnte ja wieder wieder so funktionieren. Wie gesagt: Ich bin guten Mutes.

Die Fahrt war schmerzhaft aber schnell, grösstenteils eben und mit einem konstanten leichten Rückenwind. Die boreale WaldLandschaft blieb jedoch auch heute dieselbe wie schon seit Fairbanks, aussagekräftige Bilder, die etwas Neues zeigen gibt es nicht. Hier in WhiteHorse mache ich nach 1000km meinen ersten Ruhetag unterwegs.

Und eben, heute habe ich den 1‘000-sten Kilometer durchfahren.

So, 21.7.2019, Haines Junction, 109km. Wetter: Bedeckt, Regen, 10°. Unterkunft: Motel KluanePark, sFr 90.—.

Die ganze Nacht schon hatte es geregnet und so startete ich nach einem Morgenessen bei strömendem Regen. Und es regnete bis kurz vor Haines ununterbrochen. Aber ich fand nach zwei Absagen, No Vacancy, eine Unterkunft mit einem angeschlossenen chinesischen Restaurant und konnte alles wieder waschen und vor allem trocknen.

Sa, 20.7.2019, Destruction Bay, 193km. Wetter: Bedeckt, Regen, 10-15°. Unterkunft: Motel Talbot Arm, sFr 90.—.

Ich kannte meine heutige Distanz und startete wieder früh. Es war ein sehr unfreundlicher Tag, es regnete zwar nicht stark, dafür aber jeweilen stundenlang. Und auch heute hatte ich wieder ein Erlebnis mit WildTieren. Da trotteten doch zwei Wölfe in sehr kurzer Distanz vor mir über die Strasse und einer von ihnen setzte sich am Strassenrand hin und betrachtete mich interessiert wie ich mein iPhone parat machte und ihn fotografierte.

Und über die ganzen 193km gab es ausser einem RV-Park (Park für Mobile Homes) nichts. Und auch Destruction Bay besteht lediglich aus einem einfachen Motel, einem Restaurant und einem kleinen Laden. Aber für mich ist das  nach 190km Luxus pur. Morgen habe ich nur eine kurze Reise, da kann ich wieder einmal frühstücken.

Fr, 19.7.2019, BeaverCreek, 183km. Tok-Grenze zum Yukon, Kanada-BeaverCreek. Wetter: Leicht bewölkt, 25°. Unterkunft:Motel Ida, sFr 75.—.

Mittlerweile wird der Start um 5 Uhr, wie in Russland zur Gewohnheit. Die Distanzen von Unterkunft zu Unterkunft sind auch dieselben und dazwischen gibt es auch hier nichts. Ausser Wald und Sumpf, Taiga eben. Allerdings war es heute geradezu hügelig, ich kam also nicht mehr so schnell vorwärts, ausserdem wurde mir die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Aber zumindest fand ich nach der langen Fahrt wieder eine Unterkunft.

Do, 18.7.2019, Tok, 180km. Wetter: Schön, 25°, am Abend 28°. Unterkunft: Motel SnowShoe, sFr 100.—.

Abfahrt war wieder um 5Uhr, denn für 180 km muss ich mit 12 Stunden Fahrt rechnen. Dank fast konstanten RückenWind kam ich allerdings schon nach 10 Stunden in Tok an und auf der ganzen Strecke sah ich zwar zwei Schulhäuser am Strassenrand, aber kein Dorf, keine Tankstelle und somit auch kein Laden. Ich fuhr fast ausschliesslich durch Wald auf meist ebener und wiederum guter Strasse. Es hatte nur wenig Verkehr, aber die Hälfte der Fahrzeuge waren WohnMobile. Dank meinem Fähnchen und meinem Schweizer Tricot hielten auch heute wieder einige Schweitzer an. Alaska muss eine grosse Anziehungskraft besitzen.

Nicht angehalten haben allerdings eine ElchKuh mit ihrem Jungen. Die kamen am Morgen keine 50m vor mir aus dem Wald, überquerten die Strasse und verschwanden wieder auf der andern Seite. Für ein Foto reichte die Zeit natürlich nicht. Und gegen Abend überquerte ein anderer Zeitgenosse 70 m vor meinem Velo die Strasse, den die allerwenigsten AlaskaReisenden je zu Gesicht bekommen. Es war ein RiesenBrummer von einem Schwarzbären. Ich fiel fast ab dem Velo. Einige Sekunden später wäre er mir wohl geradewegs ins Velo getrottet. Natürlich wartete auch er nicht, bis ich für ein Foto parat war und verschwand wieder im Wald.

Da es in Tok zum nächsten Restaurant mehr als eine Meile war kaufte ich in der Tankstelle nebenan ein FertigMenue und wärmte es in der Mikrowelle. Nicht gerade gediegen aber satt war ich allemal.

Mi, 17.7.2019, Delta Junctin, 159km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20-25°. Unterkunft: Kelly‘s Inn, sFr 129.—.

Heute fing der Ernst des Lebens wieder an. Um 5 Uhr. Ich hätte auch schon um 3 Uhr starten können oder um Mitternacht. Es ist eh immer hell. Ich könnte also rund um die Uhr durchfahren. Aber mein Ziel war Delta Junction und das hoffte ich nach 10-11 Stunden zu erreichen.  Und dazu reichte mein Start um 5Uhr.

Die erste Stunde fuhr ich bei 10° durch dichten Nebel. Aber danach hellte das Wetter auf. Die Strasse war grossartig und  dank dem Pannenstreifen sehr sicher. Ich folgte meist dem stark mäandrierenden Tanana-River auf ebenem Gelände. Unterwegs traf ich zwei Basler-Ehepaare mit je einem Camper und in DeltaJunction wurde ich von drei Damen aufgrund meines Schweitzer-VeloTricots auf deutsch angesprochen. Ausgewandert. Ebenfalls in diese Gegend ausgewandert sind in den 1990-er Jahren viele Russen, WeissRussen und Ukrainer, sodass heute 50% der Einwohnerschaft slawischer Sprache sind.

Di, 16.7.2019, Fairbanks. 800km Rückflug. Wetter:  Bewölkt, 20°. Unterkunft: Motel Borealis Stay, sFr 135.—.

Etwas nach acht Uhr wurden unsere Identitäten kontrolliert und wir wurden durch einem Beamten einer Ölfirma drei Stunden in einem Kleinbus durch die riesigen Ölförder-Anlagen geführt. Die Flächen sind gigantisch, die FörderAnlagen ebefalls, das alles ist so gross und auf die Flöche verteilt, dass man keine aussagekräftigen Bilder machen kann. Es war eine sehr eindrückliche Führung. Eindrücklich, im Sinne von kalt war aber auch das Bad im Arctic Ocean, das ich mir, zusammen mit Mike natürlich nicht nehmen liess. Vor einigen Wochen war das Meer hier noch komplett zugefroren.  Mit einem kleinen Flieger flogen wir bei leider viel Bewölkung in gut 2 Stunden zurück nach Fairbanks. Unterwegs musste unser Pilot die Position aller Waldbrände unter uns melden. Um drei Uhr war ich in einem neuen Quartier untergebracht.

Mo, 15.7.2019, DeadHorse, 400km mit Van. Wetter: Wechselnd bewölkt, gegen Abend Regen, 20°. Unterkunft: Lodge, im Arrangement inbegriffen.

Schon bald nach ColdFoot bogen wir in ein Dorf ab mit dem sinnigen Namen Wiseman mit 12 Einwohnern. Das Dorf existiert seit bald 100 Jahren, die Strasse erst seit deren 40. Wie diese uralten Hütten mit EinfachVerglasungen und bei minus 40° geheizt werden ist mir ein Rätsel. Ein Einwohner erzählte über die Siedlung und zum Schluss besuchten wir noch das DorfMuseum — kein Witz.

Unterwegs sahen wir Kariboes, eine Herde Muscox und ein BabyBär. Über die BrooksMountains gelangten wir endgültig in die arktische Tiefebene. Bäume gab‘s keine mehr und nach 30cm ist man im gefrorenen Boden, im Permafrostund und der ist bis zu 600m tief. In dieser Gegend gibt es pro Jahr lediglich 10cm Niederschlag, aber genau heute regnete es in DeadHorse, des zivilen Teils der PrudhoeBay. Wir machten noch eine SightSeeing-Tour durch die Ölfelder samt der Infrastruktur, zum Glück im Auto, denn es ist kein m2 asphaltiert und der Dreck bei diesem Regen war unbeschreiblich. Übernachten konnten wir in einem primitiven Camp, nachdem wir in einem Container eine Mahlzeit einnehmen konnten. Für das Schöpfen am Büffet auf den eigenen Teller musste jeder antiseptische PlastikHandschuhe anziehen. Bier gab‘s keines.

So, 14.7.2019, ColdFoot, 400km mit Van. Wetter: Leicht bewölkt, 20-25°. Unterkunft: Lodge, im PauschalPreis inbegriffen.

Ich fuhr mit dem Velo 10km bis zum TourOperator und pünktlich um 8 30 startete unser Driver Mike mit 5 Teilnehmern in einem grossen Van. Heutiges Ziel war ColdFoot, etwa 400km nordwärts. Die Luft war die ersten 200km noch etwas rauchig von mehreren Waldbränden, die scheinbar immer noch wüteten. Die Strasse und die in der Nähe verlaufende Öl-Pipeline wurden in den 1970-er Jahren in nur drei Jahren gebaut (die PipeLine von Valdez zur PrudhoeBay 1200km, die Strasse von Fairbanks ebenfalls zur PrudhoeBay 800km). Gewaltige Bauwerke. Wir fuhren auf ca der Hälfte der Strecke auf teilweise sehr schlechten Asphaltstrassen, teilweise auf Schotterpisten. Den YukonRiver überquerten wir auf der einzigen Brücke auf dessen gesamten Länge von 3000km. ColdFoot ist eine sehr einfache Station, wo vor allem Arbeiter zum Unterhalt der PipeLine und der grossen PumpStationen übernachten. Touristen sind sehr dünn gesät. Nach dem Nachtessen besuchten wir ein sehr eindrückliches VisitorCenter bevor ich mir, meinen TagesRapport schreibend, noch ein Bier genehmigte.

Sa, 13.7.2019, Fairbanks3. Wetter: Bewölkt, trocken, 20°-25°.

Fairbanks ist ein ziemlich trister Ort und so musste ich den Tag schon fast zu Tode schlagen, denn meine Tour zum Arctic Ocean beginnt erst morgen. Ich fuhr erstmal zum morgigen Treffpunkt, dann zum neuen Motel am Dienstag und dann erkundigte ich mich, wie ich am Mittwoch aus der Stadt herauskommen werde. Eben, ich hatte ja nichts anderes zu tun.

W-Lan ist schon in diesem Hotel eine mittlere Katastrophe, ab morgen werde ich wohl für 3Tage nicht mehr senden können. Ich fahre auf einer geführten Reise per Van 800 km nach Norden an die PrudhoeBay am ArcticOcean und fliege dann wieder zurück. Irgendwann melde ich mich wieder. 

Fr, 12.7.2019, Fairbanks2, OrganisationsTag. Wetter: Bedeckt, leichter Regen, 20°.

Ich komme mit dem Velo nicht zum Nordmeer resp. von dort wieder runter nach Fairbanks. Es gibt genau eine Unterkunft auf den 800km und der grösste Teil der Strasse ist nicht asphaltiert, dh, bei Regen fast nicht passierbar. Und trotzdem wollte ich nach Norden. Irgendwann fand und entschied ich mich für eine drei-tägige geführte Tour von Sonntag bis Dienstag. Mit 1500$ nicht gerade billig, aber ich bin genau einmal in dieser Gegend.

Di, 11.7.2019, Fairbanks. Wetter: Hochnebel, am Nachmittag Regen, 15-25°. Unterkunft: Hotel Westmark, sFr 182.—.

Heute fuhr ich im PanoramaWagen  der Eisenbahn ca 600km nach Norden, nach Fairbanks. Die Fahrt dauerte 12 Stunden und führte manchmal durch einen schönen Canyon, ansonsten aber durch endlose Taiga, vorwiegend bestehend aus Wald und Sumpf und sonst nichts. Zum Glück gab es manchmal einen Elch zu bestaunen. Einen Tag ging ja noch. Wie jemand aber eine 2-wöchige BahnFahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn durch genausolche Landschaften durchsteht ist mir schleierhaft.

Vor Fairbanks wütete in der Nähe ein Waldbrand, über weite Strecken war die Luft rauchgeschwängert. Sehr unangenehm vor allem, da auch die Stadt noch für Stunden betroffen war.

Mi, 10.7.2019, Seward/Anchorage. Wetter: Bewölkt, 20°.

Bis mein Velo morgens um 2Uhr ankam konnte ich natürlich kein Auge zutun und als es dann tatsächlich da war kontrollierte ich sofort meine Pneus. Dies darum, weil mir schon einmal die Pneus durchstochen wurden, da ich die Luft nicht abgelassen habe. Die Leute von den Airlines habe nicht die geringste Ahnung von Physik; ein Pneu kann auch bei niedrigem Druck im Frachtraum nie explodieren. Es war alles intakt, ich konnte beruhigt noch 3-4 Stunden schlafen.

Mein Zug fuhr pünktlich etwas vor 7 Uhr ab nach Süden. Er fuhr höchstens 60km/h, meist aber viel langsamer. Manchmal hätte ich ihm locker nachrennen können. Wir erreichten Seward nach etwa 180km trotzdem pünktlich um 11Uhr. Ich buchte eine SchiffFahrt von 5 Stunden mit einem MittagEssen auf Fox Iland. Nebst einigen Orkas (von Weitem), Seelöwen und massenhaft Vögeln gab‘s allerdings nicht zu sehen. Die Zeit, um zu den grossen GletscherZungen zu gelangen reichte leider nicht. Zum Glück gab es auf dem Zug zurück ein gutes Fischmenue und da ich noch ein Glas Wein bestellte konnte ich sogar noch länger sitzen bleiben (Schichtbetrieb). Ansonsten ist ZugFahren eine ziemlich langweilige Angelegenheit.

Und Di, 9.7.2019, Anchorage2 (mein Geburtstag), Wetter: Schön, 20-25°.

Schon früh am Morgen lief ich zum nahe gelegenen Bahnhof und buchte ich mir zwei BahnFahrten, über die ich morgen und übermorgen berichten werde. Danach  nahm ich den 10-Kilometer-Marsch zum Flughafen  unter die Beine und war ganz erstaunt, dass meine Saccochen angekommen waren. Nach wie vor gab es aber keine Spur von meinem Velo. Warten war weiterhin angesagt. Am Abend erfuhr ich, dass mein Velo angekommen sei, es würde mir im Laufe der Nacht zugestellt. Na ja, dann warte ich eben.

Mo, 8.7.2019, Wetzikon/Anchorage. Wetter in Anchorage bei Landung: Schön, 26°. Unterkunft: Motel Econo Inn, 115.—.

Der Abflug war etwa 10.30, der Flug von Kloten mach Newark dauerte 8.5 Stunden, 3 Stunden hatte ich für den FlugzeugWechsel zur Verfügung und dann   flog ich nochmals gut 7 Stunden bis nach Anchorage, wo ich um halb acht Lokalzeit ankam. Alles klappte perfekt, nur —  mein Gepäck ist in Newark hängengeblieben. Ich buchte also über booking.com ein bezahlbares Hotel und konnte nur noch hoffen, dass alles morgen ankommen würde. Mit einem Taxi gelangte ich zum Hotel. Trotz meiner Buchung war das Hotel ausgebucht. Ich brauchte eine Stunde um ein Hotel mit einem freien Zimmer zu finden. Keine Luxusherberge, dafür kostet sie nur die Hälfte als bei booking.com. Um Mitternacht kam ich ins Bett, übrigens bei fast voller Helligkeit.

Mi, 3.7.2019, ReiseVorbereitungen. Am Montag, 8.7.2019 fliege ich nach Anchorage in Alaska (USA). Ich plane, mit dem Zug über den Denali NationalPark (Mt. McKinnley) nach Fairbanks zu fahren. Irgendwie möchte ich nach PrudhoeBay im obersten Norden gelangen. Ob überhaupt und wie weiss ich noch nicht, sicher nicht mit dem Velo (Schotterstrassen, keine Unterkünfte). Von dort fahre ich die sogenannte KlondikeRoute nach Süden durch Alaska, den Yukon (Ca), BritishColumbia bis nach Vancouver (Halbzeit). Eine sehr abgelegene Gegend, trotzdem werde ich kein Zelt mitnehmen. Ich nehme an, dass ich mit Abfahrtzeiten um 5 Uhr morgens irgendwann gegen Abend zu einer Unterkunft gelange.

Ab Vancouver bis nach Phoenix durch die US-Staaten Washington, Oregon, Kalifornien und Arizona gibt es immer heissere Temperaturen und immer weniger Regen, in Arizona rechne ich mit über 40 Grad. Mein Flug ab Phoenix ist am Do/Fr, 19./20.9.2019 gebucht und ich habe mir für die ganze Reise eine Woche Reserve eingeplant. Durch Alaska und Kanada dürfte mich die Reise stark an Sibirien erinnern, und ich rechne darum auch mit grossen TagestDistanzen.