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3. Etappe: Do, 12.8.2021 - 

Ab Beginn der Reise erstelle ich jeden Tag einen Tagesbericht samt Fotos. Das Tagebuch beginnt zuunterst auf dieser Seite, der neueste Eintrag ist zuoberst.

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2021.08.27, Wetzikon. Um 8 30 fuhr mich der Bus für 5€ in 1.5 Stunden durch das wunderschöne Valle Anzasca nach Domodossola und danach der Intercity in weniger als 4 Stunden heim. Damit habe ich meine geplante Etappe zwar etwas abgekürzt, ich bin mit der ersten Alpin-Tour und mit mir selber trotzdem sehr zufrieden.

2021.08.26, Macugnaga, 24km. Alagna, Colle del Turlo (2738müM), Lago delle Fato, Macugnago. Wetter: Schön, 18°. Unterkunft: Hotel Zumstein, sFr 55.—.

Um 6 Uhr fuhr das bestellte Taxi vor und fuhr mich über Alagno noch etwa 4 km ins Tal hinein. Bei etwa 20% Tageslicht startete ich auf einen phantastischen Saumweg von 2m Breite. Und dieser phantastische Saumweg führte bis hinauf auf den Colle del Turlo (TürliPass) und, noch besser ausgebaut wieder ins Tal auf der andern Seite. Beim Aufstieg fragte ich mich immer wieder: Wer baut so einen sensationellen Saumweg, mit Befestigungsplatten von mehreren Tonnen Gewicht, und für was und für wen und natürlich auch wann.

Auf dem Colle, den ich nach 4 Stunden erklommen habe gab mir ein junger Holländer die Antwort: In den frühen 1930-er Jahren wurde der Saumweg für rein militärische Zwecke erstellt. Na ja, er erfreut jetzt zumindest Tausende von Wanderern. Ich habe mit 11 Stunden Wanderzeit gerechnet und in dieser Zeit erreichte ich auch Macugnaga, direkt am Fuss des MonteRosa-Massivs, dem höchsten Gebirge der Schweiz.

Aber ich merk schon, ich werde langsam müde. Sehr müde. Ich will nicht mehr. Es drängt mich heim. So werde ich morgen mit dem Bus nach Domodossola fahren und von dort in, übrigens sage und schreibe knapp 4 Stunden zum Ochsen in Kempten fahren. Und wenn Katharina mitmacht werden wir am Abend noch auswärts essen gehen.


2021.08.25, Alagna, km
. Staffal, Passo Salati (2970müM), Alagno. Wetter: Nebel, schön, 12°. Unterkunft: Hotel PietreGemelle, sFr 175.—.

Vor allem, da ich zum einzigen freien Zimmer noch kilometerweise talabwärts von Alagno gehen musste mogelte ich auch heute. Es ist in dieser Gegend fast nicht möglich, den touristischen InfraStrukturen zu widerstehen. Von Staffal nach Alagno kann man ohne mehr als hundert Meter zu wandern alles auf Seilbahnen überwinden. Und die laufen alle, trotz der wenigen Touristen. Ich liess mich also auf den Passo Salati hissen, danach allerdings ging‘s fast 2000HM hinunter, meist auf sehr steilen Pfaden. Ich wunderte mich schon lange, dass meine Knies bei solch steilen und sehr langen Abstiegen nicht streiken. Die ersten zwei Stunden herrschte Nebel, wobei in BodenNähe der Weg und die Markierungen noch gut sichtbar waren. Ausserdem hatte ich ja noch mein Navi, wobei dessen GPS-Signal manchmal ziemlich mäandrierte. Gegen Mittag wurde es schön, allerdings blieb das MonteRosa Massiv, das gleich über mir tronte leider im Nebel.

Im besagten Hotel hatte ich ein ganzes Appartement, was den Preis sicher rechtfertigte. Auch übernahm das Hotel die Kosten des von mir angeforderten Taxis für morgen. Trotzdem in Macognaga die Unterkünfte scheinbar ausgebucht waren gelang es mir, noch ein Zimmer zu reservieren. Mit dem Taxi am Morgen und dem Zimmer am Abend relativieren sich die 11 Stunden Wanderzeit etwas.


2021.08.23, Staffal, 26km(?!)
. Breuil, LaghiBianche, Col Nord (2982müM), Valle D’Ayas, Colle Betta (2750müM), Staffal. Wetter: Nebel, schön, Gewitter, 12°. Unterkunft: Hotel Ellex, sFr 155.—.

Heute habe ich ziemlich geschummelt, aber anders hätte ich die 26 km über zwei Pässe und dem Zwischental, dem Valle d‘Ayas natürlich nie geschafft. Am Morgen herrschte dichter Nebel über Breuil und der machte mich ziemlich unsicher. Trotzdem liess ich mich mit zwei Seilbahnen auf fast 2800müM transportieren. Dort holte ich mein im Hotel verpasstes Morgenessen nach und konnte sehen, wie sich der Nebel lockerte. Kurz nach acht wanderte ich da oben los. Für kurze Zeit war sogar das Matterhorn frei. Der Abstieg ins Valle d‘Ayas war wunderschön, der Käseteller in einer Alphütte supergut und der WiederAufstieg zum ColleBetta nicht mehr zu lang, denn dann nahm ich einmal mehr die touristische InfraStruktur in Anspruch, liess mich die letzten 300m auf den Colle und dann mit zwei Bahnen hinunter nach Staffal fahren. Auf den Sesselbahnen fing es an zu regnen, dann zu gewittern und dann noch kurz zu hageln. Ich fand im Regen schnell ein Hotel und akzeptierte den Preis, der doppelt so hoch war wie im Nobelkurort Breuil-Cervinia.


2021.08.23, Breuil-Corvinia, Ruhetag
. Wetter: Schön, 13°.

Da SwissTopo nicht mehr in diesen Teil Italiens reicht kaufte ich mir eine Landkarte. Ansonsten bereitete ich meine nächsten TagesEtappen vor und fragte mich vor allem, wie ich ab Alagna weiterkomme. 12-StundenTage traue ich mir endgültig nicht zu. Ich habe noch etwas Zeit zum Studieren. Irgend ein Törchen wird sich wohl noch öffnen.


2021.08.22, Breuil-Cervinia, 12km.
Rifugio, Fenêtre de Tsigngnaz, Perreres, Breuil-Cervinia. Wetter: Bedeckt/Bewölkt, 15°. Unterkunft: Hotel Grivola, sFr 66.—.

Nach dem gestrigen sehr anspruchvollen Tag und einer luftigen Nacht (das ToilettenHäuschen liegt 100 m neben der Hütte) machte ich mich um acht Uhr an den Abstieg. Auch heute war der Weg wieder mit Seilen gesichert, aber er war viel harmloser als gestern. Je näher ich ins Valtournanche kam umso mehr Wanderer hatte es. Natürlich, ich näherte mich ja Breuil-Cervinia, dem italienischen Pendent zu Zermatt. Das Matterhorn konnte ich heute leider nicht sehen, der Himmel war wolkenverhangen. Breuil kann es zwar nicht mit Zermatt aufnehmen, für italienische Verhältnisse ist es aber recht schön.

Wie schon auf meinen Veloreisen brauche ich jede Woche einen Ruhetag, nicht nur zum Ausruhen, sondern auch, um wieder neuen Mut zu fassen. Nach 10 Tagen ununterbrochener Wanderung bleibe ich somit morgen einen Tag hier.


2021.08.21, Refugio Perruca Vuillermoz (2920müM), 15km
. PlaceMoulin, Refugio Prarayer, Col des Valcorniere (3072müM), Refugio Perruca Vuillermoz. Wetter: Schön, 15°. Unterkunft in Refugio, sFr 70.— (HalbPension).

Schon kurz nach dem Stausee gab es keine elektronischen Verbindungen mehr. Die Route auf meinem Navi war allerdings vorgeladen und funktionierte offline. Zur Sicherheit lud ich auch SwissTopo, in Italien allerdings nur die Karte 1/100‘000, aber zur Kontrolle ist das besser als nichts. Mein Navi definierte die Route im schwierigen Bereich der heutigen Tour als T3, was ich mir immer zutraue. T4 nicht mehr. Die gesamte SchweizerReise habe ich auf höchstens T3 vorbereitet. Den Weg über den Col des Valcorniere als T3 zu bezeichnen war falsch, das war typisch T4 und ich bewegte mich darum ziemlich am Anschlag. Mehrere Abschnitte waren mit Seilen gesichert, zT aber reine KletterPartien und über die restlichen Strecken war ich überaus dankbar für meine Stöcke, denn der Weg war dauernd ausgesetzt und das hätte mir ohne Stöcke schwer zu schaffen gemacht.

Ich war froh über das Refugio, bis Valtournanche hätte es mir nicht mehr gereicht. In der Hütte sind nur 1/3 der Mattrazen benutzbar und Decken gibt es gar keine mehr. Da ich das nicht wissen konnte und nur einen HygieneSchlafssack bei mir hatte bekam ich dann doch noch eine Decke. Corona lässt weiterhin grüssen.


2021.08.20, Place Moulin (Bionaz), 19km
. Valpelline, Oyace, Bionaz, PlaceMoulin. Wetter: Schön, 15°. Unterkunft:Hotel Laconda, sFr ??

Das war ein relativ eintöniger Tag. Ich wanderte 2\3 der Strecke auf der Strasse ins einsame Val Bouthier bis hinauf auf 1900müM. Hier knapp unter dem Staudamm des Lac de Place Moulin konnte ich vor 2 Tagen ein Zimmer reservieren. Und für morgen habe ich wieder ein Zeit- resp. Leistungsproblem. Von hier ins nächste Tal brauche ich mit Sicherheit 11 Stunden, die ich mir nicht zutraue. Ich habe mich deshalb auf einer Refugio auf fast 3000müM zur Übernachtung angemeldet.

2021.08.19, Valpelline, 25km. Gr. St. Bernhard, Etroubles, Doues, Valpelline. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel Le Lievre Amoureux, sFr ??

Die heutige geplante Etappe war mir nach dem gestrigen strengen Tag zuviel. Ich suchte nach einer Abkürzung und fand sie mit einem Bus nach Etroubles Richtung Aosta (2Kurse pro Tag). So konnte ich am Morgen etwas ausschlafen. Der Bus mit 2 Personen an Bord kostete für die 45 minütige Fahrt €2.40. Damit konnte ich die Wanderung von 9 auf 5 Stunden verkürzen. Ausgezeichnet. Übernachten konnte ich im wohl einzigen freien Zimmer des Tales (es ist immer noch italienische Ferienzeit), in einem Idyll allerdings. Weit ausserhalb des Ortes in einem kleinen Hotel, völlig ausgebucht, wunderschön.


2021.08.18, Grosser Sankt Bernhard, 2470müM, 27km
. Orsieres, Bourg St. Pierre, StanktBernhard. Wetter: Schön, 15°. Unterkunft: Hotel Hospiz, sFr 120.—

Nach viel Überzeugungsarbeit brachte mir der Wirt heute Morgen um 6 15 ein Morgenessen aufs Zimmer, so dass ich um 6 30 starten konnte, denn heute würde es einen langen und anstrengenden Tag geben. Aber es war eine sehr schöne Wanderung, vor allem im oberen Bereich. Dort allerdings wurde es manchmal sehr steil und ich geriet ernsthaft ins Schnaufen. Mehrere Male musste ich stehenbleiben. Ich weiss nicht, ob das meinem Herzinfarkt oder der Höhe zuzuschreiben war.  Wahrscheinlich beidem.

Auf dem Lac des Toules, einem Stausee, war eine grosse Fläche mit SolarPanels installiert. Was ich anfänglich als gute Idee empfand zog ich dann immer mehr in Zweifel. Im Winter beträgt in diesem tiefen Tal die SonnenscheinDauer vielleicht 5 Stunden und ausserdem liegen da noch meterweise Schnee. Na ja, vielleicht rentiert es sich doch.

Ich kam dank dem frühen Abmarsch um halb sechs auf dem Hospiz an und war überrascht über das ganz akzeptable Zimmer. Morgen würde ich, nach dem heutigen Tag, Valpelline nicht erreichen. Es ist zu weit. Nach langem Durchfragen und DurchGoogeln fand ich aber eine Lösung.


2021.08.17, Orsieres, 20km.
Martigny, Les Valettes, Sembracher, Orsieres. Wetter: Schön, 20°. Unterkunft: Hotel Union, sFr 96.—.

Gekennzeichnet war die heutige Etappe durch mehrere Kilometer reines FelssturzGebiet zwischen Les Valettes und Sembracher. Das erste Mal in meinem Leben benutzte ich meine WanderStöcke um mich durch und über die Felsbrocken zu hangeln. Ansonsten folgte ich der Dranse, resp. weit über ihr.

2021.08.16, Martigny, 17km. Saint Maurice,  Evionaz, Martigny. Wetter: Regen, schön, 22°. Unterkunft: Motel des Sports, sFr 108.—.

Auch heute wieder eine Wanderung fast vollständig entlang der Rhone, allerdings nicht mehr ausschliesslich auf asphaltierten Strassen sondern weit auch auf ‚knorrigen‘ Wegen. Damit ich überhaupt an einem Restaurant vorbeikam musste ich einen Umweg über Evionaz machen. Und ich hatte Glück. Ich war kaum in einem Caffee ging ein Platzregen nieder. Aber schon kurze Zeit danach hellte es auf. Nur etwas blieb: Der Wind. Das Walliser Knie ist geradezu unglaublich windig. Da könnte man locker 100 WindGeneratoren aufstellen und nicht nur zwei. Auch in der Stadt wunderte ich mich, dass so viele Leute in den Gartenwirtschaften sassen, mir war das viel zu kalt.

Bis anhin bewegte ich mich fast ausschliesslich auf flachem Terrain. Ab morgen allerdings fängt das Steigen an und für eine gute Woche bin ich dann in den Bergen. Für die nächsten 4 Nächte konnte ich trotz Ferienzeit Unterkünfte reservieren - ich muss also nur noch dahinkommen. Das Wetter zumindest spielt weiterhin auf schön und trocken, vielleicht sogar bis nach Domodossola. Schön wär‘s.

2021.8.15, Saint Maurice, 26km. LeBouveret, Vouvry, Massongex, SaintMaurice. Wetter: Schön, 30°. Unterkunft: Hotel Franciscaine, sFr 85.—.

Ich erwartete schon einen langen Wackel. 26km entlang der Rhone auf einem durchgehend asphaltierem Weg ohne ein einziges Bänkchen war dann aber wirklich eintönig. Dabei kam ich auch erst in Massongex, nach 20km an einem Dorf vorbei, tatsächlich mit einem Restaurant. Einquartiert bin ich bei einer christlichen Gemeinschaft, das Zimmer entsprechend spartanisch eingerichtet. In einem nahe gelegenen Restaurant war die Küche zwar geschlossen aber ich bekam noch ein Fondue, sehr gut.


2021.08.14, Le Bouveret, 26km
. Evian, Lugrin, St. Gingolf, LeBouveret. Wetter: Schön, 27°. Unterkunft: B+B Amelia, sFr 139.—.

Für etwa die Hälfte der Strecke ging ich auf der Hauptstrasse. Nicht gerade erhebend, vor allem nicht in Frankreich. Im Gegensatz zur Strasse auf der Schweizerseite hatte es dort keinerlei Seitenstreifen, von einem Trottoir ganz zu schweigen und auch die Velofahrer hatten keinen Velostreifen. Ich kehrte ein im schweizerischen St. Gingolf. Der westliche Teil ist französisch und wurde von den Nazis vollständig zerstört. Darum ist der schweizerische Teil noch viel altertümlicher und auch schöner. Dort wurde ich vor einem Jahr auf meiner in Tour de Suisse in einem Hotel am See abgewiesen, trotz einer bestätigten Reservierung. Ich fuhr dann 5km weiter zu dem B+B wo ich auch heute die Nacht verbringe.

2021.08.13, Evian les Bains, 29km. Douvaine, Sciez, Thonons les Bains, Evian les Bains. Wetter: Schön, 26°. Unterkunft: Hotel du Pallais, sFr 180.—.

Auch heute kämpfte ich mich wieder durch reinen Sumpf im Walde. Nicht mehr so weit und auch nicht mehr ganz so schlimm wie gestern, aber mir reichte es langsam. Glücklicherweise führte der Weg auch über viele Kilometer entlang des GenferSees, was mich wieder für die Unbill der Sumpfwege entschädigte. Vor Evian wurde ich über eine richtige Berg-und-Talfahrt geführt, aber um halb sechs beendigte ich meine fast 30km Wanderung. Und auch hier, ohne ImpfAusweis keine Bedienung. Das erste Mal habe ich mich bei booking.com vertippt und musste wohl oder übel für 4 Personen in einem ViererZimmer bezahlen, und das in einem zweifelhaften 2SterneKasten.


2021.08.12, Douvaine, 24km.
Genf, ChèneBourg, Foncenex, Sumpf, Douvaine. Wetter: Schön, 25°. Unterkunft: Hotel la Poste, sFr 85.—.

Nach meiner Zugsreise nach Genf startete ich um 11 30 zu meiner Wanderung. 

Zwei vollständig verschiedene Wege. Nachdem ich erfolgreich der Stadt Genf entflohen war folgte ich sicher während 8 Km auf einem sehr schönen Kiesweg einem Bach. Danach kam Champ Dollon, das bekannte Gefängnis. Lange Zeit wanderte ich über Land bis sich eine asphaltierte Strasse nach Foncenex in eine KiesStrasse, dann in einen Kiesweg und schlussendlich in einer katastrophalen SumpfLandschaft im Walde in einen fürchterlichen Weg wandelte. Für etwa 6 km hangelte ich mich buchstäblich durch den Dreck. Bei nassem Wetter wäre ich kaum durchgekommen. Und dann kamen noch die Mücken. Dank diesem äusserst anstrengenden Weg kam ich völlig erschöpft in Douvaine an und war sehr froh, dass ich hier ein HotelZimmer reserviert hatte.

Vor etwa 1-2 Monaten kam ich zweimal mit dem Velo durch Frankreich und erlebte keinerlei Einschränkungen wegen Corona. Heute nun hätte ich im nahegelegenen Restaurant nichts zu Essen gekriegt ohne Impfpass. Ich war dann allerdings positiv überrascht, dass mein Impf-QR auf meinem Handy problemlos erkannt und auch in Frankreich akzeptiert wurde.