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Ab Beginn der Reise erstelle ich jeden Tag einen Tagesbericht samt Fotos, allerdings, nur wenn ich W-Lan zur Verfügung habe. Das Tagebuch beginnt zuunterst auf dieser Seite, der neueste Eintrag ist zuoberst. 

 

 Tagebuch SüdAmerika

 

Zusammenfassung Südamerika

Velodistanz ab Start in Wetzikon/Bogota (CO) am Mi, 4.10.2017 - Sa, 23.12.2017: 6551 km. Mit Bus und Lastwagen: 2600 km. Mit Schiff: 1500 km in 81 Tagen, davon 51,5 aktive Velotage, 29,5 Reise und Ruhetage. Durchschnittliche VeloDistanz pro aktivem Velotag: 127 km

Was blieb hängen?

Kolumbien

Jeden Sonntag werden in Bogota etwa 120 km Hauptstrassen vollständig gesperrt und den veloverrückten Kolumbiern geöffnet und jedes Mal sind mittlerweile 1.5 Millionen Velofahrer unterwegs und absolvieren die 120 km oder Teile davon. Jeden Sonntag!

Kolumbien war gekennzeichnet durch meinen grandiosen Verhauer ins falsche Tal und die Busfahrt auf einer fürchterlichen Schotterstrasse über 3500 müM zurück auf die PanAmericano, aber auch durch anstrengende BergPassagen, die sich in Equador fortsetzten.

Equador
Nach mehreren Tagesaufstiegen von kumulierten 2000 m/Tag erlebte ich auch die längste Abfahrt meines Lebens, von 3850 müM auf fast 0. Danach liefen beide Bremsen auf den Nieten und ich musste die Bremsbeläge auswechseln. Unten auf Meereshöhe fuhr ich durch endlose BananenKulturen nach Machala die sich ‚Welthauptstadt der Bananen‘ nennt.

Peru
Nördlich von Lima, entlang der PazifikKüste gab‘s nur Wüste, von GrasBüschelWüste bis zu schöner DünenWüste, nur unterbrochen durch bewirtschaftetes Land wegen eines Flusses aus der östlichen Bergkette — und ich hatte tagelangen, heftigen und zermürbenden Gegenwind. Ab Cuzco durch das Altiplano auf durchschnittlich fast 4000müM wechselte die Szenerie, die Landschaft wurde zur Steppe mit kargen landwirtschaftlichem Nutzen.

Bolivien
Das Altiplano befindet sich grösstenteils in Bolivien und die Hauptattraktion ist nach La Paz zweifellos der Salar von Uyuni, die mit einem Viertel der SchweizerFläche grösste Salzpfanne der Welt.

Chile, Norden
Das wichtigste Erlebnis war sicher, dass ich in einem Lastwagen 350 km durch die praktisch menschenleere und welttrockenste Atacama-Wüste (ein fürchterlicher Ort) fahren konnte, die ich mit dem Velo ohne Zelt (das mir gestohlen wurde), nie geschafft hätte. Aber auch weiter südlich bis knapp vor Santiago gab’s nur Wüste, total 1200 VeloKilometer.

Chile, Valle Central
Welch ein Unterschied zum kühlen, nebligen WüstenNorden. Es wurde warm und meist sonnig. Die Landschaft wurde grün und intensiv genutzt, vor allem für die WeinProduktion. Erst gegen Puerto Montt wurde es wieder karg, die Landschaft zur Heide.

Chile, Patagonien
Vier Tage, 1500 km durch die riesige Inselwelt WestPatagonien waren bei derart schlechtem Wetter auf einer spartanische Fähre zwar kein HighLight aber zumindest sehr geruhsam. Ganz anders dann zwei sensationelle Tage bei den Torres del Paine. Ein wunderbares Erlebnis bei schönstem Wetter, das es in dieser Gegend eigentlich fast nicht gibt. Danach windige und regnerische Fahrt nach der südlichsten Stadt Chiles, nach Punta Arenas auf der ‚Ruta del Fin del Mundo‘, auf der Strasse zum Ende der Welt.

Chile/Argentinien, Terra del Fuego
Nach der Überquerung der Magelanstrasse nach Punto Arenas war ich auf ‚Tierra del Fuego’, auf Feuerland, dem südlichsten Gebiet Südamerikas und auch wieder auf der atlantischen Seite des Kontinents. Und spätestens in Ushuaia, dem endgültigen ‚Fin del Mundo‘, dem Ende der Welt hatte ich alle Facetten von Seiten-, Rücken- und Gegenwind in extremen Formen erlebt.

Fr/Sa, 22./23.12.2017, Heimflug. 

Mit dem verpackten Velo fuhr ich per Taxi zum Flughafen und ab 10 Uhr in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Airbus in 3 1/2 Stunden nach BuenosAires zu einen nationalen Flughafen. Dort musste ich mein Gepäck und das Velo auschecken und mit einem wallisischen Begleiter der schon erwähnten Velogruppe fuhr ich mit einem Taxi zum 50 km entfernten Internationalen Flughafen. Im Taxi erfuhr ich dann, dass die Teilnahme an der ca 5-monatigen Reise 25‘000$ kostet. Beim Einchecken des Velos begeisterte sich die Dame derart für meine Tour, dass sie mir einen verlockenden Vorschlag machte. Ich könne meine zusammengewrapten Sakkoschen, weniger als 8kg, als Hangepäck ins Flugzeug nehmen und brauche dafür nichts für das Velo zu bezahlen (normalerweise etwa 100$). Ich bereute den Handel ziemlich schnell. Bei der GepäckKontrolle merkte die Dame, dass ich verbotene Dinge mitführte. Das Wrapping wurde aufgerissen und mein teures Sackmesser, meine Velowerkzeuge und das Essbesteck wurde beschlagnahmt —zusammen Material  im Wert von etwa 150 Franken. Doch nicht genug damit, denn plötzlich hatte ich zwei HandGepäcke plus meinen Rucksack. Ich glaube, nur weil ich fast der Letzte war, der ins Flugzeug kam kriegte ich damit keine Probleme. 

Der Flug nach Frankfurt in einer Boeing 747 dauerte fast 12 Std. In Kloten wurde ich abgeholt und musste somit mein Velo nicht zusammenmontieren. Pünktlich auf Weihnachten war ich zu Hause bei meiner grossen Familie.

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 Di, 21.12.2017, Ushuaia3, Excursion. Wetter: Wechselnd bewölkt, 5-10°.

Heute, am längsten Tag des Jahres, nahm ich mit einem Bus an einer Excursion teil zu einem MeeresForschungs-Zentrum mit Museum. Dann mit einem SchlauchBoot zu einer PinguinInsel und mit einem Schiff zu einer SeeLöwenInsel und zurück nach Ushuaia.

Mi, 20.12.2017, Ushuaia2, Ruhetag. Wetter: Bedeckt, Regen, gegen Abend schön, 10-15°.

Was die Übertragungs-Geschwindigkeiten im Internet anbelangt bin ich endgültig am Fin del Mundo, am Ende der Welt. Vier Bilder auf die Homepage zu laden ist eine Sache von Stunden. Am Morgen buchte ich zuerst eine TagesExcursion für morgen, dann besorgte ich mir bei einem Velohändler eine KartonKiste, um das Velo zu verpacken und zu guter Letzt lief noch zum Flughafen, um mich mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Ich staunte ob der sehr vielen Leute, die vor dem CheckIn anstanden. Ich werde mich übermorgen mit meinem sperrigen Velo früh einfinden.

Di, 19.12.2017, Ushuaia, 118km mit den Velo 100km mit Kleinbus. Wetter: Wechselnd bewölkt, 10-15°. Unterkunft: Hotel CapPolonio, sFr 103.—.

Heute hatte ich doch tatsächlich Nordwind, das gibt es in Patagonien selten. Und der Wind war schwächer als gestern. So liess ich mich richtig friedlich nach SüdWesten durch eine ausgesprochen schöne Pampa mit vielen Wäldern tragen. Es gab fast keine Rinder und Schafe, höchstens noch Vikunias. Das sind ausgesprochen elegante Tiere, wie die über alle Zäune springen ist allerdings eher ein Gleiten. Von sichtbarer Anstrengung keine Spur.

Irgendwann überholte ich ein junges brasilianisches Paar mit Velos und einem Anhänger — und einem Hund darin. Wenig später kam mir eine junge Frau entgegen, eine Tessinerin mit sehr viel Gepäck. Sie hatte ein ausgesprochen grosses Kistchen (das war eine Kiste) vor dem Lenker — mit einem Kätzchen darin. Die junge Frau hatte vorher fast die gleiche Reise durch ZentralAsien gefahren wie ich diesen Sommer, dabei ist ihr in Kirgistan das Kätzchen zugelaufen und sie hat es mitgenommen. Allerdings wurde sie damit nicht nach China gelassen. Da flog sie kurzerhand nach Ushuaia und fährt nun nach Bogota. Hier sei eine Katze überall erlaubt. Eine sonderbare aber sehr sympathische Geschichte. Wie allerdings diese zierliche Frau mit so viel Gepäcks-Angriffsfläche plus Rucksack die Winde Patagoniens besiegt ist mir ein Rätsel.

In Tolhuim, nach etwa 110 km stellte sich mir wiederum eine Gretchenfrage: Getraue ich mich, nochmals gut 100 km unter die Räder zu nehmen, wohlwissend, dass ich aufgrund eines Richtungswechsels nach Westen mit starkem Seitenwind zu rechnen hatte. Ich würde frühestens um 20 Uhr in Ushuaia ankommen, dabei dürfte gar nichts Unvorhergesehenes geschehen. Ich getraute mich nicht und morgen war wieder sehr starker, direkter Westwind angesagt, dem ich mit Sicherheit unterlegen wäre. Ich suchte somit die örtliche BusStation auf und wurde noch in der letzten Minute in einen KleinBus verladen. Und das Unvorhergesehene trat dann tatsächlich ein: Die Fahrt ging durch zwar sehr schönes aber auch (mit dem Velo) sehr anstrengendes Gebirge, das ich auf der Karte gar nicht ausmachen konnte. Ich hätte mit dem Velo in der verbleibenden Zeit keine Chance gehabt. Mein Entscheid war wohl eher Instinkt als fundiertes Wissen.

Nun bin also erfolgreich in Ushuaia, der südlichsten Stadt des Kontinents, offiziell ‚Al Fin del Mundo‘, und somit meinem (Velo)Ziel angekommen.

Di, 18.12.2017, Rio Grande, 246 km. Porvenir, Grenze zu Argentinien, RioGrande. Wetter: Wechselnd bewölkt, 10-15°. Unterkunft: Hotel Casino, sFr 80.—.

Abfahrt war um 5 Uhr, denn wiederum konnte ich nicht herausfinden, ob es zwischen Porvenir und RioGrande eine Unterkunft hat. Mein Weg nach Süden war ziemlich abgelegen und so war ich nicht erstaunt, dass ich die ersten 100 km auf einer KiesPiste fuhr. Auf dieser Distanz sah ich kein Duzend Autos. Es gab einige Estancias (Höfe), aber kein Dorf, ausser dem Meer und schöner Landschaft eigentlich nichts. Allerdings sah ich viele Vikunias (eine kleine Kamelart) und einmal sogar Flamingos. Diese Fahrt war aber gekennzeichnet durch starken Rückenwind. Nur schon der normale Wind trug mich regelrecht nach Osten, kam dann noch eine Böe wähnte ich mich an einem Skilift. Nach 150 km, vor der Grenze hatte es tatsächlich ein Hostal. Ich war allerdings früh dran und so entschied ich mich, das Unmögliche zu wagen. Nach dem unproblematischen Grenzübergang nach Argentinien fuhr ich, mittlerweile auf einer Asphaltstrasse weiter nach SüdOsten bis RioGrande. Ich machte somit einen 45° Winkel gegen den mittlerweile sehr starken Wind. Dieser blies mir zwar immer noch leicht in den Rücken, vor allem jedoch in die Seite. Und er war sehr stark. Die Vorhersagen der Böen mit gegen 100km/h war sicher richtig. Die Anforderungen an das Gleichgewicht und an die Konzentration sind riesig. Zum Glück hatte es nur wenig Verkehr und ich beherrschte das Spiel mit dem Wind immer besser. Schlussendlich, so gegen 6Uhr erreichte ich RioGrande und fuhr mit 245 km an einem Tag einen AllzeitRekord ein.

Mo, 17.12.2027, Porvenir. Fähre. Wetter: Leicht bewölkt, milchig, 10-15° Unterkunft: Hotel Yagan, sFr 57.—.

Auf der Fähre nach Porvenir traf ich wieder das Luzerner Paar mit dem Toyota. Wir überfuhren die MagelanStrasse nach ‚Tierra del Fuego‘, nach Feuerland, der endgültig letzten Station meiner Reise. Wie Magelan damals einen Seeweg durch die unendliche Inselwelt von Feuerland und Patagonien fand ist nicht nachvollziehbar, denn die allermeisten Varianten sind reine Sackgassen. Und das mit Segelbooten.

Ab Porvenir gibt es keine Busse nach Westen, aber es gab ein recht gutes Hotel. Morgen fahre ich wieder um 5 Uhr ab, denn ich sollte mindestens die argentinische Grenze erreichen. Dort habe es zwar keine Unterkunft aber mittlerweile glaube ich nicht mehr alles und werde einfach losfahren. Denn eines habe ich morgen mit Sicherheit: Durchgehenden Rückenwind. Vorausgesagt sind: Wind aus Westen (ich fahre nach Osten) mit 56 km/h und Böen mit 98km/h. Na ja, so schlimm wird‘s wohl nicht werden. Allerdings, musste ich heute Abend herausfinden, ist die Strasse nicht asphaltiert.

Sa, 16.12.3017, Punta Arenas, 105 km. Wetter: Leicht bewölkt, 5-10°. Unterkunft: Hotel Best Western, sFr 160.—.

Heute würde es einen einfachen Tag geben. Nur gut 100 km bis Punta Arenas bei schönem Wetter und Seitenwind. So war es dann auch bis etwa 11 Uhr als der Seitenwind bedenklich anzog. Er stosste mich zwar manchmal auch, normalerweise hatte ich ihn aber auch von schräg rechts vorne. Dann kriegte ich mit allem Strampeln noch 10 km/h hin. Das grössere Problem waren allerdings die zusätzlichen Böen. Ich wurde mehrere Male bis in die Mitte der Strasse geblasen, und dann wird‘s gefährlich, denn ein Autofahrer hinter mir kann ja nicht erahnen, wann‘s den Velofahrer da vorne in die Strasse bläst. So bin ich viele Male stehengeblieben, um Autos und Lastwagen durchzulassen.

Zwei Velofahrer von der grossen Velogruppe standen am Strassenrand mit drei Velos. Eine Dame hätte der Wind über die Böschung geweht, sie sei dann, wie weiss ich nicht, nach Punta Arenas ins Spital gefahren worden. Die andern beiden warteten auf ihren Toyota, der mich kurz danach mit drei Velos auf dem Dach überholte. Die Verletzung war harmlos, wie ich später erfahren konnte. Aber mir kam dann doch noch ein Gedanke. Ich dachte anfänglich, das Unternehmen der 25-er-Gruppe wäre eine ziemlich abenteuerliche Reise. Mit allem, was ich dann aber gehört und gesehen habe liess mich an der Abenteuerlichkeit immer mehr zweifeln. Das heute Erlebte war nur noch die endgültige Bestätigung: Wenn die Voll-Kasko-Versicherung jederzeit mitfährt, und die fuhr auf der gesamten Reise mit, stirbt jedes Abenteuer resp. es hat gar nie stattgefunden.

Fr, 15.12.2017, Villa Tehuelches, 154 km. Wetter: Bedeckt, Regen, 5°. Unterkunft: Hostal , sFr 20.—.

Um 5 Uhr startete ich, denn ich rechnete nicht mit einer Unterkunft bis Punta Arenas. Dass ich die gut 250 km in einem Tag schaffe war zwar praktisch ausgeschlossen, wenn ich aber zB einen starken Rückenwind hätte, na ja — die Hoffnung stirbt zuletzt. Am Morgen hatte ich tatsächlich Rückenwind, es regnete nicht und die Fahrt war trotz frostiger Temperaturen auf sehr guter Strasse schnell und angenehm. Ich befand mich nun offiziell auf der ‚Ruta del Fin del Mundo’. Etwa um 9 Uhr überholten mich die beiden Schulbusse der 25 Personen-Velogruppe und etwas später zwei junge Fahrer der Gruppe. Später hatten die Begleiter das ZnüüniBuffet aufgestellt und ich wurde zu einer Schale FruchtSalat eingeladen, nicht allerdings, ohne vorher die Hände gewaschen zu haben. Echt amerikanisch.

Am Nachmittag begann es zu regnen, aufgrund einer RichtungsÄnderung kam der Wind nun von der Seite und die 5° erhielten eine völlig neue Qualität. Es wurde sehr kalt und ich war schon sehr erleichtert, als es in Tehuelches tatsächlich ein Hostal gab und vor allem, dass ich noch ein Zimmer kriegte, denn eine Vorhut der grossen Gruppe hatte eigentlich alle Zimmer reserviert für ihre Mitglieder. Völlig durchnässt und halb verfroren konnte ich ein Zimmerchen beziehen, das beheizt war! und in einer Dusche mit echtem Warmwasser mich aufwärmen und normalisieren. Im daneben liegenden Restaurant traf ich einige von der Gruppe. In diesem Regen übernachtete nur wenige im Zelt. Einige wohnten im Hostal, ein Teil liess sich heute mit den eigenen Bussen nach Punta Natales in ein Hotel fahren und der grösste Teil ging heute, bei diesen Wetteraussichten schon gar nicht mehr auf die Strasse und nahm den Bus von Puerto Natales nach Punta Arenas.

Heute habe ich den 6000-sten Kilometer durchfahren.

Do, 14.12.2017, Puerto Natales. Wetter: Bedeckt, Regen, 5-10°. Unterkunft: Hostal SouthWind, sFr 47.—.

Heute Morgen war schon knapp über der Ebene alles weiss. Ich verzichtete somit auf meine geplante 8-StundenWanderung. Ich bin zwar wintertüchtig ausgerüstet, die nur halbhohen Schuhe waren für diese Verhältnisse aber nicht geeignet. Ich fuhr deshalb mit dem Bus in die Stadt zurück.

Gestern traf ich eine Gruppe von 25, vor allem älterer Herren, die von Cartcagena (700 km nordöstlich von Bogota) bis Ushuaia mit dem Velo unterwegs sind. Allerdings, im Gegensatz zu mir, ohne Bus und ohne Schiff, dh, wenn die alles mit dem Velo gefahren sind, also etwas mehr als 11‘000 km in gut 5 Monaten. Da bin ich mit meinen mutmasslichen 6500 VeloKilometern ja geradezu ein Waisenknabe. Respekt. Aber ich machte dann schon einige Vergleiche. Die haben zwei umgebaute Schulbusse (mit Sitzplätzen für weit mehr als für alle, ich habe sie gesehen) und einen ToyotaVan samt Besatzung (mindestens 5 Personen, ich habe mit ihnen gesprochen) als Begleitung. Sie zelten zwar meistens, allerdings sind die Plätze auf der ganzen Reise vorausgesucht und für das Zelten ist alles durch die Begleitpersonen vorbereitet. Das Gepäck wird in den Bussen transportiert, dh kein Gewicht und vor allem kein zusätzlicher Luftwiderstand. Die Leute können Windschatten-Fahren, dh nur der jeweils Vorderste ‚pflügt‘ und bricht die Luft. Ich bin immer der Vorderste. Bei der Gruppe ist jedes Detail organisiert, keiner muss sich darüber je Gedanken machen. Auch wenn ich meist in festen Unterkünften schlafe, wo ich schlussendlich am Abend schlafen werde weiss im am Morgen nie. Die Frage, gibt es heute überhaupt eine Unterkunft und wo stellt sich für die Leute auch nie. Ein sehr grosser Unterschied bezüglich mentaler Belastung, denn bei denen fährt die Kasko-Versicherung für alles und jedes hinterher, ich habe gar keine.  Allerdings, sie sind mit 112 km/Tag (hat mir einer gesagt) ezbenfalls schnell unterwegs (ich bin auf 124). Aber, ich geb‘s zu, nochmals 2 1/2 Monate auf Achse wäre mir zu viel.

Ich hatte eigentlich ein Riesenglück. Nach mehreren Tagen Schlechtwetter auf See hatte ich bei den Torres die schönsten Sonnentage und gleich danach regnete es wieder. Ich bin überzeugt, die Hälfte aller Parkbesucher sehen die Torres gar nie und nur ein Fünftel bei solchen Verhältnissen.

Morgen starte ich nach einer Woche auf der Fähre und in den Bergen zu meiner letzten Etappe. Es gibt auf der 250 km Etappe nach Punto Arenas höchstwahrscheinlich keine Unterkunft und ich bin ohne Zelt. Und damit fängt das Bangen wieder an. Aber bis jetzt hat es sich bewährt, wenn ich ganz einfach mal losfahre und dann schaue was passiert. Zumindest habe ich einen jahreszeitlichen Vorteil. Der Tag dauert von morgens 5 Uhr bis abends 22 Uhr, 17 Stunden. Ich starte morgen um 5 Uhr trotz einem vorausgesagten durchgehenden Regentag. Ich werd‘ überleben.

Mi, 13.12.2017. Torres del Paine2. Wetter: Wechselnd bewölkt, manchmal Regen, 10-15°.

Mit einem Van fuhr ich nach Lago Amarga und von da über einen Pass nach Puderto. Weiter ging‘s per Katamaran in 35 Min über den Lago Pehoe nach Paine Grande. Es waren sicher über 150 Personen auf dem Schiff und eine einfache Fahrt kostet 30$ (retour 50). Mit 5000 $ für eine Fahrt von einer halben Stunde kann man gut leben.

Der Weg hoch über dem Lago Grey war phantastisch, trotz hektarenweise abgebrannter Wälder. Wunderbare Weiher und Lagunen in knorriger Berglandschaft. A propos Berglandschaft: Alle Seen liegen etwa 30-50müM. Der Gran Paine ist lediglich gut 3000m hoch (die Torres max. 2800 m), aber es gibt in den Alpen kaum einen Ort, wo man direkt vor dem Berg 3000 m hochschauen kann. Darum erscheint einem das Massiv auch so mächtig.

Der Höhepunkt des heutigen Tages war aber der Grey-Gletscher mit seinen Eiszungen in den Lago Grey. Der Gletscher ist südlicher Ausläufer des Campo de Hielo, der die gigantische Fläche von 13’000 km2 hat (das ist 1/3 der Fläche der Schweiz und da nimmt sich unser AletschGletscherlein mit 82 km2 geradezu winzig aus). Fotos von dem Gletscher zu machen ist allerdings eine Übung für Akrobaten. Der Wind bläst jeden aufrechten Menschen um. Ich ging auf den Knien, mich an jedem Felsen haltend, stocherte in meiner Windjacke nach dem iPhone, versuchte mit der rechten Hand das Icon mit dem Fotoapparat zu treffen, die linke immer an einem Felsgriff und irgendwann traf ich den Auslöser. Erstaunlich war, dass die Aufnahmen nicht verwackelt waren. Auf dem Rückweg musste ich mich sputen, denn für die zweimal 11km mit vielen kumulierten Höhenmetern hatte ich nur 6.5 Stunden Zeit; ich war 15 Minuten vor der Abfahrt des Katamarans zurück. Perfektes Timing. Allerdings schlug das Wetter langsam um, es begann zu regnen.

Mit zwei Bussen erreichte ich meine Unterkunft, allerdings erst etwas spät, weshalb ich mein Nachtessen als Nachzügler an einem grossen Tisch ohne Nachbarn serviert bekam. Dafür hatte ich heute zwei ZimmerNachbarn, einen jungen Basken und einen NewYorker. Ein sehr ruhiger Abend, aber zumindest mit einem Bier und einer ‚copa di vino tinto‘ geradezu kultiviert für meinen Geschmack. Allerdings führte mich ein weiterer Monat Chile noch zu armen Tagen. Vor allem hier: Ein Bier kostet 10 Fr, ein Gatorade 6 Franken (darum habe ich meine GatoradeFlasche heute an einem Bach mit tatsächlich kostenlosem Wasser nachgefüllt). Na ja, in zwei Wochen komme ich ja wieder in die Schweiz, wo alles viel billiger ist!

Di, 12.12.2017, Torres del Paine1. Wetter: Schön, 15°. Unterkunft: Hotel/Refugio Las Torres, sFr 200.— (Vollpension)

Mit einem Bus fuhr ich, zusammen mit nochmals gegen 10 Bussen zum Parkeingang, registrierte mich und bezahlte die 20 Franken Eintrittsgebühr. Von da an fuhr mich ein Kleinbus zu meinem Hotel, mitten in der Pampa zwar aber mit direktem Blick auf die Torres.

Ich verlor keine Zeit und startete zum Mirador Las Torres. Ein Aufstieg von vier Stunden. Aber die Belohnung war gigantisch. Dass diese Türme Weltruhm haben wie das Matterhorn ist absolut gerechtfertigt. Der Anblick von der Endmoräne aus über den Gletschersee, die Wasserfälle, das Eis bis hinauf zu den Spitzen der Türme ist unbeschreiblich. Und dass ich heute, nach drei Regentagen auf See einen solch perfekten Tag geniessen konnte war fast zu schön um wahr zu sein.

Nach dem Abstieg bezog ich einen Viererschlag, in dem ich dann alleine blieb, duschte in der Gemeinschaftsdusche und verbrachte den Abend mit zwei jungen Holländern, die schon auf dem Schiff waren. Von meinem Bett aus sah ich dann nochmals direkt in die Torres.

(Apropos Fotos: Es ist natürlich eine Anmassung, mich in eine Reihe mit den stolzen Torres zu stellen, aber ich bin ja auch ein bisschen stolz auf meine bereits absolvierten 6000 km)

Mo, 11.12.2017, Puerto Natales. Wetter: Bedeckt, Regen, 10°. Unterkunft: Hostal SouthWind, sFr 47.—.

Um 6 Uhr wurden wir per Durchsage geweckt wegen den hängenden Gletschern neben der DurchfahrtsStelle. Da allerdings das Wetter sehr verhangen war hielt sich der Ausblick in Grenzen.

Eigentlich hätte das Schiff um etwa 10 Uhr andocken sollen, wegen zuviel Wind lagen wir allerdings noch 4 Std vor Anker. Aber immerhin lernte ich in diesen Stunden noch ein älteres österreichisches Paar kennen, das eine mehrmonatige Reise auf den Schiffen der Welt, incl. Antarktis unternehmen und zwei junge Luzerner, die mit einem selber ausgestatteten Landcruiser für 18 Monate SüdAmerika bereisen. Sehr symphatisch. Beim Verlassen des Schiffes regnete es. Ich suchte nach einem ReiseOrganisator für Exkursionen in den Park von Torres de Paine und nach einer Unterkunft. Ich buchte schlussendlich einen Bus in den Park und zwei Nächte in einem Refugio, wieder zu einem sündhaften Preis. Aber ich diese Ecke der Welt gelange ich nie mehr — eben.

So, 10.12.2017, Patagonien3. Wetter: stark bewölkt, 10°.d

Das Schiff schwankte während der Nacht auf offener See bedenklich und ich lag ziemlich ‚breitbeinig‘ im Bett. Aber es wurde mir zumindest nicht schlecht. Am Morgen gab‘s einen Vortrag über die Geologie Patagoniens und über die verrückten meteorologischen Verhältnisse mit 7m Regen/Jahr.

Nach dem Mittag passierten wir ein Schiff ohne Ladung, das vor 15 Jahren absichtlich auf eine unsichtbare Insel mitten im Kanal gesteuert wurde um die nicht vorhandene Ladung Zucker von der Versicherung zu reklamieren. Das Schiff ist allerdings nicht wie erwartet umgekippt und 300 m den steilen Unterwasserberg hinabgerutscht sondern steht heute noch absolut gerade auf der Spitze desselben. Danach fuhren wir am einzigen, allerdings sehr kleinen Dorf vorbei, das in der ganzen Inselwelt von 1500 km Länge besteht. Nach dem Nachtessen nahm ich an einem Vortrag über den NationalPark Torre del Paine teil, denn ich habe ja noch gar keine Ahnung, wie ich morgen in Puerto Natales dorthin komme.

Sa, 9.12.2017, Patagonien2. Wetter: Bedeckt, Regen, 10°.

Es regnete über den ganzen Tag immer wieder. Wir fuhren am Morgen auf einem breiten Korridor nach Süden. Auf meinem OffLineNavi kann ich die Route durch die Inselwelt genau mitverfolgen. Es gab eine Führung auf die KapitänsBrücke und danach einen PowerPoint-Vortrag über die Tierwelt Patagoniens. Am Nachmittag führte die Fahrt nach Westen durch etwa ein Kilometer breite InselKorridore ins offene Meer und die Schwankerei begann wieder. Sie wird die Nacht über andauern. Vor der Nachtruhe gab es aber noch ein Nachtessen und da war jeder froh, wenn er sein Essen und das Getränk auf seinem Tablett heil und ohne etwas ‚abzuladen’ an seinen Tisch brachte.

Fr, 8.12.201r7, Patagonien1. Auf der Fähre. Wetter: Wechselnd bis stark bewölkt, 15°. Unterkunft: Fähre, sFr (jenseits jeder Vorstellung)

Ich wartete vergeblich auf eine Nachricht über die EinfindungsZeit bei der Fähre. Als ich gegen 12 Uhr aus dem Hotel musste fuhr ich zum Büro von Navimag. Ich müsse um 17 Uhr am Hafen sein, 14 km ausserhalb der Stadt. Da die geplante Fähre wegen des Unwetters vor einigen Tagen ausfiel gab‘s eine Ersatzfähre, die sah ich aber schon nach 10 km. Der Kahn war voll beladen mit Lastwagen, vor allem aber mit Aufliegern ohne Traktor. Es ist wirklich kein KreuzfahrtSchiff. Ich habe zumindest eine Doppelkabine zur Einzelnutzung mit integrierter Nasszelle. Das ist schon mal wesentlich besser als ich erwartet hatte. Bei der Begrüssung staunte ich ob der stattlichen Anzahl Touristen an Bord, es waren wohl etwa hundert. Und etwas war sehr auffallend: Es waren mit zwei Ausnahmen alle schlank bis sehr schlank, und dies im völligen Gegensatz zu den BesatzungsMitgliedern und den wenigen LastwagenChauffeuren. Nach dem guten Nachtessen wurde die Route anhand von Karten und Bildern in spanisch und englisch erklärt. Die Passage durch die teilweise sehr engen Kanäle zwischen hunderten von Inseln scheint tatsächlich spannend zu werden und ist navigationstechnisch scheinbar sehr anspruchsvoll. Die erste Nacht war ruhig, nur als das Schiff kurz in den offenen Pazifik ausweichen musste schwankte es für einige Stunden. Ich fiel nicht aus dem Bett.

Do, 7.12.2017, Puerto Montt2, Ruhetag. Wetter: Schön, 10-20°.

Am Morgen suchte ich das Büro von Navimag, dem Fährbetrieb, auf und bezahlte die reservierte 2. Klasse-Kabine — für sage und schreibe 1200$ für eine VierTage- und DreiNächte-Fahrt. Allerdings ist auf dem Billet die Erst-Klasse Kabine notiert (für 2000$!!!). Na ja, die werden den Fehler wohl noch rausfinden. Da ich ansonsten nichts zu tun hatte und Puerto Montt nicht mal eine schöne StrandPromenade bietet ging ich wieder einmal zum Coiffeur um mir auch den Schnauz stutzen zu lassen. Den habe ich mir allerdings nicht freiwillig wachsen lassen. Da ich etwa 1000 km, resp. etwa 10 Tage durch das AltoPlano gefahren bin, durchgehen also auf plus/minus 4000 müM bekam ich Probleme mit meiner Oberlippe. Beim Rasieren wurde sie aufgerissen und solange man sich auf dieser Höhe aufhält heilt keine Verletzung. Da es auch auf Meereshöhe in Chile noch eine Woche dauerte bis ich mich wieder hätte rasieren können, liess ich‘s bleiben. Es ist zumindest das erste Mal, dass ich einen schneeweissen Schnauz trage.

Im Vorfeld zu dieser Reise habe ich mich sehr auf die SchiffFahrt durch die Inselwelt von Chiles Patagonien gefreut. Mittlerweile, ich geb‘s zu, habe ich keine Ahnung, was ich auf diesem spartanischen Schiff während vier Tagen machen werde. Aber, wie sagt doch Marco Rima: Think positiv! Es kann ja auch anders, vielleicht sogar besser rauskommen, als ich es mir denke. Die Reise ist ohnehin voller Überraschungen.

Zur Vorsicht melde ich mich vorerst elektronisch ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in dieser nun wirklich verschossenen InselWelt ein elektronisches Signal hinkommt. Die Tagesberichte schreibe ich aber weiter und irgendwann werden sie auf dem Netz sein.

Mi, 6.12.2017, Puerto Montt, km. Wetter: Hochnebel, schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Ibis, sFr 72.— ohne ME.

Eintönige Fahrt durch Weideland, manchmal noch mit einem Kornfeld dazwischen, das sich etwa 30 km vor Puerto Montt in reine Heide entwickelte ohne landwirtschaftliche Nutzung. Die HafenStadt Puerto Montt ist nicht gerade eine Schönheit aber ich war vor allem froh, als ich ein modernes IBIS-Hotel entdeckte wo ich für zwei Nächte eincheckte.

Di, 5.12.2017, Osorno, 157km. Panguipulli, Los Lagos, Osorno. Wetter: Wolkenlos, Hochnebel, schön, 10-25°. Unterkunft: Hotel Hurtado de Mendoza, sFr 83.—.

Von der Terrasse meiner Cabaña verabschiedete ich mich im Morgengrauen vom allgegenwärtigen Vulkan Villarrica mit seiner weit ausladenden Rauchfahne. Die ersten 60 km fuhr ich bei kühlem aber wolkenlosem Wetter grösstenteils durch Weideland. Knapp vor dem Erreichen meiner nicht gerade geliebten SchnellStrasse Nr 5 zog der Hochnebel von der nahen PazifikKüste ins Land. Erst um etwa 14 Uhr machte er wieder der Sonne Platz. Ich war zwar relativ schnell, aber über 150 km bedeuten 12-13 NettoStunden im Sattel (von morgens 6 Uhr bis abends 19 Uhr 30). 10 km vor Osorno lag mein HinterRad wieder einmal flach. Bei der Reparatur leistete mir ein ‚Gümmeler‘ Gesellschzaft und ich realisierte, dass die Stollen des bolivianischen Pneus zum grössten Teil abgefahren waren. Ich werde ihn nicht mehr ersetzen, ich habe noch drei Flicke und zwei ganze Schläuche, das sollte bis Ushuaya reichen.

Mo, 4.12.017, Panguipulli, 92 km. Villarrica, LicanRay, Coñarippe, Panguipulli. Wetter: Wolkenlos, 15-25°. Unterkunft: Cabanas Mis Viejos, sFr 80.—

Es war ein wunderschöner Tag, angefangen mit einem gemütlichen Morgenessen gefolgt von einem Start bei prallem Sonnenschein und wesentlich wärmeren Temperaturen als gestern. Und kaum aus dem Hotel begrüsst mich der weisse Vulkan Villaricca im Gegenlicht in voller Grösse. Er ist so omnipräsent, dass er mich den ganzen Tag begleitete. Ich fuhr auf dem ‚Circuito Siete Lagos‘, auf dem Rundweg zu den sieben Seen über kleine Pässe, entlang von grossen Seen und durch ausgedehnte AlpLandschaften und dies trotz der geringen Höhe von 200 - 450 müM. Über weite Strecken allerdings auch auf SchotterPisten. Die stören mich allerdings nur wegen den PickUp‘s, die mit voller Geschwindigkeit an mir vorbeidonnern und mich mit Staub zudecken.

In Panguipulli allerdings wurde ich mit Unterkünften enttäuscht. Ich dachte, es würden am See schöne Hotels stehen, aber der See gleicht gegen die Stadt wie der Pfäffikersee gegen Wetzikon — da ist noch das RobenhauserRied dazwischen. Auf Empfehlung fuhr ich 3.5 km hoch über den See, fand dort ein Hotel und kehrte gleich wieder um, 132$ zahle ich unter keinem Titel. Zurück oberhald der Stadt probierte ich es einmal mit Cabañas. Ist zwar auch nicht gerade billig, dafür hatte ich ein ganzes 3-Zimmer-Haus mit Veranda zur Verfügung. Ein schöner Abschluss eines schönen Tages.

So, 3.12.2017, Villarrica, 157km. Victoria, Temuco, Pitrufqueen, Villarrica. Wetter: Nebel, Hochnebel ganzer Tag, 10-20°. Unterkunft: Hotel Terraza, sFr 77.—.

Als ich das Velo aus der Garage holte hatte ich wieder einmal einen Platten. Zusammen mit dem Nachtwächter reparierte ich den Schaden und und ölte den Wechsel zum wohl letzten Mal auf dieser Reise. Dann startete ich bei dichtem Nebel. Schon nach wenigen Kilometern zog ich mich winterlich an.

In Pitrufquen entschied ich mich, die eintönige SchnellStrasse zu verlassen und nach Osten in die weitläufige SeenLandschaft zu fahren. In Villarrica traf ich auf den ersten grossen See mit sehr touristischer Ausprägung. Nur etwa 30 km entfernt erhebt sich der immer noch schneeweisse Vulkan Villarrica mit einer Höhe von fast 3000 müM. Im Winter ein einmaliges Skigebiet. Leider war der Himmel auch am Abend immer noch verhangen, weshalb der Berg gar nicht richtig zur Geltung kam.

Heute kam die Nachricht, dass mein Schiff, das von Puerto Montt am 8.12. startet und für 4 Tage durch die Inselwelt von Patagonien fährt, aufgrund von heftigen Unwettern verspätet sei. Ich hoffe, alles läuft trotzdem nach Plan, sonst kriege ich in Feuerland ein ZeitProblem. Morgen starte ich erst nach dem Morgenessen und mache vor allem eine BesichtigungsTour den grossen Seen entlang.

Sa, 2.12.2017, Victoria, 112 km: Wetter: Wolkenlos, 10-25°. Unterkunft: Hotel Royal, sFr 76.—.

Entgegen den Prognosen hatte ich nur wenig Gegenwind und erreichte Victoria nach einer hügeligen Fahrt schon um 4Uhr. Ich wohne in einem Hotel an prominenter Strasse: Der Confederacion Suiza. Ausserdem bestellte ich im gediegenen HotelRestaurant ein: Escalopa Suiza (GordonBleu) und das als: Suiza. Ein richtiger Schweizer Abend, allerdings mit chilenischem Wein.

Fr, 1.12.2017, LosAngeles2, Ruhetag. Wetter: Schön, 15-25°.

Nach dem gestrigen WindTag schaltete ich heute einen Ruhetag ein. Ohne einen solchen schaffe ich es bis Puerto Montt ohnehin nicht. Los Angeles ist keine aufregende Stadt, etwas allerdings hat mich sehr beeindruckt. Auf der Plaza de Armas, dem ZentralPlatz fast aller lateinamerikanischen Städte fand eine beeindruckende Präsentation aller tätigen Behinderten-Organisationen statt. Den folgenden Tagen sehe ich mit einiger Sorge entgegen, ich habe wohl bis Puerto Montt durchgehenden Gegenwind.

Do, 30.11.2017, Los Angeles, 118 km. Wetter: Schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Avellano, sFr 80.—.

Der bisher vorherrschende leichte Westwind hatte heute eine andere Laune, er blies viel stärker und, vor allem, er wechselte die Richtung, er kam nun fadengerade von Süden. Und er gab mir den ganzen Tag schwer zu schaffen. Die Landschaft wurde etwas welliger und führte vor allem durch viel Wald. Die Strasse heisst drum hier ‚La ruta del bosque‘. Auch die Hügel sind im Gegensatz zum Norden bewaldet und satt-grün. Heute fuhr ich nicht in die Stadt sondern stieg in einem Hotel davor, gleich neben einem SuperMarket ab, wo ich mir alle Getränke und etwas zum knabbern für morgen einkaufte. Bis mir die Küche im Hotel dann endlich etwas zum Nachtessen machte schlief ich beim Warten fast ein. Der Wind hatte es wirklich in sich. 

Mi, 29.11.2017, Chillon, 163 km. Wetter: Hochnebel, ab 14 Uhr schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Paso Nevado, sFr 74.—.

Heute verzichtete ich auf Eskapaden auf die Seitenstrassen mit den dauernden Sackgassen und Rückfahrten und blieb auf der alternativlosen Schnellstrasse. Ausser einem kleinen Pass war die ganze Strecke seit Santiago eben und somit nicht gerade interessant, und vor allem nicht fotogen. Denn mehr als an die erste Reihe Reben oder Nussbäume sieht man ganz einfach nicht.

Immerhin habe ich heute meinen 5000sten VeloKilometer durchfahren

Di, 28.11.2017, Talca, 155 km. Wetter: Hochnebel, ab 11 Uhr schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Diego Almagro, sFr 88.—.

Bei noch kühlen 12° und kompaktem Hochnebel startete ich widerwillig auf die SchnellStrasse 5. Die Alternative ohne Autobahn hat mir das Navi mit der doppelten Distanz nach Talca angegeben, einfach kreuz und quer durch das Land. So fuhr ich zwar auf lärmiger Autobahn, aber dafür auf dem 2.5m-PannenStreifen sehr sicher und ausserdem ‚zieht‘ mich der VerkehrsSog immer etwas mit. Ich bin damit ziemlich schnell. Ausserdem hat mich der bis anhin in Chile vorherrschende Westwind in der Regel eher etwas gestossen als abgebremst.

Immer wieder wagte ich mich auf die parallele Seitenstrasse, als ich dann aber andauernd in einer Sackgasse, vor allem vor Flüssen, landete gab ich‘s auf. Es gibt in Chile keine, überhaupt keine Sicherheit für Durchlässigkeit.

Die ersten 120 km fuhr ich wieder durch intensiv bebautes LandwirtschaftsLand, vor allem durch Rebland. Man könnte meinen Chile versorge die ganze Welt mit Wein. Dann aber wieder 40 km durch gelbes und braunes Brachland wo nur die Büsche für etwas grün sorgen. Talca ist eine grosse Stadt, und als ich mein Hotel als 4 Sterne realisierte war ich schon drin. Na ja, es war zumindest den Preis wert. 

Mo, 27.11.2017, Rengo, 136 km. Santiago, Buin, Alto Jahuel, Codegua, Rancagua, Rengo. Wetter: Schön, 15-30°. Unterkunft: Hotel Olimpo, sFr 48.—.

Das frühe Morgenessen in meinem feinen Hotel liess ich mir heute ausnahmsweise nicht entgegen, mein heutiges ReiseZiel würde ich ohnehin erreichen. Allerdings war ich in Santiago gezwungen, mich an die AutoPista5 zu halten, das ist die einzige Schneise, die zur Stadt hinausführt. Zum Glück gibt es meistens eine ParallelStrasse gleich daneben. In Buin allerdings scherte ich aus, auf einen Umweg zwar, aber er lohnte sich. Ich fuhr auf einer Nebenstrasse fast ohne Verkehr durch mittlerweile schönes, grünes, vielfach auch intensiv bewirtschaftetes Land. Allerdings, was nicht mittels Kanälen bewässert ist ist gelb und braun. So auch die umliegenden Hügel und Berge. Keine saftigen Alpen und Weiden. Irgendwann lag ein 500 HM Pass auf der mittlerweile sehr schmalen Strasse (keine Lastwagen erlaubt) dazwischen. Etwa auf der Hälfte ‚erbarmte‘ sich ein PickUpFahrer und ‚verlud‘ mich die letzten 200 HM auf den Pass. Sehr aufmerksam! In Rancagua merkte ich, dass ich wieder auf die Nr5 muss, es gibt schlicht keine andere Brücke über einen grossen Fluss. Ich realisierte langsam, dass dieses Problem mich noch für Tage begleiten wird.

In Peru und Bolivien deckte ich mich wegen fehlendem Morgenessen gerne mit einem Liter TrinkYogurt ein. Mit gegen 1000 Kcal eine absolute Energiebombe, aber genau das suchte ich. Hier in Chile gibt es das auch. Aber, der Liter hat nur noch 500 Kcal und diese bestehen fast ausschliesslich aus Zucker. Die Milch hat ‚zero grasa‘ (kein Fett) keine Laktose, kein Cholesterol, man könnte grad so gut eine leere Flache verkaufen, aber alles ist doppelt probiotisch. Für mich ist das vor allem eins: Idiotisch.

Aber höflich sind die VerkehrsPlaner. Auf einem Schild las ich: Señor ciclista — also: Herr Velofahrer, bitte fahren Sie auf dem Veloweg. 

So, 26.11.2027, Santiago2, SightSeeing. Wetter: Wolkenlos 15-30°.

Ich versuchte, wo immer möglich, Informationen über die Fähre von Puerto Montt nach Puerto Natales und auch über Übernachtungs-Möglichkeiten in Feuerland zu erlangen.

Die Fähre konnte ich reservieren, Informationen im weit, weit entfernten Feuerland (2500 - 3000 km südlich) hat hier niemand. Wenn ich dann mal dort bin werde ich alles rausfinden. 

Sa, 25.11.2017, Santiago, 121km. Wetter: Wolkenlos, 15-30°. Unterkunft: Hotel Panamericano, sFr 78.—.

Mit Santiago habe ich heute nach Bogota, Quitto, Lima und La Paz die letzte AndenHauptstadt erreicht. Nach einem Pass auf knapp tausend müM pendelte sich die Höhe auf etwa 500 müM ein. Ich bin heute wohl definitiv dem frostigen Pazifikwetter, mit tiefen Temperaturen und viel Nebel/Hochnebel entkommen. Der kalte HumboldStrom, der an die gesamte Küste Südamerikas drückt hat im Landesinnern kaum mehr Wirkung. Es wurde wieder einmal wohlige 30° warm. Die Berghänge sind zwar immer noch trostlos gelb aber die Täler begrünen sich, nicht zuletzt mit Reben.

Santiago muss gut besucht sein, erst das dritte Hotel hatte für zwei Nächte ein Zimmer frei. Dafür bin ich im Drei-SterneHaus sehr komfortabel aufgehoben. Morgen lasse ich das Morgengrauen (la madrugada) Morgengrauen sein und fröne einem guten, langem Morgenessen.

Fr, 24.11.2017, La Calera, 116 km. Wetter: Hochnebel, ab 15 Uhr schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Courmet, sFr 55.—.

Ich lasse die wohl schönste Stadt Chiles, Val Paraiso, ungern aus, aber den Umweg schaffe ich in der mir bleibenden Zeit nicht. Das ist zweifelsohne der Nachteil des Velos: Ich kann keine grossen Abstecher machen. Mein nächstes Hauptziel ist die Fähre in Puerto Montt und bis dahin muss ich mich sputen, mir fehlt mir noch mindestens ein Tag.

Es war noch nicht ganz hell, da hielt ein 6-Achser an und der Chauffeur wollte mich unter allen Umständen 100 km mitnehmen. Nachdem er auch so alles über mich erfahren hatte liess er mich wieder ziehen. Einmal kam ich an einem kleinen Dorf, La Aligua, vorbei. Da verkaufte wohl die halbe Einwohnerschaft entlang der Strasse selbstgemachte ‚Dulces de La Aligua‘, sehr feine faustgrosse Süssigkeiten. Es hatte sicher 80 Stände.

Fuhr ich die ersten 50 km noch der Küste entlang mit der gewohnten, sehr kargen Vegetation wechselten Wetter und Landschaft beim Abdrehen uns LandesInnere. Es gab Wasser, alles wurde grüner und die Sonne setzte sich durch. Besonders nach einem 500m-Pass (als ich die unendliche Rampe über den Berg realisierte machte ich Autostopp und wurde tatsächlich auf den Pass mitgenommen) begann eine schönere Welt als ich sie in den vielen vergangenen Tagen durch verschiedene Wüsten erlebt habe.

A propos LadenÖffnungsZeiten: Der örtliche SuperMercado hat offen bis nachts um ein Uhr; man kann auch übertreiben. Chile ist teuer, gegenüber der nördlichen AndenLänden mindestens doppelt so teuer und es erreicht wohl das Preisniveau unserer europäischen Nachbarländer. Ich musste mich richtig daran gewöhnen.

Do, 23.11.2017, Los Vinlos, 157 km. Wetter: Nebel, Hochnebel den ganzen Tag, 15-20°. Unterkunft: Motel ?, sFr 24.—.

Ein anstrengender Tag, dauernd von Tälern auf Kreten, in Täler auf Kreten usw, usw. Die Landschaft ist etwas zwischen Wüste und Steppe. Es gibt keine Landwirtschaft, die Gegend ist äusserst schwach bis gar nicht besiedelt. Ausserdem war der Tag mit dem Hochnebel sehr unfreundlich. Ein reiner ‚StrampelTag. 

Mi, 22.11.2017, Termales Socos, 111km. Wetter: Am Morgen Nebel/ Hochnebel, ab 11 Uhr schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Termales Socos, sFr 45.—.

Ich startete wieder in die der Morgendämmerung, denn für die nächsten 250 km konnte ich mit allem Fragen gestern keine Unterkunft ausmachen. Ich spekulierte wieder einmal auf eine gute Fügung. Nach Coquimba, der grossen Nachbarstadt von La Serena fuhr ich wieder durch SteppenLandschaft ohne landwirtschaftliche Nutzung. Mit der Zeit wuchsen allerdings die Sukkulenten zu richtigen Kaktussen aus und auch die Landwirtschaft meldete sich mit Oliven- und PapayaKulturen. Es hatte zwar keine Dörfer, die diesen Namen verdienen, aber im Gegensatz zur Atacama gab es VerkaufsStände und somit Leute. Leute, die ich nach einer Unterkunft fragen konnte. So ab km 80 schälte sich ein Hotel in Termales Socos heraus. Nach der fünften übereinstimmenden Information steuerte ich zielstrebig dem Ziel zu. Ich folgte einem Schild in einen Feldweg und fragte mich schon bald, wohin das denn führen sollte. Aber nach zwei km völliger Pampa kam tatsächlich ein ansprechendes Gebäude zum Vorschein. Es war ein Thermalbad, allerdings im UraltStil, mit einzelnen Sitzbadewannen usw., aber das Zimmer war gut, der Salon alt aber mit tiefen Sesseln sehr bequem und ein Bier gab‘s auch. Und das KurMenu war ausgezeichnet. Das Pokern hat sich wieder einmal gelohnt. 

Di, 21.11.2017, La Serena2, Ruhetag. Wetter: Schön, 15-20°.

La Serena, eine sehr geruhsame Stadt, nicht viel zu sehen, an das Meer kann man gar nicht, es ist alles privat verbaut, also ein richtiger Ruhetag eben. Aber einiges habe ich herausgefunden: Auch an den folgenden Tagen bis ValParaiso werde ich UnterkunftsProbleme haben und bis Puerto Montt in etwa 1500 km muss ich ordentlich Gas geben, denn die Fähre nach PuertoNatales (auch 1500km) fährt nur freitags und ist erst noch horrend teuer. Aber eben: Kommt Zeit, kommt Rat, ich habe ja noch einen Monat Zeit. 

Mo, 20.11.2017, La Serena, 143km mit dem Velo, 55km per Lastwagen. Wetter: Schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Diego de Almagro, sFr 80.—.

Ich startete um 6 Uhr in völliger Dunkelheit, fuhr dann in dichtem Nebel 35 km 800 HM auf 1200 müM, dann verschwand der Nebel und es wurde wolkenlos. Ich wusste, auch bei einem sehr frühen Start würde ich La Serena nicht erreichen, 200 km sind fast nicht möglich und es war klar, es hat nirgends eine Unterkunft unterwegs.

Es blieb bei Wüste, mit einigen Grasbüscheln zwar, ab und zu einem Busch und einigen Sukkulenten aber es blieb lebensfeindlich. Für mich war es vor allem anstrengend, eine ständige Berg-und Talfahrt. Ich machte irgendwo zwischen 1500 und 2000 kumulierte HM und war froh, dass die Wettervorhersage mit starkem Gegenwind nicht stimmte.

Ich sah links unten Wasserflächen in der Grösse des Pfäffiker- und des Greifensees. Es war aber kein Wasser, es waren gigantische SonnenkollektorAnlagen. Aber eben, mein Hauptproblem blieb: Ich schaffe keine 200 km von dunkel bis dunkel (von 6 - 8). Nach 110 km sah ich vor mir einen parkierten Lastwagen usw usw — der Chauffeur verlud dann mein Velo auf seinen Traktor, verzurrte es und so konnte ich etwa 55 km meiner Velofahrt abkürzen. Etwa 30 km vor La Serena liess ich mich absetzen und fuhr in die Stadt wo ich nach einigem Suchen ein gutes Hotel fand, denn morgen schalte ich einen Ruhetag ein.

Vergessen: Gestern habe ich meinen 4000-sten Km durchfahren.

So, 19.11.2017, Vallenar, 155 km. Wetter: Schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Takia, sFr 32.—.

Trotz völliger Dunkelheit war ich vor 6 Uhr in der Reception, checkte aus und wollte in der Tiefgarage mein Velo holen. Doch, oh Schreck, es war weg. Ich war völlig aufgelöst, denn für mich war klar, das Velo wurde gestohlen. Der Receptionist telefonierte in der halben Welt herum und nach 20 Minuten hielt er den Daumen hoch, das Velo war im Hause. Es dauerte dann aber nochmals 20 Minuten, bis das versteckte Räumchen im 2. UG gefunden war. Für mich war das ein Diebstahl in Raten und dass er nicht gelang war nur dem umtriebigen Herrn von der Reception zu verdanken.

Um 7 Uhr startete ich schlussendlich. Nach 13 km Anstieg erreichte ich die Höhe des Plateaus und fuhr auch heute durch reine Wüste, es gab kein Dorf, nur einige einsame Baracken-Restaurants, wo ich zu meiner obligaten Suppe kam. Immerhin scheint hier die Wüste etwas grüner und sogar farbiger zu werden. Und wie schon auf fast allen Reisen komme an Hunderten von Altären vorbei zum Gedenken an tödlich verunglückte Personen.

Heute sind nationale Präsidentschaftswahlen in Chile und deshalb gab‘s kein Bier in den Restaurants, sonst hätte ich das wohl gar nicht bemerkt.

Sa, 18.11.2017, Copiapà, 74km. Caldera, Copiapa. Wetter: Schön 15-20°. Unterkunft: Hotel Ibis, sFr 60.—.

Nach einem ‚Müesli-Frühstück‘ verliess ich den schönen Ort an der Bucht und fuhr für die nächsten 40 km wieder durch trostlose Wüste. Danach folgte ich einem Flusstal mit immer mehr landwirtschaftlicher Nutzung. Da holte mich Mario mit seinem Velo ein und er blieb für 25 km mein Begleiter. Trotzdem ich das Nebeneinander-Fahren hasse fragte ich ihn aus über die Landwirtschaft und vor allem das WasserProblem. Es hat zwar einen Fluss, der führt aber kaum Wasser. Alles Wasser für die Stadt und die Landwirtschaft ist Grundwasser, allerdings fossiles, dh seit Jahrhunderten angesammelt. Jedes Jahr muss tiefer gegraben werden und irgendwann ist fertig, zum Nachfüllen gibt‘ kein Wasser. Wie zum Beweis für diese Misère sah man im Hintergrund grosse Flächen grüner Reben, die im Vordergrund sind aus Wassermangel abgestorben (Bild vergrössern). Vor Caldera sah ich gestern am Meer eine MeerwasserEntsalzungsAnlage von der schon heute das behandelte Wasser nach Copiapà gepumpt wird ( 75 km; 120‘000 Einwohner).

Ich war schon am Mittag in der Stadt und steuerte geradewegs in das IbisHotel im Zentrum der Stadt. Gerade richtig für einen halben Ruhetag. Morgen gibt es einen langen Tag, 150 km wieder durch Wüste (nach Angabe von Mario) ohne nennenswertes Dorf dazwischen.

Fr, 17.11.2017, Caldera (Bahia Ingles), 103 km. Chañaral, Pena Blanca, Caldera. Wetter: Bedeckt, Abend schön, 15-20°. Unterkunft: Hotel El Coral, sFr 70.—.

Nach dem Morgenessen startete ich um 8 Uhr entlang der Küste auf der ‚Ruta del Desierto‘ (Strasse der Wüste) nach Süden, wieder durch reine Wüste. Aufgrund des vielen Nebels gedeihen hier allerdings wieder einige Grasbüschel. In Caldera spekulierte ich auf ein besseres Hotel im 6 km entfernten Bahia Ingles und wurde nicht enttäuscht. In einem Hotel an der wunderschönen Bucht erhielt ich ein schönes Zimmer und rundherum hatte es die Infrastruktur für einen gepflegten Abend. Nur, spätestens um Neun schlaf ich ohnehin ein.

Do, 16.11.2017, Chañaral, 68 km mit dem Velo, 340 km mit Lastwagen. Antofagasto, LaNegra, Paradero Barazarte, Chañaral. Wetter: Wechselnd bewölkt, 10-25°. Unterkunft: Hosteria Chañaral, sFr 55.—.

Diesem Tag schaute ich mit Sorge entgegen. Nach den Erfahrungen von gestern sind die auf der Karte eingezeichneten Orte auf den nächsten 400 km entweder gar nicht vorhanden oder so klein, dass ich mit allergrösster Wahrscheinlichkeit keine Unterkunft finden würde. Trotzdem fuhr ich mal los.

Um aus Antofagasto rauszukommen heisst es erst einmal 500 HM zu überwinden bis LaNegra, einem industriellen Erzverarbeitungs-Gelände riesigen Ausmasses. Weiter ging es langsam bergauf auf etwas über 1000 müM als ich zu einer BusHaltestelle zu einem weit entfernten Dorf kam. Das erste Gebäude seit LaNegra. Ich versuchte, die beiden Türen zu öffnen. Sie waren verschlossen. Aber da sich vor dem kleinen Gebäude 3 Lastwagen und 2 PickUps befanden polterte ich an eine Tür. Es wurde mir geöffnet. Es war ein Restaurant und an verschiedenen Tischen assen etwa 12 Personen. Ich bestellte eine Suppe und fragte die Señora nach Bussen in den Süden. Die seien meist überfüllt und hielten somit hier meist gar nicht mehr an. Wunderbar. Kein Bus, keine Unterkünfte und noch 340 km vor mir, und das in der AtacamaWüste. Es musste mir etwas in den Sinn kommen.

Ich ging zu einem Tisch mit vier Personen, schilderte ihnen mein Problem und ‚ob eventuell jemand nach Süden führe und mich mitnehmen könnte‘. Einer der Herren stand auf, führte mich zu einem Nachbartisch, schilderte dem Herrn mein Problem, der hielt nur den Daumen hoch und 20 Minuten später, nach dem Essen, sass ich in seinem Lastwagen, mein Velo und meine (verbleibenden) Saccochen in seinem leeren Container verstaut. Ich konnte meine Erleichterung fast nicht mehr verbergen.

Die Fahrt in seinem ‘International‘-Truck führte bis auf 2200 müM (ich merkte gar nichts davon) um dann langsam wieder an Höhe zu verlieren. Der Mann war sehr kommunikativ und ich musste ihn mehrmals bitten ‚klar und langsam‘ zu sprechen. Die Fahrt dauerte etwa 4 Stunden. Wie ich vermutet hatte existierte keiner der auf der Karte eingezeichneten Orte, es gab kein Haus, nichts und das auf eine Strecke von 340 km (von St. Gallen -Genf).

In Chañaral fand ich zwar ein rechtes Hostel, aber wieder zu einem weit überhöhten Preis. Das Abendesse nahm ich mit einem deutschen Ehepaar ein, das zu zweit für zwei Nächte gleich viel zahlte. Ich werde wohl auch wieder mal ‚booking.com‘ probieren trotz der RoamingGebühren. Es war ein spannender Tag. Nicht auszudenken, was und wenn und wie und überhaupt - - -

Mi, 15.11.2017, Antofagasta, 0 müM, 184 km mit dem Velo, 40 km per Anhalter. Unterkunft: Hotel Dakota, sFr 45.—.

Den ganzen Tag fiel die Strecke fast unmerklich von 2300 müM auf Null. Anfänglich war ich schnell, schon um 11 Uhr hatte ich 80 km hinter mir. Allerdings ohne Gegenwind. Aber eben, dann fing der an und wurde jede Stunde stärker. Die Atacama sei die trockenste Wüste der Welt, auf jeden Fall ist sie in meinen Augen mehr als tot. Aber es ist eine Region mit sehr viel KupfererzVorkommen. Die Minen sind gigantisch, gesehen habe ich allerdings nur die ebenfalls gigantischen Abraumhalden. Wieviel Diesel da für Abbau und Transport aufgewendet wird grenzt als Unermessliche.

Der Gegenwind wurde zur Tortur und da sich die eingezeichneten Orte auf der Karte als kleinste Käffer entpuppten realisierte ich langsam, dass es bis Antofagasta keine Unterkunft mehr geben würde und da ich ausserdem seit heute ohne ZeltAusrüstung unterwegs bin geriet ich langsam in Sorge. Den Gegenwind versuchte ich zu mindern, indem ich nach jedem vorbeifahrenden Lastwagen sofort in seine Spur wechselte und mich so von seinem Sog mitziehen liess.

Auch versuchte ich, die wiederaufkommenden Krämpfe unter Kontrolle zu bringen. Nach einiger Zeit musste ich allerdings realisieren, dass diese mich unter Kontrolle hatten. Ich musste absteigen und auf platschebener Schnellstrasse das Velo stossen. Irgendwann versuchte ich irgendeinen der vielen PickUp‘s anzuhalten. Was ich als aussichtsloses Unterfangen betrachtete war aber von Erfolg gekrönt. Ein Lieferwagen einer StrassenbauFirma!! hielt an. Die beiden Arbeiter halfen mir, alles zu verladen und so fuhren wir die letzen 40 km nach Antofagasta. Bei fast völliger Dunkelheit fand ich ein sehr schlechtes Zimmer zu einem horrenden Preis, aber da ich einen Riesenhunger hatte und hundemüde war befand ich mich in einer zu schwachen Position um noch herumzupokern.

Di, 14.11.2017, Calama (2300müM), 370km mit Bus. Uyuni, Olagüe (Grenze nach Chile), Calama. Wetter : Schön, 10-25°. Unterkunft: Hotel Ibis, sFr 47.—.

Gestern stellte ich den Wecker eine Stunde zu spät und hatte heute morgen gerade eine halbe Stunde Zeit mich zu richten, alles zu verpacken und in Dunkelheit zum Busbahnhof zu fahren. Ich schaffte es gerade noch, pünktlich um 5 Uhr fuhr der Bus ab.

Schon gleich ausserhalb von Uyuni endete die Asphaltstrasse und ging in eine staubige Schotterpiste über. Trotzdem fuhren wir mit einem 80-er durch eine immer kargere Landschaft. Sobald es irgendwo etwas Wasser gab weideten viele wilde Lamas.

Nach einem letzen Pass über 4300 müM erreichten wir die chilenische Grenze. Die Chilenen machen beim LandesEintritt ein RiesenBüro auf. So musste alles Gepäck aus dem Bus geladen und in Reih und Glied aufgestellt werden. Dann wurde ein Drogenhund losgelassen, der mehrere Male der Gepäckreihe entlang rennt und alles beschnüffelt. Dann wurde alles Gepäck minutiös durchsucht. Danach ging‘s immer leicht bergab in die AtacamaWüste, durch weite Ebenen aus Kies und Steinen ohne jegliche Vegetation. Vor Calama gibt es riesige KupferMinen, denen die 160‘000-Einwohnerstadt wohl ihren offensichtlichen Reichtum verdankt. In Calama fällt nie ein Tropfen Regen.

Beim Abladen meines Velos und der Saccochen, ich glaubte es kaum, wurde mir die obere Saccoche gestohlen. Nach einiger Zeit habe ich mich beruhigt, fuhr in ein nahegelegenes Ibis-Hotel, machte Inventar und ging in die gleich danebenliegende Einkaufzentren (Wässeri in Hinwil ist bedauernswert klein) und kaufte eine Velopumpe, zwei RegenAbdeckungen für die beiden verbleibende Saccochen und kaufte ausserdem noch genügend Zwischenverpflegung und Getränke für morgen ein. Ein Plastiksack reichte gerade, um bei Regen auch mein LenkerKistchen abzudecken. Ab sofort reise ich ohne Zelt, Schlafsack und LuftMatratze und einigen Kleinigkeiten, also ohne meine Versicherung. Wird schon gehen.

Mo, 13.11.20 17, Uyuni 2, SalzExcursion, Wetter: Schön, 10-20°.

Schon früh am Morgen buchte ich eine TagesExcursion in den Salar de Uyuni beim ersten Agenten, der schon offen hatte. Dann ging ich zur BusStation und kaufte ein Billet für die Fahrt von morgen nach Chile.

Der Salar von Uyuni ist mit über 10’000 km2 (1/4 der Schweiz) die grösste Salzpfanne der Welt, und dies auf über 3800 müM. Er ist bis 200 m tief und die Salzkruste ist bis zu 30m stark.

Die Fahrt mit 6 Gästen begann in einem Toyota Landcruiser zum EisenbahnFriedhof, einer grosser Ansammlung verrosteter Züge. Dann gings in die Nähe des Salzsees zu einer ehemaligen SalzgewinnungsAnlage. Mehr als massenhaft Souvenierläden sah man dort allerdings nicht. Aber dann ging’s auf den Salar, den riesigen Salzsee. Unendliche Weite. Ein erster Stopp galt einem Ojo del Salar, einer Stelle, wo Gase vom naheliegenden Vulkan durch die dicke Salzschicht emporstiegen. Dann ging’s zu einem Restaurant weit in der Salzwüste. Jeder Fahrer nimmt für seine Gruppe Essen und Trinken selber mit incl. Geschirr und räumt auch wieder selber ab.

Dann ging‘s auf lange Fahrt zur Insel de los Pescadores (was es da zu fischen gibt bleibt ein Rätsel). Für ein EintrittsGeld von 4 Franken konnte man eine kleine Bergtour unternehmen. Die Sicht ist grandios, man sieht allerdings nur Salz. Doch der Eindruck ist sehr nachhaltig. Wie gestern wurden Mitte Nachmittag mit starkem Ostwind grosse Mengen Erde auf den Solar geweht, der die Sicht wieder auf 100m beschränkte und die Sonne verdeckte. Deshalb ist der Salar auch nicht weiss sondern leicht bräunlich. Samt der Rückfahrt haben wir 260 km auf dem Salz zurückgelegt und waren damit noch nicht einmal in der Mitte des Salars gewesen.

Ich war ich froh, nicht versucht zu haben, irgendetwas mit dem Velo auf dem Salar versucht zu haben. Ich bin nicht einmal sicher, wie lange es die Pneus im scharfen Salz ausgehalten hätten. Es war auch so ein eindrucksvoller Tag für gut 20 Franken. Ausserdem konnte ich mit einer Familie aus Toulouse wieder mein Französisch auffrischen. Im Hotel packte ich für meine morgige Busfahrt und genoss noch einmal ein gutes Nachtessen mit gepflegtem Rotwein.

Übrigens: Überall wird geschrieben, wie kalt es in Uyuni sei, er ist von Schlottern, Bibern und ‚unbedingt Schlafsäcke usw‘ die Rede, dabei hatte ich heute den wärmsten Tag seit Cuzco.

So, 12.11.2017, Uyuni (3700müM), 126 km mit dem Velo, 196 km mit Autobus. Oruro, Machacamarca, Pazna, Challapatta, Uyuni. Wetter: Wechselnd bewölkt, Gewitter, 5-15°. Unterkunft: Hotel Jardines de Uyuni, sFr 80.—.

Kurz nach Oruro ging die Steppe über in eine Wüste mit Grasbüschel, wurde zeitweise immer weisser aufgrund des Salzes. Für lange Zeit gab’s keine Siedlungen mehr und keine Hütten. Später wechselte sich wieder alles ab.

Links neben mir in den Hügeln brodelten wieder Gewitter am Laufmeter und es war abzusehen, dass ich auch heute richtig zugedeckt würde wie gestern. Das Donnergetöse war ohrenbetäubend und plötzlich fing der Hagel wieder an mit anschliessendem Regen und nach 30 Minuten war der Zirkus wieder zu Ende. Später allerdings wurde ich arg auf die Probe gestellt. Schon von weitem sah ich eine riesige Staubwolke von links aus einem breiten Seitental über meine Strasse in die Wüste zu meiner Rechten brausen. Der Wind kam von knapp links vorne und war so stark, dass ich mehrere Male fast über das Bord gepustet wurde und selbst bei den vielen Perioden, bei denen ich das Velo stosste wurde es mir einmal buchstäblich unten weggeblasen. Mir war zeitweise überhaupt nicht mehr klar, ob ich Challapatta je erreichen würde. Allerdings ist die Stadt Im Windschatten gebaut und der Wind flaute ab.

In Challapatta war ich so nudelfertig, dass ich nicht einmal mehr eine Unterkunft suchte, sondern direkt zur BusStation fuhr, schon mal die Saccochen entlud, das VorderRad abmontierte und auf einen Bus nach Uyuni wartete. Nach einer halben Sunde kam der nächste Bus und ich fuhr 192 km nach Uyuni. Was ich vermutete bewahrheitete sich: Es gab in den kleinen Nestchen keine Unterkunft mehr und die SandStürme waren manchmal so stark, dass aus dem Bus heraus die Sichtweite gerademal 100 m betrug und die Sonne komplett verdeckten. Ich kam um etwa 7 Uhr bei Dunkelheit an (Fahrzeit 3 Std, Preis sFr 3.50, nicht gerade komfortabel). In einem Busbüro erkundigte ich mich nach einem Bus für übermorgen nach Chile und danach suchte ich eine Unterkunft.

Sa, 11.11.2017, Oruro, 3700müM, 132 km. Wetter: Wechselnd bewölkt, Gewitter, 5-15°. Unterkunft: Hotel Bolivia, sFr 16.—.

Es war eigentlich ein langweiliger Tag, das AltoPlano als Landschaft kenne ich mittlerweile, zu fotografieren gibt es nichts mehr Neues und ich sehnte mich langsam nach Abwechslung. Die kam dann tatsächlich, allerdings nicht ganz so, wie ich mir das gewünscht hätte. Im Abstand von einer Stunde reparierte ich zwei Plattfüsse. Zwei unbedeutende Drähtchen durchstachen mir den vor einigen Tagen gekauften hinteren Pneu. Der war eindeutig von miesester Qualität. Schon während der zweiten Reparatur begann es zu tröpfeln, ich packte alles schleunigst zusammen und deckte alles ab. Dann kam der erste Sturmwind (mir wäre alles fortgeflogen) und ein starkes Hagelgewitter. Die Hände deckte ich mit dem Ärmel der Windjacke ab und so kämpfte ich mich durch den Hagel und späteren Regen. Nach einer halben Stunde hörte der Spuk auf, aber nur, um sich eine Stunde später zu wiederholen.

Ich fand ein Hotel, demontierte das HinterRad, rief ein Taxi, das mich zum VeloMarkt fuhr, einer Ansammlung von KleinstLäden. In einem fand ich einen besseren Pneu und fuhr mit einem Taxi zum Hotel. Dort montierte ich den neuen Reifen und wollte ihn aufpumpen. Da brach mir die Pumpe entzwei (sie hat mir immerhin seit der Karibikreise vor 3 Jahren gehalten). Mit einem weiteren Taxi fuhr ich nochmals zum VeloMarkt und kaufte eine Pumpe. Zurück im Hotel beendigte ich mein Werk und hoffe, mit dem neuen Reifen habe ich mehr Glück.

Fr, 10.11.2017, Patacamaya, 3800müM, 100 km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 5-15°. Unterkunft: Alojamiento Potosi, sFr 6.—.

Als ich gestern Abend realisierte, dass ich die ganze vorgestrige Talfahrt vom Zentrum El Alto auf 4100müM nach La Paz auf 3600nüM rückwärts absolvieren müsste war für mich klar: Ich lasse mich die 12km und vor allem die 500 HM per Taxi hochfahren (gestern per Seilbahn). Bei der Taxifahrt über die Riesenbaustelle realisierte ich, dass ich als sehr langsamer Velofahrer (bergauf) auf der schmalen RestSpur ein VerkehrsChaos produziert hätte.

Einmal oben auf 4100 müM war auch die heutige Fahrt eintönig, langwellige Pampa, mal intensiv beackert, dann wieder unbearbeitete SteppenLandschaft. Da für die nächsten 50 km keine Unterkunft zu erwarten war stieg ich in in einem Alojamiento ab. Zwei davon hatte ich rückwärts wieder verlassen (da zelte ich lieber) beim dritten stieg ich dann jedoch ab. Ein totales KontrastProgramm zum Zimmer von gestern.

Do, 9.11.2017, La Paz 2, Ruhetag. Wetter: Bedeckt, 10-15°.

Bolivien hat 11 Mio Einwohner, wovon etwa 800‘000 in La Paz und 900’000 im 500 HM höhergelegenen, aber zusammengebauten El Alto wohnen.

Nach einem ersten Studium von Karte und Führer bei einem gepflegten Morgenessen fuhr ich mit der nahegelegenen Teleferica weit hinauf nach El Alto (von wo ich gestern runterkam), der NachbarStadt von La Paz. Die insgesamt vier Bahnen wurde von der österreichischen Firma Doppelmayer und der schweizerischen CTW erstellt. Pro Kabine werden 10 und pro Stunde 6000 Personen transportiert, immerhin etwa die Kapazität von 100 vollen Bussen. Der obere Teil der Stadt ist so steil, dass es kaum direkte Strassen von oben nach unten gibt. 100 Busse pro Stunde zusätzlich über die ausladenden Serpentinen zu führen wäre somit eine grosse Herausforderung.

Im Laufe des Tages konkretisierte sich mein weiterer Reiseplan, ohne dass ich schon alles im Detail definiert hätte. Auch heute ‚dinierte‘ ich im hoteleigenen Restaurant, nachdem ich mich für morgen mit den ersten tausend Kilokalorien in Form von einem Liter Yogurt und genügend IsoGetränk eingedeckt hatte. Auch morgen starte ich bei Morgengrauen, aufgrund der Vorstellung um eine Stunde hier in Bolivien allerdings erst um 6 Uhr.

Mi, 8.11.2017, La Paz, 120 km. Desaguadero, Grenze zu Bolivien, Tivanaku, LaPaz. Wetter: Wechselnd bewölkt, 10-25°. Unterkunft: Hotel La Casona, sFr 110.—.

Die Grenzstation befand sich 200 m von meiner Unterkunft entfernt, um 6 Uhr konnte ich durch. Ich spielte natürlich genüsslich wieder meine Alterskarte und war nach einer halben Stunde in Bolivien. Auch heute gab’s wieder flaches Altiplano, nur einmal noch einen Pass auf etwas über 4000müM.

Etwa 40 km vor dem Zentrum von LaPaz fing die Stadt an. Zuerst fuhr ich 5 km durch eine Müllkippe links und rechts der Strasse, danach gab’s 5 km lang nur Gewerbehäuser im Rohbau, keines fertggestellt und somit ohne jegliche Aktivität. Tristesse pur. Dabei stieg die Strasse dauernd an, ich mühte mich zusätzlich mit einem starken Gegenwind ab und dies in starkem Staub und den üblichen Abgasen. Alle 500 m erlaubte ich mir einen Halt, um wieder zu Atem zu kommen. Dann 5 km beste Betonstrassen, vielspurig bis die Strasse für die nächsten 5 km sehr städtisch wurde. Dann sah ich, dass mich mein Navi auf einen riesigen Umweg leitete und ich fragte zwei Camisetta- Fahrer, ob ich nicht direkt ins Zentrum fahren könne. Beide lachten und rieten mir dringend, die Autostrada zu nehmen. Und dann kam die Krete und plötzlich hatte ich die wirkliche Stadt La Paz vor mir. Vor mir lag ein riesiger, tiefer, komplett verbauter Kessel, wahrscheinlich mehrere hundert Meter tief. Mir war sofort klar, dass die 5 oder 10 km-Schlaufe die weitaus bessere Alternative war, ins Zentrum zu gelangen.

Doch diese Autostrada war im kompletten Umbau und als Velofahrer war ich natürlich dazu verdammt, immer auf der KiesSeite zu zu fahren, die verbleibende Asphaltspur beanspruchten ja ultimativ die Bus- und CamisettaFahrer. Die Strasse ging nur hinunter, hinunter und hinunter. Drei Mal fuhr ich unter einer Seilbahn durch (ich wähnte mich in Zermatt) und irgendwann fühlte ich mich im Zentrum. Bei einem Stauhalt sah ich rechts von mir ein 4-Sterne Boutique-Hotel, stieg ab und wohne seither im Luxus.

Heute habe ich den 3000-sten VeloKilometer durchfahren.

Di, 7.11.2017, Desaguadero, 154 km. Puno, Llave, Juli, Pomata, Desaguadero. Wetter: Wechselnd bewölkt, 10-20°. Unterkunft: Hotel Cali, sFr 11.—.

Ich startete im Morgengrauen um 5 Uhr durch das Altiplano von Peru/Bolivien. Ausser einigen kleinen Höhenzügen, die erstiegen werden wollten war auch der heutige Tag wieder von ebener Eintönigkeit geprägt. Die letzten 40 km vor der Grenze kamen mir immer mehr Zweifel auf, ob es dort überhaupt eine Unterkunft gibt und so ass ich an der letzten Kreuzung etwas zu Mittag und deckte mich mit genügend Wasser ein. Es könnte eine Zeltnacht geben.

Auf weite Strecken war der TittiCaccaSee in Sichtweite. Es gab ausgedehnte schwimmende Forellenzuchten und auch die Landwirtschaft war viel intensiver als gestern. Ich habe mir zu viel Sorgen gemacht, der Grenzort hat mehrere Unterkunftsmöglichkeiten. Das Zelten konnte ich mir sparen.

Ich will morgen nach La Paz kommen. Dort versuche ich alles zu erfahren über meine Reise nach Süden, nach Chile. Die 1000km-Strecke bis Antofagasto wird wohl die interessanteste meiner ganzen Reise sein. Nur eben, ich habe keine Ahnung, wie ich die grösste SalzPfanne der Erde überqueren werde, eine der verschossensten Gegenden dieser Welt überhaupt usw, usw. Es wird wohl spannend, sehr spannend.

Mo, 6.11.2017, Puno (3800müM), 146 km. Ayaviri, Pucarà, Juliaca, Puno. Wetter: Milchig, 5-20°. Unterkunft: Hotel Haciendo del Peru, sFr 50.—

Start war um 6 Uhr und die Fahrt ging fast den ganzen Tag durch eine ebene Steppe, an vielen Kleinstgehöfen vorbei, wo in der Steppe auch kleine Äcker angelegt werden. Woher das Wasser kommt konnte ich nicht erkennen.

Schon nach 30 km stieg ich in einem grossen Laden ab und bestellte im integrierten Restaurant etwas zu essen und Milchkaffee. Da schwärmte mir die Senora von ihren Jura-KaffeeMaschinen. Die seien die besten der Welt — ‚de Suiza‘! Da öffnete ich meine Windjacke und zeigte ihr das Schweizerkreuz auf meinem Tricot. Sie war sehr entzückt.

Ansonsten war der Tag ereignislos, lediglich die Fahrt durch Juliaca war an Verkehr kaum mehr zu überbieten. Und trotzdem das Sich-Durchschlängeln nicht ohne Gefahren ist staune ich immer wieder, wie sich auch im Chaos eigentlich alle erstaunlich rücksichtsvoll verhalten.

So, 5.11.2017, Ayaviri (3900 müM), 131km. SanPablo, Sicuani, Agua Caliente, Abra La Rays-Pass (4338müM), Santa Rosa, Ayaviri. Wetter: Sonne, bedeckt, Regen, 10/5/10°. Unterkunft: Hospedaja Crispin, sFr 8.—.

Um 7 Uhr brachte ich dem einzigen VeloMech des Ortes mein HinterRad, den Pneu (dem ist die Felgenarmierung aus Stahldraht gerissen) und den Schlauch. Der Mech war trotz Sonntag tatsächlich dort und hatte einen einzigen Reifen. Einmal mehr bin ich froh um mein AllerweltsVelo. Der Pneu hatte mit 26 Zoll meine Grösse. Nach 15 Minuten hatte ich einen neuen Schlauch und einen neuen Pneu montiert. Um 8 Uhr war ich auf der Piste.

Beim PassAufstieg kriegte ich es tatsächlich mit der Höhe zu tun. Ich musste immer wieder anhalten und verschnaufen. Ausserdem hatte ich dauernd Kopfweh, was ich sonst nie habe. In Agua Caliente (es hat mehrere Schwimmbäder mit Wasser aus heissen Quellen) ging ein kurzes Hagelgewitter runter und es wurde empfindlich kalt. Nach der Abfahrt fuhr ich durch eine endlose Hochlandsteppe und erreichte Ayaviri erst bei fast vollständiger Dunkelheit.

Sa, 4.11.2017, San Pablo (3500müM), 131 km. Cuzco, Urcos, Cusipata, Tinta, SanPablo. Wetter: Morgen schön, 10°; Nachmittag bedeckt, 20°. Unterkunft: Hospedaje sFr 10.—.

Zumindest hat nicht ganz SüdAmerika durchgehenden Südwind, denn heute hatte ich durchgehenden Nord-, dh Rückenwind. Ich fuhr somit rel. schnell ein ellenlanges Flusstal hinauf, immer nahe dem Zug nach Puno. In Tinta traf ich einen Basler, der ausschliesslich auf OffRoadWegen fährt. Es gibt noch harte Brüder, er war allerdings auch 30 Jahre jünger. Später dachte ich: Wenn dem das Gleiche widerfahren wäre wie mir heute, wäre er auf seinen 5000-er Trails (5000 müM) absolut verschossen gewesen.

Schon am Mittag reparierte ich einen Platten. 15 km vor meinem heutigen Etappenziel konnte ich mein Velo nicht einmal mehr stossen. Mir hat es den hinteren Pneu aus der Felge an den Rahmen gedrückt und somit das Rad blockiert. Reparieren ging nicht und so liess ich Luft ab und stosste das Velo mit minimalem Luftdruck etwa einen Kilometer bis San Pablo. Die letzten 100 m musste ich den hinteren Teil des Velos anheben (ganz schön schwer mit dem Gepäck) um zu einer Hospedaje zu gelangen. Ich hatte grosses Glück, dass dies so nah an einem Dorf geschah. Ich stellte das Velo, das Hinterrad samt Pneu und Schlauch völlig ‚vernuuschelt‘, in eine Garage. Was ich damit weiter tun werde weiss ich nicht, morgen ist Sonntag!

Neben meiner Unterkunft gab es das einzige Restaurant im Dorf. Bestellen konnte man nichts. Alle Tische waren mit indigenen Dorfbewohnern besetzt und man wartete. Ohne ein Wort wurde irgendwann allen eine Reis/Kartoffelsuppe serviert. Zu trinken gab‘s eine Tasse Tee, danach einen Teller mit Reis und etwas Geschnetzeltem. Es wurde nie ein Wort gesprochen dafür kostete das Ganze auch nur 1 Franken 70. Es war trotzdem das unfreundlichste Nachtessen meines Lebens.

Fr, 3.11.2027, Cuzco, 3400müM. Wetter: Wechselnd , 20°. Unterkurnft: Hotel Monasterio del Inca, sFr 27.—

Der Bus ist durchgefahren (eine Strecke von Wetzikon nach Rom, durch alle Berge, 3 Mal weit über 4000müM). So komfortabel war allerdings auch das Liegebett nicht. Wegen den Tausenden Kurven musste ich mich dauernd im Sitz verkeilen, ausserdem war es trotz Decke kalt. Es gab wie im Flugzeug ein Abend- und ein Morgenessen. Auch eine Toilette war vorhanden, sie zu benützen war bei den extremen Kurverfahrten allerdings schon fast abenteuerlich.

Vor mehr als 40 Jahren war ich schon einmal in Cuzco mit meiner Frau Katharina. Ich führte eine Gruppe von 12 Teilnehmern. Wir fuhren dann nach Huaraz und von dort zu einem 12-tägigem Trecking rund um den Huascaran, den mit 6700 m höchsten Berg Perus, mit Zelten und Eseln. Dabei kamen wir auch am (nicht mehr vorhandenen) Dorf Yungay vorbei, das nur wenige Jahre zuvor mit 50 Mio m3!! komplett zugedeckt wurde, mit 20‘000 Toten. Ein sehr starkes Erdbeben (7.8) hat den riesigen Eis- und FelsSturz am Huascaran ausgelöst.

Nach der Ankunft in Cuzco ging ich nach dem BusFutter erst mal gut essen. Ceviche, roher Fisch an einer ZitronenSauce, phantastisch. Danach fuhr ich mit dem Taxi nach Sacsayhuaman, dem wohl bekanntesten Befestigungs-oder KultBauwerk der InkaZeit neben MachuPichu. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Wie solche Steine herbeigeschleppt und zu passgenauen Mauern gehauen und zusammengefügt wurden ist noch immer ein Rätsel. Im kleinsten, vorstellbaren UhrenLaden (1 m2) konnte ich meiner Eterna eine neue Batterie verpassen und mir danach noch einen Haarschnitt.

Morgen geht‘s weiter Richtung TitticacaSee und La Paz in Bolivien. Ich bin gespannt, wie ich die Höhe meistern werde, denn ich bin nach fast zwei Wochen auf Meereshöhe nicht mehr auf Höhen über 3500 müM anklimatisiert und heute kam ich schon auf einer langen Treppe ins Schnaufen.

Do, 2.11.2017, Unterwegs, 1050 km per Autobus. : Bedeckt, 20°. Unterkunft: Autobus, sFr 65.— incl. 1000 km Transport mit Velo und volle Verpflegung im Liegebett, incl. WiFi.

Peru hat etwa 32 Mio Einwohner, wobei etwa 7 Mio in Lima lebt. Währung ist der Sol = ca. 35 Rappen.

Mit einem Taxi klapperte ich vier VeloLäden ab bis ich einen neuen Spiegel und zwei Sätze Bremsbeläge hatte. Sehr beruhigend. Ein Uber-Taxi brachte mich zur HauptStation und auf die Minute genau um 16 30 fuhr der Bus los. Für die lange Reise buchte ich ‚Exclusiva‘, die beste Klasse. So etwas Bequemes habe ich noch gar nie gesehen. Doch mehr davon morgen.

Mi, 1.11.2017, Lima 2, SightSeeing. Wetter: Hochnebel/schön, 25°.

In der Wohnung eines Freundes versammelten sich gestern schlussendlich etwa 15 Personen, alle etwa anfangs 40 und ich fühlte mich etwas deplaziert. Bei den vielen Stimmen durcheinander kann mein Spanisch sowieso nicht mehr mithalten und um 11 Uhr signalisierte ich Robin, dass ich schlafen gehen möchte. Er bestellte per iPhon das nächstgelegene Taxi (auf die Minute genau, phantastisch) das mich dann zu seinem Appartement brachte, automatisch bezahlt per Robins KreditKarte. In seiner Wohnung wollte ich Spiegeleier machen, fand aber kein Öl und behalf mich dann mit Keksen.

Mit Robin versuchten wir dann am Morgen ein BusBillet nach Cuzco für morgen zu kaufen, was alles andere als einfach war. Vor allem, weil niemand bestätigen konnte, dass das Velo mittransportiert würde. Am Ende des Tages hatte ich dann allerdings ein Billet und die Gewissheit, dass auch das Velo mitverladen würde.

MittagEssen war mit zwei Freundinnen von Robin (Spanierinnen, übrigens gestern war kein Peruaner an der Party) und einem Kollegen. Mit diesem verstand ich mich ausgezeichnet, eben weil ich fast alles verstand. Er war Franzose und hat Spanisch wie ich auch auch gelernt und diese Sprache ist wesentlich besser verständlich als diejenige von nativen SpanischSprechenden, auch dann, wenn er genau gleich schnell sprach wie alle. Ganz am Schluss erfuhr ich dann noch, dass er eigentlich auch fliessend Deutsch sprach. Wir haben uns dann zumindest deutsch verabschiedet.

Morgen fahr ich also mit dem Bus in etwa 22 Stunden 1000km nach Cusco. Am Morgen allerdings brauche ich noch eine Batterie für meine Uhr und ausserdem einen neuen Spiegel (zersplittert) und Bremsbeläge für mein Velo als Reserve, die Reise dauert ja noch eine Weile.

Di, 31.10.2017, Lima, 91 km. Chancay, Lima. Wetter: Morgen Nebel, 15°, Nachmittag schön, 25°. Unterkunft: Privat bei Robin.

Es lag tiefer Nebel knapp über der Stadt, es nieselte und es war bei 15° sehr unfreundlich. Ausserdem war die Strasse äusserst schliefrig. Ich hatte von Robin, einem Cousin meines Schwiegersohnes eine Adresse erhalten. Lima ist eine Riesenstadt und ich hoffe, mein Navi findet die Adresse.

Die Strasse führte stundenlang auf einer Höhe von etwa 100müM entlang einer Bergflanke und hier oben liegt der Nebel auf der Strasse. Die Sicht beträgt streckenweise gerade noch 20 m (gemessen). Dabei schleicht der Nebel vom Meer in das Land, ein eindrückliches Schauspiel.

Etwa 40 km vor meinem Ziel fing die Stadt Lima an. Der Verkehr wurde immer dramatischer. Ich zwängte mich zwischen den verschiedenen Kolonnen durch, immer auf der Acht, dass ich nicht eingeklemmt wurde. Mit Singen habe ich aufgehört, ich brauchte alle Konzentration für meine Sicherheit. Aber ich erreichte mein Ziel. Robin führte mich in seine sehr schöne Wohnung, wir gingen anschliessend Pasta essen und danach zeigte er mir das EdelViertel Miraflor an der PazifikKüste, lediglich 10 Minuten von seiner Wohnung entfernt.

Heute ist Haloween und morgen ein Feiertag (bei uns Allerheiligen) und somit gehen wir heute, Robin verkleidet, zu seinen Freunden. Wenn das nur gut geht, denn ich habe fast 100 km in den Beinen.

Mo, 30.10.2017, Chancay, 121 km. Barranca, Huacho, Chancay. Wetter: Hochnebel, 15-20°. Unterkunft: Hostal Arnado, sFr 23.—.

Abfahrt um 6Uhr, erst durch ErdbeerenLand und grosse Gebiete der Wüste abgetrotztes LandwirtschaftsLand. Auf der halben Welt ernähren sich die Leute von Hühnchen. Hier in Südamerika sind 70% der Restaurants reine PolloRestaurants und auch bei allen andern beinhalten 70% der Menues Pollo. Es ist klar, diese Pollos müssen irgendwo gemästet werden. Entlang dieser Strasse gibt es mitten in der Wüste hektarenweise Zeltstätte mit grossen Mastbetrieben, geradezu gigantisch. Und dies zu Duzenden. Am Nachmittag fuhr ich auf langwelliger Strasse wieder durch reinen Sand.

Auf meiner letzten Reise entlang der Seidenstrasse habe ich auf dem Velo immer wieder gesungen und mich aufgeregt, dass ich die Texte vieler Lieder nicht mehr auswendig wusste. Als ich dann heimkam schrieb ich die Lieder meines alten Liederbüchleins (im KreditkartenFormat) neu, ergänzte die Sammlung mit vielen neuer Liedern, druckte es in A5-BookletForm auf festes Papier und nahm dieses mit auf diese Reise. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich alle 47 Lieder bis Ende der Reise auswendig kann. Zu 80% kann ich sie schon heute. So liegt in meiner Kartenmappe auf dem Kistchen vor dem Lenker nicht die Karte zuoberst sondern das Liederheft. Und ich singe stundenlang vor mich hin. Und wenn sich lautes Singen nicht mehr mit dem Schnaufen im Gegenwind vertragen singe ich im Kopf weiter. Eben: Die Beine, die strampeln, im Kopf, da singt‘s.

Ich mache auf meinen Reisen ja nicht gerade auf SelbstKasteiung. Die letzten Tage allerdings kommen diesem Ausdruck schon sehr nahe. Der dauernde Gegenwind war ein kompletter FertigMacher. Ich erinnere mich noch an die Reise von NewYork bis hinab in die Karibik. Da hatte ich von NewYork bis zuunterst nach KeyWest, auf 2800 km einen TagesSchnitt von sage und schreibe 144 km/Tag. Dies allerdings nur, weil der vorherrschende Wind damals von Norden kam. Ich wurde richtiggehend getragen. Und ich schrieb damals: Hätte ich diesen Wind nur einen Tag gegen mich, ich würde wohl verrückt.

Morgen erreiche ich Lima und dann ist erstmals Ruhe angesagt. Diese letzten 80 km schaffe ich noch mit oder ohne Gegenwind, wahrscheinlich singenderweise: ‚Ich bin vom Gotthard der letzte Postillion.......‘ zum Beispiel.

So, 29.10.2917, Barranca, 102 km. Huarmey, Barranca. Wetter: Schleierwolken, 15-20°. Unterkunft: Hotel Chavin, sFr 25.—.

Gestern hat es bei der Verladung des Velos samt Saccochen eine Saccochenbefestigung herausgerissen. Mit viel Glück konnte ich den Schaden noch beheben. So wurde es 7 Uhr bis ich auf der Piste war.

Und die Verhältnisse ändern sich. Heute begann der grosse Wind schon um 8 Uhr. Grossartig. Trotzdem es bis Barranca lediglich 100 km sind war ich schon am Morgen im Zweifel, ob ich heute dahinkomme. Aber ich gab mir Mühe und pflügte mich durch den Wind - über eine lange Berg- und Talfahrt, durch eine endlose SandLandschaft - durch eine absolut lebensfeindliche Gegend. Etwa nach 50 km erwartete ich gemäss Karte das einzige Dorf des heutigen Tages. Aber es kam nur ein einsames BastHaus zum Vorschein. Es war aber tatsächlich ein Restaurant. Es gab Fisch, Reis und Zwiebeln und CocaCola und sogar noch Gatorade und Bisquits zum Mitnehmen.

Normalerweise erfolgen die Sandverfrachtung in Bodennähe. Ich fahre zwar viel über Flugsand, aber er stört nicht. Manchmal allerdings kommt der Sand bis auf Augenhöhe und dann wird‘s sehr unangenehm. Abhilfe schaffte mein Allerwelts-TaschenTuch, das ich über die rechte Brillenseite zog und mit dem ich den SandEintritt von schräg rechts vorne zuverlässig unterbinden konnte

Glücklicherweise milderte sich der Wind ab 4 Uhr und ich erreichte damit Barranco in fortgeschrittener Dämmerung. Normalerweise habe ich zehn Stunden netto für 150 km, dank dem Wind heute nur für 100 km.

Sa, 28.10.2017, Huarmey, Velo 128 km, Auto 16 km. , Casma, Culebras, Huarmey. Wetter: Hochnebel/schön, 15-25°. Unterkunft: Hotel Cordialidad, sFr 17.—.

Ich wollte heute den windarmen Morgen ausnützen und startete um 5 45, noch im Halbdunkel.

Meist schönste Strasse durch völlig vegetationslose Wüste, kein Busch, kein kein Grassbüschel, nur Sand und Felsen. Und pünktlich um Mittag legte der Wind einige Stufen zu. Während ich in den letzten Tagen noch 12 km/h auf gerader Strecke hinkriegte war ich heute froh, wenn es noch 10 waren. Deshalb hielt ich in Culebras, der ersten Siedlung seit 60km, an einer Kreuzung einen Autofahrer an, der mich spontan für 5 Franken die verbleibenden 16 km nach Huarney fuhr. Nur so kam ich noch vor Dunkelheit zu einer Unterkunft.

Heute habe ich den 2000-sten VeloKilometer durchfahren.

Fr, 27.10.2017, Chimbote, 140 km. Trujillo, Chimbote. Wetter: Am Morgen Nebel und Hochnebel bei 15°, am Nachmittag schön bei 25°. Unterkunft: Hotel Gran Chimu, sFr 27.—.

Schon seit Tagen beobachte ich, dass altes Gras immer von Süden nach Norden abgelegt ist. Der vorherrschende Wind ist somit Südwind, für mich also Gegenwind. Ich hätte meine Reise wohl gescheiter im im Süden gestartet. Am Morgen ist der Wind noch schwach, auf den Nachmittag freue ich mich nie.

Wegen dem erwarteten Gegenwind startete ich früh. Ich fuhr durch eine reine Sandwüste und konnte sehen wie diese qudratkilometerweise fruchtbar gemacht wird. Es wird alles planiert, mit Wasser von der Cordilliera bewässert und ZuckerRohr angepflanzt. Ohne Humus. An andern Orten wurde Humus in rauen Mengen herangeführt, woher weiss ich nicht. Unter grossen Treibhäusern gedeihen unsere im Winter erhältlichen Spargeln und in windabgeschirmten Kulturen Mangos. Vor allem die Urbarmachung der Wüste erfordert sehr viel Leute. Aber der weitaus grösste Teil der Reise ging durch reine Sandwüste und der Wind ab Mittag machte mir wieder schwer zu schaffen. Und so kam ich erst bei Dunkelheit in ein Hotel der Stadt, nach netto 11 Stunden im Sattel. Aber eben, ich wollte nicht zelten.

Do 26.10.2017, Trujillo, 430 km mit Bus. Wetter: Schön, 25-30°. Unterkunft: Hotel San Andreas, sFr 40.—.

Die Busstation lag nur 200m von meinem Hotel entfernt und pünktlich um 9 30 fuhr der Doppelstöcker ab. Ich hatte einen Platz im zweiten Stock und zuvorderst. Ich hatte also eine prächtige Aussicht. Viel gab’s allerdings nicht zu sehen.

Die ersten 220 km bis Chiclaya führte durch reine WüstenVegetation mit einzelnen SandDünen, ohne jegliche Erhebung, pfeiffengerade und ohne eine Ortschaft. Von Chiclaya bis Trujillo wurde es wesentlich bevölkerter und die Landschaft war vielfach mit satter Landwirtschaft versehen, wohl aus Wasser der hier naheliegenden Cordillera Occidental. Die letzten 100 km vor Trujillo bestanden dann aber aus reiner Kies- und Sandwüste, über weite Strecken mit massiven Sandverfrachtungen.

Ab der BusStation fuhr ich nicht mehr weit und stieg beim ersten akzeptablen Hotel ab. Mit einem Taxi fuhr ich zur Plaza de Armas, dem Zentrum der Stadt. Dieser Platz wurde allerdings komplett renoviert und war nicht zugänglich. Hingegen bewunderte ich die sehr eigenwillige Kathedrale aus der KolonialZeit. In einer Pizzeria gleich neben meinem Hotel gab‘s sogar noch ganz passablen peruanischen Rotwein.

Mi, 25.10.2017, Piura, 122 km. Irgendwo, Sullano, Piura. Wetter: Schön, Nacht und Morgen 20°, Nachmittag 30°. Unterkunft: Hotel Bayovar, sFr 30.—.

Nach einem erstaunlich guten Schlaf stand ich bei schönstem Wetter bei 20° auf, packte wieder alles zusammen fund machte mich um etwa 7 Uhr auf den Weg. Die Strasse war vielerorts stark zerlöchert und kilometerweise fehlte jeglicher Asphalt, die Slalomfahrten waren fürchterlich. Zum Glück können alle nur sehr langsam fahren so können alle einander ausweichen, auch den 6-Achsern auf der Gegenfahrbahn! Ich fuhr für 60 km durch ebene, trostlose Wüste. Die letzten 20 km vor Sullana waren dank eines Staudamms in den östlichen Bergen mit viel Wasser versehen und so erblühte die Wüste wieder. Es gedeihte zuerst ZuckerRohr und dann, in sattem Grün, Reis im Wasser. Welch ein Unterschied zum verdorrten, gelben WüstenGras.

Die letzten 40 km von Sullana nach Piura ging wieder durch eine ziemlich trostlose Gegend, dies aber auf sehr guter Strasse. Ein Lieferwagen kam mir zu nah, seither habe ich 5 Sprünge in meinem Spiegel. Nach Mittag kam allerdings wieder dieser fadengerade Gegenwind auf. Ein richtiger Murks. Ich erreichte Piura um etwa 5 Uhr und fand schnell ein akzeptables Hotel. Gleich nach dem Douchen (endlich wieder sauber) und dem WäscheWaschen fragte ich mich nach einer BusStation durch. Die nächsten mehrere hundert Kilometer gehen ausschliesslich durch reine Wüste mit nicht einem einzigen auf der Karte eingezeichneten Dorf. Ich hätte also wieder gezeltet. Aber da ich mir sowieso vorgenommen hatte etwa 2500 km mit Bussen zu fahren entschloss ich mich, morgen nach Trujillo einen Bus zu nehmen. Nur 200 m neben meinem Hotel fand ich ein Busunternehmen und kaufte für morgen ein Ticket.

Di, 24.10.2017, Irgendwo, 137 km. Zorritos, Cancas, ElAlto,Irgendwo. Wetter: Schön, 25-30°. Unterkunft: Zelt, sFr (Zeltabschreiber)

Da ich nicht bis halb neun auf das Morgenessen warten wollte startete ich um halb sieben. Anfänglich fuhr ich sehr meeresnah entlang grosser ShrimpsFarmen und FischZuchten. Vor Mittag führte die Strasse vermehrt ins Landesinnere wo wüstenähnliche Vegetation herrschte. Auch kam ein lästiger Gegenwind auf. Nach einem Aufstieg auf 250müM fuhr ich 50km über ein grosses Hochplateau. In ElAlto entschied ich mich, nicht im örtlichen Hostel zu übernachten, sondern auf Risiko weiterzufahren. Nach 40 km musste ich allerdings feststellen, dass ich mich arg verrechnet hatte. Es gab nur noch Wüste, keine Unterkunft, überhaupt keine Siedlung.

Eine halbe Stunde vor Einnachten setzte ich mich etwa 100 m von der Strasse ab und versuchte im Wind das Zelt aufzustellen. Nach einigem kräftigen Fluchen kriegte ich das hin und konnte nur noch hoffen, dass der Wind nicht stärker würde und meine überlangen Heringe im verdichteten Dreck halten würden. Eine Grasnarbe gab’s nicht. Beim Aufstellen statteten mir zwei Polizisten einen Besuch ab, zum Glück ohne Folgen. Ich hatte mich wohl nicht genügend versteckt. Ich hatte 1 1/2 lt IsoGetränk zum Nachtrinken, 1/2 lt Wasser zum Waschen und 1 lt Wasser Reserve. Ausserdem hatte ich noch zwei kleine Päckchen Bisquits.

Der Wind nahm während der Nacht ab und das Zelt hielt. Schon den ganzen Tag fuhr ich durch ÖlförderAnlagen mit den einarmigen Banditen. In der Nacht hatte es viele Lichter um mich herum von Ölförder- und Sammelanlagen, GasAbfackelungen, aber auch, weit weg, wohl von einer Raffinerie und vor mir von 20 WindTurbinen mit SignalLichtern.

Mo, 23.10.2017, Zorritos, 150 km. Machala, Arenillas, Grenze zu Peru, Tumbes, Zorritos. Wetter: Wechselnd bewölkt, bis 30°. Unterkunft: Hotel Kapraia, sFr 66.—.

Gegen die Grenze gingen die Bananenkulturen in reine BuschWildnis über. Bei der Ausreise spielte ich wieder meine AltersKarte aus. Ich wurde unter Umgehung der anstehenden Menschenmenge direkt zu einem Schalter geschickt. Aber ich habe die Rechnung ohne die Schalterdame gemacht. Die schickte mich zornig und rigoros in die Schlange. Erst als ich zum 2. Mal insistierte, ich sei 72 und ihr den offenen Pass hinhielt schaute sie rein, schaute mich nochmals an, lächelte und meinte entschuldigend: Es erschien ihr nicht, dass ich 72 Jahre alt sei. Ich hatte den AusreiseStempel innert 30 Sekunden und wurde direkt zur peruanischen Einreise gereicht. So versteckte Komplimente tun gut, zwischendurch.

Ich nahm die Strasse entlang der Küste, spekulierend, dass ich eine bessere Chance habe ein Hotel zu finden. Ich fuhr durch komplett ebenes Gelände, allerdings auf einer schmalen und ungemütlichen Strasse über weite Strecken durch sehr grosse ReisKulturen wie ich sie nur in SüdOstAsien gesehen habe. Nachdem ich in Zorritos, einem StrandFerienOrt, rückwärts ein $200-Ressort wieder verlassen hatte landete ich wieder in einem Ressort zu einem Drittel des Preises. Da ich meine Badehose zuhause vergessen hatte musste ich zumindest nicht schwimmen gehen.

So, 22.10.20y18, Machala, Ruhetag. Wetter: Bedeckt, 25°.

Ich marschierte etwa 8 km bis zum Hafen Puerto Bolivar, wo wohl die gigantischen Mengen an Bananen in die ganze Welt verschifft werden. Wie überall sieht die Küste bei Ebbe verheerend aus, die Suppe mit einem Bier in einem (ausnahmsweise) einladenden UferRestaurant war allerdings ausgezeichnet. Ansonsten frischte ich mein Wissen über Peru anhand meines Führers und dem Internet auf.

Sa, 21.10.2017, Machala, 94 km. Natanjal, JaimeRoldos, ElGuabo, Machala. Wetter: Morgen tiefliegender Nebel mit NieselRegen bei 25°, Nachmittag Hochnebel mit sehr diffusem Sonnenlicht bei 30°. Unterkunft: Hotel SanFrancisco, sFr 30.—.

Einfache Fahrt durch ebenes BananenLand, durch endloses Bananenland. Die Bananen gehen wohl unter Umgehung des Boykots nach Iran. Im Iran (Reise von diesem Sommer)gab‘s massenhaft Bananen, alle aus Ecuador. Ich war schon um 13 Uhr in der Hafenstadt und habe somit einen halben Ruhetag. Machala nennt sich übrigens selber ‘BananenHauptstadt der Welt‘.

Morgen bleibe ich nochmals eine Nacht. Die Stadt ist zwar keine Schönheit, das Hotel auch nicht aber ich komme in Peru in unwirtliche Gegenden und ich will die nächste Etappe ausgeruht angehen.

Fr, 20.10.2017, Natanjal, 110 km. Irgendwo, El Triunfo,  Troncal, Puerto Inca, Naranjal. Wetter: Am Morgen Nebel + Nebelnieseln, 20°, am Nachmittag Hochnebel 30°, ‪ab 14 Uhr‬ diffuser Sonnenschein. Unterkunft: Hotel Palmita, sFr 15.—.

Gestern hörte ich, dass ich wohl dringend meine Bremsen inspizieren sollte. Nachdem ich vorgestern schon in einer Autogarage beide Bremsen mit Bremsflüssigkeit nachgefüllt hatte demontierte ich heute morgen beide Bremsen. Die hinteren Bremsbeläge liefen auf dem Eisen, die vorderen Beläge waren unter einem Milimeter. Ich wechselte alle Beläge, allerdings habe ab sofort keinen Ersatz mehr.

Ich startete bei Nebel in einem lästigen NieselRegen und fuhr die letzten paar hundert HöhenMeter hinunter bis fast auf Meereshöhe. Das Tal wurde immer weiter, flacher und fruchtbarer. Bananen, Ananas, Melonen, ZitrusFrüchte, KokosNüsse usw wurden an unzähligen Ständen entlang der Strasse in rauen Mengen angeboten. Danach war ich endgültig im ebenen Tiefland von Ecuador angekommen. Natanjal erreichte ich schon vor vier Uhr, die früheste Ankunft seit Tagen — und müde war ich auch nicht.

Do, 19.10.2017, Irgendwo, 121km. Riobamba, Cajabamba, Pass über 3870 müM, Pallatanga, Irgendwo. Wetter: Wechselnd bewölkt, 10-25°. Unterkunft: Motel ?, sFr 20.—.

Das war heute ein ganz besonderer Tag. Erst gab‘s einmal einen fadengraden Aufstieg von über 1000 m über einen Pass (wie meistens ohne Namen) auf 3870 müM. Das ist der höchste Punkt, den ich je mit dem Velo überfahren habe, noch gut hundert Meter höher als der IrkestamPass im PamirGebirge in Kirgistan diesen Sommer. Auf dieser Höhe fuhr ich durch eine weite HochgebirgsPampa und eine HochmoorLandschaft. Doch dann absolvierte ich die längste Abfahrt meines Lebens, von 3870 müM hinunter auf weniger als 400 müM, also etwa 3500HM. Da allerdings auch bei der langen Abfahrt immer wieder Gegensteigungen zu bewältigen waren ergaben sich gemäss meiner VeloApp Aufstiege von 1600 m und Abfahrten von fast 4000 m.

Die Abfahrten führten durch sehr tiefe Canyons, über steile Flanken und durch wilde Schluchten. Aufgrund einer etwa 1500 m dicken Nebeldecke (es wurde saukalt) konnte ich die Gegend nur immer durch NebelLöcher erkennen. Überhaupt, die dichte Nebelsituation war richtig ‘gfürchig‘. Die ohnehin schon riesigen Laster mit sechs Achsen wurden zu richtigen Üngetümen und die Abhänge endeten neben der Strasse im (sehr tiefen) NiemandsLand. Ausserdem war die Strasse mit vielen Löchern und Verwerfungen versehen, was das Vergnügen der langen Abfahrt deutlich schmälerte und diese vor allem verlangsamte.

Ausserdem war die Gegend kaum bevölkert und ich begann mir ernsthaft Gedanken zu machen nach einer Unterkunft. Es war schon beim Einnachten als ich doch tatsächlich an einem Motel vorbeikam. Ich brauchte nicht mehr zu studieren und packte die Gelegenheit. Und da ich in Pallatanga noch etwas gegessen und Gatorade eingekauft und ausserdem noch zwei Snickers in meinem Kistchen (vor dem Lenker) hatte war es mir auch gleich, dass es weit und breit keine Essgelegenheit gab.

Gestern habe ich übrigens den 1000-sten km und in diesen Tagen den 60‘0000-sten Kilometer seit dem Beginn meiner Reisen im Frühling 2012 durchfahren, seit 5 1/2 Jahren also.

(Übrigens: Die Reihenfolge der Bilder stimmt normalerweise nicht, ich krieg das nicht hin. Man muss eben schätzen)

Mi, 18.19.2017, Riobamba (2800 müM), 107 km. Latacunga, Ambato, Mocha, Riobamba. Wetter: Bewölkt, 15°. Unterkunft: Hotel El Cisne, sFr 25.—.

Da ich wiederum einen strengen Tag erwartete startete ich früh und ohne Morgenessen. Vor allem erwartete ich wieder sehr viel Gegenwind wie gestern. Gemäss Meteo würden es über 50 km/h werden. In Ambato, einer Stadt in die irgendwann mal ein Meteorit eingeschlagen haben muss nahm ich ein fliegendes Morgenessen ein. Und danach fing wieder ein endloses Steigen an. Ich fuhr durch schöne Alplandschaften, die allerdings 2000 m höher lagen als bei uns. Endlich auf 3600 müM kam der Kulminationspunkt und nach fast 1700 kumulierten HM ging’s nur noch runter nach Riobamba.

Und heute hatte ich Glück: Die Windprognose stimmte nicht, ich hatte überhaupt keinen Wind. Ich war sehr erleichtert, denn der Gegenwind gestern war verheerend. Riobamba hat eine grosse und imposante Innenstadt mit jeder Menge Restaurants. Da ich heute trotz Regenüberzügen nie richtig warmgekommen habe ging ich in ein PizzaRestaurant mit offenem Ofen und setzte mich direkt davor. Nach einer Fettucini, Rotwein und Ofenwärme fühlte ich mich wieder richtig wohl.

Di, 17.10.2017, Latacunga, 2800müM, 98 km. Quito, Tambillo, Lasso, Latacunga. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20°. Hotele Llactacunga, sFr 25.—.

Quito zu verlassen ist wie Hinwil über die Schaufelbergeregg zu verlassen. Über 400 HM und dabei war ich immer noch in der Stadt. Später stieg die Strasse immer leicht an bis auf eine Höhe von 3500 müM um dann wieder leicht abzufallen bis Latacunga. Die total 1300 HM waren aber kein Thema, heute war es der durchgehende heftige Gegenwind der mir das Leben schwer machte. Ich fuhr durch intensives, vielfach bewässertes Kulturland und knapp neben dem Cotopaxi vorbei, einem der höchsten aktiven Vulkane der Erde (5900 müM). Leider war er wolkenverhangen.

Mo, 16.10.2017, Quito, Ruhetag. Wetter: Leicht bewölkt, 20°.

Ecuador hat 16 Mio Einwohner, davon leben fast ein Drittel in Quito (5Mio). In der Stadt musste ich feststellen, dass mir kein 100 $- Schein akzeptiert wird. Ich ging dann zu zwei Banken und zu einer Wechselstube, keine Chance. Ich bleibe auf meinem Notvorrat an Dollars sitzen. Zum Glück funktionieren die Cajeros Automaticos, die Bancomaten. Die höchste Note ist 20$ und der höchste Bezug ist 100$. Danach fuhr ich mit der Gondelbahn (äusserst langsam) auf den Pichincha, einem AussichtsBerg im Westen der Stadt auf 4100 müM.

Mit dem Taxi liess ich mich zur historischen Altstadt fahren und war sehr beeindruckt. Sie ist gross, gut erhalten und voller Leben. Mir fielen vor allem die vielen blinden Leute auf, die alleine oder in Begleitung ihren Weg durch das Gemenge suchten.

Ab morgen geht‘s noch etwa 3 Tage durch das Gebirge. Ich werde also wieder massiv gefordert sein. Danach allerdings führt die Panamericana in tiefere und, wie ich hoffe ebenere Gegenden.

So, 15.10.2017, Quito, 2800 müM, 84km. Cayambe, Oton, Guayllabamba, Calderon, Quito. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20°. Unterkunft: Hotel TamboReal, sFr 75.—

Eigentlich musste ich von Cayambe nach Quito nur über einen Bach. Der liegt allerdings 1200 Meter tiefer. Es ging also wieder sehr weit hinunter und dann wieder sehr weit hinauf. Das landwirtschaftlich genutzte Land ist übersät mit hektarengrossen Gewächshäuser. Darin werden ausschliesslich Blumen kultiviert, vorwiegend Rosen für den Weltmarkt. Da ich früh gestartet war war ich schon um Mittag in Quito — allerdings noch nicht im Zentrum. Ich brauchte volle drei Stunden durch Schluchten und Canyons um dieses zu erreichen. Eine verrückte Topographie. In einem komfortablen Hotel trug ich mich für zwei Nächte ein.

Sa, 14.10.2017, Cayambe, 2800 müM, 103 km. Ambuqui, Ibarra, Otavalo, 3000m-Pass, Cayambe. Wetter: Teilweise bewölkt, bis 25°. Unterkunft: Hostaleria Jatunhuasi, sFr 39.—.

Nur zwischenhindurch gab es für ca 30km wenigstens nur welliges LandwirtschaftsLand, sonst war ich auch heute vorwiegend am Steigen, gefolgt von schönen Abfahrten auf sehr guter Strasse. Mein VeloApp zeigte mir wieder 1900 HM Aufstiege an. Das sind die höchstmöglichen Passübergänge in der Schweiz. In Cayambe suchte ich etwa eine halbe Stunde nach einer Unterkunft. Während dem Einnachten fand ich dann tatsächlich noch eine. Morgen fahre ich nach Quito, der Hauptstadt Equadors. Ich freue mich auf einen Ruhetag.

Fr, 13.10.2017, Ambuqui (EC), 1700müM. Ipiales, Grenze zu Equador, Tulcan, San Gabriel, Bolivar, Ambuqui, 99 km. Wetter: Bewölkt, ab Nachmittag Regen 10-20°. Unterkunft: Hotel Fabricios, sFr 12.—.

Als ich gestern nochmals zum Velo schaute hatte ich einen Platten. In der Waschküche des Hotels konnte ich flicken. Zum etwa 6. Mal hat ein kleines Drähtchen von etwa 6-8 mm Länge und 0.4 mm (gemessen) Dicke meinen Schlauch zerstört. Ein solches Drähtchen schafft es nie durch den Pneu, weshalb ich fest glaube, diese Drähtchen sind Teil des ‚unplattbaren‘ Schwalbe Marathon.

Ich startete bei kühlen 10° in Richtung Grenze. Beim Grenzübergang wurde ich von Geldwechslern überfallen. Bei einer Frau wechselte ich meine Pesos in Dollars (Equador hat Dollars). Um aus Kolumbien ausreisen zu können musste ich an einer RiesenSchlange anstehen. Da kam meine Geldwechslerin, fragte nach meinem Alter und führte mich zuvorderst an die Schlange. Ich wurde gleich zum ersten Schalter geführt und sogleich abgefertigt. Auf der equatorianischen Seite das Gleiche. Damit hatte ich sicher 3 Stunden Wartezeit eingespart.

Nach der Grenze galt es nochmals einen Pass von 3300 m zu bezwingen und danach ging‘s 1600 m hinab, allerdings mit vielen Zwischenanstiegen, einfach so, dass ich nicht wirklich vorwärts kam. Nach zwei Stunden Regen und der Gewissheit, das ich Ibarra ohnehin nicht erreichen würde, stieg ich in einem kleinen Hotel am Wegesrand ab.

Do, 12.10.2017, Ipiales, 2900müM. Pasto, Pedregales, Ipiales, 87 km. Wetter: Leicht bewölkt, 15-25°. Unterkunft: Hotel Angasmayo, sFr 16.—.

Der Tag empfing mich mit einem Aufstieg von 670 HM auf fast 3200 müM gefolgt von einer Schussfahrt auf 1700 müM, also 1500 HM. Im Gegensatz zu gestern waren heute grosse Leistungen ein kleineres Problem. Ich bewegte mich meist auf über 2000müM, es war somit viel kühler und vor allem viel trockener. Nach der wunderbaren Schussfahrt in eine tiefe Schlucht ging dann das Steigen aber richtig los. Die Strasse führte durch ein endloses, ansteigendes Tal, das nochmals 1340 Hm abverlangte, was für den ganzen Tag über 2000 HM ergab. Ich war sehr erleichtert, als ich endlich den Passübergang vor Ipiales überfuhr.

Mi, 11.10.2017, Pasto. El Estrecho, Remotino, Pasto, 74 km mit Velo, 70 km mit Camisetta. Wetter: Schön, bis 37°. Unterkunft: Hotel Nico, sFr. 16.—.

Ich hatte einen weiten und anstrengenden Tag vor mir, weshalb ich mich schon um 6 Uhr auf die Reise machte. Da ich nur noch auf etwa 600 müM war wurde es schnell warm und heiss. Was mir allerdings wesentlich mehr zu schaffen machte war die sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Und da es sehr lange bergauf ging musste ich alle 300 m anhalten um mir die brennenden Augen auszutrocknen, dies mit meinem ohnehin schon platschnassen viergeknöpften Nastuch auf meinem Kopf. Aufgrund der vielen steilen Aufstiege kam ich auch nicht vorwärts und nach nur 70 km in acht Stunden, aber 1500 kumulierten HM mitten in einer reinen Busch- und Kaktus Berglandschaft merkte ich, dass ich Pasto heute nie erreichen würde. Ein am Weg liegendes Hotel hatte ich verpasst und so wartete ich an einer BusStation auf einen Bus. Aber wenn der Fahrer in den eher kleinen Bussen ein Velo sieht fährt er weiter. Er scheut die Arbeit, ein Velo zu verstauen. So fast zum Jux versuchte ich einen Geländewagen mit Brücke anzuhalten. Under der hielt tatsächlich. Es war eine Camisetta, ein Sammeltaxi quasi. Der Fahrer verstaute mir mein Velo auf schon abenteuerliche Weise und ich zwängte mich in das prall gefüllte Auto. Es ergaben sich dann nochmals über 2000 kumulierte HM und 70 km mit der Camisetta (Preis: sFr 6.—). Pasto ist eine grosse Stadt und liegt auf fast 2600 müM. Ich bin also wieder auf der Höhe von Bogota. Und absolut ungewohnt für diesen Tag ging ich fröstelnd unter die wieder dicke Decke.

Di, 10.19.2017, El Estrecho. Popayan, Rosas, El Bordo, El Estrecho, 121 km. Wetter: Schön, 15-30°. Unterkunft: Hospedaje ?, sFr 7.—.

Ich startete bei Nebel und kühlen 15° und fuhr über mehrere Bergrippen von 300 - 400 HM rauf und runter mit keinen ebenen 100 Metern. Die zweite Hälfte war dann wellig und viel weniger anstrengend. Als ich dann herausfand, dass es die nächsten 50 km keine Unterkunft mehr gibt stieg in einer kleinen, versteckten Hospedaje ab.

Und seit Bogota, seit dem QualifikationsSpiel von Kolumbien gegen Paraguay bin ich ja auch ein Kolumbianer. Und heute ist die endgültige Ausscheidung gegen Peru. Es war noch 0:0 als ich mich in mein gefangenes Zimmer verkroch, nicht allerdings, ohne vorher noch einen Aguardiente zu mir genommen zu haben, als reine SympathieKundgebung für Kolumbien natürlich.

Irgendwann hörte ich es sogar in meinem Bunker, Kolumbien hat wohl ein Goal geschossen.

Mo, 9.10.2017, Popayan. Neiva, la Plata, Popayan. 270 km mit Autobus. Wetter: Schön. Unterkunft: Hotel Corina, sFr 28.-.

Tagwache um 3 Uhr. Um 3 30 wurde mir in der BusStation eröffnet, dass für mein Velo kein Platz war. Grossartig! Und dabei habe ich mir mehrere Male versichern lassen, dass mit dem Velo keine Probleme bestehen. Ich war ausser mir und nach einem Wutausbruch musste ich sagen: So schlecht ist mein Spanisch eigentlich gar nicht. Ein Angestellter führte mich zu einer andern Firma, wechselte mir mein Ticket für einen grösseren Bus eine Stunde später. Dessen Chauffeur wollte allerdings zusätzlich 20$ für mein Velo. Das war natürlich reine Erpressung. Ich zückte eine 20‘000 Peso - Noten (8$) und nach 10 Minuten akzeptierte er.

Bis nach La Plata war die Strasse gut, danach allerdings begann eine andere Welt. Während 7 Stunden fuhr der alte Bus über eine 4-5 Meter Schotterpiste mit einer Geschwindigkeit von 20-25 Km/h, von 500 müM auf 3500müM und dann wieder hinunter nach Popayan auf 1700 müM. Ivan hat mich gewarnt, aus dieser Sackgasse kommst du mit dem Velo nie mehr heraus. Fotografieren konnte ich fast nicht, die Kiste hörte nie auf zu schwanken und in Popayan war ich wie gerädert. Die Belastung der Busse ist enorm, denn die machen die Strecke jeden Tag, viele Jahre lang.

In der schönen Innenstadt von Popayan sah ich eine SchweizerFahne an einem italienischen Restaurant. Ich fragte, ob ich die Fahne kaufen könne. Da lachte eine Frau am Nebentisch. Sie war die Beizerin und kam aus dem Wallis. Es gab wieder einmal Lasagne.

Ja, liebe Nina, mit meinem grandiosen Verhauer habe ich tatsächlich Cali verpasst. Aber ohne diesen Verhauer hätte ich die heutige phantastische Passfahrt nicht erlebt. Man kann eben nicht immer alles haben.

So, 8.10.2017, Neiva. Alpe, Neiva, 40 km. Wetter: Schön 35°. Unterkunft: Hotel Resort de Kaley, sFr 24.—.

Ich wurde während der Nacht weitgehend von von Krämpfen verschont, was mich nach dem gestrigen Tag sehr erstaunte. Trotzdem entschied ich, in Neiva einen halben Ruhetag einzuschalten. Meine Beine müssen sich erst an das neue Leistungsviveau anpassen.

In der Stadt stellte ich mit Schrecken fest, dass ich die letzten 150 km das falsche Tal hinaufgefahren bin. Dabei hat mich Ivan eindringlich davor gewarnt, in diese Sackgasse zu fahren. Ich hätte nur einmal die ganze Landkarte öffnen müssen und nicht nur den schmalen Kartenstreifen auf meinem Kartenhalter. Ich erkundigte mich nach der BusStation und löste ein Billet nach Popayan über die Cordillera Central, ein hohes Gebirge. Danach bin ich dann, parallel verschoben wieder auf der PanAmericana, im richtigen Tal. So komme ich noch einmal zu einem beinschonenden Tag.

Sa, 7.10.2017, Alpe. Melgar, Girargot, ElEspinal, Castilla, Alpe. 169 km. Wetter: Regen, bewölkt, bis 30°. Unterkunft: Hotel Bambuca, sFr 12.—.

Gegen Morgen stundenlange Gewitter mit Stromausfall. Und auch die ersten Stunden auf dem Velo regnete es, am Nachmittag hellte es auf. Die Strasse verschmälerte sich auf zwei Spuren, wobei ich immer noch eine ZweiMeterSpur für mich alleine hatte. Ich fuhr den ganzen Tag entlang des Rio Magdalena ein sehr weites Tal hinauf. Viel WeideWirtschaft, Wildnis, wenig Ackerbau, aber auch sporadisch Reisanbau und Fischzuchten. Aber eigentlich war es ein ereignisloser Tag. Ausser, dass ich ab Kilometer 120 bis zum Zielort wieder einen Kampf gegen die Krämpfe hatte. Zum Glück gibt es hier überall eletrolytische Getränke und so ertränkte ich die Krämpfe buchstäblich mit Gatorade. Knapp vor dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit, also etwa um 6 Uhr erreichte ich dann tatsächlich noch Alpe, nach 50 km völliger Pampa, und eine einfache Unterkunft. Nach einer Fleischsuppe (viel Salz) im Restaurant gleich daneben verzog ich mich um 8 Uhr ins Bett. Nach fast 170 km muss ich mir keine Gedanken über meinen Schlaf machen, wegen der zu erwartenden Krämpfe allerdings schon.

Fr. 6.10.2017, Melgar. Bogota, City, Soacha, Fusagasuga, Melgar. 116 km. Wetter: Ziemlich bewölkt, 20, 15, 30°. Unterkunft: Hotel SuiteRoyal, sFr 40.—.

Der Tag fing früh an, dh die Nacht dauerte lange. Zum Glück war Robin noch knapp in der Lage, ein Taxi zu bestellen, sodass wir um 3 Uhr nach Hause kamen. Um 7 30 stand ich auf, Ivan und Robin schliefen noch. Nachdem mir die Mutter des Hauses etwas zum Morgenessen gemacht hatte entschloss ich mich, auf meine grosse Reise aufzubrechen. Gerade als ich alles gepackt hatte kam Ivan völlig verschlafen aus seinem Zimmer und konnte nicht begreifen, dass ich weiterwollte. Er begleitete mich dann mit seinem Velo zu einem Bancomaten und danach zu einem versteckten Laden, wo ich drei SchweizerFähnchen kaufen konnte. Danach führte er mich noch etwa 30 km zur Stadt hinaus, wo wir uns verabschiedeten. Er wäre am Liebsten mitgefahren, aber eben — .

Nach einem kurzen Aufstieg fuhr ich 2000 HM, von ca 2900 müM hinunter auf etwa 900 müM. Ich konnte somit die grösste heutige Distanz einfach laufenlassen, anfangs durch rel. langweilige HöhenLandschaften, dann aber durch imposante SteilAbfahrten und Schluchten bis nach Melgar.

Ich bezog Quartier in einem Hotel, das viel besser aussah als es war und auch viel mehr kostete. Aber was soll‘s. 200 m daneben erreichte ich eine unglaublich grosse und aktive Fress-und VergnügungsMeile. Der Lärm aus all den Bars, VerpflegungsStätten und Tanzlokalen war ohrenbetäubend. Dabei hat das Kaff gerademal 36000 Einwohner. Später muss hier der Teufel los sein. Da ich allerdings ohnehin viel zu früh war suchte ich zuerst mal einen Coiffeur auf und liess mir für sFr 3.50 die Haare schneiden, trank irgendwo für den doppelte Preis ein Bier und daneben gab‘s etwas zu essen. Ein Umzug mit vielen Kindern stand für ziemlich urchristliche Werte ein (Zeugen Jehovas, Kreativismus), danach übertönte ein HarleyClub den ohnehin schon gigantischen MusikLärm (Eine Wetziker Chilbi gleich daneben hätte gar niemand wahrgenommen). Aber da ich fast immer vor 9 Uhr im Bett bin habe ich den zu erwartenden wirklichen Rummel nicht mehr erlebt. 

Do, 5.10.2017, Bogota auf 2650 müM hat 9 Mio EW, Kolumbien hat 40 Mio EW. SightSeeing, 58 km. Wetter: Leicht bewölkt, 20°. Unterkunft: Privat bei Familie Velez Varga.

Von 8 bis 14 Uhr zeigte mir Ivan die GrossStadt Bogota mit dem Velo. Wir fuhren fast 60 km durch alle Teile der Stadt und dann etwa 400 HM auf den Alto de Patios. Dass Ivan etwas schneller den Berg hinauf kam liess ich mit mir geschehen, er ist ja auch gut 20 Jahre jünger. Wir trafen auch einen Deutschen aus Karlsruhe, der extra 3 Wochen nach Kolumbien kam um 3 Mal die Ciclovía mitzumachen. Jeden Sonntag werden in Bogota etwa 120 km Hauptstrassen vollständig gesperrt und den veloverrückten Kolumbiern geöffnet und jedes Mal sind mittlerweile 1.5 Millionen Velofahrer unterwegs und absolvieren die 120 km oder Teile davon. Jeden Sonntag. Ein phantastischer Anlass. Heute brachte ich es fertig, mein SchweizerFähnchen auf dem Velo zu verlieren, dies trotz meiner ausgeklügelten und gesicherten Konstruktion. Mala suerte.

Gegen 17 Uhr fuhren wir zum Bruder von Ivan. Ab ca 17 Uhr kommt der Riesenverkehr in Bogota zum Erliegen. Es hat schlicht keine Autos mehr auf den Strassen. Um 18 Uhr beginnt das QualifikationsSpiel für die Fussball-Welt-Meisterschaft in Russland und da heute Kolumbien gegen Paraguay spielt sind alle zu Hause vor dem Fernseher. Genau gleichzeitig findet das QualifikationSpiel Argentinien gegen Peru statt. Südamerika ist heute aus dem Häuschen. Wir fuhren übrigens mit einem Taxi, es schien eine feuchte Angelegenheit zu werden.

Wurde es dann auch. Bier und Aguardiente ( ein Anisgetränk mit ca 26% Alkoholgehalt) waren angesagt. Die Stimmung war ausgelassen und ich musste mich dauernd wehren, dass ich nicht zu viel Alkohol erwischte. Im Laufe des Spiels entwickelte ich mich zum Kolumbianer. Mein Schwiegersohn hat eine einmalige Verwandtschaft. Alles wurde dann allerdings ruhiger, nachdem Kolumbien 2:1 gegen Paraguay verlor.

Mi, 4.10.2017, Bogota. Wetzikon, Flughafen Kloten, Frankfurt, Bogotà (Kolumbien). Wetter: Schön, 13°. Unterkunft: Privat.

Problemloser aber langer Flug ab Kloten über Frankfurt nach Bogotà (1 + 11 Std, Flugpreis hin und ab Ushuaja zurück ca sFr 1700.—).

Am Flughafen wurde ich von einem Cousin meines Schwiegersohnes abgeholt und zu seiner Familie eingeladen wo ich auch schlafen werde, müde genug bin ich.