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Ab Beginn der Reise erstelle ich jeden Tag einen Tagesbericht samt Fotos, allerdings, nur wenn ich W-Lan zur Verfügung habe.
Das Tagebuch beginnt zuunterst auf dieser Seite, der neueste Eintrag ist zuoberst. 
 

 Tagebuch SüdEuropa

Zusammenfassung der SüdEuropReise

Velodistanz ab Start in Wetzikon am Mi, 25.5.2016, 6309 Velo-km in 68 Tagen (knapp 10 Wochen), davon 53 aktive VeloTage und 15 RuheTage = 119 km pro aktivem Velotag.

Schweiz, Lombardei, Piemont, Ligurien

Eine tolle GotthardÜberfahrt mit dem einzigen Platten der ganzen Reise (In Mittelamerika hatte ich deren 20). Eine wunderschöne Reise entlang dem Langensee, eine ziemlich langweilige durch das Piemont und eine anstrengende und sehr nasse entlang der Ligurischen Küste.

Toscana, Latium, Kampanien

Durch die Toscana meist entlang der Küste. Eine einmalige Velolandschaft, vor allem im Landesinnern. Rom, die besuchenswerteste Stadt der Welt. Durch Neapel nach Amalfi, der wohl schönsten Etappe der Reise.

Kalabrien, Sizilien, Apulien

In dieser Gegend werde ich mit meinem SchweizerFähnchen immer wieder von ehemaligen Auswanderern angesprochen. In Sizilien beeindruckte mich der sehr heisse und heftige Shirocco, ein Wind aus Afrika und die Waldbrände zwischen Cefalu und Palermo. Siracuse ist alleine eine Reise wert.

Albanien, Griechenland

Ich bin schon fast verliebt in Albanien. Eine einmalige Küste, die Strasse hoch oben allerdings sehr anspruchsvoll. Ein sauberes Land, aber auch arm. Griechenland wird mir in Erinnerung bleiben als das Land der alten Männer. Ich fahre den ganzen lieben langen Tag an alten Männern vorbei in den Strassenkaffee's bei einem Glas Wasser. Und als das Land der im Bau eingestellten pompösen Bahn-Neubaustrecken und der sich ausser Betrieb befindlichen bestehenden Strecken.

Mazedonien, Kosovo, MonteNegro

Tut mir leid, liebe Kosovaren. Viel gibt es über Kosovo nicht zu berichten. Natürlich erkennen viele das SchweizerKreuz meines Fähnchens, aber dann rufen sie: Shakiri, Shakiri!, mich scheint keiner zu kennen. Und in MonteNegro wurde ich bei Kälte, Regen und Wind so unterkühlt, dass ich beim Ausfall beider Bremsen bei steiler Passabfahrt beinahe die Kontrolle über mich selbst verloren habe. Eine ungemein beängstigende Vorstellung. Eines der intensivsten Erlebnisse meines Lebens überhaupt.

Serbien, Bosnien/Herzegovina

Durch die endlosen Schluchten des Balkan, durch schweizerisch anmutende Hochebenen und durch Sarajevo und Mostar, wo der Krieg um das Erbe von Jugoslavien am grausamsten getobt hat und das auch heute noch immer mit der Vergangenheit kämpft.

Kroatien, Slovenien

Die dalmatische Küste, wild und lieblich zugleich. Die Inseln, von völlig kahler Felswüste bis üppig grüner Landschaft. Die Badeorte vor allem ein Ziel von Osteuropäern.

Julisch Venezien, Venezien, Lombardei, Schweiz.

Ab Triest durch die völlig ebene Landschaft über schnelle und direkte Strassen. Bis Brescia. Dann gab's nur noch eine Autobahn (nichts für Velos) oder kreuz und quer durch die Landschaft, durch nicht asphaltierte Feld-, Wald-und Wiesenwege bis Bergamo. Und am Schluss gab's da noch den Splügenpass, aber nach so viel Leistung in den Beinen konnte der mich auch nicht mehr umbringen.

Wiederum eine sehr intensive Reise, die mir das südliche Europa sehr viel näher gebracht hat.

So, 31.7.2016, Wetzikon. Chur, Sargans, Walenstadt, Wesen, Jona, Wetzikon. 103 km. Wetter: Am Morgen Regen, danach bedeckt, 20°. Hotel: Endlich wieder zu Hause, Fr. 0.--.

Ab Chur bis Sargans pflügte ich mich durch den Regen, danach genoss ich den Radweg entlang dem Walensee mit Tunneln und Gallerien und dann fuhr ich im Eilzugstempo nur noch nach Hause.

Morgen werde ich eine Zusammenfassung meiner Eindrücke von allen durchfahrenen Ländern als letzten TagebuchEintrag dieser Reise veröffentlichen.

Sa, 30.7.2016, Chur. Chiavenna, Splügenpass, Splügen, Thusis, Chur. 93 Km. Wetter: Leicht bewölkt, am Abend Regen, 25-30°. Hotel Chur, Fr. 100.--.

Aufstieg auf den Splügenpass, mit 1800HM der grösste Aufstieg (auch kumuliert) der Reise. Auf der italienischen Seite durch verrückte Felswände, auf SchweizerSeite über eine fast schon gemächliche abfallende Strasse. Dann durch die Viamala, für mich die Schlucht aller Schluchten. Nur kurz zwar und somit nicht zu vergleichen mit den Schluchten in Bosnien mit locker 80 km Länge, dafür aber fürchterlich tief. Chur erreichte ich noch ganz knapp vor dem Wetterumsturz, also kurz vor dem Regen. Morgen erreiche ich mein Zuhause wieder.

Fr, 29.7.2016, Chiavenna. Bergamo, PuntePietro, Cisano, Lecco, Varenna, Chiavenna. 108 Km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 25-30°, Hotel SanLorenzo, Fr. 55.--.

Eigentlich wollte ich heute nach sieben Velotagen im schönen Bergamo noch einen letzten Ruhetag einschalten. Mitten in der Nacht konsultierte ich die Wetterlage und entschied mich zur Weiterfahrt, über den Splügen wollte ich keinen Regen, danach ist er mir gleich.

Von Bergamo bis Cisano herrschte sehr starker Verkehr mit vielen Staus, durch die ich mich natürlich genüsslich durchschlängelte. Ab Lecco 70 km Küstenstrasse durch schroffe Felsen und schöne Dörfer. Vor allem ist Varenna mit dem Fährhafen sehr schön.

In Chiavenna kannte ich mich aus. Da habe ich schon drei Mal übernachtet, zweimal am Ende der Wanderung der 'Via Spluga', von Thusis durch die Viamala und über den Splügen hierher und einmal der 'Via Sett' von Thusis über die hohe Schin (nach Tiefenkastel), über den SeptimerPass und das Bergell nach Chiavenna.

Do.28.7.2016, Bergamo. Verona, Pesciara del Garda, Desenzano del Garda, Brescia, Rovato, Capriolo, Seriate, Bergamo. 134 km. Wetter: Schön, 30°. Hotel Best Western, Fr. 70.--.

Ich wusste, dass ich die Oper nicht durchstehen würde, ich war von Anfang an am Einschlafen. Zwar. würdigte ich den gigantischen Aufwand mit sicher 200 koordinierten Statisten, die Story fand ich lächerlich, aber das Hauptproblem war meine Müdigkeit. Schon in der ersten Pause verliess ich die Arena, genehmigte mir noch ein Glas Wein und ging zurück in mein sehr einfaches Zimmer. Und dann stellte ich mir die Panik in der Arena vor, es fing massiv an zu regnen. Kaum einer hatte wohl etwas zum Überwerfen. (In meinem Rucksack hatte ich wohlweislich Windjacke samt Regenhosen verpackt, aber eben, ich kam ja nicht in den Regen). Der Regen wurde immer stärker und mit offenem Fenster und dem beruhigenden Geplätscher des mittlerweile sehr heftigen Regens incl. dem permanentem DonnerGegrolle bin ich dann eingeschlafen.

Ich fuhr bis Peschiara del Garda auf der Hauptstrasse, dann entlang der Küstenstrasse durch Sirmione nach Desenzano del Garda. Das ist ganz einfach eine schöne Gegend. Dann aber musste ich irgendwann wieder weiterkommen und fuhr wieder auf die Hauptstrasse - bis ich plötzlich wieder auf einer Autobahn landete. Zum Glück konnte ich schon bald auf eine andere Strasse wechseln. Knapp vor Brescia passierte ich das Museum Mille Miglia. Da musste ich natürlich rein. Die weltberühmten Autorennen wurden von 1927 bis 1957 durchgeführt. Das Museum ist allerdings klein und gibt nicht gerade viel her. In Brescia machte ich einen kurzen Mittagshalt.

Und dann wurde es sehr kompliziert. Im Automodus komme ich immer wieder auf autobahnähnliche Strassen und im Velomodus in einem unheimlichen ZickZack von einem Dörfchen zum andern, aber auch über Feld und Waldwege in schlechtester Qualität. Aufgrund der Kompliziertheit der Gegend fuhr ich ausschliesslich nach Navi. Mit der Zeit ging mir der Strom aus und auch das BatteryPack kam an seine Grenzen, denn beide Geräte überhitzten on der prallen Sonne. Nichts ging mehr. In einem Restaurant kehrte ich ein, trank ein kleines Bier und in der Zwischenzeit lagerte ich BatteryPack und iPhone zusammengeschaltet im GetränkeKühlschrank. Nach 20 Minuten war ich OK, das BatteryPack lud und das Display leuchtet wieder.

So erreichte ich dann Bergamo trotzdem noch. Erst um 8 Uhr allerdings kam ich in 'AusgangsKleidung' aus dem Hotel. Ich ging zum Funiculaire und fuhr hoch in die Citta Alta, der Altstadt hoch oben auf dem Berg. Eine beeindruckende Stadt, wo ich mich zwar nicht lange aufhielt (es wurde langsam dunkel) dafür in einem feinen Restaurant einen gediegenen Drei-Gänger bestellte und durch den ich mich, wen wundert's, nur zum Teil durchass. Manchmal wundere ich mich selber, wie man mit so wenig Kalorienaufnahme 120 km pro Tag schafft. Ich hab's mal überschlagen: Eine Weltumrundung ergibt auf dem Land etwa 25'000 km. Das ist in 10 Monaten zu schaffen. Ich verbrauche mit Sicherheit keine 3000 kCal pro Tag. 3000 mal 10 Monate mal 30 Tage ergeben (icl. aller Ruhetage) sehr gut gerechnet 1 Mio Kcal und das wären etwa 100 Liter Diesel, also etwa 3dl Diesel pro Tag, sehr hoch gerechnet. Ich sag's ja immer, Velofahren ist eine sehr effiziente Art der Fortbeweung. Und dann bewegte ich mich fort in Richtung Funiculaire und in Richtung Bett.

Heute habe ich den 6000-sten Kilometer durchfahren.

Mi, 27.7.2016, Verona. Treviso, Castelfranco, Cittadella, Vicenza, San Bonifazio, Verona. 114 km. Wetter: Bewölkt, 30°. Hotel Cavour, Fr. 80.-

Auch heute wieder schnelle, gute und direkte Strasse bis Verona. Zu sehen gibt es allerdings nicht viel. Ich machte eine kurze Mittagsrast im Zentrum von Vicenza und war schon um drei Uhr frisch geduscht und die Wäsche gewaschen auf dem ZentralPlatz von Verona. Ich ging sofort zur Arena und bekam ein gutes (und teures Billet, 188€) für die Aufführung von heute Abend um 9 Uhr, das Opernmärchen 'Turandot' (Version Busoni oder Puccini?) Ich studierte die Handlung in einem Restaurant auf dem Internet. Ich wurde schon beim Studium nicht schlau, verstehen werde ich sowieso nichts, hoffentlich schlafe ich nicht ein nach den heutigen 114 km. Aber man kommt ja nicht alle Tage nach Verona.

Di, 26.7.2016, Treviso. Triest, Monfalcone, Cervignano, Latisana, Portogruaro, San Dona di Piave, Roncade, Treviso. 163 Km. Wetter: Schön, 30°. Hotel Fogher, Fr. 70.--.

Nach Triest fuhr ich auf einer kilometerlangen Strandpromenade, durchgehend in hoher Qualität gepflästert. Danach auf einer sehr komfortablen Küstenstrasse bis Monfalcone, scheinbar eine beliebte GümmelerStrecke. Ich folgte dann stur der SS14, einer vollständig ebenen, schnellen und sicheren Hauptstrasse und, was das Schönste war, immer mit etwas Wind im Rücken. In Treviso fand ich am Weg ein Hotel, denn ich war eh zu spät für einen Besuch der Stadt.

Mo, 25.7.2016, Triest. Omisalj, Kraljewica, Rieta, Grenze zu Slovenien, Podgrad, Kozina, öm

Grenze zu Italien, Triest. 121 km. Wetter: Bewölkt, am Abend kurzer Regen, 30°. Hotel Centrale, Fr. 100.--.

Ich fuhr wieder durch eine BuschLandschaft, bis zu den zwei Brücken auf's Festland. Ich fuhr keine 50 m auf der ersten Brücke. Ich konnte schon fast nicht absteigen. Der ungeheure, plötzlich einsetzende Seitenwind hätte mich über die Leitplanken gepustet. Also stosste ich das Velo breitbeinig auf der Fahrbahn über die erste Brücke bei vollem Verkehr, über die zweite Brücke ging ich auf dem äusserst schmalen Gehweg. Da wieder einmal nur Autobahnen beschildert sind geriet ich auf grösseren Umwegen nach Rijeka und danach auch aus der Stadt hinaus, es war eine geradezu wirre Berg und Talfahrt bis ich endlich das Gefühl hatte, diese Strasse führt tatsächlich nach Slovenien.

Kurz nach dem Zoll zu Slovenien passierte ich den Kulminationspunkt auf 670müM und konnte dann das bischen Slovenien auf flacher Talfahrt geniessen. Kurz vor Triest passierte ich den alten, zerfallenden Zoll und dachte wieder einmal, der freie Personenverkehr in Europa ist schlicht eine grossartige Sache.

Manchmal treffe ich als Weltenbummler auf dem Velo wirklich schräge Vögel, die eigentlich mit dem gleiche Vehikel unterwegs , aber völlig verschieden zu mir sind. Vor einigen Tagen traf ich einen Pilger, 60 Jahre alt, mit einem Plakat am Rucksack, wohin er pilgere. Er reiste mit dem Rucksack, wobei er den Rucksack auf einer DreizackKonstruktion hinter dem Sattel abstützte. Ein Sachse. Phantastisch. Heute traf ich einen Spanier mit Anhänger plus etwa allem, was man an Sakoschen noch ans Velo montieren kann mit einem Gesamtgewicht ohne Velo von etwa 75 kg (ich habe 10kg). Plus einem Hündchen im Körbchen vor dem Lenker. Er wollte über die Türkei nach Syrien und weiter. Ich habe dann nicht weiter gefragt.

Ich war wieder einmal beeindruckt von einer italienischen Stadt. Auch Triest muss im 19. JH einen sehr beachtlichen Wohlstand genossen haben. Ich selber genoss meinen Wohlstand im 21. JH in einem japanischen Restaurant mit 'Running Sushi'. Ich wurde für €16.69 sehr satt.

So, 24.7.2016, Omisalj (Krk). Pritzna, Strinika, Rab, Lopar, Valbiska(Krk), Omisalj, 69 km. Wetter: Leicht bewölkt, 30-35°. Hotel Adriatic, Fr. 50.--.

Abfahrt war um 7 Uhr ohne Morgenessen. Nachdem ich die Hauptstrasse auf etwa 200 müM erreicht habe ging's durch eine ziemlich wilde FelsLandschaft am Rande eines NaturParks zu nächsten Fähre in Strinika hinunter zur Insel Rab. Auch diese ist auf der Nordseite und auf den flachen Inselteilen eine einzige Steinwüste. Danach wird's grün. Das Städtchen Rab ist in der sogenannten Altstadt eine einzige BeizenLandschaft. Am Abend ist da wohl der Teufel los. Ich aber fuhr weiter bis Lopar am nördlichen Ende der Insel. Dort musste ich 2 1/2 Std auf die Fähre warten. In etwa 90 Minuten erreichte das Schiff die Insel Krk. Von da an gab's nur noch Buschlandschaft, kaum ein Haus und das ist heute auch das Einzige, das ich von der so bekannten Insel zu sehen bekam. In der Stadt Omisalj hoch über der Küste gab's keine Unterkünfte, ich musste hinunter zur Küste, resp. an den Strand (wobei Strand dafür ein sehr grosses Wort ist) und bekam tatsächlich ein Zimmer. Es stammt mit Sicherheit noch aus Titos Zeiten, aber ich hatte wenigstens eine Unterkunft.

Sa, 23.7.2016, Pritzna. Biograd, Zadar, Razanac, Pag, Ziglien, Prizna. Wetter: Schön, 30°. Hotel Villa Franco, Fr. 55.--.

Bis Zadar fuhr ich auf der Küstenstrasse, danach quer durch Buschland bis Razanak und dann auf die Insel Pag. Die Insel wie auch die Nachbarinseln sind reine Wüste, nur Felsen und Steine, ab und zu ein Grasbüschel, sonst nichts. Hier regnet's wohl nie. Ab Pag schaltete ich auf Velomodus, da die normale Strasse vor mir sicher 300 HM über den InselHöhenzug führte. Und tatsächlich, das Navi führte mich entlang einer kleinen Küstenstrasse. Da ich bei solchen Strassen nie sicher bin, ob sie durchgehen war ich froh, einem Velofahrer zu begegnen, der mir die Durchlässigkeit bestätigte. Die Strasse wurde allerdings immer lausiger und als sie von der Schotter- in eine Sandstrasse überging stieg ich ab und lief. Sandstrassen sind nicht zu fahren. Langsam bildete sich ein grüner Küstensaum mit grossen TrailerParks. Am Schluss der Insel ging's nochmals über einen Hügelzug reiner Steinwüste hinunter zur Fähre nach Pritzna.

Da die Weiterfahrt aufgrund der Topographie (die Strasse führt weit oben durch, die Dörfer sind am Meer) suchte ich im Ort eine Unterkunft. Ein Hotel gab's nicht, also versuchte ich es mit einem Apartman, wohl einer Art Ferienwohnung. In der Villa Franco sagte mir die Dame des Hauses, es sei ausgebucht. Dann kam ihr noch etwas in den Sinn und sie verkaufte mir ein Zimmer für 50€. Natürlich eine Unverschämtheit aber ich hatte wieder einmal keine Wahl. Sie brachte mir etwas zu essen, ein Bier kriegte ich bei der Warteschlaufe der Fähre gleich daneben und da das Internet tadellos funktionierte genoss ich den Abend auf dem Balkon mit Blick auf das Meer und zur kahlen Insel von der ich gekommen bin. Der Rest des Hauses war besetzt durch Familien aus Ungarn.

Fr, 22.7.2016, Biograd. Split, Trogir, Primosten, Sibenik, Pirovac, Turanj, Biograd. 139 Km. Wetter: Schön, 30°. Hotel Mediza, Fr. 45.--.

Ein schöner Tag: Vielfach entlang der Küste oder dann küstennah über leichte Wellen, keine Pässe, die Strasse hatte zwar manchmal etwas viel Verkehr, meist etwas Rückenwind, schon fast wie SpazierenFahren. Ich wollte eigentlich bis Zadar, aber dann blieb ich in Biograd, wie es scheint, einem touristischen Hotspot, hängen. Der Rummel auf der langen StrandPromenade und am KiesStrand war gigantisch und ich nahm an, dass alle Hotels im Ort ausgebucht wären. Ich kriegte zwar einige Absagen, ein Zimmer für 130€ habe ich abgesagt, schlussendlich fand ich in etwas Distanz zur Rummelzone (500m) ein Zimmer zu einem akzeptablen Preis.

Do, 21.7.2016, Splitt, Ruhetag. Wetter: Schön, 30°.

Ich buchte im Hafen eine SchiffFahrt, vor der ich keine Ahnung hatte, wohin sie eigentlich ging. Es geschah alles so schnell. Der Tag verging dann mit Baden ab dem Boot (ich hatte keine Badehosen), mit einem Mittagessen auf dem Boot (der Fisch war kalt, der WeissWein dafür warm und die Platzverhältnisse unmöglich) und schlussendlich mit dem Besuch eines schönen Dörfchens in einer Bucht. Auf den ÜberFahrten besetzte ich in einer Ecke den besten Platz am Boden, schlief in der Brise, mit meinen Schuhen und dem Leibchen als Kopfkissen (heute habe ich ja Ruhetag) und liess mich, wie alle andern auch, nachbräunen, wobei das bei mir keinerlei Effekt mehr hat, bei der Farbe, die ich mittlerweile eh schon habe.

Am Abend schlenderte ich durch die beeindruckende Altstadt und die grosse Hafenpromenade. Es hat unglaublich viele Leute. Alle Plätze aller Restaurants sind um 19 30 besetzt. Eine vibrierende Stadt. Morgen auf dem Velo geht's dann wieder ruhiger weiter.

Mi, 20.7.2016, Split (Kroatien). Mostar, Siroki Brieg, Grude, Grenze zu Kroatien, Imotski, Cista Provo, Bisko, Split. 147 km. Wetter: Leicht bewölkt, 25°. Hotel Best Western, Fr. 90.--.

Eigentlich dachte ich heute morgen, ich hätte einen einfachen Tag, mit vielen Kilometern zwar aber kaum mit vielen HöhenMetern. Ich kann auf meiner sehr groben Karte höchstens anhand von Flussläufen in etwa abschätzen, ob's steigt oder ob's runtergeht. Ab Mostar konnte es nur noch steigen, denn das liegt auf 80müM. Dass ich dann aber mit drei Übergängen 1350 HM akkumulieren würde, war dann schon sehr viel. Ich kam erst nach sieben Uhr in Split an und erst um acht Uhr fand ich ein freies Zimmer. Ich werde morgen einen Ruhetag einschalten.

Di, 19.7.2016, Mostar. Sarajevo, Tarcin, Konjic, Jablanica, Grabovico, Potoc, Mostar. 123 km. Wetter: Leicht bewölkt, 20-25°. Hotel Bristol, Fr. 30.--.

Bis Konjic über einen Pass, natürlich mit Scheiteltunnel, dieser war allerdings schwach beleuchtet. Danach während etwa 60 km drei aufgestauten Seen folgend durch wiederum schluchtenreiche Landschaft, sehr spannend und sehr schön und an die ewigen Tunnels gewöhne ich mich langsam.

In Jablanica ass ich wieder einmal z'Mittag, Lamm vom Grill. Gleich vor mir wurden auf drei grossen Grills 11 ganze Lämmer gegrillt, die Spiesse alle angetrieben von WasserRädern mit zwei Meter Durchmesser durch einen davor fliessenden kleinen Bach. Für Vegetarier ein Horror, für Ingenieure genial.

Relativ früh kam ich nach Mostar. Der Stadt, die im Bosnienkrieg der frühen 1990-er-Jahre mit wechselnden Bündnissen von Bosniaken, Serben und Kroaten fürchterlich hergenommen wurde. So wurde damals das historische Wahrzeichen der Stadt, die 500 Jahre alte Brücke von den Kroaten mutwillig zerstört. Sie wurde inzwischen wieder aufgebaut. Der Touristenrummel ist gigantisch und der türkische Einfluss bei allen alten Gebäuden offensichtlich. Die Segregation der damaligen 'ethnischen Säuberungen' führte dazu, dass noch heute 98% der ethnischen Kroaten auf der westlichen Seite der Neretwa und der und 98% der Bosniaken auf der östlichen Seite leben. Serben hat's fast keine mehr. Eine traurige Geschichte, die noch überhaupt nicht überwunden ist.

Heute habe ich den 5000-sten Kilometer durchfahren.

Mo, 18.7.2016, Sarajevo. Ustipraca, Rogatica, Podromanija, Romanija, Sarajevo. 98 km.
Wetter: Tagsüber bewölkt, abends schön, 20-25°. Privatunterkunft.

Eines der vielen Karl May Bücher, die ich einmal gelesen hatte hiess: In den Schluchten des Balkan. Heute startete ich erneut durch eine solche Schlucht bergwärts. Und erneut durch Tunnels. Der eine war 1.3km lang. Ich versuchte, ein Auto anzuhalten. Schon das erste hielt an. Das Ehepaar verstand nur Bahnhof, der 12-Jährige übersetzte von hinten, der Fahrer nickte und wir fuhren los. Wieder konnte ich im Lichtkegel fahren und hatte einen Aufprallschutz von hinten. Es war ein KatastrophenTunnel. Fast alle Lampen sind ausgefallen und der Strassenbelag war fürchterlich. Nach 12 km war die Schlucht zu Ende und ich stieg etwa 600HM hinauf bis auf 1000 müM auf eine grosse, sehr schöne Hochebene. Danach nochmals 400 HM über einen 2. Pass und dann hinunter bis Sarajewo.

Als ich mein Velo wegen meinem Knieproblem wieder einmal den Berg hinauf stossen musste überholte mich ein Biker aus Birmingham. In einem Restaurant kehrten wir ein. Ich dachte, ich hätte mit meinen total 47'000 km viel von der Welt gesehen aber mit Charley konnte ich es dann doch nicht aufnehmen, der ist heute 54 Jahre alt, seit 17 Jahren fast dauernd unterwegs und akkumulierte 240'000 km.

Gestern hielt ein Wagen aufgrund meinem Fähnchen an. Nach einem kurzen Gespräch lud mich Aljia für heute zu sich nach Hause ein. Sein Sohn Muhammed samt 4 Brüdern und Cousins fingen mich ab und wir gingen zum Haus. Und was für ein Haus, gross, modern und in bester Qualität. Nach dem Douchen wurde ich von Ali und Mirco, seinem Bruder zum Nachtessen in ein ausgezeichnetes Restaurant eingeladen. Beide wohnen schon seit dem Bosnienkrieg in der Schweiz, Aljia als Käser in Schwyz und Mirco als Busfahrer in Luzern. Ich lernte sehr viel über den Bosnienkrieg und Sarajevo kennen. In der Zwischenzeit hat mir Madame des Hauses alle meine Sachen gewaschen. Vielen, vielen Dank.

Sein Haus hat Aljia, wie sehr viele andere Wohnungsbesitzer an wohlhabende Araber vermietet, von denen es sehr viele gibt in der Stadt, während sein Sohn Mohammed drei Velos an die Buben der arabischen Grossfamilie vermietete - und das ergab 45€ für diesen Tag.

Zurück im Haus gab's noch Früchte und natürlich einige Fotos. Eine grossartige Erfahrung mit einer wunderbaren Familie.

So, 17.7.2016, Ustipraca. Bielo Polje, Grenzübergang zu Serbien, Prijepolie, Priboj, Grenzübergang zu Bosnien/Herzegovina, Obrvena, Setihovo, Ustipraca. 142 Km. Wetter: Bewölkt, 15-20°. Hotel Jagodic, Fr. 20.--.

Sehr lange Fahrt, immer dem gleichen Flusslauf folgend, durch mehrere Schluchten, zweimal über die serbische Grenze nach Bosnien/Herzegovina. Ab der Grenze immer noch dem gleichen Fluss folgend, der, aufgestaut, einen schmalen See von sicher 40 km Länge bildet. Die Schluchten wurden immer wilder und die Strasse musste weit hinauf, um überhaupt noch weiterzukommen. Schwierig waren aber die sehr vielen Tunnels. Dabei waren drei zwischen 500 und 800 m lang. Alle über 150 m durchlief ich, mit meiner Stirnlampe bewaffnet. Zu fahren getraute ich mich nicht. Plötzlich öffnete sich das Tal etwas und in Ustipraca gab es entgegen allen Informationen ein Hotel.

Sa, 16.7.2016, Bielo Polje. Rozaia, Berane, Bielo Polje, 65 km. Wetter: Bedeckt, teilweise leichter Regen, 10-15°. Hotel Royal, Fr. 35.--.

Auf der ganzen heutigen Fahrt ging mir die gestrige Passabfahrt immer wieder durch den Kopf. Ich habe noch nie in meinem Leben so gefroren wie gestern bei grosser Kälte, Wind und strömendem Regen. Vor allem habe ich noch nie ein derartiges Schlottern erlebt, das sich über den Lenker auf den Rahmen übertragen und mir beinahe die Kontrolle über mein Velo entzogen hat. Als ich dann dauernd noch damit rechnen musste, dass mir die Vorderbremse auf dieser steilen Passabfahrt wegen einem Hydraulikleck ausfallen würde machte die Situation noch schwieriger und als mir dann die Hinterbremse noch komplett ausfiel geriet ich an die Grenze der Verzweiflung. Schlimmer: Ich verlohr langsam die Kontrolle über mich. Eine ungeheuerliche Vorstellung, aber sie traf zu. Und es schüttete weiter.

Heute morgen ging ich als Erstes, ziemlich pessimistisch an die Inspektion meiner HinterradBremse und war sofort erleichtert. Eine Bremsbacke lief auf dem Eisen und den Spreitzer hat's vollständig vernuuschelt. Zum Glück hatte ich einen Satz Bremsbacken samt Spreitzer bei mir und konnte somit den Schaden beheben. Das Nachfüllen von Bremsflüssigkeit an der Vorderbremse war schon Routine. Beides eine NifeliArbeit, die ich gestern nie und nimmer fertig gebracht hätte.

Noch etwas von gestern. Unten in Rosaia habe ich eigentlich fast nichts mehr wahrgenommen. Etwas aber schon. Rechts unter mir brauste ein Wildbach mit viel braunem Wasser durch und führte Massen von Unrat und Abfall hinunter ins Tal. Eine Katastrophe.

Aufgrund der Reparatur startete ich erst um 10 Uhr. Es ging nochmals von 1000 auf 1350 müM und dann kam der Scheiteltunnel von 1100 m Länge. Für mich immer ein Alptraum. Heute aber nicht. Vor dem Tunnel machte eine Polizeistreife RoutineKontrollen und ich konnte die Polizisten überzeugen, mich zu begleiten. So fuhr ich immer im Lichtkegel des PolizeiWagens durch den Tunnel, hinter mir die Polizei mit Blaulicht. Nach gestern brauchte ich wieder einmal etwas Glück. Vor und nach dem Tunnel hatte es zwei kleine Skigebiete. Danach erst relativ steil hinunter (kein Problem, die beiden Bremsen funktionierten wieder einwandfrei, es war richtig befreiend) und danach alles einem Fluss folgend bis nach Bielo Polje, wo ich schon vor drei Uhr eintraf. Auf dem Weg begegnete ich einem jungen Päärchen, das in Zürich gestartet ist und bis Thesaloniki, im Norden von Griechenland fährt. Es hat zwar immer wieder leicht geregnet, aber heute habe ich mich ganz anders angezogen als gestern.

Fr, 15.7.2016, Rosaio, Montenegro. Pristina, Peje, Pass und Grenze zu Montenegro, Rosaio. 135km. Wetter: Am Morgen schön, Nachmittag Gewitter/Dauerregen, 25-<10°. Hotel Keine Ahnung, Fr. 11.--.

Der Hotelbesitzer von heute morgen telefonierte mit dem Zoll und der Polizei. Mit meinem Pass komme ich nicht durch, denn von Kosovo kommend dürfen mir die Zöllner den Pass nicht abstempeln und somit nicht durchlassen. Soweit, so gut. Hätte ich allerdings meine ID noch (die habe ich Norditalien bei einer HotelReception liegengelassen) könnte ich durch, die ist akzeptiert und diese können sie mir nicht abstempeln. Ein Irrsinn.

Ich fuhr also Richtung Montenegro. In Peje wollte ich nochmals übernachten. Da ich aber dank Rückenwind die 85km schon um die Mittagszeit schaffte zog ich weiter. Das Wetter verschlechterte sich laufend und bei etwa der Hälfte des Passaufstieges von gut 1200 HM (Passhöhe 1710 müM) fingen die Gewitter an und führten danach in einen sehr kalten Dauerregen über. Ich hoffte, es gäbe irgendwo eine Möglichkeit, zusätzliche Kleider unterzuziehen. Diese Möglichkeit gab's nicht und bei strömendem Regen ist das praktisch nicht möglich. Ich fuhr also 'underdressed' den Berg hinunter und das bei deutlich unter 10°. Ich fing derart an zu schlottern, dass ich immer wieder anhielt, da ich Angst hatte, die Kontrolle über mein Velo zu verlieren. Auch merkte ich, dass meine VorderBremse am Durchfallen war, dies weil ich immer etwas Bremsflüssigkeit verliere. Das kann ich reparieren, aber nicht bei diesem Regen. Aber dann fiel mir die Hinterbremse total aus, irgend etwas ist abgebrochen. Ich fuhr nur noch mit der Vorderbremse sehr langsam den Berg hinunter, immer hoffend, dass die Bremsflüssigkeit noch bis Rosaio reichen würde, denn eine Handbremse habe ich nicht.

So gegen sieben Uhr erreichte ich Rosaio. Ich konnte fast nicht mehr reden vor lauter Zähneklappern und beim Gehen war ich wegen dem durchgehenden Schlottern richtig unsicher auf den Beinen. Irgend jemand führte mich zu einem 'Hotel', das aber nur ein Privatzimmer war. Aber es war in Ordnung und das Heisswasser funktionierte. Und genau unter dieser Douche stand ich dann eine Viertelstunde und verschloff mich dann für eine Stunde unter die Decke. Danach war ich wieder einigermassen normalisiert. In einer richtigen 'Dorfchnellä' ass ich eine Pizza und Tee und CocaCola. Bier gab's keines. Um die Bremsen werde ich mich morgen kümmern.

Do, 14.7.2016, Pristina, Ruhetag. Wetter: Schön, 35°.

Pristina hat man schnell gesehen. Nebst einer breiten Fussgänger-Promenade in der Innenstadt gibt es kaum Sehenswürdigkeiten. Aufgefallen ist mir, dass mitten im Zentrum eine sehr grosse katholische Kirche zu Ehren von Mutter Teresa gebaut wird, trotzdem der Anteil der Katholiken lediglich etwa 2% der GesammtBevölkerung von 2 Mio (Pristina 200'000) beträgt.

Und am Abend fand ich heraus, dass ich von Kosovo kommend tatsächlich nicht nach Serbien einreisen kann. Noch schlimmer, es ist möglich, dass die Serben mich einreisen lassen, indem sie mich nicht einstempeln, mich hingegen bei der Ausreise packen, da ich illegal eingereist bin. Warum das so ist ist mir schleierhaft. Das ist ja schlimmer als Abchasien und etwa gleich wie von der Krim nach der Ukraine. Und ich bin ja mit dem Velo unterwegs, ich kann ja nicht einfach 2 Stunden auf's Gas stehen und der Umweg ist geschafft.

Die Serben die spinnen, genau so wie die Ukrainer, absolute Vollidioten. Machen bei mir das ausgezeichnete Image, das ich von Serbien habe, völlig zunichte. Ich habe noch Zeit bis über die Nacht um zu entscheiden: Getraue ich mich über Serbien zu fahren, um dann mal zu schauen, was passiert oder nehme ich die geografisch fast unmögliche Route über Montenegro. Also dann, bis morgen, es gibt wohl eine unruhige Nacht.

Mi, 13.7.2016, Pristina. Skopje, Grenzübergang nach Kosovo, Doganovic, Pristina. 97 Km. Wetter: Schön, 35°, am Abend Gewitter. Hotel Afa, Fr. 70.--.

Nach etwa 25 km kam ich schon an die Grenze zum Kosovo.
Am Zoll insistierte der Passkontrolleur, dass ich nicht über Serbien weiterreisen könne, nur über Montenegro. Ich nahm's mal zur Kenntnis. Nach dem Zoll war die gebirgige Gegend mit Steinbrüchen umgepflügt. Eine sehr grosse Zementfabrik rundete das Bild ab. Es ging danach durch ein enges Tal bergaufwärts. Der 40-Tönner-BaustoffVerkehr war manchmal dramatisch. Aber dann kam noch ein Tunnel, schmal, unbeleuchtet und lang. Mir graute, das würde nicht gehen. Knapp vor dem Tunnel gab's aber noch die alte, schmale Strasse aussenherum. Ich glaubte überhaupt nicht, dass ich da durchkomme. Es ging dann aber tatsächlich. Bei einem zweiten Tunnel funktionierte es auch, aber nur indem ich mich durch eine unglaublich stinkende KehrrichtDeponie schlängelte.

Unterwegs kehrte ich in einem GartenRestaurant ein. Vom Nebentisch wurde ich auf deutsch angesprochen. Der Mann hat lange Zeit bei IBM gearbeitet und in Dübendorf gewohnt. Ich setzte mich zu ihm und er skizzierte mir den besten Weg nach Split, natürlich über Serbien(kein Problem!). Es war klar, dass ich morgen einen Ruhetag einschalten würde, weshalb ich aktiv ein schönes Hotel suchte. Am Abend gab's zum ersten Mal seit Wochen wieder einmal Gewitter.

Di, 12.7.2016, Skopije. Negotino, Kavadarci, Gradsko, Veles, Vetersko, Petrovec, Skopije. 111 Km. Wetter: Schön, 35°. Hotel Best Western, Fr. 45.--.

Einige Kilometer vor Veles wurde ich immer enger von einer Bergkette eingekesselt und ich fragte mich, ob die Stadt wohl zuoberst auf dem Berg sei. Ich schaute auf die Karte und stellte fest, dass auch die Eisenbahn und vor allem die Vardar, der Fluss, dem ich seit Griechisch-Mazedonien gefolgt bin und die bis nach Skopije hinaufführt, ebenfalls irgendwo in diesen Bergen 'verschwanden'. Dann tat sich eine Klus auf, die Bergkette teilte sich und ich erreichte Veles.

Nach Veles kam ich an einem sehr schönen See vorbei mit einer TopFerienanlage. Dann allerdings wurde die Strasse immer schmaler und schlechter. Ich stieg immer höher. Nach etwa einer Stunde kam mir ein Auto entgegen und ich atmete auf. Mindestens einer, der durchgekommen ist. Wenn ich mich bei 35° so über Bergkämme und durch Täler kämpfe und sehe immer wieder die Autobahn über mir, die sich elegant über hohe Brücken, durch Tunnels und Gallerien schwingt, dann sehne ich mich manchmal nach meinem alten BMW. Wie ich dann im auf 22° gekühlten Auto, den Tempostat auf konstante Geschwindigkeit geschaltet, mit einem Röhrli ein Goggi trinkend und CountryMusik hörend genau über diese Autobahn brause. Aber eben, nach diesen kleinen Träumen schwitze ich weiter.

Unterwegs traf ich noch einen jungen Weltenbummler aus Freiburg im Preisgau. Er hat im Sinn bis in die Mongolei zu reisen. Dabei will er entlang dem Schwarzen Meer bis Georgien fahren, auf der gleichen Route wie ich vor einem Jahr. Ich habe dannzumal geschrieben: Nur ein Vollidiot fährt mit dem Velo durch NordWestAnatolien. Damit war natürlich ich gemeint. Jetzt geht noch einer.

Ich bin sehr beeindruckt von der Innenstadt von Skopije. Athen hat eigentlich gar keine. Dass ich in der Nähe der Innenstadt noch ein SushiRestaurant fand rundete den Tag positiv ab.

Und noch etwas: In booking.com fand ich ein BestWestern mit einem Angebot von 40€ für ein Zimmer. An der Reception wurde mir allerdings das Zimmer für 80€ offeriert. Mit der gütigen Hilfe der Receptionistin buchte ich das Zimmer bei booking.com und Minuten später kam die Receptionistin mit der Bestätigung, dass das Zimmer jetzt 40€ koste. Man hat nie ausgelernt.

 

Mo, 11.7.2017, Negotino. Polikastro, Indemini, Grenze zu Mazedonien, Gevgeljia, Udovo, Negotino. 110 km. Wetter: Schön, 35°. Hotel Pamela, Fr. 35.--.

Gemäss Navi hätte ich über die Grenze zu Mazedonien einen Umweg von 150 km machen müssen, denn die einzige Strasse über die Grenze ist eine Autobahn, somit für mich gesperrt. 5 km westlich davon befindet sich Indemini. Ich wusste zwar, dass dort kein offizieller Grenzübergang ist. Trotzdem fuhr hin und zwar bis etwa 300-500 m vor die Grenze, als die AsphaltStrasse in einen Kiesweg und Wildnis überging. Da kehrte ich um. Das Dorf ist sehr sauber, einen Flüchtling habe ich nicht gesehen. Keine Spur von Unordnung oder Chaos. Überhaupt kein Mensch auf der Strasse, ausser vier Polizisten. Die bemerkten mich aus ihrem MiniPosten heraus und meinten natürlich, ich sei illegal über die Grenze von Mazedonien nach Griechenland gekommen. Einer von Ihnen liefen schreiend auf mich zu. 'Wohin ich wolle'!? 'Nach Mazedonien' und zeigte nach Norden. 'This is Mazedonia, over there is (ein völlig anderer Name)' schrie mir einer entgegen und deutete resolut mit den Fingern auf den Boden. Eine Polizistin übernahm die Szene und liess ihren Kollegen weiterschreien. Nach einer Passkontrolle und einigen freundlichen Belehrungen fuhr ich wieder zurück. Der Brüllaffe schrie immer noch.

Um zur Grenzstation zu gelangen machte ich keinen Umweg, sondern fuhr auf die Autobahn und blieb danach auch auf mazedonischer Seite auf der Autobahn bis Gevgelija. Diese Grenzstadt ist offensichtlich eine Spielerstadt. Auch gibt es hier jede Menge Dentalkliniken, auch eine Art von Tourismus. In der Stadt fand dann mein Navi wieder eine Strasse ohne Autobahn. Allerdings war die Strasse lange Zeit ein Kiesweg (zum Glück hatte ich trockenes Wetter). Auf diesem traf ich einen jungen Münchner der mir versicherte, dass die Strasse tatsächlich durchgehend ist. Ich versicherte ihm das Gleiche auf meine Seite. So waren wir beide beruhigt. Seine Tour war von München bis Athen. Wir verplapperten wohl fast eine Stunde. Ich hielt kurzerhand eine Polizeistreife auf und bat den Polizisten um ein Foto von uns beiden.

Ich musste noch zweimal kurz auf die Autobahn damit mich mein Navi wieder führen konnte. Lange Zeit fuhr ich auf einer Autostrasse (legal oder nicht interessierte mich nicht) durch ein enges Tal. Eine Superstrasse, leider mit einem längeren und heiklen Tunnel am Ende. Und besonders schön heute: Die WindRichtung hat gewechselt, zu meinen Gunsten.

Ich stieg in einem schönen Hotel mit gepflegtem Restaurant direkt an der Strasse ab und freute mich auf der Terrasse über die geschenkt Stunde. Ich konnte wieder auf 'SchweizerZeit' umstellen.

So, 10.7.2016, Polikastro. Katerini, Eginio, Alexandria, Koufalia, Axioupoli, Polikastro. 106 km. Wetter: Schön, 35°. ParkHotel, Fr. 30.--.

Ereignislose Fahrt durch meist ebenes Land, aber mit konstantem Gegenwind. In Polikastro hatte es drei Hotels. Alle waren geschlossen und ich war froh, ausserhalb der Stadt in einem etwas heruntergekommenen Hotel doch noch ein Zimmer zu kriegen.

Ich bin eigentlich auf der 'Flüchtlingsroute'. Bis jetzt hatte ich allerdings nur vor Athen einmal Kontakt mit ihnen. Allerdings bin ich mittlerweile von mehreren Griechen gewarnt worden, nach Mazedonien zu reisen. Das hat aber wohl eher mit dem geschichtlichen Streit Griechenlands mit Mazedonien zu tun, resp. mit dessen Namen. Seit etwa Larisa befinde ich mich in Mazedonien, eben in 'griechisch Mazedonien'. Und Griechenland macht Mazedonien seit jeher den Namen streitig, wohl nicht zuletzt wegen Alexander dem Grossen, im 4. JH vC der unbestrittene Welteroberer der damaligen Zeit. Die Griechen erheben den Anspruch, Alexander der Grosse und die übrigen Makedonier seien Griechen und Makedonien sei schon immer Teil Griechenlands gewesen.

Ich bin heute den letzten Tag in Griechenland und ich habe nie eine grössere Kirche gesehen, auch nicht in Athen. Die grösste war die in Larisa. So etwas wie einen Dom oder eine Kathedrale scheint es in der koptischen Kirche nicht zu geben. 

Sa, 9.7.2016, Katerini. Larisa, Tyrnavos, Elassona, Agios Dimitrios, Katerini. 110 km. Wetter: Schön, 35°. Hotel Lido, Fr. 40.--.

Ein anspruchsvoller Tag. Der Gegenwind, der mich schon seit Athen begleitet gab mir manchmal ernsthaft zu schaffen und die laufenden Aufstiege auf die maximale Höhe von gut 1000 Metern (ich starte fast immer auf Meereshöhe) mit kumulierten 1300 HM sowie die Wärme und die sehr intensive Sonne machten den Tag mit 110 km zu einem veritablen 'GeburtstagsGeschenk'. Aber zumindest fuhr ich immer durch sehr schöne Landschaften, in höheren Lagen schon fast voralpin, in den Ebenen sehr intensiv bebaut. Am schönsten war aber die 30 km/700 HM-Abfahrt durch ein enges Tal bis fast nach Katerini. Dabei fuhr ich an Tausenden von Bienenkästen vorbei, die Honigproduktion muss gigantisch sein.

Heute feiere ich zum vierten Mal meinen Geburtstag irgendwo und vor allem alleine. Aber da ich sowieso lieber zu andern Geburtstagen eingeladen werde komme ich damit ganz gut zurecht.

Heute durchfuhr ich den 4000-sten Kilometer.

Fr, 8.7.2016, Larisa. Lamia, StenaFourkas (Pass), Neo Monastiri, Farsala, Hara, Larisa. 113 Km. Wetter: Schön, 30-35°. Hotel Helena, Fr. 35.--.

Der Tag fing an mit einem Anstieg auf fast 800 müM. Nach der Abfahrt wieder durch lange, fruchtbare Ebenen. Sehr eindrucksvoll war am Nachmittag die sanfte HügelLandschaft mit ihrem unglaublichen KornReichtum. Buchstäblich Tausende von Quadratkilometern reine KornLandschaften. Eine richtige SchatzTruhe. Zu dieser Jahreszeit ist alles geerntet und, weniger schön, teilweise abgefalchert. Gelb ist schöner als schwarz. Schon durch ganz Griechenland sind hektarenweise Sonnenkollektoren aufgestellt. Bei dieser Sonnenintensität produzieren die wohl richtig Strom. Langsam wird mir das schöne Wetter fast unheimlich und auch die nächsten acht Tage sind wieder wolkenlos vorausgesagt.

Larisa ist eine grosse Stadt und ich konnte nicht begreifen, dass ich im Zentrum sei. Wie immer ziehe ich dann meine Kreise und war plötzlich mittendrin. Eine sehr grosse Fussgängerzone mit sehr vielen Restaurants und vor allem Bars. Alle trinken etwas, nur sehr wenige sieht man etwas essen oder dann höchstens ein Sandwich auf die Schnelle.

Do, 7.7.2016, Lamia. Thivia, Aliartos, Thouri, Bralos, Lamia. 134 Km. Wetter: leicht bewölkt, 30°. Hotel Athina, Fr. 40.--.

Auf meiner Fahrt durch die Ebenen von ZentralGriechenland kam ich an einem Feld vorbei, wo etwa 20 Personen Archäologische Ausgrabungen machten. Ich durfte mir zwar alles ansehen aber keine Fotos machen. Die Ebenen sind sehr fruchtbar und werden grösstenteils künstlich bewässert, entweder über Kanäle mit Wasser aus den beiden Bergzügen in der Nähe oder durch Grundwasser.

Ich habe mich immer gewundert, dass kein Grieche versteht, woher ich komme. Irgend etwas sollte er aus Switzerland, Suisse oder Swizzera heraushören. Tut er aber nicht. Die Schweiz ist in Griechenland 'Helvetia'. Macht mich ja richtig patriotisch.

Am Ende der grossen Ebenen ging's über einen Pass und danach nicht mehr entlang der Hauptstrasse, sondern auf einer Nebenstrasse (die nicht in der Autobahn mündet) den Berg hinunter. 650 HM über endlose Serpentinen durch schroffes Gebirge. Und ich fing an, mich zu sorgen: Ich begegnete keinem Auto, nicht einmal einem Töff. Die Strasse war in einem nicht unterhaltenen Zustand. Ich fuhr runter und runter, den Blick immer auf die grosse Ebene von Lamia gerichtet. Aber die Frage lauerte immer: Ist die Strasse durchgängig? Sie war es dann und ich freute mich über die grandiose Abfahrt in abenteuerlichem Gelände. Danach sah ich eine lange gerade Strasse vor mir. Sie führte sichtbar direkt in die Stadt Lamia. Nur war diese etwa 15 km weit entfernt. Ich habe noch nie eine solch lange Gerade gesehen.

Und noch etwas zu den Eisenbahnen. Heute fuhr ich den ganzen Tag praktisch in Sichtweite entlang einer doppelspurigen Eisenbahn. Einen Zug habe ich weder gesehen noch gehört. Knapp vor Lamia überfuhr ich eine fast fertiggestellte doppelspurige Neubaustrecke der gleichen Linie. Gearbeitet wurde daran nicht. Und gestern erfuhr ich aus der NZZ, dass die Staatliche EisenbahnGesellschaft Italiens (ausgerechnet noch ein Staatsbetrieb) die einzige Offerte für die marode Eisenbahn-Gesellschaft Griechenlands für einen Totalbetrag von 30 Mio € abgegeben hat. Na ja, wer kauft denn schon Schrott und PhantasieBauwerke und zahlt noch etwas dafür. Das Beispiel ist sehr aufschlussreich für Griechenland. Dabei bin ich mir sicher, die Gesellschaft ist mit Milliarden aktiviert. Na ja, die Papiere hat jetzt ja die EZB.

 

Mi, 6.7.201306, Thiva. Athen, Elefsina, Ino, Erithres, Thiva. 64 km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 30-35°. Hotel Meletiou, Fr. 50.--.

Zuerst musste ich wieder aus der Stadt wie ich reingekommen bin. Also wieder etwa 20km 6-spurige Schnellstrasse. Dann nach NordWesten über verschiedene Passübergänge bis nach Thiva. Bereits auf einer Höhe von 500 müM sieht es in dieser schönen Gegend aus wie bei uns auf 1800 müM. Die Bäume verschwinden, die Büsche werden gedrungener und Gras übernimmt die Landschaft. Mit dem Unterschied, dass hier Gras fast immer gelb und verdorrt ist. Bis Thiva (36'000 Einwohner) hatte es in dieser BergGegend nur kleinste Dörfer und kein einziges Hotel und ich gelangte gemäss Landkarte zur Überzeugung, dass es auch in den nächsten 100 km keines geben würde. Ich wählte wieder einmal den Spatz in der Hand, suchte ein Hotel und verbrachte den Nachmittag mit dem Studium im Internet in einem schattigen Restaurant mit W-Lan von eben dieser Stadt Thiva am Rande einer sehr fruchtbaren Hochebene. Und genau hier wurde vor Jahrtausenden Geschichte gemacht. Thiva ist das alte Theben. Ausgrabungen gehen zurück in mykenische und in assyrische Zeiten, bis ins 13. JH vC.

Was ich heute versäumt habe muss ich morgen wieder wettmachen. Es wird ein langer Tag bis Lamia.

Di, 5.7.2016, Athen, Ruhetag. Wetter: Schön, 35°.

Nach der gestrigen 'ÜbersichtsFahrt' ging ich heute zu Fuss auf Entdeckungsreise. Zuerst zum Panathenaic Stadium: Eine grandiose Arena, 500 vC durch die Griechen erbaut, 200 nC durch die Römer vollständig mit Marmor ausgekleidet, 400 nC durch die Christen als heidnisch aufgegeben und geplündert, im 19. JH wieder aufgebaut, vollständig in weissem Marmor. GeburtsStädte von Olympia im alten Griechenland und GeburtsStätte der modernen olympischen Spiele 1896.

Bei mittlerweile 35° schwitzte ich mich mit tausend anderen Touristen auf die Akropolis und genoss dann den heftigen Wind auf dem Plateau und natürlich das Parthenon, das seit vielen Jahren aufwändig restauriert wird. Auch das am Fusse liegende AkropolisMuseum (Architekt war der Schweizer Bernhard Tschumi) ist ein Besuch wert.

Zurück in die Stadt kam ich durch den scheinbar berühmten Flohmarkt von Athen und fragte mich, wer denn diesen Plunder kaufen sollte. Ein GewürzMarkt ist immer etwas Feines, ich habe das Gefühl, die Gerüche beruhigen. Und dann machte ich mich an die Vorbereitungen für die morgige Weiterfahrt. Ich werde weiterhin ausschliesslich schönstes Wetter haben.

Mo, 4.7.2016, Athen. Kineta, Mehara, Elefsina, . 66 km. Wetter: Schön, 35°. Hotel Exarcheion, Fr. 50.--.

Anfänglich über eine teilweise schroffe Küstenstrasse, später über eine 6-spurige Schnellstrasse, mit Seitenstreifen zwischen 20 cm und 3 m, bei der ich allerdings nie sicher war, ob sie für Velofahrer zugelassen war. Aber es war buchstäblich die einzige Strasse in die Stadt. Dann gab's eine Polizeikontrolle. Ich nickte den zwei Polizisten lächelnd zu und fuhr an ihnen vorbei. Sie nickten lächelnd zurück und liessen mich ziehen. Soweit war die rechtlich Situation geklärt. Ich erreichte die Innenstadt um die Mittagszeit und machte mich auf die Suche nach einer Unterkunft.

Auch wenn eine Fahrt im offenen Bus im dichten StadtVerkehr und bei brütender Hitze ein zweifelhaftes Vergnügen ist
bekommt man bei einer dieser HopOn-HopOff-Fahrten eben doch den besten Überblick über eine fremde Stadt. Ich werde morgen einen Ruhetag einschalten. 

So, 3.7.2016, Kineta. Egio, Trapeza, Aigira, Kamari, Xilokastro, Korintos, Kanal von Korinth, Agii Theodori, Kinetta. 116 km. Wetter: Schön, 30-35°. Hotel KinettaBeachHotel, Fr. 125.-- (all inclusive)

Zum Glück war die Autobahn entlang meiner heutigen Fahrt fertiggestellt, es störte aber eine andere GrossBaustelle. Es wird auf dem schmalen KüstenStreifen auch noch ein zweispuriges Bahntrasse durchgezogen. Aber auch diese Baustelle endete, der Bau sei für 5 Jahre unterbrochen, wie mir eine Dame in einem FrüchteLaden erklärte. Da liegt aber schon jetzt sehr viel Beton nutzlos in der Landschaft.

Mit der Zeit fuhr ich nur noch entlang von Badestränden mit sehr vielen Leuten (es ist Sonntag) und einem Verkehrsgewirr von Parkplatz-Suchenden. Und dies auf der ohnehin schon schmalen KüstenStrasse. Da lobe ich mir mein Velo, ich schlängle mich auch hier problemlos durch das 'Genuusche'.

Und dann kam der Kanal von Korinth, mein Abschied vom Pelepones. Ein grossartiges Bauwerk für die damalige Zeit (Baujahr 1881-1893, Länge 6.3 km, Wassertiefe 8 m, Breite auf Seehöhe 25 m, Höhe ab MeeresSpiegel 80 m, Wandneigung 75°). Unter der Brücke hat es eine Absprungstelle für BungeeJumper. Mindestens 20 junge Leute standen an.

In Kineta steuerte ich ein Hotel am Strand an, regte mich eigentlich über den Preis auf - aber eben, weiterfahren mochte ich nicht mehr. Es war gefüllt mit lauter französischen Feriengästen. Da ich Zeit hatte ging ich tatsächlich einmal ins Wasser. Ich blieb allerdings im SüsswasserBecken, durch den Kies schaffe ich es nicht einmal an den MeeresStrand. Am Abend gab's TanzVorstellungen am Strand und ein ganzes AnimationsProgramm. Da ich mich schon den ganzen Tag über selber animiert hatte erlaubte ich mir nicht mitzumachen. Da im Preis alle Mahlzeiten und scheinbar alle Getränke inbegriffen sind ist der hohe Preis wieder erträglich (beim Abendessen wurde für mich alleine eine ganze Flasche Wein hingestellt). Aber ich bleibe dabei: Ein Abend ist ja in Ordnung, für eine Woche bringen mich nicht zehn Pferde an einen solchen Ort. Da ich für meinen HomePageEintrag immer furchtbar lange warten musste war die Flasche Wein vor dem Zu-Bett-Gehen tatsächlich leer.

Sa, 2.7.2016, Egio. Agrinio, Frangouleika, Haliki, AnoVassiliki, Antirio, Fähre auf den Pelepones, Akteo, Lambiri, Egio. 111 km. Wetter: Schön, 30-35°. Hotel Themisto, Fr. 45.--.

Schon nach kurzer Zeit stieg die Strasse einen Pass hoch und ich fragte mich, ob die Strasse wohl durch die grosse Schlucht führen würde, die sich vor mir öffnete. Genau das tat sie und nahm dem Pass 250 m an Höhe. Es war wohl eine tektonische Verwerfung, die den Höhenzug in Querrichtung teilte.

Schon von Weitem sah ich die riesige Hängebrücke vom Festland auf den Pelepones bei Antirio. Zum Glück verkehrte auch eine Fähre. Die Strasse entlang der Küste war vielfach eine Baustellenzufahrt zur Hauptstrasse daneben, die zu einer Autobahn ausgebaut wurde. Auch sah ich nirgends mehr ein Hotel. In Egio, nach 100 Tageskilometer, fing ich an die Hotels auf meinem Navi anzurufen. Das fünfte war ein Treffer. Es lag nochmals 10 km weiter in meiner Richtung. Für das Abendessen musste ich an den etwa 1.5 km entfernten Strand gehen und da wurde mir auch klar, dass in Griechenland die FerienSaison ausgebrochen ist und warum ich erst vier Absagen kriegte bei meine Hotelanfragen. Und an diesem Strand hat es ausschliesslich Griechen. Und auch hier, im grossen Restaurant war für mehr als hundertfünfzig Personen aufgedeckt und es gab um 8 Uhr 10 besetzte Stühle -- und kaum jemand ass etwas. Es wir nur etwas getrunken -- Wasser, fast gratis -- mit Eis, komplett gratis. Die Tische und Stühle wurden laufend in den neuen Schatten verschoben. Sie bliebe trotzdem leer. Trotzdem ich schon lange müde war blieb ich, denn es hätte sich ja noch etwas ändern können. Um halb neun zahlte ich. Es änderte sich nur, dass die vielen StrandGäste verschwanden. Der Strand entleerte sich. Die Leute verschwanden klammheimlich. Direkt in ihr Auto. Wie dieses Restaurant mit seiner umfangreichen Infrastruktur überleben kann ist mir unerklärlich. Das gibt mir langsam zu denken.

Fr, 1.7.2026, Agrinio. Preveza, Vonitsa, Loutraki, Amfilohja, Rivio, Stratos, Agrinio. 111 km. Wetter: Schön, 30-35°. Hotel Esperio, Fr. 50.--.

Zuerst musste ich einen Weg finden von Preveza über die Meerenge Richtung Vonitsa. Das Meer ist untertunnelt und da komm ich nie durch. Ich fuhr also zum Hafen und fragte mich nach Schiffen durch. Gibt es nicht. Auch Fischer mit ihren Booten hatten kein Interesse. Einer sagte, ich würde auf einem offiziellen PickUp der Tunnelgesellschaft durchgefahren. Ich traute der Geschichte nicht und fragte ein Taxi nach dem Preis für eine Durchfahrt. 10€. Wir verluden alles und er fuhr mich durch den knapp 2 km langen Tunnel. Einen Lotsendienst gab es dann nicht, hingegen hätte ich auf dem Trottoir Platz gehabt zum Gehen. Legal wäre es sicher nicht gewesen.

Irgendwo kaufte ich in einem KleinstLaden Wasser ein. Da kam ein älterer Herr ganz aufgeregt auf mich zu, hängte bei mir ein und sang voller Stolz und aus voller Kehle: Grüezi wohl Frau Stirnimaa. Mehr konnte er allerdings nicht erklären. Aber die Schweiz ist für diesen Herrn eben die Frau Stirnimaa.

Ansonsten war die heutige Fahrt über grosse Distanzen relativ eben, ich fuhr entlang von mehreren grossen Seen und erfreute mich ab Nachmittag eines soliden Rückenwindes. Hingegen wird es langsam heiss und die Sonne ist sehr intensiv. Ich fange wieder an mich abzudecken. Sonnenstiche wie in Mexiko möchte ich mir nicht nochmals einhandeln.

Ich bin hier in der FussgängerZone der Stadt, es ist FreitagAbend und mein sehr gutes Restaurant ist den ganzen Abend zu weniger als 10% besetzt. Ich habe den Eindruck, viel Geld ist hier tatsächlich nicht mehr im Umlauf.

Do, 30.6.2016, Preveza. Saranda, Buttrint, Konispol, Grenze zu Griechenland, Igumenitsa (Fähre nach Brindisi), VasilikosPass, Karten, Margariti, Preveza. 140 km. Wetter: Schön, 30°. Hotel Kanali, Fr. 50.--.

Morgenessen gab's erst um 8 Uhr also startete ich um sieben ohne. Ich fuhr durch eine lange Ebene und danach durch den Buttrint Natonalpark. Wieder eine sehr schöne Gegend und viel flacher als die letzten Tage. Langsam wurde die Strasse immer schlechter bis sie zur sehr holprigen KiesStrasse mutierte. Ich hatte Bedenken, ob's für so eine Strasse überhaupt einen ZollÜbergang geben würde. Aber dann gelangte ich vor Konispol wieder auf die richtige Strasse und meine Zweifel verflogen sich. Der Grenzübertritt nach Griechenland war problemlos.

Schussfahrt nach Igumenitsa wo das Steigen aber wieder anfing. Etwa ab Karten auf bester Schnellstrasse ohne grossen Verkehr hatte ich massiv Gegenwind. Nach 30 km stellten sich das zweite Mal auf dieser Reise die Krämpfe wieder ein. Füsse, Oberschenkel und Hände. Einige Male stosste ich das Velo auf ebener Strecke. Mit der Zeit getraute ich mich wieder zu fahren, aber mindestens drei Gänge kleiner. Bis knapp vor Preveza ist die Gegend ziemlich einsam, es gibt fast keine Landwirtschaft dafür aber sehr schöne Wälder. Schon ab km Hundert hätte ich jedes Hotel genommen. Aber es hatte keines, ausser 200 HM tiefer am Strand. Ich bin also weitergefahren bis ich 15 km vor Prevezo an einem grossen AquaPark vorbeikam mit integriertem Hotel. Ich kehrte blitzartig um und buchte ein Zimmer. Viel besser als in der grossen Stadt noch ein Hotel zu suchen. Aber, ich mochte schon fast nichts mehr essen, ich wollte nur noch schlafen. Aber dann war nicht mehr 22 25 sondern 23 25, die Zeit ist in Griechenland eine Stunde vorverschoben (dem iPhone sei dank)

Mi, 29.6.2016, Saranda. Himara, Borsh, Saranda. 54 km. Wetter: Wolkenlos, 30°. Hotel Sejko, Fr. 70.--.

Es ging steigenderweise weiter. Salbei wird hier in grossen Säcken eingesammelt, die ganze Gegend riecht danach. Dann erreichte ich die Quelle von Borsh. Eine grosse Menge Quellwasser direkt aus dem Berg. Aber nur in Albanien darf man ein Restaurant (übrigens ein Bijou) auf Stelzen über den Sammelweiher stellen.

Ich fuhr auf bester Strasse fast ohne Verkehr, meist 100 - 300 müM mit freier Sicht auf das helltürkis bis tiefblaue Meer und auf die griechische Insel Korfu. Bergauf, Schwitzen bis fast zum Auslaufen und danach Auskühlen dank dem Fahrtwind auf den Schussfahrten bergab. Eine phantastische Velostrecke. Trotz der kurzen Strecke ergaben sich wieder 900 HM.

Bei uns gibt es auf den AutoOccasionsMärkten nur noch gepflegte Autos. Die 'AltenSchwarten' sind längst verschwunden -- sie sind jetzt alle hier.

In Saranda, als BadeFerienOrt ein Hotspot, studierte ich in einem Restaurant mit W-Lan meine Weiterreise über die Grenze nach Griechenland. Es hab da grosse Fragezeichen betreffend Unterkünften aber eigentlich wollte ich gar nicht weiter, sondern hier einen halben Ruhetag verbringen. Ich stieg in einem sehr guten Hotel ab und verbrachte Nachmittag und Abend am sehr belebten Strand, resp. an der breiten Promenade, resp. in deren Restaurants. Wirklich ein beeindruckender Ort.

Ich bin ja nur zwei Tage in Albanien gewesen und meine Ansichten sind sicher nicht repräsentativ aber es drängen sich doch einige grosse Unterschiede zu Italien auf. Albanien ist zwischen den Dörfern, wo sich niemand direkt verantwortlich fühlt, viel sauberer. Und gerade als Velofahrer nimmt man das wesentlich intensiver wahr als als Autofahrer. In Albanien gibt es auch in kleinen Dörfern gepflegte Restaurants mit 15 Stühlen aus massivem Holz und nicht nur 3 aus Plastik. Die Bausubstanz ist (immer ausserhalb grosser Städte) wesentlich höher als in Italien. Bella Italia hat also einige Kratzer und das so 'rückständige' Albanien, von mir, sehr viele Sympatien. Dass es ein sehr armes Land ist sieht man allerdings auch.

Di, 28.6.2016, Himarë. Fähre, Vlorë, Radhime, LlogaraPass, Dhërmi, Himarë. 89 Km. Wetter: Schön, 25-30°. Hotel Prinos, Fr. 28.--.

Ich habe schon geschlafen als die Fähre auslief (so gegen 01 30, mit 2 Stunden Verspätung) und schlief herrlich trotz MotorenGedonner. Als Velofahrer hat man manchmal alle Freiheiten der Welt. Ich muss nicht eine Stunde lang bei der Passkontrolle anstehen wie die Hundertschaften von Fussgänger oder CarInsassen, ich muss aber auch nicht den Autos hintenanstehen sondern schlängle mich elegant an allen vorbei und dann wurde mir heute zu guter Letzt noch ein eigener freier Schalter zugewiesen. In drei Minuten war ich durch.

Vlorë ist mit 100'000 Einwohner eine imponierende Stadt und ich hatte schon beim ersten Caffee FreeWiFi. Somit konnte ich meinen gestrigen Tagesrapport noch ins Netz stellen. Die schöne Innenstadt wurde abgelöst durch sehr ansprechende Hotels und Strandanlagen. Danach sehr dünne Landwirtschaft trotz Bewässerungskanälen und bestehenden, alten Terrassierungen.

Dann aber wurden gegenüber gestern völlig neue Saiten aufgezogen. 1055 HM Anstieg auf den LlogarsPass im gleichnamigen Nationalpark. Sehr schöne Wälder und weil Albanien, wie es scheint, um einiges sauberer ist als Italien, fast ohne störenden Unrat an den StrassenRändern. Aber auch Lastwagen, die mich wegen zu geringer Motorenkraft nicht überholen konnten, trotzdem ich das Velo stosste (mein Kompromiss mit dem Knie). Dahinter über viele, lange Serpentinen 1000 HM hinunter bis fast ans Meer. Eine richtige Schussfahrt gab es trotzdem nicht. Dazu war der Wind zu böig und die Gefahr, über die Leitplanke zu fliegen zu gross. Und überall wird Bienenhonig aus grossen Bienenfarmen angeboten. Wer so viel Honig kauft ist mir schleierhaft.

Aber dann ging die Berg-und Talfahrt weiter und ich merkte: Mein Tagesziel Sarandë musste ich mir abschminken. In einer derartigen Topografie sind Strecken über 100 km kaum machbar. Ich konsultierte mein VeloApp: 1500 akkummulierte HöhenMeter und dann mein Navi (alles auf dem iPhone): Kein Hotel mehr bis Sarandë und bis dahin noch 52 km. Ich fuhr also ans Meer nach Himarë, einem sehr schönen Badeort mit grosser touristischer Infrastruktur. Das Hotelzimmer ist sehr billig und sehr schön. Dass sich beim Douchen der ganze BadezimmerBoden füllen muss, bis das Wasser am anderen Ende abfliessen kann -- na ja, man darf das nicht so eng sehen. Abendessen in der Aussenanlage des Hotels mit Sicht auf das ruhige Meer, laues Lüftchen, ein sehr schöner Abend nach einem sehr anstrengenden Tag.

Heute habe ich den 3000-sten Kilometer durchfahren.

Mo, 27.6.2016, Fähre, Wartetag. Wetter: Schön, 30°. Übernachtung auf Fähre, Fr. 130.-- (Fährfahrt incl. Schlafkabine mit Douche)

Am Morgen verlängerte ich mein Zimmer bis abends 18 Uhr. Dann suchte ich einen Coiffeur, aber die haben alle am Montag geschlossen. Danach fand ich nach einigem Suchen ein Reisebüro und konnte ein Ticket auf der Fähre nach Vlora, Albanien für heute Nacht kaufen, incl. Schlafkabine.

Ich finde die heutigen elektronischen Mittel schlicht grossartig. An einem Tag wie heute, wo vorwiegend warten angesagt ist (in Brindisi gibt es nicht sehr viel zu sehen) setze ich mich in ein Restaurant mit WiFi und studiere mich auf meinem iPhone über WickiPanion durch alle Städte und Länder auf meiner Reise. Ich erhalte alle Informationen, die ich möchte. Reiseführer sind total out (ich würde kiloweise von diesen Dingern nutzloserweise mitschleppen und das zu einem HeidenGeld.

Über Mittag erlaubte ich mir zwei Glas Wein, ging in mein Hotel zurück und machte Siesta. Ich las die NZZ-am-Sonntag von gestern fertig und die heutige NZZ auf meinem iPad (es gibt in Brindisi keinen Kiosk mit Schweizer Zeitungen) und machte wieder einmal ein MittagsSchläfchen bei LändlerMusik von RadioTell. Mit dieser Musik neben mir wachte ich dann wieder auf. Ich wusste ja, dass morgen wieder Schluss sein würde mit dem FlohnerLeben. Da gibt's wieder Wasser. Ich werde kein RadioTell sondern nur noch den FahrtWind in meinen Ohren und mein eigenes Keuchen hören, wenn es wieder bergauf geht.

Bevor ich zum Hafen fuhr kehrte ich in einem StrassenRestaurant auf der HafenPromenade ein. Kurz nach meiner Ankunft überfüllte sich der Laden. Italien gegen Spanien. Es war der Teufel los. Bei 1 zu 0 für Italien musste ich gehen. Im Fährhafen sah ich dann noch das 2. Goal der Italiener, ein Hammerschuss. Dann fing das grosse Warten an. Ich bin zwar auf dem Schiff, es ist fast Mitternacht, aber fahren werden wir wohl noch lange nicht. Zum Glück habe ich eine Schlafkabine.

So, 26.6.2016, Brindisi. Taranto, Francavilla Fontana, Mesagne, Brindisi, 88 km. Wetter: Schön, 25-30°. HotelOriente, Fr. 55.--.

Auf meiner Suche nach dem Fährhafen in Brindisi fragte ich einen Pförtner nach dem Weg. Er war sehr hilfsbereit, sprach sogar etwas deutsch und zeigte mir gleich daneben ein grosses, europäisches KriegsSchiff, das soeben mit 1700 aufgenommenen Flüchtlingen eingelaufen sei. Und das in der Adria.

Im Fährhafen war kein BilletSchalter offen, es gab keine Fahrpläne und an den Schaltern waren nicht einmal deren Öffnungszeiten angeschlagen. Schon im Internet habe ich aber gesehen, dass alle Abende um 23 Uhr eine Fähre nach Vlora in Albanien fährt -- ausser am Sonntag, also heute. Dies zumindest wurde mir von drei Personen bestätigt. So gibt es morgen nochmals einen ZwangsFreiTag. Heute war Sonntag. Um 7 Uhr ist auf der Renomierstrasse und auf der sehr schönen und breiten Strandpromenade praktisch kein Mensch. Um 9 Uhr herrscht Betrieb wie in einem Bienenhaus und alle Beizen sind voll. Zum Glück hatte ich schon gegessen.

Sa, 25.6.2016, Taranto. Reggio, Crotone, Taranto. Ca. 500 km Zug, 36 km Velo. Wetter: Dunstig, 30°. Hotel Europa, Fr. 60.--.

Heute morgen wurde ich richtig zornig. Ich wusste, dass es bis Brindisi nur eine Strasse gab, die SS106. Dass diese aber als Autobahn taxiert und hochverboten ist konnte ich nicht sehen - bis ich drauf war. Ich fuhr schleunigst wieder auf eine Abfahrt, denn die Strasse liess mir keinen cm Platz neben der Fahrbahn. Ich schaltete mein Navi auf den Velomodus und erschrak gehörig. Es wies mich 500 km zurück auf meiner Strasse bis etwa nach Salerno (Amalfi) und dann quer durch das Land nach Brindisi oder dann durch ein fürchterliches Auf und Ab, durch ein Gewirr von Pässen ohne definierte Richtung. Ich brauchte nicht lange für eine Entscheidung, vor allem weil ich gestern zum Schluss gekommen bin, dass ich mit meinen höchstens 6000 prognostizierten Kilometern für die ganze Reise nicht durchkommen werde. Ich bin heute schon auf knapp 3000 km. Ich fuhr in die Stadt zurück und löste ein Bahnbillet nach Brindisi. Das Velo konnte ich offiziellerweise nicht verladen, aber das liess ich mal draufankommen. Ich schmuggelte Saccoschen und das Velo mit abmontiertem Vorderrad unbemerkt in den Zug. Der Kondukteur hielt mir eine Standpauke auf italienisch, wovon ich kein Wort verstand aber genau wusste, was er sagte, er knipste mein Billet, ging und kam nicht wieder. Der InterCity Zug war ohnehin längst am Fahren und praktisch leer aber vor allem, das Velo war drin.

In Taranto musste ich umsteigen aber da ich sicher war, dass ich mich nicht nochmals in den Zug schmuggeln konnte blieb ich für die Nacht. Bis nach Brindisi gibt es wieder eine Strasse für mich. Die Bahnfahrt betrug etwa 500 km, dauerte gute 7 Stunden, kostete 52€ (incl. Velo) und führte vielfach direkt der Küste entlang oder durch flaches Land. Viel mehr als Landwirtschaft und einigem Badetourismus scheint es über die ganze Strecke nicht zu geben. Von den wenigen grösseren Industrieanlagen läuft die Hälfte nicht, sie zerfallen.

Und auf Anhieb fand ich in der schmucken Innenstadt von Taranto ein sehr schönes Hotel direkt am Hafen und das nicht einmal teuer. Dass es daneben noch ein SushiRestaurant gab war der Hammer (und das in Italien).

Fr, 24.6.2016, Reggio de Calabria. Taormina, Messina, Villa S. Giovanni, Reggio de Calabria. 65 Km. Wetter: Schön, milchig, 25°, Nachmittag Gewitter. Hotel Albanuova, Fr. 55.--.

Die ganze Gegend rund um Taormina ist ein touristischer Hotspot. Schöne Küsten, wilde Küsten und eine Geschichte wie Siracusa.

Ich plante eigentlich, eine Fähre von Messina direkt nach Reggio zu benutzen. Diese Route ist aber komplett für den Schwerverkehr reserviert. Alle Personenwagen müssen den Hafen von Villa de S. Giovanni anfahren. Die gleiche Route also wie bei meiner Überfahrt vor einer guten Woche.

Auf dem Weg nach Reggio fing es hinter mir an zu donnern. Ich gab so richtig Gas um dem Gewitter noch bis in die Stadt zu entkommen. Es reichte nicht, aber zum Glück konnte ich in einem Caffee mit einem grossen Vordach alles für den Regen abdecken. Das erste Gewitter liess ich bei einem Kaffee vorüberziehen. Das zweite übergoss mich dann aber richtig und die Donner wurden zu einem richtigen Gebrüll.

Das Hotel hatte ich beim Kaffee über booking und mein Navi definiert und somit direkt angefahren. Absolut triefend, wieder einmal. Ich wollte morgen einen Ruhetag einschalten, kann das Zimmer aber nicht nochmals für eine Nacht behalten.

Do, 23.6.2016, Taormina. Siracusa, Catania, Acireale, Riposto, Taormina (GiardiniNaxos). 112 Km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 25°. Hotel CaesarsPalace, Fr. 85.--.

In Catania wollte ich ins Zentrum. Da hat mein Sohn Alexander mit drei Kollegen am Tech Rapperswil an der EuropaMeisterschaft im Bau von Autonomen Robotern teilgenommen, dies nachdem sie in Winterthur Schweizermeister wurden. Aber aus dem Foto mit einer schönen Kathedrale wurde nichts. Entweder hat die Stadt gar kein richtiges Zentrum, oder ich fand es einfach nicht. Hingegen fand ich erst nach einem fürchterlichen Auf-und-Ab wieder an die Küstenstrasse zurück. Eine zermürbende Fahrt. Nicht weniger zermürbend war allerdings der Gegenwind über den ganzen Tag zwischen den Städten.

Im Westen neben mir lag der Aetna mit 3300müM in den Wolken. Leider ist er 'zu meinen Ehren' nicht ausgebrochen. Die Stadt Taormina, wo ich hinwollte, liegt wieder 200 müM und erstreckt sich noch weiter hinauf. Sie hat ein ähnlich kulturelles Erbe wie Siracusa. Aber da sah ich ein Hotel an der Strasse auf Meereshöhe, fragte nach dem Preis, marktete erfolgreich von 89 auf 75€ und verlebte einen geradezu luxuriösen Abend, ohne Kultur allerdings - ausser man definiere extremen Massentourismus ebenfalls als Kultur (der Kasten war platschvoll, das Buffet sehr reichhaltig und billig, der Lärm aber von 300 Personen in einem Saal fast nicht auszuhalten). Na ja, ich habe mich dann tatsächlich auch durchgegessen. Einmal geht das ja, aber das für 14 Tage? Morgen auf der Strasse gehts wieder ruhiger zu und her.

Mi, 22.6.2016, Siracusa. Marina di Ragusa, Pozallo, Ispica, Noto, Avola, Siracusa. 96 km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 25°. Hotel Popolus, Fr. 35.--.

Einfache und rel. kurze Fahrt nach Siracusa, wo ich schon vor 3 Uhr ankam. Somit hatte ich genug Zeit den Neapolis-Park zu besuchen. Eine phantastische archäologische Anlage. Das Griechische Theater mit seinen Ursprüngen im 5. JH vor unserer Zeit ist einmalig und mit 15'000 Plätzen eines der grössten antiken Theater überhaupt (ich habe nachgeschaut: Das Hallenstadion in Zürich hat 13'000 Plätze). Für zeitgenössische Aufführungen sind die bestehenden Stufen aus Holz zu Sitzbänken umgebaut, die Bühne ist schon für die nächste Aufführung vorbereitet, aber das ist alles sehr subtil gemacht. Allerdings hatten die alten Griechen wohl nicht so potente Lautsprecher- und LichtInstallationen wie heute. Nicht minder imposant war das Ohr des Dionysius, eine 30 m hohe Höhle, deren Eingang wie ein Ohr aussieht.

Beeindruckt war ich aber auch vom neuen Wahrzeichen von Siracusa, dem Sanctuario Madonna della Lacrime, einer 1994 erbauten WalfahrtsKirche (auch hier war natürlich ein 'Wunder' für den Bau verantwortlich, wie in Fatima, Portugal) mit Platz für sage und schreibe 11'000 Personen (ebenfalls wie in Fatima). Der Bau dominiert den modernen Teil von Siracusa komplett und im Innern ist der Eindruck gewaltig. Man kann die Grösse gar nicht fotografieren.

Siracusa war einmal 'die grösste und schönste aller griechischen Städte'. Sie ist UNESCU - Welterbe für die ausserordentliche und zu einem Gutteil erhaltene kulturelle Vielfalt über 3000 Jahre MenschheitsGeschichte (was gibt's eigentlich in Wetzikon?) Richtig, ich wurde wieder einmal ehrfürchtig.

Di, 21.6.2016, Marina di Ragusa. Agrigento, Gela, Scoglitti, Marina di Ragusa. 130 km. Wetter: Schön, milchig, 25°. Hotel Andrea Doria, Fr. 130.--.

Was ich gestern hinaufschuftete durfte ich heute zumindest wieder abfahren. Kaum war ich unten kam ich an einem schönen Hotel vorbei -auf Meereshöhe! Ich durfte schon gar nicht mehr an gestern denken. Welche unnützer Schinder.

Dann kam ich aber erneut an monumentalen griechischen Bauten vorbei. Leider war ich zu früh und konnte die Stätten nicht besuchen. Bis Gela fuhr ich wieder auf der Hauptstrasse durch langwelliges Intensiv-Landwirtschaft. Dann auf einer Nebenstrasse durch Landschaften mit massenhaft Plastik-Gewächshäusern. Die Trauben hatten bereits die Reife wie bei uns Ende September. Leider gibt es auch viele vergandete Anlagen und da äussert sich, dass ordentlich abbrechen und aufräumen nicht in den Genen der Bauern liegt.

Ich merke, dass an den Strandorten die Ferienzeit beginnt. Hotels sind ausgebucht und die Preise steigen. Dass mein Hotel allerdings in booking.com mit RegulärPreis von Fr. 271.--, zum momentanen SchnäppchenPreis von Fr. 249.-- aufgeführt ist und ich dann das Zimmer für Fr. 130.-- bekomme (was immer noch ein sehr stolzer Preis ist) verstehe ich überhaupt nicht. Da wird sehr hoch gepokert.

Mo, 20.6.2016, Agrigento. Trapani, Marsala, Castelvetrano, Scaccia, Siculiana, Agrigento. 171 km. Wetter: Teilweise bewölkt, 25°. Hotel Belvedere, Fr. 40.--.

Nach Trapani fuhr ich zwischen vielen Verdunstungsfeldern von MeeresSalinen nach Marsala. Danach vielfach auf der Hauptstrasse (meist einzige Strasse überhaupt) durch intensiv bebautes LandwirtschaftsLand bis Agrigento. Ich hatte Glück, ich hatte meist Rückenwind. Aber diese Stadt brachte mich am Ende eines anstrengenden Tages fast zur Verzweiflung. Erst führte eine Riesenbrücke von sicher 1.5 km Länge über ein Tal. Mitten auf der Brücke sagte mein Navi: Bitte nach 100 m rechts abbiegen! Dabei stosste ich das Velo aus Angst, der böige Wind könnte mich auch ohne NaviAufforderung über die nur kniehohe Brüstung stossen. Das Zentrum liegt nach 250 HM Aufstieg zuoberst auf einem Hügel und das auf einem der kompliziertesten Wege, die mir je untergekommen sind. Der grösste Teil der Strassen war so steil, dass ich das Velo stosste. Bis ich dann ein Hotel fand war es halb Neun und ich mochte schon gar nicht mehr, mich über das lausige Zimmer beschweren. Zum Glück gab es gleich daneben eine PastaCarbonara und einen Salat auf die Schnelle und das incl. W-Lan.

So, 19.6.2016, Trapani. Palermo, Piano del Occhio, Partinico, Castellamare, Busseto, Valderice, Trapani. 103 km. Wetter: Regen, schön, Gewitter, schön, 20-25°. Hotel Moderno, Fr. 35.--.

Kurz nach Palermo fing es an zu regnen -- und zu steigen. Ein Schild sagte, die Strasse sei irgendwo gesperrt. Schöne Aussichten, denn es ging noch 600 HM aufwärts und da oben umkehren ---. Kurzerhand hielt ich einen PickUp des StrassenUnterhaltes an und der Fahrer bestätigte mir, dass die Strasse offen sei. Ich erreichte dann die Piano del Occhio. Ich hatte wieder einmal derart klamme Finger, dass ich nicht mehr schalten konnte. Ein heisses Glas Tee in Partinico wärmte wieder auf, vor allem die Finger. Ich fuhr langsam (bei Regen ist die Strasse sofort viel, viel glitschiger) hinunter zum schönen Castellamare, nur um dann den nächsten Anstieg anzupacken. Die Hochebene um Busseto war ausgesprochen schön mit vielen Reben, Oliven, ZitrusPlantagen, Korn und vielen grossen MarmorSteinbrüchen.

Trapani hat eine ausgesprochen attraktive Innenstadt. Äusserst belebt, mit vielen StrassenRestaurants. Immer schön, wenn man Hunger hat. Ein Kellner sagte mir, dass ab 8Uhr die Schweiz an der Fussball EM gegen Frankreich spiele. Muss ich natürlich sehen. Trapani ist allerdings eine sehr windige Ecke Siziliens, wie die vielen WindMühlen verraten und wie ich selbst feststellen musste, denn ich konnte manchmal kaum meine Spur halten. Auf der Strasse essen war trotz Pullover keine Option.

Sa, 18.6.2016, Palermo, Ruhetag. Wetter: Schön, 25°.

Ich bekam das schöne Hotelzimmer nochmals für eine Nacht. Ich wollte zuerst auf den Monte Pelegrino, den Hausberg Palermos. Die Polizei stoppte allerdings jeglichen Verkehr: Fuogo! Ich sah zwar nirgends Rauch aber ich kam trotzdem nicht durch. Danach durchwanderte ich die Stadt in allen Richtungen wohl 20 km weit.

Ich fing höchstwahrscheinlich ein MeniskusProblem in meinem rechten Knie ein, damals vor einer Woche, als ich auf steilen Bergstrecken mit der verzogenen Kette dauernd über die Kettenräder 'schliderte', was grosse Schläge produzierte. Bei gewissen Bewegungen erleide ich zwar immer noch sehr schmerzhafte Stiche, beim normalen Gehen und Velofahren sind die Beschwerden, die mir ernsthafte Sorgen bereiteten, jedoch grösstenteils verschwunden.

Auch Palermo gibt sich fortschrittlich - mit einer recht prominenten PrideParade. Lang hielt ich es allerdings nicht aus, der Lärm war ohrenbetäubend. Am Abend konsultierte ich noch meine neue App 'Health', die mir irgendwann mal automatisch auf's Handy geladen wurde und konnte feststellen, dass ich 22.09 km gewandert bin und dabei 32'072 Schritte gemacht habe. Na ja, gut zu wissen.

Fr, 17.6.2016, Palermo. Cefalu, Termini Immerese, Palermo, 116 km (ab S. Stefano). Wetter milchig (rauchig?), 25°. MassimoPlazaHotel Fr. 110.--.

Heute Morgen war tatsächlich kein Rauch mehr zu sehen, der Scirocco ist einem leichten Nordwind gewichen und die Temperatur fiel wieder auf angenehme 25°. Dass gestern mit Recht die Strasse gesperrt war sah ich beim Durchfahren. Auf eine Länge von etwa 5 km war der ganze Berghang mit einer Höhe von 250 m komplett schwarz. Aber auch entlang der Strasse waren grosse Flächen verbrannt. Auf der ganzen Strecke bis Palermo hat es gestern gebrannt. Allerdings brennt hier ausschliesslich trockenes Gras, Chinaschilf und tiefe Büsche. Es brannte kein Oliven-und auch kein ZitrusBaum und andere Bäume hat's fast keine. Der Schaden hält sich also in Grenzen.

Die Fahrt nach Palermo war einfach und rel. schnell. Ich kam schon um die Mittagszeit in der Stadt an. Eigentlich wollte ich zwei Nächte bleiben, da ich das aber beim Einchecken nicht gesagt habe muss ich morgen wieder raus. Aber da der Nachmittag durchaus gereicht hat, die überschaubare Stadt zu besichtigen werde ich morgen weiterreisen.

Schon bei der Einfahrt in Palermo sah ich ein gelbes UraltFlugzeug im Tiefstflug gegen das Meer fliegen. Es verschwand dann hinter den Häusern. Am Abend flogen im zwei Minuten Takt ein gelbes Flugzeug nach dem andern, wieder im Tiefstflug über den Zentralplatz der Stadt. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen -- bis ich die Beschriftung sah: Vigile del fuego. Es waren Löschflugzeuge. Westlich von Palermo musste es also massiv weiterbrennen, denn gestern waren nie Löschflugzeuge unterwegs. Morgen fahre ich nach Westen.

Do, 16.6.2016, Cefalu. Santo Stefano di Camastra, Cefalu. Wetter: Schön, sehr starker Wind, 35-40°. Hotel Riva del Sole, Fr. 55.--.

Schon die Nacht wehte ein sehr warmer Wind, der von der Sahara über das Mittelmehr bläst und sturmartig werden kann. Ausserdem war mein ganzes Zimmer mit grauem Staub bedeckt Ich schwitzte, bevor ich auf dem Velo sass. Scirocco nennt man den Wind. Dass er so warm ist geht ja, dass er aber von Westen kam war eine klare Kampfansage. Palermo liegt 110 km im Westen

Die obere Berichtspassage entstand als mir die LandKarte ins Gesicht flog und ich einen 1 1/2 m- Schlenker gegen die Mitte der Strasse vollführte (zum Glück kam kein Auto) und bei der nächsten Böe auf Null gestoppt wurde. Später merkte ich aber, dass der Scirocco eigentlich von Süden kam und stark mäanderte, mich somit laufend auf der Strasse rumschupste, mich dann wieder fast stoppte um kurz danach so zu stossen, dass ich zu fliegen glaubte. Alles in allem, meteorologisch eine sehr kurzweilige Reise. Und es blieb heiss und sehr windig. In Cefalu flog ein VerkehrsSpiegel aus der Fassung und zerschellte 2 m direkt vor mir auf dem Boden. Das hätte einen RiesenSchnitt gegeben.

Kurz nach Cefalu wütete ein Waldbrand. Ich sah die riesige Rauchfahne schon von weitem. Und noch immer brausten Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge herbei. Die Strasse war gesperrt und der Verkehr wurde auf die viel weiter oben verlaufende Autobahn geleitet. Kein Polizist konnte mir allerdings erklären wo ein Velofahrer durch sollte. Nach dem dritten Versuch gab ich's auf und fuhr zur schönen StrandPromenade zurück, die ich nur durch eine Irrfahrt entdeckt habe und nahm ein MansardenZimmer in einem Hotel am Strand. Fürchterlich klein zwar, aber zumindest billig. Gegen Mittag war die ganze Stadt in Rauch gehüllt. Am Nachmittag konnte man sich fast nicht mehr draussen aufhalten. Der unglaublich heisse Wind blies den ganzen Rauch in die Stadt und die Asche verklebte die Augen. Sie Sonne war verschwunden trotz eigentlich wolkenlosem Himmel.

Am Abend waren die Feuer endgültig in der Stadt. Lediglich einen knappen Kilometer dem Strand entlang brannten Häuser, ein Park war schon gar nicht mehr vorhanden und knapp über der Stadt loderten offen Feuer schon zwischen den Häusern. Auch Private fuhren herbei mit eigenen Pumpen. Dass allerdings der Druck noch reichte bei soviel Wasserbezug konnte ich mir gar nicht vorstellen. Ich machte mich innerlich auf einen weiteren Tag 'ZwangsFerien' gefasst, denn der Scirocco blies weiter.

Mi, 15.6.2016, Santo Stefano di Camastra. Therme de Vigliatore, Patti, Brolo, Capo Orlando, Torrenova, San Stefano di Camastra. 102 km. Wetter: Wolkenlos, 30°. Bed and Breakfast La Cuccinella, Fr. 45.--.

Schon von Weitem sah ich eine kapitale Kirche hoch oben auf einer Bergrippe über dem Meer. Ich hoffte, meine Strasse würde nicht über darüber führen, obschon ich natürlich sah, dass diese Felsen fast senkrecht ins Meer stürzten. Ich kämpfte mich dann auf diese Rippe und stieg weiter zu diesem schon fast ungeheuerlichen Bauwerk hinauf. Exponiert auf 300 Metern über dem Meer, die Kathedrale Maria del Tindari. Nicht in Rom, nicht in Palermo, sondern 'somewhere in the middle of nowhere', einfach einsam in der Pampa. Alle Besucher mussten damals HalbTagesMärsche machen, um hierher zu gelangen. Grandios.

Danach führte die Strasse meeresnah der sehr zerklüfteten Küste entlang -- bis diese Strasse ins Meer stürzte. Der Umweg führte über eine 150 m hohe Felsrippe über eine verboten schmale und steile Strasse. Ich war mir nicht so sicher, ob ich mit den üblichen 25 kg Gepäck auf dem Velo (ich habe nur deren 10) den Aufstieg stossenderweise überhaupt geschafft hätte. Nach diesem Schinder genehmigte ich mir ein Bier und lernte danach ein Berner Paar, unterwegs in Sizilien, kennen. Sie fuhren Liegevelos und hatten das RiesenGlück, dass ein PickUp sie über die Rippe transportierte, denn LiegeVelos kann man fast nicht stossen.

Danach ging es friedlich bis nach S. Stefano. Ein Hotel gab es nicht und so fragte ich mich nach einem B+B durch. Ich war allerdings erst beim Dritten erfolgreich, immerhin.

Heute habe ich den 2'000-sten Kilometer durchfahren.

Di, 14.6.2016, Therme de Vigliatore. Lido di Palmi, Bagnara, Scilla, VillaSG, Messina, Barcelona, Therme de Vigliatore. 95 km. Wetter: Schön, 25°. SaitHotel, Fr. 50.--.

Gestern dachte ich, am Strand unten hätte es ein Hotel. Dass ich aber heute wieder 200 HM sehr steil hochfahren musste, daran habe ich gestern nicht gedacht. Es war so steil, dass ich das Velo auch ohne Knieprobleme gestossen hätte. Ich kam schweisstriefend auf dem kleinen Plateau an. Danach ging es nochmals 350 HM bergan, allerdings wesentlich moderater. Danach eine wunderschöne Abfahrt nach Bagnara. Entlang der Küste wechselten sich Bergrippen und Strecken direkt am Meer ab. Und das Meer ist türkisblau trotzdem ich überzeugt bin, dass Italien den grössten Teil des Abwassers nicht reinigt (ich habe erst eine Anlage gesehen und die war ausser Betrieb).

Für 3€ fuhr ich von Villa San Giacobo ( oder war's Giovanni) mit einer Fähre nach Messina. Und dann fing das Steigen wieder an. Die Strasse war so steil, dass ich das Velo den grössten Teil stoss und dabei herausfand, dass dies weniger anstrengend ist als im kleinsten Gang höchstkonzentriert und dennoch sehr unstabil zu strampeln. Nach dem Colle San Rizzo auf 460 müM fuhr ich lange Zeit durch herrliche Wälder wieder gegen das Meer hinunter. Eine wunderschöne Abfahrt. Vor allem auch, weil die Strassenränder vom Unrat gesäubert waren.

Italien ist sauber in den Häusern und vor den Häusern, auch meistens in den Dörfern und Städten. Auf den ÜberlandStrassen herrsche indische Verhältnisse. Aber auch in den Dörfern gibt es Plätze, die meterhoch mit Unrat bedeckt sind. Fürchterlich!

Auch heute gab es wieder einen GotthardTag mit etwa 1500 kumulierten HöhenMetern.

Mo, 13.6.2016, Lido di Palmi. Paola, Amantea, Pizzo, ViboValentia, Rosarno, Lido di Palmi. 140 km. Wetter: Bedeckt, zeitweise Regen, gegen Abend sonnig, 20-25°. Hotel SouthParadise, Fr. 45.--.

Zugegeben, so unbedeutend war Paola gestern gar nicht, ich war nur am falschen Ort. Im Zentrum ging ich, typisch italienisch, in einem IrischPub essen, trank ein Guinness und ass einen SaladeNicoise. Na ja, ich war ja schon überall. Und mit solchen kulinarischen Exkursen kann man Erinnerungen aufwecken. Neben mir warb eine politische Partei für ihr Wahlprogramm, während eine JazzBand ihre Musikinstrumente parat machten. Aber immer wenn's gegen 9 Uhr geht fallen mir immer die Augen zu. Ich habe die JazzBand nicht mehr geniessen können.

Ich habe mich offensichtlich geirrt. Es war nicht der Freilauf, den ich durchgetreten habe. Es war die verzogene Kette, die mir über die Zahnräder gesprungen ist, dabei starte ich jede Reise mit neuen Kränzen und neuer Kette. Aber was soll ich werweissen, es funktioniert alles wieder.

Es war heute lange eine ereignislose Fahrt, meist entlang dem Meer und durch ebenes LandwirtschaftsLand. Ab Pizzo zeigte sich dann aber Calabrien von seiner bergigen Seite. Bis ViboValentia stieg die Strasse rel. steil 500 HöhenMeter an. So steil, dass ich mir wieder ernsthaft Sorgen um mein Knie machte. Ich schaffte es im kleinsten Gang, wobei ich wohl 3/4 der Leistung über das linke Knie erbringe. Danach ging's langgezogen hinunter ans Meer. Ich stieg im ersten Hotel, das nach etwas aussah ab. Der Mann an der Reception sah zumindest viel älter aus als ich. Meine Passnummer konnte er nicht lesen, seine Hände zitterten -- und seine Mutter zeigte mir dann das Zimmer. Das Leben ist mitunter hart und ungerecht. Sehr hart und sehr ungerecht. Ausserdem war ich, wieder einmal der einzige Gast in diesem 50-ZimmerHaus mit schöner Park- und Strandanlage direkt vor meinem Zimmer. Damit ich etwas zu essen kriegte musste ich nochmals auf's Velo steigen. Schwertfisch mit Salat und Brot und natürlich Weisswein aus Kalabrien.

So, 12.6.2016, Paola. Sapri, Marina di Maratea, Scalea, Diamante, Marina di Cetraro, Paola. 101 km. Wetter: Schön, teilweise milchig, 25°. Hotel Rinascente, Fr. 45.--.

Die nun wieder velogängige SS18 führte etwa 30 km über grosse, steile Felsrippen über dem Meer, also durch eine wilde und sehr schöne Topografie und dies bei kleinstem Verkehr. Immer wieder 100-150 Meter Anstiege mit den darauf folgenden Schussfahrten. Wunderbar. Die Steigungen waren moderater als die vergangenen Tage und da ich immer 1-2 Gänge kleiner fuhr habe ich wohl einen guten Kompromiss mit meinem weiterhin rebellierenden Knie gefunden.

Danach wurde es etwa 40 km relativ flach. Von einem Badeort zum andern. Die Strasse (die einzige entlang der langen Küste) wurde breiter, der Verkehr deutlich intensiver.

Und dann kamen die Tunnels, meine Lieblinge. Wenn sie nur 200 m lang sind geht es. Mehrere waren aber einen Kilometer und länger. Dann schalte ich meine eher lächerlichen Lämpchen am Velo an und schnalle mir die Stirnlampe um die Stirn, Strahl nach hinten. Den weitaus besten Effekt hat allerdings meine signalgelbe Windjacke. Die leuchtet selbst noch bei kleinstem Restlicht. Trotzdem schnaufe ich jeweilen richtig aus, wenn ich wieder durch bin.

Dass ich mit 1-2 kleineren Gängen nicht gerade weit kommen würde war klar und so landete ich in einem unbedeutenden Dorf in einem unbedeuteten Hotel und in einem noch unbedeutenderen Zimmer.

Sa, 11.6.2016, Sapri. Vallo della Lucania, Alfano (Partnergemeinde von Zermatt), Torre Orsaia, Sapri. 63 km. Wetter: Schön, 25°. Hotel Pisacane, Fr. 55.--.

Die Berg und Talfahrt ging schon am frühen Morgen weiter. Der Freilauf fiel dauernd durch und zu allem Überfluss sind die Schmerzen im rechten Knie, die mir schon gestern Mühe gemacht haben, über Nacht nicht verschwunden. Mehrere Male, wenn diese zu stark wurden stieg ich ab und stosste das Velo. Im übrigen halte ich es mit meiner alten Devise: Alles geht irgendwann, genau wie es gekommen ist. Und auf jeder Reise muss irgend ein Körperteil einmal rebellieren. In Palermo werde ich wissen, wie das mit meinem Knie herausgekommen ist. Aber eben, plötzlich waren weder der durchfallende Freilauf noch mein schmerzendes Knie mehr ein Thema. Genau -- meine Kette ist gerissen. Sobald ich realisiert habe, dass ich selber nicht reparieren kann machte ich mich auf einen stundenlangen Fussmarsch bereit. Allerdings, schon nach einer Stunde hielt ein PickUp an und der Fahrer bot mir Hilfe an. Wir verluden das Velo und er fuhr mich zu einer mechanischen Werkstatt. Aber dessen Chef und ich konnten mit dem zur Verfügung stehenden Werkzeug die Kette nicht flicken(die Hämmer waren zu gross). 10 km weiter gäbe es einen Veloladen. Zum Glück ging es meistens bergab, auf den geraden Strecken musste ich wieder stossen oder Trottinet fahren.

Ich fand den Veloladen, musste allerdings eine Stunde warten, bis der um drei Uhr wieder aufmachte. Der Chef montierte mir eine neue Kette und wie durch ein Wunder fiel ich die nächsten 15 km nicht mehr durch.

Ich wurde durch diese BergGegend vier Mal auf SchweizerDeutsch angesprochen. Alles ehemalige Auswanderer. Und auch heute entvölkere sich die Gegend dramatisch. Was mich überhaupt nicht wundert, denn in dieser Topografie gibt es nicht einmal eine gescheite Landwirtschaft, verschwiegen denn Industrie.

Fr, 10.6.2016, Vallo della Lucmania. Amalfi, Salerno, Paestum, Oligastro, CastelnuovoCliento, Vallo della Lucmania. 113 Km. Wetter: schön, 25°. Hotel Ruggiero Vallo, Fr. 50.--.

Die ersten zwei Stunden führten nochmals auf einer Berg- und Talfahrt entlang der AmalfiKüste. Wild, steil, wunderbar. In der Stadt Salerno suchte ich einen VeloMech auf. Schon seit Tagen fällt mir der Freilauf durch. Der Mann hatte allerdings kein entsprechendes Lager und konnte nicht helfen. Auf einer langen Ebene fuhr ich nach Paestum, einer griechische Kolonie
mit Beginn im 6. JH vC. Vor allem der Tempel zu Ehren von Poseidon ist sehr gut erhalten.

Danach fing allerdings eine beschwerliche Gegend an. Die Aufstiege kumulierten am Ende des Tages bei 1400 HM, immerhin von Erstfeld auf den GotthardPass. Etwa um vier Uhr fing es buchstäblich aus heiterem Himmel für eine Stunde an zu schütten, vor mir war immer blauer Himmel. Es gab nirgends ein Hotel. Nur in Vallo sollte es eines haben. Ich keuchte buchstäblich auf dem letzten Zacken nach Vallo, einer 10'000-EinwohnerStadt, zuoberst auf dem Berg. Der Freilauf spielte durchwegs verrückt. Und zuoberst angelangt war das Hotel eine Ruine. Ich wollte schon in ein weit entferntes Dorf fahren als mir jemand einen Tip gab. Und tatsächlich, es gab ein sehr schönes Hotel. Ich wurde auf ZürichDeutsch angesprochen (die Dame ist in Uster aufgewachsen) und bezog als einziger Gast ein sehr gutes Zimmer. Die Dame machte nur für mich Spagetti. Unter der Woche sei das Hotel voll, über das Wochenende leer. Zum Glück ist heute Freitag. Ich brachte nicht einmal mehr meinen Tagesbericht ins Internet, mir fielen die Augen zu.

Do, 9.6.2016, Amalfi. Neapel, Sorento, Politano, Amalfi. 75 km. Wetter: Leicht bewölkt, 25°. Hotel Lidomare, Fr. 100.--

Mit meinem Navi als Führer fuhr ich im Velomodus aus der Stadt. Kreuz und quer durch enge Gassen, einmal über eine Treppe und einmal über eine Kette, durch Märkte, Einbahnstrassen und das immer auf überaus holprigen Plattenbelägen und Pflästerungen. (Ich musste immer wieder den Sattel anheben). Dann kamen Baustellen und eigentlich war da neben der für mich verbotenen Autobahn kaum mehr ein Durchkommen. Das 'Genusche' war haarsträubend. Einmal wusste ich nicht mehr weiter. Das bemerkte ein MopedFahrer und bedeutete mir, ihm zu folgen. Und wir kamen durch. Legal war nichts.

Ich entschied mich trotz angekündigtem Regen, den recht grossen Umweg über die Amalfische Halbinsel zu fahren. In Sorent stieg ich bei einer Bar ab und kaufte ein Wasser und einen Orginal-Sorenter-Limoncello (etwas Kultur muss sein, wie meine GemeinderatsKollegin Paula Lauber zu sagen pflegte). Ich merkte, dass mein Velo und ich am Nebentisch durch vier ältere Herren heftig diskutiert wurden. Woher ich komme? - Ungläubiges Staunen. Wie alt ich sei? - Impossibile. Wohin ich gehe? - Da hörte die Vorstellungskraft endgültig auf, dabei habe ich nur Palermo gesagt. Einer der Herren kam dann zu mir: Er sei nur 69 und er fahre lieber mit dem Moped und klopfte lachend auf seinen Bauch. Bevor er endgültig auf sein Moped stieg kam er noch zwei Mal zurück: Gratulazione, Auguri und ShakeHands, Daumen oben.

Die AmalfiKüste ist mit dem Velo zwar anstrengend aber unglaublich wild und schön. Eigentlich eine verrückte Landschaft mit verrückter Strasse, verrückten Dörfern mit verrückter Baukultur. Aber eine würdige Gegend als Weltkulturerbe der UNESCO und ein lohnender Umweg, vor allem weil das Wetter recht schön und vor allem trocken blieb. Und auch wenn ich heute MinusRekord-verdächtige 75 km zurückgelegt habe, es war ein wunderschöner Tag. Den anstrengenden Umweg über Amalfi ist ein absolutes Muss für so eine Velotour.

Mi, 8.6.2016, Neapel, Ruhetag. Wetter: Schön, 20-25°.

Da ich vor Jahren mit Katharina Neapel besucht habe verzichtete ich auf den obligaten Besuch von Pompeji und des Herculaneums. Und da ich in Rom die grössten oberirdischen Bauten gesehen habe begab ich mich in Neapel in den Untergrund. Ich begann mit den Katakomben von Gennaro. Riesige, in den vulkanischen TuffStein gegrabene BegräbnisStätten, die ältesten datieren aus dem Jahre 200 nC, das obere Geschoss aus dem Mittelalter. Da wurden Tausende begraben (niemand oberirdisch) und um in die Kirche zu gelangen musste man zuerst zur TotenEhrung die Katakomben passieren. Die Katakomben wurden erst vor etwa 10 Jahren auf rein private Initiative durch junge Leute erschlossen (welche Arbeit!) und auch die Führungen erfolgen durch diesen Verein.

Danach begab ich mich in 'Napoli Sottoteraneo'. Natürlich, ich war mein BerufsLeben lang InfrastrukturBauer aber was in diesen GrossStädten in unserer Vorzeit erschaffen wurde sprengt alle Vorstellungen. Mittlerweile erfolgt die Wasserversorgung zwar ebenfalls in Leitungen, im 2. Weltkrieg wurden die unterirdischen Systeme als SchutzUnterkünfte benutzt und heute sind die Anlagen beeindruckende Zeitzeugen.

Zu guter Letzt besuchte ich das Greek-Roman-Theatre, das heisst eigentlich nur einen kleinen Teil davon. Da geht man durch eine unscheinbare Türe in einer der engen Gassen der Altstadt, steigt weit hinab in die römischen Gewölbe und steigt irgendwo durch eine unscheinbare Türe wieder in eine Gasse hinaus. Ein sehr

Di, 7.6.2016, Neapel. Terracino, Sperlonga, Gaeta, Castel Volturno, Pozzuoli, Neapel, 129 km. Wetter: Schön, am Abend leichter Regen, 20-25°. Hotel Decumani, Fr. 125.--.

Die heutige Fahrt führte nicht mehr wie gestern mehrheitlich über kleinere Küstenstrassen sondern über die Hauptstrasse. Es ist dies die einzige Strasse nach Neapel. Manchmal musste die Steilküste überfahren werden und einige Male ging's durch schlecht beleuchtete Tunnels, was ich gar nicht liebe, denn das ist effektiv gefährlich und jedesmal ein Nervenspiel. Aber die gesamte Küste ist sehr schön, ganz im Gegensatz zu den dahinter liegenden völlig kahl gerodeten Bergen.

Ab drei Uhr begann es im Osten aus einer schwarzen Wolkenwand bedrohlich zu grollen. Um vier Uhr war die Schwarze Wolkenwand über mir und das Grollen wurde zum Donnergetöse. Aber von Westen schien die Sonne noch immer unter den Wolken durch. Ich hatte noch eine knappe Stunde und gab Gas. Soviel, dass sich Krämpfe meldeten. Zum Glück ging es von da an nur noch runter. Das grosse Gewitter ist tatsächlich vom Westwind zurückgestossen worden. Es regnete nur leicht, ich zog keine Regenkleidung an und ging dann ziemlich triefend auf Hotelsuche. Ich fand eines, in einer dieser fürchterlichen AltStadtGassen, hinter fürchterlichen Mauern, hinter einem kaum wahrnehmbaren Tor. Ich trat trotzdem ein und war fast erschlagen von der Pracht im Innern des Gebäudes. Das ist Understatement pur. Gut, war auch nicht ganz billig, aber immerhin bin ich im Zentrum von Neapel. Ich ging dann etwas essen, aber ohne mein Navi hätte ich die HotelGasse nie mehr gefunden.

Mo, 6.6.2016, Terracina. Rom, Ostia, Anzio, Sanaudia, Terracino. 141 km. Wetter: wolkenlos, 20-25°, Westwind. Hotel Villa del Sole, Fr. 50.--.

Nachdem ich dank Navi problemlos aus der Stadt herausgefunden habe erreichte ich nach 30 km bei Ostia das Meer und ich fuhr nach SüdOsten fast ausschliesslich der flachen Küste entlang. Der zügige WestWind lag halb in meinem Rücken und war eine grosse Hilfe. Führte die Strasse entlang von erschlossenen Badestränden war alles blitzblank sauber. Fährt man aber durch wilde Buschlandschaft erinnern die Strassenränder schon eher an Indien - schlicht eine Sauerei.

In Terracina fand ich am kilometerlangen SandStrand ein kleines Hotel. Am Strand gab's einen Apéro und in der Nähe Pasta - na was denn sonst. Aber gut ist es alleweil.

So, 5.6.2016, Rom. Ruhetag. Wetter: Schön 20-25°.

Heute besuchte ich zuerst die Basilika Santa Maria Maggiore. Die ganze, unerhört reichhaltige Decke war mit gestohlenem Gold von den Inkas aus Peru verziert. Eine grossartige Kirche aber eine sehr zweifelhafte Glorie.

3 Stunden Anstehen, um ins Kolosseum zu gelangen war mir zu viel. Ich schloss mich darum für 20€ einer geführten Tour an und war in einer halben Stunde drin. Der TourGuide (weiblich) war ausserdem sehr informativ und nach zwei Stunden wusste ich tatsächlich viel über das Kolosseum und dessen Entstehung, ua auch, dass im Laufe dessen aktiven Geschichte eine Million Leute in der Arena gestorben sind (wurden). Da lobe ich mir eigentlich unseren Fussball, mit oder ohne Hooligans. Zu guter Letzt bestieg ich noch das Monumento a Vittorio Emanuele II. Ein Prunkbau aus dem ausgehenden 19. JH. Es gedenkt der Staatsgründung Italiens. Ein gigantisches Bauwerk aus weissem Marmor und das eigentliche NationalDenkmal Italiens. Es zeigt zumindest, dass monumentale Bauten auch in der 'Neuzeit' möglich sind.

Ich habe in diesen 2 1/2 Tagen bei weitem nicht alles von Rom gesehen, aber es reichte mir. Ich habe mittlerweile schon sehr viele Städte gesehen, aber keine kann es auch nur annähernd mit Rom aufnehmen. 2000 Jahre in Stein gemeisselte Geschichte (Kolosseum), die grösste Kirche der Welt (PetersDom) und Kunstwerke über all die Zeiten sonder Zahl. Die Innenstadt hat kaum verfallene Bauten, alles strahlt Reichtum aus und allen UnkenRufen zum Trotz: Der Verkehr ist alles andere als chaotisch. Es waren lohnende Tage

Sa, 4.6.2016, Rom. Ruhetag.

Wo fängt man bei der Besichtigung Roms an. Ich marschierte mal Richtung Vatikan, kam dabei vorbei am Brunnen von Trevi, dem Pantheon aus der Zeit von Kaiser Hadrian, besuchte alle Kirchen am Weg, überquerte den Tiber und stellte mich in der langen Reihe vor dem PetersDom an. Kein BilletSchalter, aber ein SecurityCheck wie im Flughafen. Auch wenn ich überhaupt nicht religiös bin überkam mich eine grosse Bewunderung für die unglaublichen architektonische und künstlerischen Leistungen.

Ich löste noch im Dom ein Ticket für die Sixtinische Kappelle mit dem SkipThrough-Zuschlag. Ein Fussmarsch von 15 Min. Damit konnte ich dann aber ohne in der Reihe anzustehen direkt durchgehen und sparte sicher 90 Minuten AnstehZeit. Zur Sixtinischen Kapelle drippelt man eine Stunde durch Kapellen, Säulengänge und Museen, alle von unglaublicher Schönheit, bis man dann in eben dieser Kapelle landet - und ich war enttäuscht. Aber wohl nur deshalb, weil ich ein KunstBanause bin. Danach wollte ich nur noch raus - und fand den Ausgang nicht. Ich habe bei diesen stundenlangen Durchgängen so viele wichtige Leute gesehen: Könige, Päpste, Heilige, Halbheilige und andere furchtbar wichtige Persönlichkeiten. Alle in Stein gemeisselt, in Gobelins gestickt, in Intarsien verewigt. Da kam ich mir vor wie ein kleines 'Dubbeli'. Dabei bin ich mir allerdings ziemlich sicher, dass die meisten dieser Celebrities auch nicht viel gescheiter waren als ich.

Auf dem Weg zurück zu meinem Hotel besuchte ich noch das Castel Sant'Angelo, ursprünglich das Grab von Hadrian (Erbauer der HadriansWälle quer durch England nördlich von NewCastle sowie quer durch Deutschland, um die Barbaren aus dem Norden aufzuhalten), und im 16. JH durch den Vatikan neu aufgebaut. Danach hatte ich für heute genug Historie gesehen und widmete mich kulinarischen Genüssen.

Ja , und noch zwei Sachen: Ich bewunderte die vielen vollständig begrünten DachTerassen auf den UraltGebäuden, und einmal beobachtete ich, wie vor einer Kirche eine Trauergesellschaft einem Verstorbenen in einem Leichenauto geradezu frenetisch nachklatschte. Na ja, warum auch nicht, der Verstorbene führte wahrscheinlich ein gutes Leben.

Fr, 3.6.2016, Rom. Civitavecchia, S. Marinella, Rom. 70 km. Wetter: Wechselnd bewölkt, 20 - 25°. Hotel Cosmopolita, Fr. 130.--.

Da ich die kurze Strecke auf einer schnellen Strasse zurücklegen konnte erreichte ich die Innenstadt von Rom schon vor dem Mittag. Auch die Suche nach einem bezahlbaren Hotel in der Innenstadt gelang erstaunlich schnell.

Wie immer in grossen Städten buche ich ein Billet auf einem HoppOnHoppOff-Bus um mir einen Überblick über die generelle Geographie der Stadt zu beschaffen. Und am Ende der Rundfahrt wusste ich, dass ich zwei intensive Besichtigungstage vor mir habe. Für heute Abend habe habe ich mir vorerst eine Inspektion der BeizenSzene in der Nähe meines Hotels an der Piazza Venezia vorgenommen.

Heute habe ich kurz vor Rom den 1000-sten Kilometer durchflahren

Do, 2.6.2016, Civitavecchia. Marina di Grosseto, Grosseto, Montiano, Magliano, Capalbio, Riva di Tarquini, Tarquinia, Civitavecchia, 129 km. Wetter: Bis Mittag bedeckt, danach Dauerregen, gegen Abend schön, 15 - 25°. Hotel Mediteraneo, Fr. 67.--.

Am Morgen erlebte ich Toscana vom Feinsten. Flach ansteigende Hügel. Goldene Kornfelder, saubere Olivenhaine und Rebberge. Ganz einfach lieblich. Deshalb begegnet man hier vielen Gümmelern. Nirgends steil. Ausser zu den Dörfern auf den Hügeln. Es liegen alle Dörfer auf Hügeln. Im kleinsten Gang erklomm ich Magliano, ein wunderschönes historisches Städtchen, natürlich mit einem Castello. Grandios. Ein Latte-Macchiato war meine Belohnung.

Aber dann kehrte die Situation schlagartig. Drei Stunden Dauerregen mit eingebetteten Gewittern. Die GewitterTropfen waren so schwer, dass sie meine Regenkleidung glatt durchschlugen. Dabei war der Temperatursturz geradezu dramatisch und das grosse Frieren begann. Ich war wieder richtig froh, dass ich blind den Instruktionen meines Navi's folgen konnte, denn es führte mich kreuz und quer über kleinste Strassen, bei denen nie die Richtungen definiert waren.

Dann ein erneuter, totaler Wetterwechsel. Die Wolken waren weg und die Sonne trocknete in Rekordzeit alle meine Kleider. So erreichte ich nach fünf Uhr Civitavecchia. Entlang einer sehr schönen und langen Strandpromenade und durch einen Riesenrummel von Leuten. Viele kamen sicher auch von den beiden im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffen. Trotzdem machte ich mich auf ein teures bis sehr teures Hotel gefasst und konnte kaum fassen, dass ich direkt im Zentrum mit Balkon zum Meer eines für weniger als 70 Franken fand. Da ich den ganzen Tag nichts gegessen habe genoss ich den Abend mit einem ausgewachsenen DreiGangMenue, natürlich mit lokalem Rotwein und einem Grappa aus dem Barrique. Und, welch ein Wunder, heute funktioniert, nach 2-tägigem Ausfall meine MasterCard wieder

Mi, 1.6.2016. Marina di Grosseto. Livorno, Cecina, San Vincenzo, Fillonica, Marina di Grosseto. 129 km. Wetter: Ganzer Tag bedeckt, windig, Gewitter am Abend, 15-20°. Hotel Ariston, Fr. 55.--.

Ich startete schon um 7 Uhr und fuhr meist durch ebenes LandwirtschaftsLand mit Korn, Oliven, Reben und GemüseKulturen, Letztere wurden allerdings mit GrundwasserPumpen bewässert. Die ganze Landwirtschaft ist etwa so kleinräumig und kleinbäuerlich wie in der Schweiz. Gegen Ende des Tages wurde es hügelig und sofort schöner. Zwischendurch fuhr ich wieder entlang von Stränden mit HundertTausenden von in Reih und Glied aufgestellten Liegestühlen und Sonnenschirmen im Sand. Wenn denn einmal alle Plätze besetzt sind muss der Rummel unvorstellbar sein.

Einmal war die Küstenstrasse gesperrt wegen einer Brückensanierung. Ich folgte der UmleitungsSignalisation -- direkt auf eine Autobahn. Allerdings eine ohne jeglichen Pannenstreifen. Und dies ist sehr gefährlich. Nach etwa 10 km konnte ich, sehr erleichtert, endlich abfahren. Übernachten werde ich in einem dieser vielen Seebäder. Da hat es zwar buchstäblich keine Leute, aber die Übernachtungspreise sind tief und etwas zu essen gibt es immer, auch wenn ich im grossen Restaurant der einzige war. Der schöne PizzaOfen war für mich alleine angefeuert

Di, 31.5.2016, Livorno. La Spezia, Viareggio, Pisa, Livorno. 104 Km. Wetter: Am Morgen bedeckt, ab Mittag leicht bewölkt, 20°, windig. Hotel Granduca, Fr. 140.--

Welch schöner Tag heute. Fast durchgehend ebenes Gelände, auf vielen Kilometern Fahrt auf Strandpromenaden oder sonstwie entlang dem Strand. Zwischen La Spezia und Viareggio fast durchgehend touristische Infrastruktur. Ein Eldorado für Gümmeler, ich begegnete ihnen zu Hunderten. Es war zwar windig, der Wind kam aber nicht von Süden, wir vorhergesagt, sondern von Westen. Eine neutrale Lage also.

Und dann kam Pisa. Ein Riesen TouristikRummel. Ich löste ein Billet für die touristischen Sehenswürdigkeiten, stellte mein Velo innerhalb einer BaustellenAbschrankung ab und ging erstmal etwas essen. Das sakrale Zentrum ist einmalig und der Turm wäre ein architektonisches Meisterwerk, auch wenn er gerade stünde. Alle Gebäude, die Kathedrale, das Battistero und die grossen SeitenBauten sind aus purem Marmor, also nicht aus weichem Sandstein. Die Blöcke sind aufgeschichtet in höchster Genauigkeit mit höchstens zwei Millimeter Mörtel dazwischen. Auch die Skulpturen sind alle herausgemeisselt aus dem knallharten Marmor. Jedes Detail ein Meisterwerk. Sehr eindrücklich.

In Livorno landete ich nach drei Absagen in einem sehr guten Hotel. Die HotelPreise haben gegenüber vor etwa 4 Wochen auf das Doppelte aufgeschlagen und sind mittlerweile im internationalen Vergleich hoch. Allerdings kam ich mit direkter Anfrage im Hotel immer etwa 25% billiger weg als über booking.com.

Mo, 30.5.2016, La Spezia.

Heute machte ich einen Ruhetag. Ich nahm mir vor, eine BootsFahrt zu den Dörfern der CinqueTerre zu unternehmen, aber es waren alle Fahrten wegen zu rauher See abgesagt. So ging ich zum Bahnhof, um die Dörfer mit dem Zug zu besuchen, als ich dann aber hunderte von Touristen vor mir an den zwei einzigen BilletSchaltern sah verzichtete ich endgültig und war froh, dass ich zumindest eines der Dörfer vor einigen Wochen mit Katharina besucht habe.

So durchwanderte ich die InnenStadt der 100'000-EinwohnerStadt mit dem grossen MarineStützpunkt in allen Richtungen, ohne, dass ich mich mit dem Ort anfreunden konnte. Alles ziemliches Mittelmass ohne etwas Herausragendes (wie mein Hotel). Ich entdeckte aber, dass es auch eine andere Seite von Bella-Italia gibt. In einem Fluss fotografierte ich Hunderte von grossen Fischen. Das gibt es nur in 'nährreichen' Gewässern - der Fluss war eine einzige Kloake.

Gemäss WetterApp blies heute der Wind mit 40 km/h von Süden (für mich Gegenwind). Das hätte ich nach einer halben Stunde nicht mehr ausgehalten. Die nächsten Tage wird's besser, es seien nur!! noch 30 km/h. Ich hoffe mal, es komme nicht ganz so schlimm

So, 29.5.2016, La Spezia. Genua, Rapallo, Sestri Levante, La Spezia. 119 km. Wetter: Ganzer Tag grau und trüb, 70% des Tages Regen, 15-20°. Hotel Genova, Fr. 85.--

Ein wetterbestimmter Tag. Es hat meistens geregnet, manchmal intensiv. Eigentlich war es kaum je wärmer als 15° und wenn man noch den Velo- und den RegenMalus abzieht - kurz: Ich war meistens am Frieren. Ausser einem Pass von 600 müM fuhr ich laufend über Rippen von 100 - 250 m und kam so auf gegen 1500 Höhenmeter. Man kann daraus nun eine positive Bilanz ziehen. Bei den Aufstiegen hatte ich immer schön warm und bei den Abfahrten konnte ich ausruhen. Die negative Betrachtung ist die folgende: Bei den Aufstiegen musste ich richtig arbeiten und bei den Abfahrten kam ich jämmerlich ins Frieren. Fotos habe ich heute keine gemacht, trotz der schönen ligurischen Küste: Erstens ist mein iPhone nicht wasserdicht, zweites hätte ich durch die regennassen Brillengläser das Motiv gar nicht gesehen und drittens hätte ich mit meinen klammer Fingern den Auslöseknopf nicht betätigen können (ich konnte schon fast nicht mehr schalten). Im Ûbrigen rächt es sich, wenn ich nach einem anstrengenden Vortag erst um 9 Uhr abfahre. Ich erreichte La Spezia durch diese Topografie somit erst um 20 30. Dabei bin ich nur einmal eingekehrt und das nur darum, um meine Hände an 3 Kännchen Tee soweit wieder aufzuwärmen, dass ich wieder schalten konnte. Schon zwei sehr anstrengende Tage hintereinander - ich sollte wohl einmal einen Ruhetag einschalten.

Sa, 28.5.2016, Genua. Novara, Mortara, Tortona, Busalla, Genua. 155 km. Wetter: schön, 20-30°. Hotel Britannia, Fr. 155.--

Die heutige Fahrt führte zwar durch das schöne Piemont, aber eben nicht durch die schönen Weinberge wie bei Asti oder Alba sondern durch das ebene Tiefland mit, über lange Distanzen künstlich bewässerten Reisfeldern. Bis die Strasse über den ligurischen Höhenzug auf etwa 500 müM anstieg fand ich die Landschaft eher langweilig. Dann aber wurde es zwar wesentlich anstrengender, die Landschaft aber viel schöner. Allerdings war mein TagesSoll langsam erfüllt und und nach der Schussfahrt nach Genua hätte ich das erste Hotel genommen - wenn es denn eines gehabt hätte. Und so fuhr ich weiter in die Innenstadt und fand dort das Hotel (die Navigation auf dem Handy ist wegen StromMangel ausgefallen), das ich vor einigen Wochen mit Katharina aufgesucht hatte. Aber die Zeiten ändern sich. Das (letzte) Zimmer (der Herr nach mir wurde abgewiesen) kostete für mich alleine das Doppelte wie damals das Zimmer für 2 Personen. Aber ich war so müde, dass ich nicht mehr weitersuchen wollte. Bei der Identifikation merkte ich, dass ich in Novara meine ID nicht mehr zurückerhalten habe. Zum Glück hatte ich noch meinen Pass. Und zu guter Letzt funktionierte der Pin meiner MasterCard nicht mehr. Es ging dann mit der MaestroKarte. Nachdem ich meinen TagesBericht verfasst habe liess ich mich nur noch ins Bett fallen. Und wenn ich morgen etwas später starte ist das auch gleich, es regnet ohnehin.

 

Fr, 27.5.2016, Navaro. Belinzona, Lugano, Verbania, Stresa, Navaro. 139 km. Wetter: schön bis leicht bewölkt, 12-30°. Hotel Italia, Fr. 75.--

Bei schönstem Wetter fuhr ich entlang des Langensees durch all die schönen Dörfer bis zu dessen Ende. In Brisago schaute ich etwas neidig in den Villenhügel, wo ich mit meiner Frau vor einigen Wochen bei meinem Bruder Gast in seinem neuen Haus sein durfte. Aber eben, man kann ja nicht 4 Kinder durchfinanzieren und dann noch ein Haus in Brisago kaufen. In Verbania fuhr ich durch die grosse und schöne Altstadt, dann entlang der StrandPromenade und am Schluss durch den grossen Mercato. Das kann man nur mit dem Velo machen und ich geniesse dies immer und immer wieder.

Danach verlor die Gegend ihren Reiz. Über breite Strasse durch zersiedeltes Industrie- und LandwirtschaftsLand bis nach Novara, einer grösseren Stadt mit recht ansprechbarer und vor allem sehr belebter Altstadt. Ich ging aus zum Abendessen und genehmigte mir einen AperolSpritz. Der kam dann und damit auch ein RiesenTeller mit AperoGebäck - und damit war die Frage nach dem Nachtessen vom Tisch. Ich mochte nicht einmal das AperoGebäck. Und das nach einem zweiten Spritz für 12 € .

Do, 26.5.2016, Belinzona. Göschenen, Andermatt, GotthardPass, Airolo, Belinzona. 95 km. Wetter: schön bis leicht bewölkt, 10-25°. Hotel Unione, Fr. 150.--

Die Strasse durch die Schöllenen ist für Velofahrer tatsächlich geschlossen, ausser heute, aufgrund des Fronleichnams. Auch die GotthardPassstrasse war problemlos. Ausser dass ich knapp vor einer sehr langen Galerie meinen ersten Platten einfing und somit die Galerie gehenderweise passieren musste. Zum Glück war das eine klare Sache, ein 3cm langer Nagel.

Auf dem Hospitz besuchte ich als aufrechter Schweizer das HospizMuseum. Allerdings, es war arschkalt und halbleer. Die Tremola war im oberen Bereich noch immer schneebedeckt, ich fuhr somit erst im unteren Teil durch die Tremola. Ich freute mich auf die langsam abfallende Strasse durch die Leventina. Aber zu früh gefreut. Ein sehr starker Gegenwind machte die Abfahrt zum grösster Teil zu einem Aufstieg. In Faido ass ich ein Snickers und machte ein Nickerchen auf einer Bank direkt neben der Strasse bevor ich mich wieder in den Gegenwind getraute. Ich bekam langsam Zweifel, ob ich überhaupt Belinzona erreichen würde, denn eigentlich war das Ziel Locarno. Als sich dann allerdings Krämpfe meldeten war ich schon froh, in Belinzona absteigen zu können.

Schon vor einiger Zeit habe ich ein VeloApp auf mein iPhone geladen. Das zeigte mir an, dass ich für die 1000 Höhenmeter auf den Pass 1100 Kcal und für den ganzen Velotag 3000 Kcal verbraucht habe. Wenn ich dann noch 1000Kcal für die restlichen 15 Stunden dazuzähle ergäbe dies 4000 Kcal. So viel Futter nehme ich nie und nimmer zu mir. Entweder stimmen die Zahlen nicht oder ich komme einiges leichter nach Hause als ich gestartet bin.

Noch etwas zu den Einträgen ins Tagebuch meiner HomePage: Ich würde liebend gerne mehr als ein Foto pro Tag einfügen, aber dies kriege ich auf meinen Mobilgeräten schlicht nicht hin.

Mi, 25.5.2015, Göschenen. Wetzikon, Rapperswil, Sattel, Brunnen, Altdorf, Göschenen. 101 km. Wetter: 10-20 °, meist schön. Hotel Weisses Rössli, Fr. 90.--

Ich startete um ca. 8 Uhr ab meinem Haus in Wetzikon. Bis Brunnen in den dicken Handschuhen. Nachdem ich nach der Schussfahrt vom Sattel nach Schwyz in Brunnen in einem Caffee an der warmen Sonne wieder etwas 'verwarmt' war verabschiedete ich mich vom UriRotstock, den ich bei schönem Wetter von meinem Haus aus sehe und fuhr auf der Kantonsstrasse zwischen Bahn und Autobahn hinauf nach Göschenen auf 1100 müM. Ich hatte Glück, 100 km, auch mit dem Aufstieg nach Göschenen haben nicht zu Krämpfen geführt. Für morgen habe ich wohl ein Problem. Erstens muss ich wegen einer Baustelle in der Schöllenen auf Bus oder Bahn nach Andermatt verladen. Und dort weiss ich nicht, ob ich über den schneebedeckten GotthardPass komme. Wie vielfach entscheide ich erst im letzten Augenblick, denn manchmal geschehen in der Zwischenzeit noch Wunder. Also dann, bis morgen.

Donnerstag,18.5.2016, Wetzikon: In einigen Tagen starte ich wieder zu einer Europatour, dies, sobald der GotthardPass von Schnee befreit ist. Ich habe schon auf allen meinen Reisen TagesBerichte auf meinem iPhone erstellt und jeden Tag meiner Frau Katharina zugeschickt. Sie war dadurch normalerweise wesentlich besser informiert über mich als wenn ich mich zu Hause aufgehalten hätte. Da ich in meiner neuen HomePage neuerdings auch von unterwegs Einträge laden kann, werde ich alle TagesBerichte in Form eines Tagebuches an dieser Stelle veröffentlichen und wenn's geht mit Bildern illustrieren.

Ich weiss natürlich, dass es kaum einen Ort in der Welt gibt, der es in irgendeiner Art mit der Schweiz aufnehmen kann. Trotzdem verreise ich immer und immer wieder. Wenn ich dann wieder nach Hause komme weiss ich die Schönheit und die Annehmlichkeit, hier leben zu dürfen, zu schätzen, ungeheuer zu schätzen.